Binau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Binau
Binau
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Binau hervorgehoben
49.3666666666679.0572222222222253Koordinaten: 49° 22′ N, 9° 3′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Neckar-Odenwald-Kreis
Höhe: 253 m ü. NHN
Fläche: 4,83 km²
Einwohner: 1359 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 281 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74862
Vorwahl: 06263
Kfz-Kennzeichen: MOS, BCH
Gemeindeschlüssel: 08 2 25 010
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Reichenbucherstraße 38a
74862 Binau
Webpräsenz: www.binau.de
Bürgermeister: Peter Keller (parteilos)
Lage der Gemeinde Binau im Neckar-Odenwald-Kreis
Hessen Bayern Hohenlohekreis Landkreis Heilbronn Main-Tauber-Kreis Rhein-Neckar-Kreis Rhein-Neckar-Kreis Adelsheim Aglasterhausen Billigheim Binau Buchen (Odenwald) Elztal (Odenwald) Fahrenbach Hardheim Haßmersheim Höpfingen Hüffenhardt Limbach (Baden) Mosbach Mudau Neckargerach Neckarzimmern Neunkirchen (Baden) Obrigheim (Baden) Osterburken Ravenstein Rosenberg (Baden) Schefflenz Schwarzach (Odenwald) Seckach Waldbrunn (Odenwald) Walldürn Zwingenberg (Baden)Karte
Über dieses Bild
Binau von Mörtelstein aus gesehen

Binau ist eine zum Neckar-Odenwald-Kreis gehörende Gemeinde in Baden-Württemberg. Sie gehört zur länderübergreifenden Region Rhein-Neckar.

Geografie[Bearbeiten]

Binau liegt eingebettet in eine langgestreckte Schleife des Neckars zwischen dem Hohen und dem Kleinen Odenwald. Das Gemeindegebiet liegt im Naturpark Neckartal-Odenwald.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Binau gehören das Dorf Binau und der Ort Bahnstation Binau u. Chem. Fabrik.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Binau wurde im Jahre 769 erstmals urkundlich erwähnt, ist aber sicherlich viel älter. Prähistorische Funde weisen bis in die Bronzezeit zurück. Der Ortsname, dessen Endung „au“ auf Naturverhältnisse hinweist, lautete 769 Benenheim oder Bienenheim, 772 Beonanheim, 774 Beninheim, 1536 Buenaw, 1629 Binheimb und im 18. Jahrhundert Neckarbinau. Man ist sich nicht sicher, ob die Bedeutung des Namens von einer mit Weidenruten geflochtenen Fischfangvorrichtung, der Benne oder Binne, oder von der Bienenzucht abstammt. Beide, Fisch und Bienenkörbe sind auf dem „redenden“ Wappen der Gemeinde abgebildet.

Der Ort war Zubehör zur benachbarten Burg Dauchstein, auf der im 14. Jahrhundert die Herren von Helmstatt Lehensträger waren. Im 15. Jahrhundert erwarb ein Dieter von Collenberg die Burg Dauchstein und wurde ein erstes Schloss am Ort errichtet, dem ein Nachfolgebau, das heutige Schloss, am selben Platz 1742 folgte. Auf dem Schloss lebten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die weiteren Ortsherren von Binau, die Grafen von Riaucour und von Waldkirch sowie die Freiherren Göler von Ravensburg. Später werden auch Bürgerliche als Besitzer genannt.

1939 wurden 363 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 464.[3] Im Zweiten Weltkrieg war das Schloss Sitz der SS-Kommandantur der in der gesamten Region seit Herbst 1944 verteilten Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof. Es sollten Industriebetriebe hierher in Stollen zur Untertageproduktion verlagert werden (Tarnname Goldfisch GmbH).

Seit 1806 gehörte Binau zum Großherzogtum Baden, wo die Gemeinde Teil des Landkreises Mosbach war, bis dieser 1973 im neuen Neckar-Odenwald-Kreis aufging.

Religionen[Bearbeiten]

In Binau bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Nach den Deportationen in der Zeit des Nationalsozialismus kamen von den 1933 hier noch lebenden 20 jüdischen Einwohnern mindestens elf ums Leben. Die Entstehung der Gemeinde geht in die Zeit des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1839 mit 146 Personen erreicht, mehr als ein Drittel der damaligen Gesamteinwohnerschaft des Ortes. Bis nach 1933 waren eine Metzgerei und ein Manufakturwarengeschäft im Besitz jüdischer Familien.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl im Jahr 2014 führte zu folgender Verteilung der 10 Sitze im Gemeinderat:

Partei Stimmen Sitze
UBW 50,6 % 5
SPD 26,2 % 3
CDU 23,2 % 2

Zusammen mit den Gemeinden Neckargerach, Waldbrunn und Zwingenberg ist Binau Mitglied des Gemeindeverwaltungsverbandes „Neckargerach-Waldbrunn“.

Oberhäupter der Gemeinde[Bearbeiten]

Schultheiße[Bearbeiten]

  • 1536: Lenhart Ruediger
  • 1628: Andreas Queck
  • 1664: Hans Georg Endlich
  • 1681: Georg Hueter
  • 1698: Peter Seppich
  • 1729, 1740: Georg Wilhelm Seppich
  • 1767: Johann Adam Hüther
  • 1770–1799: Jürg Peter Seppich
  • 1799–1807: Georg Adam Seppich
  • 1807–1809: Johann Georg Bender

Vögte[Bearbeiten]

  • 1809–1826: Johann Georg Seppich
  • 1826–1835: Johann Georg Dollinger d. Ä.

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1835–1839: Johann Adam Bender
  • 1839–1848: Adam Groskopf
  • 1848–1860: Johann Georg Dollinger d. Ä.
  • 1860–1868: Johann Georg Seppich
  • 1868–1873: Johann Georg Dollinger d. J.
  • 1873–1879: Karl Großkopf
  • 1879–1910: Johann Georg Dollinger d. J.
  • 1910–1931: Wilhelm Brand
  • 1931–1945: Wilhelm Pfisterer
  • 1945–1946: Max Großkopf
  • 1946–1954: Ernst Dollinger
  • 1954–1986: Ludwig Pfisterer
  • seit 1986: Peter Keller

Partnerschaften[Bearbeiten]

Die Gemeinde pflegt eine Partnerschaft mit Lindau (Eichsfeld).

Wappen[Bearbeiten]

In geteiltem Schild oben in Blau zwei goldene (gelbe) Bienenkörbe nebeneinander, unten in Silber (Weiß) ein blauer Fisch.

Das Wappen versinnbildlicht mit den Bienenkörben „redend“ den Ortsnamen und mit dem Fisch die Lage der Gemeinde am Neckar und die Neckarfischerei. Das Wappen wurde der Gemeinde am 5. November 1957 verliehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schloss und Kirche
Burg Dauchstein
  • Schloss Binau liegt im Kern des Ortes oberhalb von einem von Mauern umgebenen Garten, der möglicherweise zentral ausgerichtete Parterres bot, nur wenige Meter über dem Neckarpegel. Nachdem das 1742 anstelle eines Vorgängerbaus errichtete Schloss kurzzeitig als Hotelpension genutzt wurde, ist seit 1963 ein Alten- und Pflegeheim darin untergebracht. Zwischendurch ab September 1944 waren dort die Verwaltung und die Effektenkammer des KZ Natzweiler-Struthof untergebracht.[4] Ab 1996 wurde der Innenbereich des Schlosses renoviert und modernisiert.
  • Burg Dauchstein ist die Ruine einer mittelalterlichen Burg am Neckarufer außerhalb des Ortes.
  • Im alten Ortskern befindet sich neben dem Schloss außerdem eine mittelalterliche Kirche, die ihre heutige Gestalt durch Umbau im Jahr 1783 erhalten hat. Im Turmchor der Kirche wurden in den 1920er Jahren historische Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert freigelegt, darunter insbesondere das Chorgewölbe mit den vier Evangelistensymbolen. In die Chorwände sind außerdem historische Grabplatten der Herren von Bödigheim aus dem 16. Jahrhundert eingelassen.[5]
  • In Binau sind zahlreiche historische Fachwerkhäuser erhalten. Der Keller eines der ältesten Fachwerkgebäude beim Schloss datiert auf 1569.
  • Der jüdische Friedhof der Gemeinde wurde 1851 an der Reichenbucher Straße (100 m westlich vom allgemeinen Friedhof entfernt) angelegt (Flurstück 972, Fläche 7,74 ar). Er wurde 1944 zum Friedhof des KZ Neckarelz und des KZ-Außenlagers Neckargerach umfunktioniert. Über 200 Tote der Rüstungsfabrikation bei Obrigheim wurden dort von Oktober 1944 bis März 1945 begraben. Heute erinnert auf dem jüdischen Friedhof ein Gedenkstein an die umgekommenen Häftlinge und Zwangsarbeiter aus mehreren Staaten Europas aus dem Lagers Neckarelz und seinen Unterkommandos.
  • Die Neckarstaustufe Guttenbach liegt zur Hälfte auf der Gemarkung Binaus.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Netzplan der S-Bahn RheinNeckar

Verkehr[Bearbeiten]

Binau liegt an der „Neckartalbahn“ (HeidelbergBad Friedrichshall-Jagstfeld), die seit 2003 von der S-Bahn RheinNeckar halbstündlich bedient wird. Daneben gibt es Busverbindungen nach Mosbach/Eberbach. Durch die am Ufer verlaufende Bundesstraße ist der Ort vom Fluss getrennt.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Binau verfügt über eine Grundschule. Weiterführende Schulen können in den Nachbarorten besucht werden.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

  • Campingplatz (Trailer Camp) Binau
  • Sportplatz des FC Binau 1927
  • Anlage des Schützenvereins Binau

Literatur[Bearbeiten]

Binau – Kleinod am Neckar, von Ernst Brauch, Privatdruck der Gemeinde Binau, 1969

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 306–307
  3. Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 2: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordbaden
  4. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 25, ISBN 3-89331-208-0
  5. Ludwig Schmieder: Die Wandgemälde der Kirche in Binau a.N. in: Mein Heimatland, Badische Blätter für Volkskunde, Karlsruhe 1928

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Binau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien