Birkenporling

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Birkenporling
Ein Birkenporling am Stamm einer Birke

Ein Birkenporling am Stamm einer Birke

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Stielporlingsartige (Polyporales)
Familie: Stielporlingsverwandte (Polyporaceae)
Gattung: Zungenporlinge (Piptoporus)
Art: Birkenporling
Wissenschaftlicher Name
Piptoporus betulinus
(Bull.) P.Karst.

Der Birkenporling (Piptoporus betulinus) ist ein Pilz aus der Familie der Stielporlingsverwandten. Er befällt Birken und lebt auf ihnen parasitär.

Merkmale[Bearbeiten]

Fruchtkörper[Bearbeiten]

Der Birkenporling bildet einjährige Fruchtkörper, die sich von Juli/August bis November ausbilden. Zumeist treten die Fruchtkörper einzeln an Stammpartien auf, seltener auch dachziegelartig übereinander. Die befallenen Partien zeigen äußerlich in der Regel keine weiteren Schäden.[1]

Der Hut des Birkenporlings ist zunächst knollenartig geformt und wächst sich mit der Zeit zu einer flachen, kissen- oder nierenförmigen Gestalt aus. Er erreicht eine Breite von bis zu 30 cm und ragt etwa 5−20 cm aus der Borke heraus. Die Dicke des Hutes beträgt dabei ca. 2−7 cm. Die Ansatzstelle am Stamm ist stielartig verschmälert und weist nicht selten einen Buckel nach oben auf. Während die Huthaut zunächst glatt und weißlich-cremefarben ist, wandelt sich ihr Farbton mit fortschreitendem Alter ins Ockerbraune; bisweilen erhält sie durch den Bewuchs mit Algen eine grünliche Färbung. Sie lässt sich abziehen und wird mit der Zeit feldrig rissig. Der Hutrand ist für gewöhnlich regelmäßig nach unten gewölbt, in manchen Fällen auch wellig. Die Poren auf der Unterseite des Hutes sind jung weiß, mit zunehmendem Alter nehmen sie einen gräulichen Farbton an. Auf einen Millimeter kommen etwa zwei bis vier Poren. Die Röhren des Birkenporlings haben eine Länge von 1−8 mm.
Das Pilzfleisch ist anfangs weiß, saftig und weich, später wird es fester und trockener, mit einer Konsistenz, die an Kork erinnert. Der Geruch ist unbedeutend. Im Geschmack sind Birkenporlinge jedoch mit fortschreitendem Alter zunehmend bitter. Die Pilzsporen bilden ein weißes Pulver.[2][3][1][4]

Die Möglichkeit der Verwechslung besteht nur bei jungen Pilzen mit dem Zunderschwamm. Letzterer hat jedoch ein hellbraunes Pilzfleisch und verursacht eine Weißfäule (siehe Abschnitt Schadbild).[1]

Mikroskopische Eigenschaften[Bearbeiten]

Die Sporen des Birkenporlings zeigen unter dem Mikroskop ihre wurstartige Form. Sie haben eine Größe von 5−7 × 1,5−2 µm, besitzen eine glatte Oberfläche und sind durchscheinend. Sie sind nicht amyloid, jedoch allantoid; sie sitzen je zu zweien oder zu vieren auf den Basidien. Die Trama ist dimitisch, das heißt, sie besteht aus Skelett- und generativen Hyphen. Der Birkenporling hat keine Zystiden.[3][5]

Schadbild[Bearbeiten]

Der Birkenporling verursacht an der Birke eine starke Braunfäule. Das Holz des befallenen Baums wird brüchig und verfärbt sich dunkelbraun (Würfelbruch). Zwischen den Bruchlinien des Holzes findet sich das Mycel des Pilzes. Die Folge ist meist Windbruch auf Höhe des Befalls.[6]

Ökologie und Verbreitung[Bearbeiten]

Der Birkenporling befällt ausschließlich Birken. Für gewöhnlich dringt der Pilz über Abbruchstellen von Zweigen, wo das Xylem freigelegt wurde, in alte, absterbende oder bereits tote Bäume ein. Dabei baut er die Zellulose des Baumes ab, was an der Holzsubstanz zu massiven Verlusten führt. Innerhalb von drei Monaten kann der Baum in den befallenen Bereichen so 50−70 % seiner Masse verlieren. Dies ist schwerwiegend, da Birken nur etwa 20 % Masseanteil an Lignin enthalten. Da es sich bei diesen Zahlen jedoch um Labormessungen handelt, kann nicht ohne Weiteres auf die freie Natur geschlossen werden. So wurden in Birkenwäldern auch Exemplare gefunden, die das Holz gefallener Bäume auch nach fünf Jahren noch befielen; die Zersetzung des Holzes lief dementsprechend weit langsamer ab.[7]

Birkenporlinge sind mesophil, d.h. sie bevorzugen eine Temperatur von 25 °C. Ab einer Temperatur von 30 °C stockt ihr Wachstum, das Temperaturminimum für den Wuchs liegt bei etwa 7−9 °C. Dem entspricht folglich auch die Verbreitung des Pilzes: er findet sich überall in Nordamerika und Eurasien, wo während der Ausbildung seines Fruchtkörpers diese Temperaturen herrschen und ein Bestand an Birken existiert.
Gleichzeitig ist der Birkenporling auch auf den Verbleib der Rinde am Holz angewiesen, da sie den Feuchtigkeitsgehalt des Holzes auch langfristig stabil hält, wobei der Pilz zwischen 35 und 100 % Feuchtigkeitsgehalt benötigt. Zudem enthält sie für den Pilz notwendige Inhaltsstoffe wie Tannine.[7]

Der Birkenporling wird oft von mycetophagischen Schädlingen befallen, wobei es sich in der Regel um Insekten und Milben handelt. Dabei wird der Fruchtkörper in den ersten sechs Monaten besonders von Tetratoma fungorum befallen, abgestorbene Pilze werden vorwiegend von Cis bilamellatus zersetzt; bei beiden Arten handelt es sich um Käfer, die sich in erster Linie von Pilzen ernähren.[8] Während letzterer seinen kompletten Lebenszyklus im Fruchtkörper verbringt, verpuppt sich T. fungorum im morschen Holz oder im nahen Erdreich, bevor die Imagines den Pilz befallen.[9]

Alte Fruchtkörper werden oft vom Birkenporling-Kissenpustelpilz besiedelt.[10]

Systematik[Bearbeiten]

Für den Birkenporling werden keine Unterarten oder Varietäten anerkannt.[11]

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Birkenporling ist jung essbar, jedoch aufgrund seiner Bitterkeit ungenießbar.[3]

In der Baumpflege ist der Birkenporling ein Indikator für den Verlust der Gesundheit eines Baumes. Da er die Bruchsicherheit erheblich reduziert, müssen befallene Bäume in der Regel gefällt werden.[1]

Bedeutung hatte der Pilz in früherer Zeit vor allem als Arzneimittel. Der in dünne Streifen geschnittene Fruchtkörper wurde als Bandage zur Wundheilung verwendet, unter anderem wegen seiner entzündungshemmenden Inhaltsstoffe. In Skandinavien wurde sein Fruchtfleisch als Scheide für Messer verwendet, um sie vor Rost zu schützen.[12]

Der Mann vom Hauslabjoch[13], allgemein bekannt als Ötzi, eine etwa 5300 Jahre alte Gletschermumie aus der ausgehenden Jungsteinzeit (Neolithikum) oder der Kupferzeit (Eneolithikum, Chalkolithikum), die beim Tisenjoch nahe dem Hauslabjoch in den Ötztaler Alpen oberhalb des Niederjochferner in 3210 m Höhe gefunden wurde, führte zwei Birkenporlinge mit sich. Während zunächst vermutet wurde, die Pilze hätten möglicherweise Halluzinogene enthalten, stellte sich dies bald als falsch heraus, ebenso wie die Verwendung als Zunder. Wahrscheinlich trug der Mann die Pilze wegen ihrer antibiotischen Wirkung mit sich.[14]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Harry J. Hudson: Fungal Biology. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1992, ISBN 0-521-42773-8, S. 100.
  • William C. Roody: Mushrooms of West Virginia and the Central Appalachians. University Press of Kentucky, Lexington KY 2003, ISBN 0-8131-9039-8, S. 381.
  • Antje Wohlers, Thomas Kowol, Dirk Dujesiefken: Pilze bei der Baumkontrolle. Erkennen wichtiger Arten an Straßen- und Parkbäumen. Thalacker Medien, Braunschweig 2001, ISBN 3-87815-167-5, S. 14−15.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Birkenporling – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Birkenporling – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Antje Wohlers, Thomas Kowol, Dirk Dujesiefken: Pilze bei der Baumkontrolle. Erkennen wichtiger Arten an Straßen- und Parkbäumen. Thalacker Medien, Braunschweig 2001. ISBN 3-87815-167-5, S. 14−15
  2. Michael Kuo: Piptoporus betulinus www.mushroomexpert.com, Januar 2004. Abgerufen am 4. Oktober 2009.
  3. a b c William C. Roody: Mushrooms of West Virginia and the Central Appalachians University Press of Kentucky, 2003. ISBN 0813190398, S. 381
  4. Donald M. Huffmann: Mushrooms and other fungi of the midcontinental United States. University of Iowa Press, 2008. ISBN 1587296276, S. 207
  5. Michael Jordan: The encyclopedia of fungi of Britain and Europe. frances lincoln ltd, 2004. ISBN 0711223793, S. 93.
  6. Ian M. Smith: European handbook of plant diseases. Wiley-Blackwell, 1988. ISBN 0632012226, S. 520.
  7. a b Harry J. Hudson: Fungal Biology CUP Archive, 1992. ISBN 0521427738, S. 100.
  8. Quentin Wheeler, Meredith Blackwell: Fungus-insect relationships: perspectives in ecology and evolution Columbia University Press, 1984. ISBN 0231056958, S. 147
  9. Erich Kreissl: Zum Vorkommen von Tetratoma fungorum FABR. in der Steiermark bzw. in Österreich (Hex., Coleoptera, Serropalpidae) (PDF; 485 kB) In: Mitt. Abt. Zool. Landesmus. Joanneum. Heft 40, S. 67—70.
  10. Svengunnar Ryman & Ingmar Holmåsen: Pilze. Bernhard Thalacker Verlag, Braunschweig 1992. ISBN 3-8781-5043-1, S. 665.
  11. Index Fungorum Abgerufen am 4. Oktober 2009.
  12. Olaf Schmidt: Wood and tree fungi: biology, damage, protection, and use Springer, 2006. ISBN 3540321381, S 199.
  13. Konrad Spindler: Der Mann im Eis. Die jungneolithische Gletschermumie vom Hauslabjoch in den Ötztaler Alpen. in: Nürnberger Blätter zur Archäologie. Nürnberg 9.1992/93, S. 27-38. ISSN 0938-9539
  14. Brenda Fowler: Iceman: uncovering the life and times of a prehistoric man found in an alpine glacier University of Chicago Press, 2001. ISBN 0226258238, S. 116.