Binnenmeer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Binnenmeere (von niederdeutsch binnen: „innen“; nicht zu verwechseln mit Binnenseen, die zu den Binnengewässern zählen), sind große Nebenmeere, die jeweils mit einem Meer oder Ozean nur durch eine sehr schmale Meerenge (Meeresstraße) verbunden sind, bei der das gegenüberliegende Ufer mit bloßem Auge (Sichtverbindung) zu erkennen ist.

Gewässerunterscheidung[Bearbeiten]

Definition[Bearbeiten]

Vom Binnenmeer unterscheiden sich die Randmeere, die am Rand eines Kontinents bzw. Ozeans liegen und wesentlich weniger deutlich von letzterem abgegrenzt sind. Sowohl Binnenmeere als auch Randmeere können gleichzeitig Mittelmeere sein.

Im Unterschied zu völlig von einer Landfläche umschlossenen Seen, die – abgesehen von Fließgewässern – keine direkte natürliche Verbindung zum Weltmeer haben, sind Binnenmeere nicht vollständig von einer Landfläche eingeschlossen, weil sie eine schmale Meerenge auf der Null-Meter-Höhenlinie (inklusive obig erwähnter Sichtverbindung von Ufer zu Ufer) mit ihrem benachbarten Hauptmeer verbindet. Binnenmeere können Nebenmeere eines Ozeans oder eines anderen Nebenmeeres sein.

So ist zum Beispiel das Marmarameer gleichzeitig ein Binnenmeer des Schwarzen Meeres und der Ägäis. Letzteres Meer ist genau genommen ein Randmeer des Europäischen Mittelmeers, das ein Mittelmeer darstellt und wiederum ein sehr großes Binnenmeer des Atlantischen Ozeans ist, weil es nur durch eine sehr schmale Meerenge (die Straße von Gibraltar) mit diesem verbunden ist. Die Ostsee stellt ein Binnenmeer der Nordsee dar, die ein Randmeer des Atlantiks ist. Das Schwarze Meer zwischen Ost-, Südosteuropa und Vorderasien ist ein Binnenmeer des Europäischen Mittelmeers bzw. des Atlantischen Ozeans und das Rote Meer zwischen Afrika und Vorderasien ist ein Binnenmeer des Indischen Ozeans, wobei sowohl Schwarzes Meer als auch Rotes Meer gleichzeitig Mittelmeere sind, da sie sich zwischen zwei verschiedenen Kontinenten befinden.

Irrtümliche Verwendung des Begriffs[Bearbeiten]

Nicht als Binnenmeer gelten Meerbusen (z. B. Finnischer Meerbusen) oder Golfe (z. B. Golf von Biskaya), weil diese durch einen breiten Meeresbereich mit dem jeweiligen Hauptmeer verbunden oder nur durch eine großmaschige Inselkette von diesem getrennt sind – diese gelten als Randmeere.

Salinität[Bearbeiten]

Der Salzgehalt eines Binnenmeeres kann deutlich von dem des benachbarten Ozeans abweichen, da der Zu- und/oder Abfluss von Salzwasser nur über die relativ schmale Meerenge erfolgt, die das Binnenmeer mit dem Weltmeer verbindet. Ist das Binnenmeer im Verhältnis zur Breite der Meerenge relativ groß, ist dessen Salzgehalt vor allem abhängig vom Verhältnis der Verdunstungsrate zum Süßwasser-Eintrag durch die einmündenden Fließgewässer und durch Niederschläge. Dieses Verhältnis hängt wiederum im Wesentlichen davon ab, welches Klima in der entsprechenden Region herrscht.

So ist z. B. die Ostsee ein sogenanntes Verdünnungsbecken, in dem die Salinität geringer ist als die der Ozeane. Bedingt durch ihre Lage in einer humiden Klimazone, ist der Eintrag von Süßwasser durch Niederschläge und Flüsse generell hoch und die Verdunstung relativ niedrig. Dies kann durch den geringen Zufluss über die Meerengen, die sie mit der Nordsee und damit dem Atlantik verbinden (siehe unten), nicht ausgeglichen werden. Daher sinkt der Salzgehalt der Ostsee sogar langsam aber stetig weiter.[1]

Das Mittelmeer hingegen, gehört zu den sogenannten Konzentrationsbecken, in denen die Salinität höher ist als die der Ozeane. Bedingt durch seine Lage in einer semihumiden bis ariden Klimazone, ist der Eintrag von Süßwasser durch Niederschläge und Flüsse generell gering und die Verdunstung relativ hoch. Dies kann durch den geringen Zufluss über die Meerenge, die es mit dem Atlantik verbindet (siehe unten), nicht ausgeglichen werden. Deshalb steigt der Salzgehalt des Mittelmeeres sogar langsam aber stetig weiter.[2]

Beispiele für Binnenmeere[Bearbeiten]

Arktischer Ozean (Nordpolarmeer)[Bearbeiten]

Teilweise wird das Weiße Meer als Binnenmeer der Barentssee bzw. des Arktischen Ozeans bezeichnet. Dessen Öffnung zum eisigen Nordpolarmeer ist rund 45 km breit.

Atlantischer Ozean[Bearbeiten]

Marmarameer

Binnenmeere des Atlantischen Ozeans sind:

Indischer Ozean[Bearbeiten]

Binnenmeere des Indischen Ozeans sind:

Pazifischer Ozean[Bearbeiten]

Binnenmeere des Pazifischen Ozeans sind:

  • Seto-Inlandsee (Japan), durch vier verschiedene Meerengen mit dem Pazifischen Ozean verbunden

Teilweise wird der Golf von Kalifornien als Binnenmeer des Pazifischen Ozeans bezeichnet. Hierbei wird allerdings nicht beachtet, dass dessen Öffnung rund 200 km breit ist. So kann man hier bezüglich der Definition eines Binnenmeeres kaum von einer Meerenge oder einer Sichtverbindung sprechen. Daher ist er ein Randmeer des Pazifiks.

Südlicher Ozean (Südpolarmeer)[Bearbeiten]

Das Südpolarmeer hat keine Binnenmeere.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. David Voelker: Meeresgeologie - Verdünnungsbecken Webseite der FU-Berlin (zuletzt geändert im Juli 2009)
  2. David Voelker: Meeresgeologie - Konzentrationsbecken Webseite der FU-Berlin (zuletzt geändert im Juli 2009)