Binäre Option

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Eine binäre Option (auch: digitale Option) ist ein Finanzderivat, das von Optionen abgeleitet ist, zu den exotischen Optionen zählt und zur Kategorie der Termingeschäfte gehört.

Bei binären Optionen können nur zwei Szenarien eintreten: Tritt ein zuvor definiertes Ereignis ein, erhält der Käufer einen festgelegten Betrag, andernfalls verfällt die Option wertlos. Als Basiswerte kommen – wie bei klassischen Optionsscheinen auch – Indizes, Aktien, Währungspaare oder auch Rohstoffe in Frage. Es kann dann auf fallende oder steigende Kurse spekuliert werden.

Ebenso wie bei klassischen Optionsscheinen existieren binäre Kaufs- und Verkaufsoptionen in amerikanischer und europäischer Variante.

Die Cash-or-Nothing-Option schüttet am Laufzeitende einen vorher festgelegten Betrag aus, wohingegen die Asset-or-Nothing-Option den Preis des Basiswertes auszahlt oder diesen selbst andient. Im Gegensatz zu klassischen Optionen hat der Trader also keine Möglichkeit die Option während der Laufzeit auszuüben.

Varianten[Bearbeiten]

Ereignis Optionsart Bedingung/Ereignis Erwartung für den Basiswert
Knock-In Call Der Basiswert muss auf oder über der Schwelle notieren: X ≥ Tin (deutlich) steigende Kurse
Put Der Basiswert muss auf oder unter der Schwelle notieren: X ≤ Tin (deutlich) fallende Kurse
Knock-Out Call Der Basiswert darf die Schwelle nicht berühren oder unterschreiten: X > Tout steigende oder seitwärts tendierende Kurse
Put Der Basiswert darf die Schwelle nicht berühren oder überschreiten: X < Tout fallende oder seitwärts tendierende Kurse
Range Der Basiswert muss innerhalb der Schwellen notieren: TCall < X < TPut seitwärts tendierende Kurse

Hierbei steht

  • X für den Kurs des Basiswertes und
  • T für die Schwelle der binären Option.

Für amerikanische Optionen gilt, dass das Ereignis während der Laufzeit eintreten muss; bei europäischen Optionen muss das Ereignis am Laufzeitende eintreten (siehe Option (Wirtschaft)#Ausübungsarten).

Bewertung nach Black-Scholes-Modell[Bearbeiten]

Hauptartikel: Black-Scholes-Modell

Zusammenhang zu den klassischen Optionsscheinen

Da eine binäre, europäische Knock-In-Call- oder Put-Option ausgezahlt wird, wenn sie während bzw. am Ende der Laufzeit im Geld notiert, entspricht ihr normierter Preis – d. h. der Preis für eine Auszahlungseinheit – der Wahrscheinlichkeit für dieses Ereignis. Somit verhält sich ihr Preis genauso wie das Delta eines klassisches Optionsscheins.[1]

Der Wert kann so nach Black-Scholes-Modell als erste Ableitung des Optionspreises nach dem Basispreis interpretiert und berechnet werden:


\begin{align}
\frac{\partial}{\partial K} C(S, t) & = \frac{\partial}{\partial S} \Phi(d_1) S - \Phi(d_2) K e^{-rt}  \\
C_\text{binär} & = e^{-rt} \Phi(d_2)
\end{align}

bzw. für Verkaufsoptionen


P_\text{binär} = e^{-rt} \Phi(-d_2)

dabei ist

  • Φ(·) die Verteilungsfunktion der Standard-Normalverteilung,
  • K der Basispreis der Option,
  • r der risikofreie Zins und
  • t die Laufzeit der Option.

Handel mit binären Optionen[Bearbeiten]

Binäre Optionen wurden lange Zeit außerbörslich gehandelt, also direkt vom Aussteller an den Käufer vergeben. Für diese Form exotischer Optionen gab es keinen liquiden Markt für den Handel.[2] Sie waren aber häufig in komplexere Optionen-Verträge eingebettet.[3] Seit 2008 stellen Online-Plattformen vereinfachte Versionen börsengehandelter binärer Optionen. Die Plattformen bieten standardisierte Kurzzeit-Optionen an, die eine prädefinierte Auszahlung bzw. Verlust auf jede Option festlegen. Sie können sich prinzipiell auf alle börsennotierten Produkte, inklusive Devisen beziehen.[4] Typischerweise kann eine solche Option während der Laufzeit nicht liquidiert werden, es sei denn der Broker bzw. die Plattform erlaubt solch ein Vorgehen.[5] Da der unregulierte Handel mit binären Optionen ein großes Potential an Manipulation bezüglich des Fairplay beherbergt werden in regelmäßigen Abständen Warnungen vor dem Handel auf unregulierten Plattformen herausgegeben.[6]

Handelsplattform für "Binary Option Trading"

2007 hatte die US-amerikanische Options Clearing Corporation vorgeschlagen, diese Optionen zu erlauben.[7] Die Securities and Exchange Commission hat daraufhin Cash-Or-Nothing Binäroptionen im Jahr 2008 erlaubt.[8] Seit Mai 2008 bietet der American Stock Exchange (Amex) Europäische cash-or-nothing Binäroptionen an. Auch am Chicago Board Options Exchange (CBOE) werden sie seit Juni 2008 gehandelt. Die Standardisierung von binären Optionen bildet die Basis für den Handel an der amerikanischen Börse mit laufender Quotierung des Preises.

Binäre Optionen werden auch im außerbörslichen OTC-Handel angeboten. Seit 2012 wird der Handel mit binären Optionen auf Zypern (wo sich sehr viele dieser Handelsplattformen befinden) durch die Cyprus Securities and Exchange Commission (CySEC) reguliert.[9] 2013 zog auch Malta nach, wo binäre Optionen bisher von der Glücksspielbehörde verwaltet wurden.[10][11] Die beiden Länder sind damit die ersten, die binäre Optionen als Finanzinstrumente im Sinne der EU-Richtlinie MiFiD gesetzlich regeln.[12] Die Regulierungen beim Handel mit binären Optionen sollen Fairplay garantieren. Auf unregulierten Plattformen werden die Transaktionen nicht, oder nicht notwendigerweise überwacht und das vom Kunden investierte Geld wird nicht auf einem Treuhandkonto hinterlegt. CySEC warnt daher in periodischen Abständen vor dem Handel mit binären Optionen auf unregulierten Plattformen.[13][14]

Die Banc De Binary ist einer der außerbörslichen Anbieter dieser Produkte mit Sitz in Zypern. In den USA läuft derzeit ein Verfahren gegen die Bank, in dem untersucht wird, ob die Bank gegen die Vorschriften auf dem amerikanischen Finanzmarkt verstößt. Es wird unter anderem der Vorwurf untersucht, dass die Banc De Binary keine Daten über Vermögensverhältnisse und Erfahrung der Trader sammelt.[15][16]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John C. Hull: Options, Futures and Other Derivatives. Prentice Hall, 2005, ISBN 0-13-149908-4.
  2. David F. DeRosa: Options on Foreign Exchange (Wiley Financial Engineering) John Wiley & Sons (2. Auflage, 2000)
  3. The History of Binary Options. Binary Options Zero, abgerufen am 26. Oktober 2014
  4. Mit binären Optionen auf Währungsschwankungen spekulieren. deutschefxbroker, abgerufen am 26. Oktober 2014
  5. Goron Page: Don't Gamble On Binary Options. Forbes am 27. Juli 2010, abgerufen am 26. Oktober 2014
  6. Investor Alert: Binary Option and Fraud.(pdf) Office of Investor Education and Advocacy (SEC), abgerufen am 26. Oktober 2014
  7. Securities and Exchange Commission, Release No. 34-56471; File No. SR-OCC-2007-08, September 19, 2007. “Self-Regulatory Organizations; The Options Clearing Corporation; Notice of Filing of a Proposed Rule Change Relating to Binary Options (PDF; 77 kB)”.
  8. Doris Frankel: CBOE to list binary options on S&P 500, VIX. In: Reuters, 9. Juni 2008. 
  9. Regulierungen im Handel mit binären Optionen, abgerufen am 12. September 2014
  10. Gaming or Trading? That is the Question – MFSA To Regulate Binary Options as a Financial Product
  11. Malta The Next Cyprus? MFSA Announces Regulatory Framework For Binary Options, forex magnates. 18. Juli 2013. 
  12. regarding the supervision of Binary Options. In: CySEC, 3. Mai 2012. Abgerufen am 4. Juni 2012. 
  13. Warning - Traderxp LTD(pdf), CySEC.gov (englisch), abgerufen am 12. September 2014
  14. Warning - NRG Capital (CY) LTD(pdf), CySEC.gov (englisch), abgerufen am 12. September 2014
  15. CTFC files civil suit against Banc de Binary. The Fx View. Abgerufen am 19. Juni 2013.
  16. SEC Warns Investors About Binary Options and Charges Cyprus-Based Company with Selling Them Illegally in U.S.. Securities Exchange Commission. Abgerufen am 19. Juni 2013.