Bing (Unternehmen)

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Das Fabrikgebäude von Bing in der Nürnberger Stephanstraße, heute Hauptverwaltung der Firma Diehl
Gebrüder Bing, Uhrwerk-Lok Spur 0, George the Fifth, ca. 1922. Tender nicht Original
Kombination aus Cinématographe und Laterna magica, 1912
Zwei dampfbetriebene Straßenwalzen von Bing aus der Zeit um 1920 vor einer Dampfmaschine mit stehendem Messingkessel von Schönner

Bing war ein Unternehmen, das 1866 von den Brüdern Adolf Bing und Ignaz Bing (1840–1918) als Großhandlung für Haushaltswaren und Spielzeug in Nürnberg gegründet wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Zunächst beschränkten sich die Gebrüder Bing auf den Großhandel, bevor sie 1879 mit der Produktion begannen. 1885 beschäftigte das Unternehmen bereits 500 Mitarbeiter. Zehn Jahre später wurde es in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Es gab in ganz Deutschland und auch im Ausland zahlreiche Niederlassungen. Vor dem Ersten Weltkrieg bezeichnete sich Bing als „größte Spielwarenfabrik der Welt“. Zu dieser Zeit hatte das Unternehmen insgesamt über 4000 Beschäftigte. Das bis heute erhaltene Fabrikgebäude in Nürnberg belegt einen ganzen Block zwischen Stephan-, Vorderer Cramer- Burger- und Kupferstraße und ist für Bahnreisende eine unübersehbare Landmarke an der östlichen Zufahrt zum Hauptbahnhof. Heute beherbergt es die Diehl-Hauptverwaltung.

Während des ersten Weltkrieges war das sehr exportorientierte Bing-Unternehmen sehr von den Handelsbeschränkungen betroffen. Deshalb wurde 1917 die Vertriebsfirma Concentra gegründet, mit der der zukünftige Absatz im Ausland vorbereitet werden sollte. Für die Concentra wurde 1919-1920 in der Messestadt Leipzig ein modernes Geschäftshaus durch den Architekten Otto Droge errichtet.

Ignaz Bing starb 1918, sein Sohn Stephan Bing führte das Unternehmen bis 1927 weiter. Nach dem Ersten Weltkrieg lautete die Firma Bing-Werke AG. In den 1920er-Jahren kamen neue Geschäftsbereiche hinzu, das Unternehmen wurde aufgegliedert. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise von 1929 folgten erhebliche Finanzierungsengpässe. 1932 musste schließlich die Spielzeugproduktion eingestellt werden, um andere Konzernteile zu retten. Im gleichen Jahr kam es zum Zwangsvergleich und damit zum Ausverkauf des Unternehmens Bing. Die Nürnberger Spielwarenhersteller Karl Bub und Kraus erwarben Maschinen, Werkzeuge und fertige Teile der Bing-Eisenbahn, die von 1932 bis 1937 als Karl Bub Miniatur Eisenbahn weiter vertrieben wurde.

Andere Teile der Bing-Werke wurden von Fritz Hintermayr erworben, der von 1932 bis 1945 Sättel, Werkzeugtaschen für Motorräder und Gasboiler in den Bing-Werken herstellen ließ. Seit 1937 wird dort der BING-Vergaser hergestellt. Die Fritz Hintermayr GmbH Bing-Vergaser-Fabrik wurde 2001 in Bing Power Systems GmbH umbenannt.

Der Markenname Bing wurde 2010 vom Modellauto-Hersteller Brekina für Modelle im Maßstab 1:43 wiederbelebt.

Produkte[Bearbeiten]

Blech- und Lackierwaren[Bearbeiten]

Der offizielle Firmenname Fabrik für Haus- und Küchengeräte, Spielwaren, emaillierte Waren, Badeöfen, Eisschränke, Schreibmaschinen beschreibt die Tätigkeitsfelder der Firma. Der Schwerpunkt der Produktion lag auf Haushaltswaren aus emailliertem Blech (Kochtöpfe, Schüsseln). Im ersten Weltkrieg wurde das Militär mit Feldgeschirr, Helmen und Tornistern beliefert.[1]

Spielzeugpuppen[Bearbeiten]

Bing stellte eine große Palette an Spielwaren her, u. a. Puppen. Ganz offen kopierte man die beliebten Modelle von Käthe Kruse und verkaufte sie auch unter der Bezeichnung Imitation der Käthe-Kruse-Puppen. Das wollte Käthe Kruse allerdings nicht hinnehmen, sie klagte und gewann im Jahr 1925 den Prozess.

Blechspielzeug und Spielzeugeisenbahnen[Bearbeiten]

Zum Blechspielzeug gehörten u. a. die Eisenbahnen der Spuren 1, 0 und 00. Bei den großen Spuren I und 0 hatte Bing lange Zeit einen großen Marktanteil und gehörte bis zum Ende der Produktion am 24. August 1932 neben Märklin zu den führenden deutschen Herstellern.

Bing fertigte große Auflagen von Modelleisenbahnen für den Export, insbesondere als Auftragsproduktion für die englische Firma Bassett-Lowke.[2]

Die Bing-Tischeisenbahn mit einer Spurweite von 16,0 mm kam 1922 heraus und wurde unter diesem Namen bis 1932 produziert. Sie kann als direkter Vorläufer der TRIX EXPRESS-Modelleisenbahn von 1935 angesehen werden. Dies ist kein Zufall, schließlich wechselte der Inhaber und Konstrukteur Stephan Bing 1932 von Bing zu Trix und brachte dort seine Ideen zur Entwicklung einer für die damalige Zeit hochmodernen Modelleisenbahn ein. Die Spurweitenbezeichnung 00 (später H0) wurde erst ab 1935 für die TRIX EXPRESS-Bahn gebraucht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Toni Eckert: Ignaz Bing. in: Jüdisches Leben in der Fränkischen Schweiz. Schriftenreihe des Fränkische Schweiz Vereins. Band 11. Erlangen/Jena 1997, S. 738–747

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bing-Spielzeug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf Endres: Gebrüder Bing, Nürnberg, in: Historisches Lexikon Bayerns
  2. Siehe Eintrag in der englischsprachigen Wikipedia

49.44702811.102058Koordinaten: 49° 26′ 49″ N, 11° 6′ 7″ O