Biopace

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Biopace

Biopace war eine von 1983 bis 1993 eingetragene Marke der japanischen Firma Shimano und bezeichnete Kettenblätter für Fahrräder mit Kettenschaltung, die keine kreisrunde, sondern eine ovale Form aufwiesen.

Prinzip[Bearbeiten]

Mit der unrunden Form des Kettenblattes soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass die Krafteinleitung über die Tretkurbel über eine Umdrehung des Kettenblattes gesehen ungleich verteilt ist. Die maximale Kraft wird eingeleitet, wenn die Tretkurbel in Fahrtrichtung und leicht nach oben zeigt. Umgekehrt wird vom Fahrer nur eine vergleichsweise kleine Kraft auf die Kurbel ausgeübt, wenn sie sich in der senkrechten Stellung, also im oberen bzw. unteren Totpunkt (OT bzw. UT), befindet.

Biopace versucht dieses Ungleichgewicht auszugleichen, indem in der Stellung maximaler Kraftübertragung ein verkleinerter Kettenblattdurchmesser wirkt, so dass das Gefühl entsteht, man würde mit einem Gang mit kleinerer Übersetzung fahren. Dadurch soll in dieser Stellung genug Schwung aufgenommen werden, um den folgenden Totpunkt leichter zu überwinden.

Die Form eines Biopace-Kettenblattes entspricht daher annähernd einer Ellipse, wobei im montierten Zustand die größere der beiden Hauptachsen in etwa in Richtung der Tretkurbel liegt. Shimano selbst bezeichnete die Form als „punkt-symmetrische eiförmige Krümmung“.

Versionen[Bearbeiten]

Im Laufe der Jahre gab es verschiedene Versionen von Biopace-Kettenblättern. Alle wurden – je nach Qualitätsstufe des Kurbelsatzes – aus Stahl (mattchrom oder schwarz) oder Aluminiumlegierung (ungefärbt, später auch grau, braun, silber und schwarz) gefertigt.

  • Biopace: „original“ Biopace, erste Generation
  • Biopace II: zweite Generation, wurde etwas „runder“ konzipiert, nachdem von Radrennprofis und Enthusiasten schlechte Effizienz bei hohen Trittfrequenzen bemängelt wurde („Hüpfen am Sitz“)
  • Biopace HP (High Performance): Form noch etwas runder als Biopace II
  • Biopace SG (Super Glide): wurde für schmalere Ketten entwickelt, außerdem gab es Änderungen an den Kettenblättern zugunsten leichtgängigeren Schaltens (2 Rampen am großen Ring sowie modifizierte Zähne auf den kleineren Kettenblättern)

Shimano empfahl damals, für optimales Schalten folgende Kombination von mittlerem und äußerem Kettenblatt zu wählen: 44-50T sowie 38-48T. Außerdem riet Shimano davon ab, ovale (Biopace) und runde Kettenblätter am selben Kurbelsatz gemischt einzusetzen.[1]

Markenrecht[Bearbeiten]

Die Marke BIOPACE wurde von Shimano beim Deutschen Patent- und Markenamt am 7. Juni 1983 für die Klasse 12 (Fahrräder und deren Teile) und am 9. August 1983 für die Klasse 28 (Turn- und Sportgeräte) eingetragen. Beide Marken sind mittlerweile nicht mehr in Kraft.[2][3]

Ähnliche/Aktuelle Konzepte[Bearbeiten]

Das Konzept der Kettenblätter mit variablem Durchmesser wurde in den 1990er und 2000er-Jahren von anderen Herstellern weitergeführt. Von Biopace unterscheiden sie sich u. a. dadurch, dass bei größter Kraftentfaltung, d. h. bei waagrechter Pedalstellung der maximale Kettenblattdurchmesser wirksam wird, da dieser genau senkrecht zum Kurbelarm steht und nicht versetzt wie bei Biopace. Asymmetrische Kettenblätter finden aktuell vereinzelt auch im Triathlon und Profiradsport Einsatz.

  • OSYMETRIC produziert seit den 1990er-Jahren ovale Kettenblätter. Die z. B. im Zeitfahren von Bradley Wiggins eingesetzten Kettenblätter mit 54-Zähnen haben einen zwischen umgerechnet 58 Zähnen in horizontaler Pedalposition und 50 Zähnen in vertikaler Pedalposition schwankenden Durchmesser. Durch die im Gegensatz zu Biopace noch stärkere Abweichung von der Kreisform verursacht dies beim Fahren eine hörbare Geräuschentwicklung.[4]
  • Die sogenannten Q-Rings-Kettenblätter der Firma ROTOR sind konstruktiv ähnlich wie Osymetric, d. h. der maximale Durchmesser liegt senkrecht zur Pedalachse. Der Grad der „Ovalität“ ist nicht fix, sondern lässt sich durch eine um ein Loch versetzte Montage in drei Stufen einstellen. In der mittleren Einstellung hat ein Kettenblatt mit 53 Zähnen einen analogen Durchmesser von umgerechnet 56 Zähnen in horizontaler Pedalposition und 51 Zähnen in vertikaler Pedalposition. Sie werden unter anderem von Bobby Julich eingesetzt.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

  • DE3405791C2 – Deutsche Patentanmeldung aus dem Jahr 1984

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausschnitt aus Original-Umverpackung Shimano Biopace
  2. Registerauszug der Marke 1061314
  3. Registerauszug der Marke 1061499
  4. Osymetric.com: OSYMETRIC trails are nor oval nor elliptical this is a TwinCam
  5. Roues Artisanales.com: Rotor Q-Rings (7. Mai 2008)