Birkenrinde

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Borke der Papier-Birke (Betula papyrifera)

Als Birkenrinde wird die weiche und biegsame Rinde der Birke bezeichnet, sie fand früher einen vielfältigen Gebrauch. Die Rinde der in Mitteleuropa wachsenden Birken lässt sich allerdings nicht so leicht in großen Stücken abschälen wie die der Birken der schwedischen, finnischen, russischen, aber auch nordamerikanischen Taiga.

Verwendung[Bearbeiten]

Baumaterial[Bearbeiten]

Birkenrindenkanu

Birkenrinde brauchte man als Dachabdeckung sowie als Unterlage bei Schwellen und Balken. Aufgrund der langanhaltenden weichen und biegsamen Eigenschaften der Rinde wurden Matten, Körbe, Tabakdosen, Fackeln und vieles mehr aus ihr hergestellt.

Tragekorb aus Birkenrinde

In den skandinavischen Ländern sowie in Russland und Finnland wurden auch Schuhe, Rucksäcke, Umhüllungen für Glasflaschen, Messerscheiden und Signalhörner aus Birkenrinde angefertigt. Die Birkenrinde wurde auch durch spezielle und traditionelle Verfahren elastisch gemacht und für die Laminierung bzw. für die Bespannung von Bögen verwendet. In der slawischen Kultur wurde diese Methode gerne angewendet, um ihre Kompositbögen vor Witterung zu schützen.

Größere Birkenrinden-Platten konnten auch zu Köchern verarbeitet werden, zum Beispiel der ungarische Bereitschaftsköcher oder der slawische Köcher aus Birkenrinde. Kleinere Stücke oder Reste können zu (Messer-)Griffen verarbeitet werden.

Medizin[Bearbeiten]

Die Birkenrinde wurde schon seit dem Mittelalter auch als Naturheilmittel verwendet. Neue Forschungen zur medizinischen Anwendbarkeit von Inhaltsstoffen ergaben (2014), dass die in der Birkenrinde enthaltenen Triterpene für eine Wundheilung förderlich sind [1][2]. Triterpene sind chemische Verbindungen, die der Pflanze zur Abwehr von Schädlingen und zum Schutz vor UV-Strahlung dienen.

Kunst[Bearbeiten]

Zeitgenössische Birkenrindenkunst von Kelly Church aus dem Volk der Anishinabe

Heute wird Birkenrinde vor allem noch für Gegenstände des Kunstgewerbes verwendet, wie Vorratsbehälter (Tujes), Schatullen, Dosen, Schmuck und anderes. Die Oberfläche der Birkenrinde eignet sich ideal für das Bemalen mit Tusche oder Acrylfarbe. In der traditionellen russischen Kunst gibt es Tuschezeichnungen, welche die natürlichen Verwachsungen in das Gemälde einbeziehen. Schatullen oder Tujes werden in Russland u. a. mit „Mesenskaya Rospis“ verziert.

Heutzutage wird die naturbelassene Birkenrinde auch wie ein Bild oder eine Collage in der Wohnung aufgehängt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Wie Hieronymus Bock berichtet, verwendete man die Rinde im 16. Jahrhundert als Schreibmaterial, eine Verwendung, die deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg in Form von Postkarten in die Heimat wieder aufleben ließen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Semyenowa Maria (2007). "Wir-Slawen". St. Petersburg: Asbuka-klassika

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Birkenrinde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBirken wirken – Forscher untersuchen die heilende Wirkung von Extrakten aus der Birkenrinde. In: Pflanzenforschung.de. Abgerufen am 3. Januar 2015.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSandra Ebeling et al. (2014): From a Traditional Medicinal Plant to a Rational Drug: Understanding the Clinically Proven Wound Healing Efficacy of Birch Bark Extract. In: PLoS One 9(1), (22. Januar 2014). In: Plosone.org (in englisch). Abgerufen am 3. Januar 2015.