Billy Hayes

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William „Billy“ Hayes (* 3. April 1947 in New York City) ist ein amerikanischer Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur, dessen Geschichte den Film 12 Uhr nachts – Midnight Express inspirierte.

In seiner Studentenzeit hatte er bereits dreimal erfolgreich Haschisch als Flugpassagier aus der Türkei in die Vereinigten Staaten geschmuggelt.[1] Bei einem weiteren Versuch am 6. Oktober 1970[2] wurde er festgenommen und für zunächst viereinhalb Jahre inhaftiert – zuerst im Istanbuler Sağmalcılar-Gefängnis und dann im Irrenhaus von Bakırköy, bevor Hayes auf die Gefängnisinsel İmralı kam. Kurz vor Ende der ursprünglich festgesetzten Haft wurde seine Strafe vermutlich als Reaktion auf die Drogenpolitik der Regierung Nixon auf lebenslänglich erhöht[2] und dann vom Richter auf 30 Jahre festgesetzt.[3] 1975 gelang ihm, da er zur Dockarbeit eingeteilt war, die Flucht von İmralı mit dem Ruderboot, zuerst nach Istanbul[3] und dann über Griechenland zurück in die Vereinigten Staaten.[4]

Billy Hayes schrieb über diese Erfahrung das Buch „Midnight Express“, das 1978 unter dem gleichen Titel verfilmt wurde. Die Hauptrolle und damit Hayes’ filmisches alter ego spielte Brad Davis unter der Regie von Oliver Stone nach einem Drehbuch Alan Parkers.

Während der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 1999 wurde Hayes vom türkischen Regisseur Alinur Velidedeoğlu über den Film interviewt.[5] Billy Hayes zeigte sich über Teile des Films und den Regisseur Oliver Stone enttäuscht und kritisierte insbesondere die negative Darstellung sämtlicher türkischer Charaktere, während seine türkischen Freunde im Film keine Rolle spielten. Auch seinen Gefängnisaufenthalt sah er positiver als im Film dargestellt. Hayes bedauerte, dass das negative Bild der rückständigen und rechtlosen Türkei womöglich auf dem Film beruhe, und erklärte seine Zuneigung zur Türkei und insbesondere zu Istanbul. Da die Ermittlungen von Interpol wegen seiner Flucht fallen gelassen worden waren, wollte Hayes in die Türkei zurückkehren, zögerte aber aus Furcht, viele Türken könnten ihn für das negative Bild ihres Landes verantwortlich machen.

Schließlich besuchte Hayes im Juni 2007 die Türkei anlässlich der zweiten Istanbuler „Demokratie- und Sicherheits-Konferenz“[6], die von der türkischen Polizei und dem türkischen Institut für Polizeistudien organisiert wurde. Im Rahmen dieses Besuches hielt er eine Pressekonferenz, bei der er sich beim türkischen Volk entschuldigte.[7]

Hayes ist in der Unterhaltungsindustrie tätig und führte bei verschiedenen Theaterstücken und in einigen Folgen der Fernsehserie Copper – Justice is brutal Regie. Neben Vorlesungen an Universitäten hat Hayes mit traumatisierten Jugendlichen und Gefängnisinsassen gearbeitet und die Geschichte seiner eigenen Haftzeit erzählerisch als Einpersonenstück vorgetragen[1]. Er lebt mit seiner Frau Wendy in Los Angeles.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. a b Andy Webster: Correcting the Film Version of a Sensational Story. ‘Riding the Midnight Express With Billy Hayes,’ at St. Luke’s. In: New York Times, 6. Februar 2014.
  2. a b Susan Bluestein Davis: After Midnight. The Life and Death of Brad Davis. Simon & Schuster, New York 1997, ISBN 0-671-79673-9, S. 58.
  3. a b Frances Romero: Imrali Island and the Midnight Express. In: Time.com, 26. April 2011.
  4. Wolfgang Limmer: Türkische Hölle. In: Der Spiegel, 25. September 1978.
  5. Billy Hayes of ‘Midnight Express’ Interviewed. In: LiveLeak.com, 18. Februar 2007. Das Interview ist auch auf Youtube zu sehen (Teil 1, Teil 2).
  6. 2nd Istanbul Conference on Democracy and Global Security. In: PakistanSocietyOfCriminology.com.
  7. Stephen Handelman: Revisiting the Land of 'Midnight Express'. In: TheStar.com, 24. Juni 2007; Lorenzo Salvia: L’uomo che ispirò il film: «Chiedo scusa alla Turchia». Né stupri né torture in carcere. «Fuga di mezzanotte? Un bluff». In: Corriere.it, 20. Juni 2007.
  8. Billy Hayes. In: American Entertainment International Speakers Bureau.