Bill de Blasio

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Bill de Blasio 2013 in New York City

Bill de Blasio (* 8. Mai 1961 in New York City, New York als Warren Wilhelm, Jr.) ist ein US-amerikanischer Politiker und Bürgermeister von New York City. Er ist Mitglied der Demokratischen Partei und gilt dort als Vertreter des linken Flügels.[1] Zuvor war er Mitglied im Stadtrat von New York City und vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2013 Public Advocate, so etwas wie der Ombudsmann der Stadt.

Bei der Bürgermeisterwahl am 5. November 2013 setzte sich de Blasio in einem als „erdrutschartig“ beschriebenen Sieg mit über 73 % der Stimmen gegen den Republikaner Joe Lhota durch.[2] Er löste am 1. Januar 2014 den zuletzt parteilosen Michael Bloomberg ab, der nach zwölf Jahren im Amt nicht erneut kandidieren durfte.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

De Blasio wurde 1961 als Warren Wilhelm, Jr. im New Yorker Stadtteil Manhattan als Sohn von Maria (geborene De Blasio) und Warren Wilhelm geboren. Sein Vater hatte deutsche Vorfahren, seine Großeltern mütterlicherseits, Giovanni und Anna, waren italienische Einwanderer aus der kampanischen Kleinstadt Sant'Agata de' Goti.[3]

Seine Kindheit verbrachte er in Cambridge (Massachusetts). Nach der Scheidung seiner Eltern wuchs er bei seiner Mutter auf. Sein Vater war Alkoholiker und litt als Kriegsveteran der U.S. Army unter den physischen und psychischen Folgen seines Einsatzes im Pazifikkrieg, in dem er auch an der Schlacht von Okinawa beteiligt war. Unheilbar an Lungenkrebs erkrankt, beging er 1979 Suizid.[4]

Ausbildung und frühe Karriere[Bearbeiten]

De Blasio erwarb einen Bachelor of Arts an der New York University. Als Stipendiat der Harry S. Truman Stiftung von 1981 erwarb er seinen Master of International Affairs an der School of International and Public Affairs der Columbia University.

1983 änderte er rechtswirksam seinen Namen in Warren de Blasio-Wilhelm. Ab 1990 trat er öffentlich in Erscheinung und benutzte fortan den Namen Bill de Blasio, weil er in seinem früheren Leben „Bill“ oder „Billy“ genannt worden war. Eine erneute rechtswirksame Änderung seines Namens nahm er erst 2002 vor, als die Diskrepanz während einer Wahl bemerkt wurde.

Ab 1984 arbeitete de Blasio für das New York City Department of Juvenile Justice. Ab 1987 wirkte er als politischer Organisator für das Quixote Center in Maryland, für das er 1988 10 Tage lang nach Nicaragua reiste, um Lebensmittel und Medizin während der Revolution zu verteilen. De Blasio war ein engagierter Unterstützer der Sandinista-Regierung, die zu der Zeit Gegner der Reagan-Regierung war. Er bezeichnete sich damals als „demokratischen Sozialisten“.[5] Nach seiner Rückkehr aus Nicaragua zog de Blasio nach New York, wo er für eine gemeinnützige Organisation arbeitete, welche zum Ziel hatte, die medizinische Versorgung in Mittelamerika zu verbessern. In seiner Freizeit engagierte er sich weiterhin für die Sandinistas.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Sein Eintritt in die New Yorker Politik kam 1989 während der Kampagne des Demokraten David Dinkins für das Amt des Bürgermeisters. Nach dieser Kampagne arbeitete de Blasio als Assistent im Rathaus. 1997 wurde de Blasio Regional-Direktor für das Bauministerium von New York und New Jersey (HUD) unter Präsident Bill Clinton. Als höchstrangiger Beamter des HUD in der Tri-State Region, erhöhte de Blasio die Bundeszuschüsse zu erschwinglichen und Senioren-Wohnungen. Im Jahr 2000 wurde er Wahlkampfmanager bei Hillary Clintons erfolgreicher Bewerbung für den Senat.

New York City Council[Bearbeiten]

In der Zeit von 2001 bis 2005 bewarb sich de Blasio dreimal erfolgreich als Vertreter des 39. Bezirks für den New York City Council. In seiner Amtszeit verabschiedete er verschiedene Gesetze, welche die Position von Mietern mit Wohngutscheinen gegenüber Vermietern oder die Position von HIV/AIDS-Infizierten bei der Wohnungssuche verbessern, die Diskriminierung von Transsexuellen oder gleichgeschlechtlichen Partnerschaften verringern oder die sprachliche Unterstützung von Einwanderern bei der Antragstellung ermöglichen sollte. Im New York City Council wirkte de Blasio in den Ausschüssen für Erziehung, Umweltschutz, Finanzen, Allgemeine Fürsorge (Vorsitz) und Technologie in der Regierung mit.

New York City Public Advocate[Bearbeiten]

Im November 2008 kündigte de Blasio seine Kandidatur für das Amt des New York City Public Advocate an. Mit Unterstützung der New York Times und verschiedener bekannter Persönlichkeiten gewann er die Wahl. Seit seiner Amtseinführung am 1. Januar 2010 kritisierte er Bürgermeister Michael Bloomberg, zu wenig für die Bildungs-, Familien- und Sozialpolitik zu tun. Zu den konkreten Kritikpunkten gehörte die Abschaffung freier U-Bahn-Tickets für Schüler, Budgetkürzung bei der Kinderbetreuung und der Co-location-Streit um die gemeinsame Unterbringung von Charter- und öffentlichen Regelschulen. Gegen die Pläne des Bürgermeisters, den Ausgleich des städtischen Haushaltes durch die Entlassung von 4.600 Lehrern zu erreichen, organisierte de Blasio starken Widerstand und erreichte, dass Einsparungen an anderen Stellen vorgenommen wurden.

2010 formulierte de Blasio seine Opposition gegen eine Entscheidung der Wohnungsbehörde (New York City Housing Authority), die Anzahl bestimmter Wohngutscheine für Bürger mit niedrigem Einkommen zu reduzieren. Er erreichte, dass diese Entscheidung rückgängig gemacht wurde. Ein anderer Ansatzpunkt zur Verbesserung der Situation für Mieter war der Start einer Vermieter-Beobachtungsliste NYC's Worst Landlords Watchlist, auf der solche Vermieter aufgelistet werden, welche die Behebung von gefährlichen Wohnbedingungen vernachlässigen.

Wahl zum Bürgermeister[Bearbeiten]

Während seiner Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters kündigte de Blasio Steuererhöhungen für Bürger mit einem Einkommen von mehr als $ 500.000 an, um davon vorschulische und schulische Programme zu finanzieren. Er plane außerdem jährlich $ 150 Millionen in die City University of New York zu investieren, um die Studiengebühren zu senken und die Studienabschlüsse zu verbessern. Gegenüber Charter-Schulen und deren Finanzierung kündigte er eine kritische Haltung an und machte deutlich, dass sein Fokus auf den traditionellen öffentlichen Schulen liegen wird.

Am 27. Januar 2013 kündigte de Blasio seine Kandidatur für das Amt des Bürgermeister von New York City an. Er erhielt die Unterstützung von vielen Demokratischen Clubs sowie der größten Gewerkschaft in New York City, der Service Employees International Union (SEIU). Auch bekannte Filmschauspieler wie Alec Baldwin und Susan Sarandon sowie Harry Belafonte sicherten ihm ihre Unterstützung zu. Die Aufmerksamkeit der Medien gewann er, als er und andere prominente Demokraten bei einer Protestdemonstration gegen die Schließung des Long Island College Hospitals vorübergehend wegen Ruhestörung festgenommen wurden.

Am 5. November 2013 konnte de Blasio die Bürgermeisterwahl in einem erdrutschartigen Sieg für sich entscheiden. Mit 73 % der Stimmen, in Brooklyn und der Bronx sogar über 80 % der Stimmen, ließ er seinen republikanischen Konkurrenten Joe Lhota, der 24 % erzielte, weit hinter sich. Nach 20 Jahren hat New York City damit wieder einen demokratischen Bürgermeister.[6] Bei seiner Siegesrede in seinem Heimatstadtteil Brooklyn sagte er vor 2.000 Anhängern: „Liebe New Yorker: Heute habt Ihr Euch laut und deutlich für einen Richtungswechsel in unserer Stadt ausgesprochen, vereint in dem Glauben, dass unsere Stadt keinen New Yorker zurücklassen darf“ und kündigte an, die wachsende Ungleichheit in der Stadt zu bekämpfen.[7]

Nachfolgerin im Amt des Public Advocate ist die demokratische Bürgerrechtsanwältin Letitia James. James, die de Blasio während des Primary-Wahlkampfes einen „engen Freund“ nannte, konnte sich bei der gleichzeitig abgehaltenen Wahl mit weit über 80 % der Stimmen durchsetzen, nachdem die Republikaner erst gar keinen Kandidaten nominiert hatten.[8]

Privates[Bearbeiten]

De Blasio lebt mit seiner Frau Chirlane McCray und ihren beiden gemeinsamen Kindern, Dante und Chiara, in Park Slope, Brooklyn.[9] De Blasio kündigte an, nach seinem Amtsantritt mit seiner Familie ins Gracie Mansion umzuziehen, aus logistischen und sicherheitsrelevanten Gründen.[10] Beide Kinder besuchten öffentliche Schulen.[11]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bill de Blasio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nils Rüdel: New York rückt nach links. In: Handelsblatt. 6. November 2013, abgerufen am 8. November 2013.
  2. Michael Barbaro & David W. Chen: De Blasio Is Elected New York City Mayor in Landslide. In: The New York Times. 6. November 2013, abgerufen am 6. November 2013 (englisch).
  3. John Cassidy: Bill de Blasio's Moment: Can He Handle It? In: The New Yorker. 14. August 2013, abgerufen am 9. November 2013 (englisch).
  4. Anna Sale: WNYC News Exclusive: Bill de Blasio Speaks with WNYC About His Father's Suicide. In: WNYC. 30. September 2013, abgerufen am 8. November 2013 (englisch).
  5. De Blasio: I’ll Be A Different Type Of Mayor. Interview mit John Cassidy. In: The New Yorker. 27. September 2013, abgerufen am 9. November 2013 (englisch).
  6. Wahlen in den USA: New York kürt de Blasio zum Bürgermeister. In: Spiegel online. 6. November 2013, abgerufen am 6. November 2013.
  7. Neuer New Yorker Bürgermeister: Demokrat de Blasio löst Bloomberg ab. In: Manager Magazin. 6. November 2013, abgerufen am 8. November 2013.
  8. Letitia James Elected Public Advocate in New York City in Epoch Times vom 5. November 2013
  9. Michael Saul: Family in the Spotlight. 1. Januar 2013, abgerufen am 3. Oktober 12 (englisch).
  10. New York mayor-elect Bill de Blasio announces move to Gracie Mansion - AP, 11. Dezember 2013
  11. Bill de Blasio and a brief history of public-school parents for mayor. In: Capital New York. 23. August 2013, abgerufen am 8. September 2013 (englisch).
Vorgänger Amt Nachfolger
Michael Bloomberg Bürgermeister von New York City
seit 2014
Betsy Gotbaum Public Advocate von New York City
2009–2013
Letitia James