Bilma

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Stadtgemeinde Bilma
Stadtgemeinde Bilma (Niger)
Stadtgemeinde Bilma
Stadtgemeinde Bilma
Koordinaten 18° 41′ N, 12° 55′ O18.68777777777812.918611111111Koordinaten: 18° 41′ N, 12° 55′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Agadez
Departement Bilma
Höhe 358 m
Einwohner 4409 (2012)

Bilma ist eine Stadtgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements Bilma in Niger.

Geographie[Bearbeiten]

Oase Bilma

Bilma ist ein Oasenort im Kaouar-Tal in der Wüste Ténéré. Die Nachbargemeinden sind Dirkou im Norden und Osten, N’Gourti im Süden und Fachi im Westen. Das Gemeindegebiet ist in die vier Stadtviertel Djoulari, Jularie, Jularie et Boula und Quartier Administratif, die zwei administrativen Dörfer Aquer und Zoo Baba sowie die zwei Weiler Kourmossour und N’Gini Boulla gegliedert.[1]

Klima[Bearbeiten]

Bilma
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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8
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Bilma
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 26,7 29,5 34,2 39,1 42,2 43,5 42,4 41,0 40,8 37,9 33,0 28,3 Ø 36,6
Min. Temperatur (°C) 7,0 8,7 12,4 17,3 21,2 22,8 23,3 23,4 21,0 16,2 11,1 7,7 Ø 16
Niederschlag (mm) 0 0 0 0 0 2 3 9 1 0 0 0 Σ 15
Sonnenstunden (h/d) 9,5 9,9 9,5 10,4 10,6 10,6 9,8 9,9 10,1 10,2 9,9 9,5 Ø 10
Regentage (d) 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 Σ 1
Luftfeuchtigkeit (%) 31 23 18 15 18 19 26 39 26 22 27 29 Ø 24,5
T
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43,5
22,8
42,4
23,3
41,0
23,4
40,8
21,0
37,9
16,2
33,0
11,1
28,3
7,7
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Geschichte[Bearbeiten]

Sole-Verdunstungsbecken und Viehsalz-Kantus (hinten) in der Saline Kalala bei Bilma

1907 wurde im französischen Militärterritorium Niger ein Kreis Bilma geschaffen. Dessen Hauptort war jedoch nicht die Oase Bilma, sondern N’Guigmi am Tschadsee. Erst 1911 wurden im Zuge einer Verwaltungsreform, bei der das Militärterritorium in sechs Kreise eingeteilt wurde, sowohl N’Guigmi als auch Bilma zu Hauptorten von jeweils nach ihnen benannten Kreisen.[2]

Im August 2006 war Bilma von einer Flutkatastrophe betroffen, die von den stärksten Regenfällen in der Stadt seit Beginn der Aufzeichnungen 1923 verursacht wurde. Mehr als 1194 Wohnungen wurden zerstört und 4369 Menschen obdachlos. Für die in behelfsmäßigen Unterkünften untergebrachten Menschen erschwerte sich die Lage in den darauffolgenden Monaten durch extreme Temperaturunterschiede.[3]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bilma hatte bei der Volkszählung 1988 2421 Einwohner und bei der Volkszählung 2001 2300 Einwohner.[4] Bei der Volkszählung 2012 betrug die Einwohnerzahl 4409.[5] Die Bevölkerung gehört überwiegend den Volksgruppen Kanuri und Tubu an. Die in der Gemeinde verbreiteten Sprachen sind die Kanuri-Varietät Bilma-Kanuri, die Tubu-Sprache Tedaga sowie Libysch-Arabisch.[6]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Salzkarawane auf dem Weg von Agadez nach Bilma

Die kleine Stadt lebt von Oasenwirtschaft, vorwiegend von Dattelpalmen, und der Salzherstellung, die seit dem 15. Jahrhundert hier betrieben wird. Die Salinen von Kalala befinden sich etwa drei Kilometer nordöstlich des Ortszentrums. Zwischen der Oase und den Salinen lagern oft zu Tausenden die Dromedare der Sahara-Salzkarawanen, die im Transsaharahandel von Bilma aus entlang der Bornustraße nach Süden verkehren. Die Bornustraße ist die Verbindung von Tripolis durch Fezzan und die Große Sandwüste von Bilma bis zum Tschad-See. Die Hauptroute des Karawanenhandels verläuft allerdings in Ost-West-Richtung und führt nach Agadez und in das Aïr-Gebirge.

Bilma ist Sitz eines Militärpostens und eines Tribunal d’Instance, eines der landesweit 30 Zivilgerichte, die unterhalb der zehn Zivilgerichte der ersten Instanz (Tribunal de Grande Instance) stehen.[7]. Auch Zoll- und Polizeidienststellen sowie eine Post sind vorhanden. Eine Infrastruktur für den Tourismus, zum Beispiel Hotels, existiert noch nicht. Nach dem Stand von 2003 stehen lediglich ein paar bescheidene Lebensmittelläden, eine Bar und ein Restaurant zur Verfügung.

Bilma ist eine Oase mit zahlreichen flachen kleineren Seen und dorthin führenden Bachläufen. Zahlreiche Fische tummeln sich in den Gewässern. Das war nicht immer so. Erst moderne Technik machte es möglich, denn man hat inzwischen mehrere Brunnen gebohrt, aus denen durch artesischen Druck Wasser sprudelt. Im Ort befinden sich einige Wasserzapfstellen, der überschüssige Rest fließt in die erwähnten Bäche und Teiche. Dies ist ein Phänomen im gesamten Kaouar-Tal: Salzwasser und Süßwasser drängen in geringen Abständen nach oben. Durch eine komplexe Bruchtektonik in diesem Teil der Ténéré-Wüste dringt Wasser aus großen Tiefen durch artesischen Druck in schrägliegende Gesteinsschichten. Dort, wo es salzhaltige Schichten aus der Kreidezeit durchströmt, gelangt es als Kochsalzlösung an die Oberfläche und dient nach starker Reduzierung durch Verdunstung der Salzherstellung. Ansonsten nutzen die Dattelpalmen das Grundwasser und benötigen deshalb keine zusätzliche Bewässerung.

Literatur[Bearbeiten]

  •  René Chudeau: Le cercle de Bilma. In: Géographie. 21, Nr. 4, April 1910, S. 264–266.
  •  Louis Desplagnes: Les oasis de la région de Bilma. In: Bulletin de la Société de Géographie de l’AOF. 2, Nr. 30, 1903, S. 608–656; 740–794.
  •  Louis Desplagnes: Notes sur Bilma et les oasis environnants. In: Revue Coloniale. 7, Nr. 51, 1907, S. 361–386.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bilma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010.
  2. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 236.
  3. Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung: Niger: Harsh Weather in Bilma DREF Operation No. MDRNE001 Final Report (Online-Version), veröffentlicht am 13. Juni 2008, abgerufen am 16. Januar 2012.
  4. bevölkerungsstatistik.de: Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deBilma, abgerufen am 5. Januar 2012.
  5. Présentation des résultats globaux définitifs du Quatrième (4ème) Recensement Général de la Population et de l’Habitat (RGP/H) de 2012. Institut National de la Statistique, 2014, abgerufen am 18. April 2014 (PDF-Datei, französisch).
  6. Niger map. In: Ethnologue: Languages of the World. Seventeenth edition. SIL International, 2013, abgerufen am 18. Juli 2013 (englisch).
  7. Bachir Talfi: Note sur l’organisation judiciaire. Website des nigrischen Justizministeriums, abgerufen am 24. September 2012.