Billy Graham

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Dieser Artikel behandelt den Evangelisten Billy Graham, für den Wrestler siehe Billy Graham (Wrestler)
Billy Graham, 1966
Billy Graham im Feyenoord-Stadion in Rotterdam (Video, 30. Juni 1955)

Billy Graham, eigentlich William Franklin Graham, KBE (* 7. November 1918 in Charlotte, North Carolina) ist ein US-amerikanischer Baptistenpastor und Erweckungsprediger, der dem Evangelikalismus zuzurechnen ist. Er wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von konservativen Theologen als einer der einflussreichsten Christen des 20. Jahrhunderts bezeichnet.[1]

Graham hat mit seiner Frau Ruth Bell Graham, die als Tochter von Missionaren in China und Korea aufgewachsen ist, drei Töchter und zwei Söhne, die ebenfalls in amerikanischen evangelikalen Kirchen aktiv und überregional bekannt sind. Sein Sohn Franklin Graham führt die Geschäfte der Billy Graham Evangelistic Association. Graham lebte bis zum Tod seiner Frau, die am 14. Juni 2007 im Alter von 87 Jahren starb, mit ihr zusammen in Montreat, North Carolina.

Leben[Bearbeiten]

Richard Nixon und Billy Graham am 28. Mai 1970 während einer Evangelisation

Graham wurde in einem konservativen presbyterianischen Elternhaus geboren. Bei einer Evangelisationsveranstaltung in seinem Heimatort Charlotte, gehalten von dem baptistischen Prediger Mordecai Ham im Herbst 1934, hatte Graham ein Bekehrungserlebnis. Daraufhin begann er ein Theologiestudium an der Bob Jones University und dem Florida Bible College. 1939 wurde er in der Southern Baptist Convention zum Pastor ordiniert. Im Jahr 1943 schloss er sein Studium am Wheaton College ab. Dort lernte Graham seine spätere Frau Ruth McCue Bell kennen, deren Vater Arzt und Missionar war. Graham war der Mitbegründer und erste Vollzeitmitarbeiter der evangelikalen Organisation Youth for Christ (YFC), für die er verschiedene Erweckungsveranstaltungen durchführte. Im Jahr 1949 predigte er bei einer Erweckungsveranstaltung in Los Angeles, die wegen zunehmender Popularität auf insgesamt mehr als acht Wochen ausgeweitet wurde. 1950 gründete er sein eigenes Missionswerk, die Billy Graham Evangelistiv Association (BGEA). Im selben Jahr begann er mit einer eigenen Radiosendung unter dem Namen „The Hour of Decision“ (engl. für „Stunde der Entscheidung“), die für die nächsten 50 Jahre in den Vereinigten Staaten als auch im Ausland gesendet wurde. 1951 entschloss sich Graham, zukünftig ausschließlich als Evangelist tätig zu sein und legte sein Amt als Präsident einer Schule ab, das er während seiner Tätigkeit für YFC übernommen hatte.[2] Im Jahr 1953 veröffentliche er sein erstes Buch. Insgesamt hat er seitdem mehr als 25 Bücher veröffentlicht. Graham gilt als der Initiator des Internationalen Kongress für Weltevangelisation, der 1974 im schweizerischen Lausanne stattfand und als dessen Ergebnis die Lausanner Verpflichtung gilt, einem maßgeblichen Dokument des Evangelikalismus.[3]

Graham führte von den fünfziger Jahren bis zum Jahr 2000 Massenevangelisationen, sogenannte „crusades“ (engl. für Kreuzzüge), durch. Er begann seinen evangelistischen Dienst bei YFC in den USA und weitete sein Evangelisationswerk auf alle Erdteile aus. Ende der 1980er Jahre wirkte er als einer der ersten ausländischen Evangelisten in Moskau.

In Deutschland führte er in Verbindung mit der Evangelischen Allianz insgesamt fünf „crusades“ durch. Die bekannteste unter ihnen war die Euro ’70. Diese Veranstaltung fand in der Dortmunder Westfalenhalle statt und wurde mit damals modernster Technik in viele Großstädte Deutschlands live übertragen. Er war in den 90er Jahren ebenfalls am Aufbau von ProChrist beteiligt.

Graham leidet an der Parkinson-Krankheit sowie an Prostatakrebs und beendete im Jahre 2000 seine Missionsarbeit. Er predigt jedoch noch heute vor großem Publikum.

Graham soll mit der BGEA, deren Geschäftsführer er war, ein Vermögen von 384,4 Millionen Dollar erwirtschaftet haben. Die BGEA vertreibt Bücher, Magazine, CDs, Videos, DVDs und sammelt Spenden[4].

Positionen[Bearbeiten]

Graham trägt den Spitznamen „Maschinengewehr Gottes“.[5]

In seinen Predigten erwähnt er Anekdoten und Beispiele aus dem persönlichen Erleben.

Graham ist Pastor der Southern Baptist Convention, aber seine Verkündigung war niemals konfessionell gebunden. Er arbeitete mit vielen unterschiedlichen Denominationen zusammen. Theologisch gehört er zu den Begründern der evangelikalen Bewegung, die sich in den 1950er-Jahren vom Christlichen Fundamentalismus löste. Graham ist gegen Abtreibung und Homosexualität und befürwortet die Todesstrafe. In diesen politischen Fragen tritt er auf Seiten konservativer Rechter in den USA auf. Graham unterstützte den Krieg der USA in Vietnam durch Truppenbesuche und Großveranstaltungen (crusades) zu Weihnachten 1966, 1967 und 1968.

Seinen Argwohn gegenüber „der gewaltigen Macht des Kommunismus“, des „Feindes des Christentums“, verknüpfte er mit endzeitlichen Vorstellungen (1954):

„Der Antichrist, vor dem die Propheten warnten, daß er in den letzten Tagen erscheinen würde, wächst und nimmt Gestalt an vor unseren Augen …“[6]

Das Erscheinen des Antichristen schien für Graham bereits sehr nahe:

„Die Zeit rückt nahe, die Zielstrecke ist schon abgesteckt … Die Anzeichen des falschen Propheten sind überall zu erkennen, und viele von uns mögen lebendige Zeugen des furchtbaren Augenblicks werden, wenn der letzte Akt dieses uralten Dramas beginnt.“

Allerdings legte sich Graham zeitlich nicht fest, zum Unterschied zu solchen Buchautoren und Gemeinschaften, für die das Thema Endzeit zentral war. Das zentrale Anliegen für Graham war, dass Menschen Frieden mit Gott (so ein Buchtitel) finden.

Schon früh begann Graham die modernen Massenkommunikationsmittel zu nutzen. Neben umfangreicher Literaturarbeit (er gründete die Zeitschrift Decision / Entscheidung) nutzte er schon früh das Radio und den Film (World Wide Pictures Inc.) als Massenmedien. Später kam das Fernsehen hinzu, schließlich das Satellitenfernsehen (Fernsehprediger). Millionen von Menschen weltweit bringen ihre Konversion zum christlichen Glauben mit der Verkündigung Billy Grahams in Verbindung.

Insgesamt verkündigte Graham auf 417 Großveranstaltungen vor 210 Millionen Menschen in 185 Ländern. Allein sieben Mal trat er in Deutschland auf, zuletzt 1993 bei der Veranstaltung ProChrist.

Grahams Bemühungen um einen religiösen Neuanfang in den Nachfolgestaaten der atheistischen Sowjetunion brachten wenig Ergebnisse. Zu Grahams Arbeit gehörte die Schulung ehrenamtlicher Mitarbeiter und sogenannter Multiplikatoren. Bedeutsam – aber auch umstritten  – war sein Kontakt zu politischen Entscheidungsträgern. Graham fungierte auch als seelsorgerlicher Berater mehrerer US-amerikanischer Präsidenten, so etwa bei Richard Nixon. Präsident George W. Bush wurde nach eigenen Aussagen bei der Überwindung seiner Alkoholprobleme entscheidend durch Graham, einen Freund der Familie Bush, unterstützt.

Laut Aussagen des renommierten Journalisten Ben Bagdikian wurde Graham durch Unterstützung der sprichwörtlichen (Citizen Kane) Zeitungsmogule William Randolph Hearst und Henry Luce bekannt. So erwirkte Hearst durch ein Telegramm an den Herausgeber des Nachrichtenmagazins TIME Anfang der 1950er Jahre to puff Graham, dass dieser auf dem Titelbild der Zeitschrift erschien.

Als 30 Jahre nach dem erzwungenen Rücktritt von Präsident Nixon dessen illegal mitgeschnittene Tonbänder durch das National Archive veröffentlicht wurden, kam es nach der Freigabe eines aufgezeichneten Gesprächs zwischen Nixon und Graham zu einem Eklat. O-Ton Graham am 1. Februar 1972:

“A lot of the Jews are great friends of mine, they swarm around me and are friendly to me because they know that I'm friendly with Israel. But they don't know how I really feel about what they are doing to this country. And I have no power, no way to handle them, but I would stand up if under proper circumstances.”

„Eine Menge Juden sind gute Freunde von mir, sie umschwärmen mich und sind freundlich zu mir, denn sie wissen, dass ich freundlich zu Israel bin. Aber sie wissen nicht, wie ich wirklich darüber denke, was sie mit diesem Land machen. Und ich habe nicht die Macht das zu ändern, habe keine Möglichkeit anders mit ihnen umzugehen, aber unter angemessenen Umständen würde ich mich dagegen wehren.“

Nachdem die Mitschnitte veröffentlicht wurden, sagte Graham, er könne sich nicht an das Gespräch aus der Zeit seiner Evangelisationen und angetragenen moralischen Führerschaft erinnern, und entschuldigte sich – die Tonbandmitschnitte gäben jedenfalls nicht seine Meinung wieder.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Curtis Mitchell: Die nach vorne kamen – Evangelisation mit Billy Graham. 1967
  • John Barnhart: Die Billy Graham Story – Seine Botschaft und ihre Wirkung in Politik und Gesellschaft. 1973
  • Franklin Graham: Wenn man einen berühmten Vater hat. Der lange Weg zu sich selbst. Holzgerlingen 2001, ISBN 3-7751-3598-7
  • John Pollok: Billy Graham – Die Biografie. 2004, ISBN 3-7751-4180-4
  • Hanspeter Nüesch: Ruth und Billy Graham: Ein Ehepaar verändert die Welt. 2009, ISBN 978-37751-5061-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Billy Graham – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Time Magazine: The 100 most important people of the century
  2.  J. Gordon Melton: Graham, William Franklin "Billy". In: Encyclopedia of World Religions. Encyclopedia of Protestantism, Nr. 6, Facts of File, New York 2005, ISBN 978-0816054565, S. 248.
  3.  J. Gordon Melton: Lausanne Covenant. In: Encyclopedia of World Religions. Encyclopedia of Protestantism, Nr. 6, Facts of File, New York 2005, ISBN 978-0816054565, S. 334.
  4. http://www.spiegel.de/jahreschronik/a-388020.html
  5. Belege bieten z. B.:
    http://www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2004/06/24.jhtml: Stichtag, vom 24. Juni 2004 auf wdr.de (nicht mehr online verfügbar),
    tagesschau.de-Beitrag vom Stand: 26. Juni 2005 10:58 Uhr (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung,
    Letzte Salve aus „Gottes Maschinengewehr“ in Spiegel Online, 26. Juni 2005
    alle abgelesen am 9. Januar 2010.
  6. In seinem Buch „Friede mit Gott“, in der 10.Tb.-Auflage 1971, S.151f. Das folgende Zitat S.46. - Ausführliche Zitate bei Franz Graf-Stuhlhofer: „Das Ende naht!“ Die Irrtümer der Endzeit-Spezialisten (Theologisches Lehr- und Studienmaterial; 24). Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn, 3.Aufl. 2007 (Nachdruck der 2.Aufl. 1993, nun mit Register), S.32, 34, 47f, 86f, 147.