Birkel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum deutschen Unternehmer siehe Karl Christian Birkel.
Birkel Teigwaren GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1874
Sitz Hamburg, Deutschland
Leitung Christian Strasoldo-Graffemberg
Mitarbeiter 260 (2010)[1]
Umsatz ca. 90 Mio. EUR (2010)[1]
Branche Nahrungsmittelindustrie
Produkte TeigwarenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.birkel.de
Birkel-Hauptsitz in Hamburg

Die Birkel Teigwaren GmbH war der größte Nudelhersteller in Deutschland. Der Sitz des Unternehmens ist in Hamburg, die Produktion ist in Mannheim angesiedelt. 2006 wurden 80.000 Tonnen Nudeln hergestellt. Der Jahresumsatz betrug 90 Millionen Euro. Der Marktanteil am deutschen Nudelmarkt lag bei 18 %. Im Jahr 2011 lag die verkaufte Menge nur noch bei ca. 55.000 to., da man sich im Wesentlichen auf das Markengeschäft konzentriert hat. Damit sank der Umsatz ebenfalls erheblich.

Geschichte[Bearbeiten]

Birkel Nudeln

1874 gründete Balthasar Stephan Birkel einen Mühlen- und Produkthandel in Schorndorf. 1896 erfolgte dort die Grundsteinlegung zur ersten Nudelfabrik. Die ersten Nudeln wurden 1902 unter dem Markennamen Victoria auf den Markt gebracht. Ab 1906 firmierte das Unternehmen unter Schwaben-Nudel-Werke B. Birkel Söhne. 1950 wurde die Produktion auf Vollautomatisierung umgestellt. Ab 1977 erweiterte Birkel sein Angebot um Paniermehl, Soßen und Fertiggerichte.[2] 1980 übernahm Birkel die TAG Nahrungsmittel GmbH in Mannheim.

Unter anderem der Flüssigei-Skandal Mitte der 1980er Jahre führte zu einer Krise bei deutschen Nudelherstellern. Die Öffentlichkeit wurde vom Stuttgarter Regierungspräsidium unter Regierungspräsident Manfred Bulling über die mutmaßliche Verwendung bebrüteter, befruchteter, und mikrobiell verseuchter Eiprodukte (Flüssigei) in Nudeln informiert. Bei Birkel traf dies – so jedenfalls die damalige Ansicht – nicht zu. Klaus Birkel, das letzte Mitglied der Gründerfamilie in der Unternehmensführung, einigte sich 1991 mit der damaligen Landesregierung auf einen Vergleich und erhielt eine Schadensersatzzahlung in Millionenhöhe. Der Umsatzeinbruch jedoch war immens, und die Danone-Gruppe übernahm Birkel.[3]

Nach späteren Pressemeldungen sollen tatsächlich mikrobielle Verunreinigungen vorgelegen haben, die durch das Zusammenwirken von Unternehmen, einem beteiligten Gutachter und der damaligen Landesregierung verschleiert wurden.[4] Aus Unterlagen, die dem Stern vorlagen, ergaben sich Hinweise darauf, dass in Birkel-Produkten tatsächlich befruchtete und bebrütete Eier sowie Schmutzeier und auch Schlachtabfälle verarbeitet worden waren.[5][6]

Das heutige Unternehmen wurde 1999 durch einen Management-Buy-out wieder selbständig. Drei Mitarbeiter erwarben Firma und Marke Birkel mit finanzieller Unterstützung einer Beteiligungsgesellschaft deutscher Banken.[2]

2000 fusionierte Birkel mit dem Weinheimer Unternehmen 3 Glocken. 2001 wurde die ostdeutsche Möwe Teigwarenwerk GmbH übernommen. 2007 kaufte der spanische Konzern Ebro Foods (Puleva) Birkel für 30 Millionen Euro.[7] Die Produktion in Waren an der Müritz sollte 2011 geschlossen werden, durch eine MBO-Übernahme ab 1. Juli 2011 wurde dieses verhindert, 2012 wurde der Firmensitz nach Hamburg verlegt.

Die Newlat Group, ein italienischer Hersteller von Pasta, Backwaren sowie Molkereiprodukten, erwarb zum 1. Januar 2014 die deutschen Nudelmarken Birkel und 3 Glocken vom spanischen Lebensmittelkonzern Ebro Foods.[8]

Sammelbilder[Bearbeiten]

Ab Ende der 1950er Jahre wurden den Packungen für Nudeln Sammelbilder beigefügt, Vorlage für dieses Werbemittel waren die Liebigbilder. Titel waren zum Beispiel Branko – Eine Erzählung aus der Vorzeit des Menschen (1962), Was weißt du von der Welt? (1966), Auf Piratenjagd (1964), Was wächst und blüht? (1965) und Die Welt von Morgen (1959–1962).

Sonstiges[Bearbeiten]

ehemaliger Produktionsstandort in Waren (2011 geschlossen)[9]

Die drei großen B, Birkel (Newlat Group, italienischer Konzern), Barilla S.p.A. (italienischer Konzern) und Buitoni (Nestlé S.A., Schweizer Konzern), beherrschen 25 % des Nudelmarktes in Deutschland.[10]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Birkel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Nudelhersteller Birkel vor gravierenden Einschnitten. BörseGo, 19. April 2011, archiviert vom Original am 20. April 2011, abgerufen am 20. April 2011.
  2. a b Universität Hohenheim, Wirtschaftsarchiv: Bestand: Y 018; Name: Birkel Söhne GmbH
  3. Der schwäbische Flüssigei-Skandal. Stuttgarter Nachrichten vom 21. Oktober 2005
  4. Stuttgarter Regierung unterdrückte Beweise, Stern-Artikel aus Heft 12/2008
  5. Stern: Darmpakete und Persilscheine, 14. März 2008
  6. Stern: Birkel-Affäre - Es waren Ekel-Eier drin!, 21. März 2008, S. 174 ff.
  7. Süddeutsche Zeitung 18. Juli 2007
  8. Buitoni-Hersteller Newlat kauft Birkel und 3 Glocken. Markenartikel Magazin, 18. Dezember 2013
  9. http://www.birkel.de/ueber-uns/geschichte/moewe/ Möve wurde 2002 von Birkel übernommen
  10. Stiftung Warentest: Buitoni bietet die besten. 24. März 2011