Birr AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Birrf zu vermeiden.
Birr
Wappen von Birr
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Brugg
BFS-Nr.: 4092i1f3f4
Postleitzahl: 5242
UN/LOCODE: CH BRR
Koordinaten: 657646 / 25420447.4361068.202787405Koordinaten: 47° 26′ 10″ N, 8° 12′ 10″ O; CH1903: 657646 / 254204
Höhe: 405 m ü. M.
Fläche: 5.05 km²
Einwohner: 4285 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 849 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 45,4 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.birr.ch
Birrfeld Alstom 9675.jpg

Karte
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Birr ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Brugg des Schweizer Kantons Aargau. Das Dorf liegt auf halbem Weg zwischen Lenzburg und Brugg. Birr ist bekannt als eine der Wirkungsstätten des Reformpädagogen Johann Heinrich Pestalozzi.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt am westlichen Rand des Birrfelds, einer ausgedehnten Ebene zwischen der Aare im Westen und der Reuss im Osten. Die Ebene ist weitgehend flach, wird landwirtschaftlich intensiv genutzt und ist im Südosten des Gemeindegebiets von einem Wald bedeckt. Südlich des Dorfes ragt die steile bewaldete Nordflanke des Chestenbergs in die Höhe, einem bis zu 647 Meter hohen Ausläufer des Faltenjuras östlich der Aare, der das Birrfeld vom Bünztal trennt. Birr ist mit Lupfig vollständig zusammengewachsen, die Grenzen zwischen den einst getrennten Dörfern sind im Landschaftsbild nicht mehr auszumachen.[3]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 505 Hektaren, davon sind 176 Hektaren bewaldet und 151 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf dem Chestenberg auf 645 Metern, der tiefste auf 390 Metern in der Ebene.

Nachbargemeinden sind Lupfig im Westen und Norden, Birrhard im Osten, Brunegg im Südosten und Möriken-Wildegg im Südwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Bire erfolgte im Jahr 1270 in einem Kaufvertrag, der den Erwerb von Grundstücken in diesem kleinen Ort durch das Kloster Wettingen bestätigte. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze) birchun und bedeutet «bei der Birke».[4] Birr war im Mittelalter Teil des Eigenamts, des ältesten Besitzes der Grafen von Habsburg, deren Stammsitz drei Kilometer nordwestlich des Dorfes liegt. 1397 gelangten Grund- und Gerichtsherrschaft über Birr als Schenkung in den Besitz des Klosters Königsfelden in Windisch.

Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 übernahm die Stadt Bern die Herrschaft, das Eigenamt war nun Teil der Untertanengebiete im Berner Aargau. 1528 führten die Berner die Reformation ein und lösten das Kloster Königsfelden auf. Sie wandelten das Eigenamt in die Landvogtei Königsfelden um und übten danach sämtliche Rechte aus.

Pestalozzi-Denkmal am alten Schulhaus

1771 zog der Reformpädagoge Johann Heinrich Pestalozzi auf den Neuhof, wo er sich zuerst als landwirtschaftlicher Unternehmer versuchte. Durch die Einführung neuer Gewächse und neuer Düngemethoden wollte er der teilweise verarmten Bauernschaft ein Beispiel geben, wie sie ihre Situation verbessern könnten. Nachdem dieses Unternehmen gescheitert war, nahmen er und seine Frau Anna Pestalozzi etwa 40 Kinder auf und verbanden industrielle Tätigkeiten wie Spinnen und Weben mit Schulunterricht und sittlicher Erziehung. Aus wirtschaftlichen Gründen musste die Anstalt 1780 geschlossen werden.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Birr gehört seither zum Kanton Aargau. Der Anschluss ans Eisenbahnnetz erfolgte am 1. Juni 1882 durch die Eröffnung der Strecke BruggHendschiken der Aargauischen Südbahn. Bis Mitte der 1950er Jahre blieb Birr ein kleines bescheidenes Bauerndorf. Doch dann wurde ein grosser Fabrikationsbetrieb der BBC (heute ABB und Alstom) gebaut. Für die vielen (meist ausländischen) Arbeitnehmer der BBC wurde die Siedlung Wyde mit 500 Wohnungen errichtet. In nur zehn Jahren verfünffachte sich die Einwohnerzahl[5]. Das Wachstum hat sich zwar seit 1970 deutlich verlangsamt, die Tendenz ist aber positiv geblieben.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Neuhof Herrenhaus

Spätestens seit dem 14. Jahrhundert bestand eine Kapelle, die zur Pfarrei Windisch gehörte. Mit der Einführung der Reformation wurde sie zur Pfarrkirche erhoben und 1662 durch einen Neubau von Abraham Dünz ersetzt.

Am südlichen Dorfrand befindet sich der Neuhof, wo 1773-1779 die Wirkungsstätte von Johann Heinrich Pestalozzi war. Im 1770 erbauten Pächterhaus lebte Pestalozzis Familie, das Herrenhaus entstand 1821/22. Nachdem das Pächterhaus 1858 vollständig niedergebrannt war, wurde es unter Verwendung der alten Mauern möglichst originalgetreu wieder aufgebaut. Ab 1914 wurde der Neuhof als Erziehungsheim genutzt und wandelte sich mit der Zeit zu einem Berufsbildungsheim. Das in einem ehemaligen Bauernhaus untergebrachte Dorfmuseum präsentiert Wohnkultur und landwirtschaftliche Gerätschaften früherer Jahrhunderte.[6]

Im Alstom-Betriebsgelände ist seit 2006 die weltweit erste marktreife Industriegasturbine ausgestellt, die von Adolf Meyer entwickelt worden und zwischen 1939 und 2002 in Neuenburg in Betrieb war.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau eine gelbe Birne an grünem Blätterzweig». Es handelt sich dabei um ein so genanntes sprechendes Wappen. Allerdings basiert das Aussehen des Wappens auf einer volksetymologischen Fehldeutung des Ortsnamens. Der Name stammt nicht von Birne ab, sondern von Birch (Birke).[7]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[8]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 498 448 550 562 651 2594 2912 3366 3529 4179

Am 31. Dezember 2013 lebten 4285 Menschen in Birr, der Ausländeranteil ist mit 45,4 % rund doppelt so hoch wie im kantonalen Durchschnitt. Bei der Volkszählung 2000 waren 35,2 % römisch-katholisch, 29,6 % reformiert, 9.0 % christlich-orthodox und 12,0 % muslimisch; 1,1 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[9] 71,2 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 7,2 % Italienisch, 6,7 % Serbokroatisch, 5,2 % Albanisch, 1,6 % Türkisch, 1,3 % Französisch, 1,0 % Spanisch, 0,6 % Portugiesisch.[10]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Brugg zuständig. Birr gehört zum Friedensrichterkreis Windisch.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Kirche von Birr

Das wirtschaftliche Hauptgewicht liegt in Birr bei der Industrie. Hier befinden sich unter anderem Betriebsstätten der ABB und der Alstom. Daneben gibt es weitere Industriebetriebe sowie zahlreiche Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen. Insgesamt werden gemäss Betriebszählung 2008 etwa 2900 Arbeitsplätze angeboten, davon 0,1 % in der Landwirtschaft, 72 % in der Industrie und 27 % im Dienstleistungssektor.[11]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Hauptstrasse von Lenzburg nach Brugg verläuft östlich des Dorfes durch die Industriezone. Das Dorf liegt knapp zwei Kilometer südlich des Autobahnanschlusses Brugg der A3 und profitiert dadurch von seiner ausgezeichneten Verkehrslage zwischen den Grossstädten Zürich und Basel. Seit 1995 besitzt Birr eine Bahnstation an der SBB-Linie Lenzburg-Brugg. Eine Postautolinie verkehrt zum Bahnhof Brugg.

Bildung[Bearbeiten]

Im Schulzentrum der Gemeinde werden die Primarschule, die Realschule und die Sekundarschule geführt. Die Bezirksschule kann in Windisch oder Brugg besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Aarau und Baden. Im Berufsbildungsheim Neuhof können straffällig gewordene Jugendlichen und solche aus schwierigen sozialen Verhältnissen eine handwerkliche oder landwirtschaftliche Berufslehre absolvieren.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070 und 1090, Swisstopo
  4.  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 90–92.
  5. Nina Fargahi: “Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen” NZZ-online 10. September 2011
  6.  Michael Stettler, Emil Maurer, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band II: Die Bezirke Lenzburg und Brugg, Birkhäuser Verlag, Basel 1953.
  7.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 121.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  11. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.