Biokraftstoff

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Biokraftstoffe (auch Biotreibstoffe, Agrotreibstoffe) sind eine Form der Bioenergie. Es handelt sich um flüssige oder gasförmige Kraftstoffe, die aus Biomasse hergestellt werden. Sie kommen für den Betrieb von Verbrennungsmotoren in mobilen und stationären Anwendungen zum Einsatz. Ausgangsstoffe der Biokraftstoffe sind Nachwachsende Rohstoffe, wie z. B. Ölpflanzen, Getreide, Zuckerrüben oder -rohr, Wald- und Restholz, Holz aus Schnellwuchsplantagen, spezielle Energiepflanzen und anderes.

Die EU-Richtlinie 2009/28/EG (Erneuerbare-Energien-Richtlinie) (Nachfolger der Richtlinie 2003/30/EG) beschreibt und regelt die Verwendung von Biokraftstoffen in Europa. Ein wichtiger Aspekt ist die Kontrolle der Nachhaltigkeit, die bei Biokraftstoffen regelmäßig in der Diskussion ist. Die Umsetzung in deutsches Recht erfolgte mit der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung. Eine Beimischungsquote von 10 % zu den fossilen Kraftstoffen bis 2020 hat zu erfolgen.

Biokraftstoffe können die fossilen Kraftstoffe Diesel, Benzin und Erdgas substituieren. Teilweise müssen Motoren und/oder Kraftstoffsysteme an die Biokraftstoffe angepasst werden. Biokraftstoffe werden entweder in Reinform oder als Beimischungen zu fossilen Kraftstoffen verwendet.

Es werden unter anderem folgende Arten von Biokraftstoffen unterschieden: Pflanzenöl-Kraftstoff, Biodiesel, Bioethanol, Biomethan und synthetische Biokraftstoffe (Biomass-to-Liquid).

Rapsfelder, in Deutschland ist Rapsöl für die Biokraftstoffherstellung bedeutend
Zuckerrohrplantage, in Brasilien ist Bioethanol aus Rohrzucker der bedeutendste Biokraftstoff

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Biokraftstoffarten

Es werden häufig Biokraftstoffe der erste und zweiten, gelegentlich auch der dritten Generation, voneinander unterschieden. Für die Erzeugung von Kraftstoffe der ersten Generation kann nur ein kleiner Teil der Pflanze (Öl, Zucker, Stärke) genutzt werden. Bei Kraftstoffen der zweiten Generation wird fast die vollständige Pflanze, z. T. einschließlich der schwer zugänglichen Cellulose, verwendet. Bei Algenkraftstoff wird auch von Kraftstoff der dritten Generation gesprochen, da Algen eine deutlich höhere Biomasse-Produktivität pro Fläche aufweisen als Pflanzen. Kraftstoffe der zweiten und dritten Generation erfordern einen meist deutlich höheren technischen und finanziellen Aufwand und können daher bisher, außer Biomethan, noch nicht wirtschaftlich erzeugt werden.

Wichtige Faktoren bei der Bewertung des Potentials und der Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen ist der Ertrag (Äquivalente fossiler Kraftstoffe) und der Preis:

Vergleich von Biokraftstoffen in Deutschland
Biokraftstoff Ertrag/ha Kraftstoffäquivalenz
[l][1][2]
Kraftstoffäquivalent
pro Fläche [l/ha][3]
Preis
[cent]
Preis Kraftstoff-
äquivalent [cent/l][4]
Fahrleistung
[km/ha][1][5]
Pflanzenöl (Rapsöl) 1590 l][1] 0,96 1526 98,1/l (11/2009)[6] 102,2 23300 + 17600[7]
Biodiesel (Rapsmethylester) 1550 l[8] 0,91 1411 107,9/l (KW 49/2009)[9] 118,6 23300 + 17600[7]
Bioethanol (Weizen) 2760 l[1] 0,65 1794 93,2/l (E85, 11/2009)[10] 133,1 22400 + 14400[7]
Biomethan 3540 kg[8] 1,4 4956 93/kg (06/2008)[11] 66,4 67600
BtL 4030 l[8] 0,97[12] 3909 nicht am Markt k.a 64000

[Bearbeiten] Biokraftstoffe der ersten Generation

[Bearbeiten] Pflanzenöl

(Hauptartikel: Pflanzenöl-Kraftstoff)

Pflanzenöl-Kraftstoff besteht aus unbehandeltem oder raffiniertem Pflanzenöl in Reinform. Seine Eigenschaften sind in der Vornorm DIN 51605 beschrieben. In Deutschland ist der Grundstoff in der Regel Rapsöl (Rapsölkraftstoff). In den chemischen Eigenschaften unterscheidet es sich vom Dieselkraftstoff, weshalb eine Anpassung der Motoren an diesen Kraftstoff erforderlich ist. Die Herstellung von Pflanzenöl erfolgt sowohl großtechnisch (Ölextraktion) als auch in kleineren, dezentralen Ölmühlen (Kaltpressung).

[Bearbeiten] Biodiesel

(Hauptartikel: Biodiesel)

Biodiesel ist ein Fettsäuremethylester (FAME), der aus Pflanzenölen hergestellt wird. Seine Eigenschaften sind in der Norm DIN EN 14214 beschrieben. Mit Biodiesel kann Dieselkraftstoff substituiert werden. In Deutschland ist der Grundstoff meistens Rapsöl, deshalb wird Biodiesel oft als RME (Rapsöl-Methylester) bezeichnet. Biodiesel ist in seinen chemischen Eigenschaften an diejenigen des Dieselkraftstoffes angepasst worden. Die Herstellung von Biodiesel erfolgt in der Regel in großtechnischen Anlagen.

[Bearbeiten] Bioethanol

(Hauptartikel: Bioethanol)

Bioethanol (Ethanol, "Alkohol") wird durch Vergärung biogener Rohstoffe und anschließende Destillation hergestellt. Eine Qualitätsbeschreibung liegt seit August 2008 mit der DIN 51625 vor. Mit Bioethanol kann Benzin substituiert werden. In Deutschland wird für die Herstellung von Bioethanol meist Getreide, Mais und Zuckerrübe verwendet. In Brasilien deckt Ethanol aus Zuckerrohr einen großen Teil des nationalen Treibstoffbedarfs. Die chemischen Eigenschaften unterscheiden sich vom Benzin, weshalb eine Anpassung der Fahrzeugmotoren erforderlich ist. Sogenannte Flexible Fuel Vehicle beispielsweise werden mit einem Gemisch aus 85% Ethanol und 15% Benzin betrieben.

[Bearbeiten] Biokraftstoffe der zweiten Generation

[Bearbeiten] Biomethan

(Hauptartikel: Biomethan)

Biomethan ("Bioerdgas") wird aus dem Vorprodukt Biogas hergestellt. Für die Erzeugung von Biogas kommen in der Regel Energiepflanzen, Gülle und/oder organische Reststoffe als Gärsubstrate zum Einsatz. Bei der nachgeschalteten Aufbereitung zu Biomethan werden unter anderem die Bestandteile Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff aus dem Biogas entfernt und das verbleibende Produkt verdichtet (Biogasaufbereitung). Eine Qualitätsbeschreibung liegt mit der technischen Regel G 260 des DVGW seit Mai 2008 vor. Mit Biomethan kann Benzin oder Erdgas substituiert werden. Fahrzeuge, die für den Einsatz von reinem oder bivalentem Erdgasbetrieb umgerüstet sind, können mit Biomethan betrieben werden.

[Bearbeiten] BtL-Kraftstoff

(Hauptartikel: BtL)

BtL-Kraftstoffe (Biomass-to-Liquid, synthetische Biokraftstoffe) können aus verschiedenen organischen Rohstoffen hergestellt werden. Sie gehören zur Gruppe der synthetischen Kraftstoffe (XtL-Kraftstoffe). BtL-Kraftstoffe können auf die jeweiligen Erfordernisse moderner Motoren zugeschnitten werden und beispielsweise Dieselkraftstoff ersetzen. BtL-Kraftstoffe sind noch im Entwicklungsstadium und noch nicht auf dem Markt erhältlich.

[Bearbeiten] Cellulose-Ethanol

(Hauptartikel: Cellulose-Ethanol)

Cellulose-Ethanol ist chemisch identisch mit Bioethanol bzw. Ethanol. Als Rohstoff wird jedoch Cellulose eingesetzt. Diese macht einen großen Anteil der Biomasse aus, kann aber bisher wegen ihrer schlechten enzymatischen Zugänglichkeit nicht genutzt werden. Aktuell wird versucht, Verfahren zu entwickeln, mit denen auch aus Pflanzenresten, wie Stroh oder aus Holz, der Kraftstoff Ethanol wirtschaftlich gewonnen werden kann.

[Bearbeiten] Biokraftstoff der dritten Generation

[Bearbeiten] "Bio-Kerosin"

(siehe auch Artikel: Algenkraftstoff)

"Bio-Kerosin" ist ein Kraftstoff, der das Kerosin auf der Basis fossiler Kraftstoffe ersetzen soll. Dieser Kraftstoff wird von der Luftfahrtindustrie entwickelt. Grundlage sind verschiedene Pflanzenöle, z. B. Raps- oder Jatrophaöl. Auch Algen mit hohem Ölanteil werden als Grundlage für zukünftige Entwicklungen diskutiert. Die Planer gehen davon aus, dass "Bio-Kerosin" frühestens ab dem Jahr 2015 als Regeltreibstoff zum Einsatz kommen kann; ein erster Testflug mit Biodiesel auf der Grundlage von Jatropha in der zivilen Luftfahrt fand im Januar 2009 durch die Air New Zealand statt.

[Bearbeiten] Weitere Biokraftstoffe

Eine Reihe weiterer Stoffe gelten gemäß der EU-Richtlinie 2003/30/EG als Biokraftstoffe, haben aber in der Praxis eine untergeordnete Bedeutung:

[Bearbeiten] Aktuelle Bedeutung und Perspektive der Biokraftstoffe

Die zukünftige Bedeutung von Biokraftstoffen hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Preisentwicklung bei den fossilen Kraftstoffen: Steigende Preise für konventionelle Kraftstoffe erhöhen z. B. die Konkurrenzfähigkeit von Biokraftstoffen.
  • politische Rahmenbedingungen: Durch Erlassung von Gesetzen, wie z. B. das Biokraftstoffquotengesetz, kann eine Förderung erfolgen.
  • Besteuerung: Biokraftstoffe unterliegen bei reiner Verwendung einer Steuerermäßigung nach dem Energiesteuergesetz. Teilweise wird die Ermäßigung sukzessiv aufgehoben.
  • regionale und globale Rohstoffpotenziale: Die Größen der nutzbaren Potentiale bestimmen die zukünftige Bedeutung der Biokraftstoffe. Die Größe der Potentiale wiederum wird von vielen Faktoren beeinflusst (siehe Artikel Biomassepotential).
  • Rohstoffpreise: Die Rohstoffpreise schwanken z. T. sehr stark. Landwirtschaftliche Produkte können sich, beispielsweise in schlechten Erntejahren, stark verteuern.
  • Herstellungskosten: Durch neue und weiterentwickelte Verfahren können sich die Produktionskosten verringern. Größere Produktionsmengen haben in der Regel den gleichen Effekt.

Einige Biokraftstoffe können auch regional in dezentralen, kleinen Produktionsanlagen wirtschaftlich hergestellt werden, wie z. B. Pflanzenöl und Bioethanol auf landwirtschaftlichen Betrieben bzw. in kleinen Alkoholbrennereien. Aber auch in Großanlagen werden sie gewonnen. Anlagen zur Produktion von Biodiesel und BtL-Kraftstoff dagegen sind in Errichtung und Betrieb komplexer und erfordern größere, überregionale Produktionseinheiten.

Biokraftstoffe kommen als Reinkraftstoffe und als Beimischungen zu fossilen Kraftstoffen zum Einsatz. Innerhalb der Europäischen Union werden verbindliche Ziele für den Anteil von Biokraftstoffen am Energiemix des Transportsektors diskutiert. Mit der EU-Richtlinie 2003/30/EG wurden Beimischungen von 2 % bis 2005, 2,75 % bis 2006 und 5,75 % bis 2010 gefordert. Wegen der mangelnden Umsetzung wurde in der EU-Richtlinie 2009/28/EG (Biokraftstoffrichtlinie) ein verbindlicher Wert von 10 % bis 2020 festgelegt. Gemäß dem Biokraftstoffquotengesetz müssen in Deutschland derzeit (2009) fossilen Kraftstoffen 5,25% Biokraftstoffe beigemischt werden, bezogen auf den Energiegehalt des Kraftstoffs.

Die Besteuerung von Biokraftstoffen ist in Deutschland im § 50 des Energiesteuergesetzes geregelt. Als Beimischung in fossilen Kraftstoffen unterliegen Biokraftstoffe dem vollen Steuersatz für Kraftstoffe. Für reine Biokraftstoffe dagegen ist die Energiesteuer reduziert. Für Bioethanol und Biomethan gilt eine komplette Steuerermäßigung. Für Pflanzenöl-Kraftstoff und Biodiesel muss ein Steueranteil gezahlt werden, der jährlich ansteigt, bis der volle Steuersatz für fossile Kraftstoffe erreicht ist. Die Besteuerung der zuvor steuerbefreiten Biokraftstoffe (ursprünglich bis 2009 Mineralölsteuerbefreiung, ab 2010 von der nachfolgenden Energiesteuer befreit) ab August 2006 war zunächst umstritten. Die Wirtschaftlichkeit vieler Produktionsanlagen war dadurch nicht mehr gegeben. Durch das Bundesverfassungsgericht wurde allerdings die Rechtmäßigkeit der Besteuerung festgestellt.[13]

[Bearbeiten] Bewertung von Biokraftstoffen

(siehe Artikel Bioenergie)

[Bearbeiten] Konkurrenz zur Bereitstellung von Lebensmitteln

Bei den Biokraftstoffen werden ähnliche Vor- und Nachteile wie bei anderen Bioenergien gesehen. In der Diskussion sind insbesondere die Nutzungs- und Flächenkonkurrenz. Nutzungskonkurrenz wird vor allem bei der Verwendung von potentiellen Nahrungsmitteln (Mais, Getreide, etc.) für die Kraftstofferzeugung gesehen. Vorübergehend gestiegene Preise für landwirtschaftliche Produkte im Jahr 2007 wurden als Folge des Ausbaus der Biokraftstofferzeugung gesehen. Verschiedene Quellen belegen allerdings, dass die Ursachen multifaktorell waren (Ernteausfälle, hohe Energiepreise, Börsenspekulationen, etc.).[14][15][16][17] Derzeit wird nur ein geringer Teil der landwirtschaftlichen Produktion für die Biokraftstofferzeugung verwendet. Bei anhaltend starkem Ausbau ist aber zukünftig mit einer wachsenden Nutzungskonkurrenz zu anderen Anwendungen zu rechnen.[16][18] Höhere Preise für landwirtschaftliche Produkte werden aber auch als positiv für die Landwirtschaft - insbesondere in Entwicklungsländern - gesehen. Derzeit ist die heimische Produktion oft nicht konkurrenzfähig gegenüber billigen Agrarimporten aus Industrieländern, so dass Landwirte erwerbslos werden.[19][16] Durch Nutzung von degradierten Flächen soll eine Verringerung der Flächenkonkurrenz möglich sein.[20] In der EU wird durch verschiedene Maßnahmen versucht, die Nutzungskonkurrenz zu verringern. So wurde die Flächenstilllegung aufgehoben und die Förderung der Entwicklung von Treibstoffen aus pflanzlichen Abfällen intensiviert (Cellulose-Ethanol, BtL-Kraftstoff). Das Biomassepotential ist so begrenzt, dass durch Rapsanbau auf der gesamten deutschen Anbaufläche nur 10 % des Kraftstoffbedarfs gedeckt werden könnte. Eine intensivere Nutzung von Holz in Verbrennungsanlagen könnte immerhin 10 % des deutschen Gesamtenergiebedarfs decken. {Quelle?}

[Bearbeiten] Umwelt- und Klimabilanz

Die Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen aus den Früchten der Ölpalme ist in der Diskussion.
(siehe Artikel Bioenergie)

Pflanzen nehmen während des Wachstums das Treibhausgas CO2 auf. Bei der Zersetzung oder Verbrennung der Biomasse wird nur die gebundene Menge frei, so dass der Kohlenstoff-Kreislauf geschlossen, und die CO2-Bilanz somit neutral ist. Beim intensiven Pflanzenanbau werden große Mengen an fossilem Treibstoff benötigt, welcher die Klimabilanz verschlechtert. Bei der energieintensiven Produktion des in großen Mengen benötigten Stickstoff-Düngers (Haber-Bosch-Verfahren) werden ebenfalls große Mengen CO2 freigesetzt. Auf landwirtschaftlichen Flächen führt die Verwendung des Düngers zu Emissionen des starken Treibhausgases Lachgas (Distickstoffoxid N2O). Das Treibhauspotential ist fast 300-fach stärker als das von Kohlendioxid. Dadurch kann die Klimabilanz von Biokraftstoff schlechter als bei fossilen Kraftstoffen ausfallen oder zu nur geringen Einsparungen führen. Zudem ist Lachgas maßgeblich an der Zerstörung der Ozonschicht beteiligt.[21] [22] Bei optimiertem Anbau sind beispielsweise bei der Rapsdiesel- bzw. Bioethanolerzeugung jedoch Einsparungen von etwa 50, 60 oder 70 % (Raps, Mais, Zuckerrohr) denkbar.[23][24][25][26] Für Biodiesel berechnen Studien ebenfalls eine positive Klimabilanz. 25 bis 80 % Treibhausgasminderung gegenüber fossilen Kraftstoffen sind möglich, abhängig von Rohstoffbereitstellung, Herstellungsverfahren und Qualität der verfügbaren Daten.[27][28] Weiter Studien kommen zu dem Schluss, dass nachhaltigere Anbaumethoden, die Nutzung von organischen Rest- und Abfallstoffen und die bevorzugte Erzeugung von Biokraftstoffen mit geringem Herstellungsaufwand (z. B. Pflanzenöl und Biogas) die Klimabilanz deutlich verbessern können.[29][30] [31] [32] Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Art der genutzten Anbauflächen. Die Erschließung von Regenwald oder Torfmooren für die Energiepflanzenanbau ist sehr negativ, die Nutzung von degradierten Böden positiv für die Klimabilanz.[33] In Zukunft wird eine stärkere Nutzung von unkonventionellen Ölressourcen (z. B. Ölschiefer, Ölsande) erwartet. Deren CO2-Bilanz ist deutlich schlechter als bei konventionellem Öl, so dass die Treibhausgaseinsparung von Biokraftstoffen gegenüber fossilen Kraftstoffen zunehmen wird.[34]

Seit einigen Jahren steht Biodiesel in der Kritik, da für die Produktion Palmöl verwendet wird. Für die Einrichtung von Palmölplantagen werden häufig Regenwaldflächen brandgerodet. Diese stellen eine Klimagassenke dar und beherbergen eine große Biodiversität.[35] Dagegen wird argumentiert, dass in Mittel- und Nordeuropa Palmöl energetisch nicht nutzbar sei, da der Treibstoff sich bei niedrigen Temperaturen verfestigt und da nur 5 % der Palmölproduktion energetisch genutzt wird.[36]

[Bearbeiten] Nachhaltigkeit

Durch die seit August 2009 in Deutschland gültige Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung (BioSt-NachV) bzw. seit September 2009 gültige Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung (Biokraft-NachV) soll eine nachhaltige Produktion sichergestellt werden. Grundlage der Verordnungen sind entsprechende Anforderungen gemäß der EU-Richtlinie 2009/28/EG (Erneuerbare-Energien-Richtlinie).[37] Mit der Biokraft-NachV soll sichergestellt werden, dass flüssige Biomasse, die zur Stromerzeugung eingesetzt und nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet wird, nur unter Beachtung verbindlicher ökologischer und sozialer Nachhaltigkeitsstandards hergestellt wird. Nicht nachhaltig hergestellte Biomasse soll künftig nicht mehr nach dem EEG vergütet werden. Der Nachweis, dass die Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllt werden, ist durch ein Zertifizierungsverfahren (Zertifizierung (Biomasse))zu erbringen. Die Ausstellung ist an die Einhaltung anerkannter Zertifizierungssysteme gebunden und wird von unabhängigen Zertifizierungsstellen überwacht. Eines der von der deutschen Bundesregierung in Zusammenarbeit mit dem Meo consulting team[2] vorgestellten Zertifizierungsverfahren ist das ISCC-Project (International Sustainability and Carbon Certification)[3].

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c d - Biokraftstoffe - Basisdaten Deutschland, Stand Oktober 2009 Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), Gülzow, 2009, 14-seitige Broschüre, als pdf verfügbar
  2. 1 l Biokraftstoff bzw. 1 kg Biomethan entspricht dieser Menge konventionellen Kraftstoffs
  3. ohne Nebenprodukte
  4. Preis für die Menge Biokraftstoff, die äquivalent zu 1 l konventionellem Kraftstoff ist
  5. separate Berechnung, nicht auf den anderen Daten basierend
  6. - Preisentwicklung von Rapsöl als Kraftstoff, CARMEN e.V., aktuelle Preisnotierungen, abgerufen am 04.12.2009
  7. a b c mit Biomethan aus Nebenprodukten Rapskuchen/ Schlempe/ Stroh
  8. a b c Biokraftstoffe - Basisdaten Deutschland, Stand Januar 2008 Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), Gülzow, 2008, Broschüre, wegen aktualisierter Version nicht mehr als pdf verfügbar
  9. - Preisentwicklung von Biodiesel, UFOP, aktuelle Preisnotierungen, abgerufen am 04.12.2009
  10. - Preisentwicklung von Bioethanol E85, CARMEN e.V., aktuelle Preisnotierungen, abgerufen am 04.12.2009
  11. Biogastankstelle Jameln
  12. auf Basis von FT-Kraftstoffen
  13. http://www.bverfg.de/pressemitteilungen/bvg07-084.html Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Besteuerung von Biokraftstoffen ab 01. August 2006, erlassen am 25.07.2007
  14. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Ernährungskrise: Stiller Tsunami, 22. April 2008
  15. http://www.nachhaltigkeitsrat.de/index.php?id=3520
  16. a b c OECD: Growing bio-fuel demand underpinning higher agriculture prices, says joint OECD-FAO report, 4. Juli 2007; bezogen auf OECD-FAO: OECD-FAO Agricultural Outlook 2007-2016 (PDF; 779 KB)
  17. Mitchell, Donald: A Note on Rising Food Prices. April 8, 2008
  18. UN-Energy: Sustainable Bioenergy. A Framework for Decision Makers (S. 36 PDF; 1,01 MB)
  19. n-tv.de: Ohne Biosprit geht es nicht, Interview mit Uwe Lahl, 2. April 2009
  20. Agentur für Erneuerbare Energien: Globale Bioenergienutzung – Potenziale und Nutzungspfade. Berlin 2009, S. 9
  21. Financial Times Deutschland: Lachgas ist Ozonkiller Nummer Eins. Financial Times Deutschland. Abgerufen am 3. September 2009.
  22. Ravishankara, A. R. et al.: Nitrous Oxide (N2O): The Dominant Ozone-Depleting Substance Emitted in the 21st Century.. In: Science. Epub ahead of print, 2009. PMID 19713491
  23. Süddeutsche Zeitung: Alternative Energiequellen – Klimakiller vom Acker, 26. September 2007
  24. Die Zeit: Ernüchternde Klimabilanz, 26. September 2007
  25. P. J. Crutzen, A. R. Mosier, K. A. Smith & W. Winiwarter: N2O release from agro-biofuel production negates global warming reduction by replacing fossil fuels. In: Atmos. Chem. Phys. Discuss. 7, 2007, S. 11191-11205 (Abstract).
  26. P. J. Crutzen, A. R. Mosier, K. A. Smith & W. Winiwarter: N2O release from agro-biofuel production negates global warming reduction by replacing fossil fuels. In: Atmos. Chem. Phys. 8, 2008, S. 1389-395 (Abstract und vollständige Veröffentlichung als PDF)).
  27. Manfred Wörgetter, Marion Lechner, Josef Rathbauer: Ökobilanz Biodiesel. Eine Studie der Bundesanstalt für Landtechnik im Auftrag des Bundesminsteriums für Land- und Forstwirtschaft. März 1999. S. 19
  28. Das Fraunhofer-Institut zu Aspekten des Einsatzes von Biodiesel
  29. http://www.unep.fr/scp/rpanel/pdf/Assessing_Biofuels_Full_Report.pdf
  30. Edelmann et al., (2000): Ökologischer, energetischer und ökonomischer Vergleich von Vergärung, Kompostierung und Verbrennung fester biogener Abfallstoffe
  31. SRU (2007), Klimaschutz durch Biomasse. Sondergutachten
  32. R. Zah et al (2007): Ökobilanz von Energieprodukten
  33. Joseph Fargione, Jason Hill, David Tilman, Stephen Polasky, Peter Hawthorne: Land Clearing and the Biofuel Carbon Debt. In: Science, 7. Februar 2008 ([1])
  34. Gründinger, Wolfgang: Die Energiefalle. Rückblick auf das Erdölzeitalter. München 2006, Kapitel 2
  35. Scientists warn on biofuels as palm oil price jumps (englisch) Reuters, 1. Juni 2006
  36. US Dep. of Agriculture 2008
  37. Information zur Nachhaltigkeitverordnung-Biomassestrom und -Biokraftstoff Umweltgutachter-Ausschusses (UGA) des BMU, abgerufen am 25.11.2009


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