Binbirkilise

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37.43722222222233.144166666667Koordinaten: 37° 26′ 14″ N, 33° 8′ 39″ O

Madenşehri
Kirchenruine in Madenşehri

Als Binbirkilise (deutsch 1001 Kirchen) wird ein Gebiet in der antiken Region Lykaonien um den Vulkan Karadağ in der heutigen türkischen Provinz Karaman bezeichnet. In dem Areal liegen etwa 50 byzantinische Kirchenruinen. Das Gebiet liegt am Nordhang des Karadağ-Massivs etwa 30 km nördlich der Provinzhauptstadt Karaman. Die Ruinen liegen bei und in den Orten Madenşehri, Üçkuyu und Değle.

Bauten[Bearbeiten]

Die Gegend war im dritten bis achten Jahrhundert ein kulturelles Zentrum der byzantinischen Christen. Es finden sich Reste von Kirchen, Klöstern, Befestigungsanlagen, Zisternen und Wohnhäusern, die zum Teil in die heutigen Dörfer integriert sind oder deren Steine als Baumaterial verwendet worden sind. Dadurch hat der Bestand der Gebäude kontinuierlich abgenommen. Architekturgeschichtlich interessant sind die mehrfach vertretenen Kuppelbasiliken vom syrischen Typ. Die Mauern wurden aus großen Quadern errichtet. Wegen des Holzmangels wurden hier anstelle des üblichen flachen Holzdachs Steinkuppeldächer verwendet. Über den Seitenschiffen sind hinter der oberen Säulenreihe Emporen gebaut. In den Apsiden finden sich Doppelarkadenfenster, die Eingangsbereiche haben meist Doppelarkaden und werden von einer einzelnen Säule in der Mitte getragen. In einigen der Kirchen, vornehmlich in Madenşehri, sind Reste von Wandmalereien zu sehen. Auch aus hethitischer, hellenistischer und römischer Zeit sind vereinzelte Relikte in der Umgebung vorhanden.[1]

Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Gertrude Bell's Arbeiter bei den Ausgrabungen in Madenşehri 1907

Im Jahr 1904 veröffentlichte Carl Holzmann seine Archäologischen Skizzen zu Binbirkilise. Kurz darauf wurde es erneut beschrieben von der britischen Reisenden und Archäologin Gertrude Bell, die 1905 die Region im Zuge ihrer Reise durch Kleinasien erforschte. Sie veröffentlichte ihre Reiseberichte einschließlich zahlreicher Fotos in einer Artikelserie in der Revue Archéologique. Auf derselben Reise lernte sie in Konya den Archäologen William Ramsay kennen und die beiden beschlossen, in Binbirkilise Ausgrabungen durchzuführen. 1907 fanden die Grabungsarbeiten statt, die Ergebnisse wurden, wiederum mit vielen Bildern, von beiden in dem Buch The Thousand and One Churches veröffentlicht.[2] Bereits als Bell zwei Jahre später zurückkehrte, stellte sie fest, dass ein großer Teil der dokumentierten Gebäude durch Steinraub verschwunden war[3]. Bells Bilder zeigen, dass in der Zwischenzeit die Zerstörung der Bausubstanz weiter fortgeschritten ist. Der türkische Kunsthistoriker Semavi Eyice untersuchte das Gebiet und veröffentlichte 1971 seine Forschungsergebnisse.

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl Holzmann: Binbirkilise: Archäologische Skizzen aus Anatolien: ein Beitrag zur Kunstgeschichte des christlichen Kirchenbaues, Verlag Von Boysen & Maasch, 1904
  • William Mitchell Ramsay, Gertrude Lowthian Bell, Robert G. Ousterhout: The Thousand and One Churches, University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology, 2008, ISBN 9781934536056
  • Semavi Eyice: Recherches archéologiques à Karadağ (Binbirkilise) et dans la région de Karaman. Doğan Kardeş, 1971

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Binbirkilise – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marianne Mehling (Hrsg.): Knaurs Kulturführer in Farbe Türkei. Droemer-Knaur, 1987, S. 334, ISBN 3-426-26293-2
  2. Getzel M. Cohen, Martha Sharp Joukowsky: Breaking Ground: Pioneering Women Archaeologists. University of Michigan Press, 2006, S. 167 ISBN 9780472031740 bei GoogleBooks
  3. Robert G. Ousterhout: A Byzantine settlement in Cappadocia. Dumbarton Oaks, 2006, S. 171 ISBN 9780884023104 bei GoogleBooks