Bismarck (Film)

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Bismarck ist ein deutscher Spielfilm des Regisseurs Wolfgang Liebeneiner aus dem Jahr 1940. Diese Filmbiografie Otto von Bismarcks gehört mit Die Entlassung (1942) zu den nationalsozialistischen Propagandafilmen, die Bismarck als Vorbild und angeblichen Vorläufer Adolf Hitlers in Szene setzen.

Inhalt[Bearbeiten]

Obwohl er bei der Königin Augusta und dem Landtag unbeliebt ist, wird Graf Otto von Bismarck von König Wilhelm I. auf Anraten seines Kriegsministers Albrecht von Roon ins Kabinett berufen. Es hagelt innenpolitische Angriffe im Landtag und von Seiten des Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Vor allem der preußische Abgeordnete und Mediziner Rudolf Virchow ist sein schärfster Gegner. Bismarck löst den Landtag auf und unternimmt die verfassungswidrige Heeresreform. Er verbündet sich mit Österreich gegen Dänemark. Es kommt zu einem kurzen deutsch-dänischen Krieg. Dann kommt es zum Krieg gegen Österreich. Nach der siegreichen Schlacht von Königgrätz kämpft Bismarck anfangs vergeblich gegen eine Weiterführung des Krieges. Der König, im Siegesrausch, ist besessen von dem Ziel, in Wien einzumarschieren. Mit Hilfe des Kronprinzen, der sich zum ersten Mal auf Bismarcks Seite schlägt, kann der Friedensplan doch noch durchgesetzt werden.

Produktion und Propaganda[Bearbeiten]

Die Idee zum Film kam von Tobis-Produktionschef Ewald von Demandowsky, der damit Wünschen von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels nachzukommen suchte.

Entstehung und Uraufführung des Film fallen in die Zeit des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes und der Besetzung Polens durch Deutschland und die Sowjetunion. Entsprechend weist Bismarck den König darauf hin, dass die Militärkonvention mit Russland Preußen den Rücken frei halte; auf den Einwand des Königs hin, dass aber doch die Presse auf der Seite Polens sei, entgegnet Bismarck: „Bis die Schreier sich zu Taten entschließen, sind wir gerüstet. Sie wetzen ihre Mäuler und schießen mit Papier. Wir wetzen unsere Säbel und werden mit dem Zündnadelgewehr schießen.“[1] „Die Zeitungen sind nicht das Volk“:[2] Mit seiner Verachtung der Medien, die die nationalsozialistische Propaganda gegen demokratische Institutionen bedient, sucht Bismarck den König zu beruhigen.

Ursprünglich sollte Bismarck diverse antisemitische Szenen enthalten, die den Kampf der Juden in England gegen Bismarck als Gründer des Deutschen Reichs zum Thema gehabt hätten. Hiermit hätte sich Bismarck in andere aggressiv-antisemitische Filme des Jahres 1940 (Die Rothschilds, Jud Süß, Der ewige Jude) eingereiht. Im tatsächlich gedrehten Film blieb dann nur eine antisemitische Episode übrig: das erfolglose Attentat eines Juden auf Bismarck.[3]

Bismarck setzt seinen titelgebenden Protagonisten als Vorläufer Adolf Hitlers in Szene. Bismarck fungiert dabei als großer Mann, der sich allein mit seinem Willen und Genius gegen die Welt als Führergestalt durchsetzen muss, um seinem Land zur Größe zu verhelfen. Dieses Motiv taucht in Liebeneiners Die Entlassung (1942) wieder auf, dessen Held wiederum Bismarck ist; in anderen Filmen kam diese Rolle Friedrich dem Großen zu, so in Carl Froelichs Der Choral von Leuthen (1933), Hans Steinhoffs Der alte und der junge König (1935), Johannes Meyers Fridericus (1936) und Veit Harlans Der große König (1942).[4]

Allerdings ist auch Moltke im Film ein selbstsicherer, „großer Mann“; er siegt bei Königgrätz als wäre es eine Schachpartie, im Film wird dabei kein einziger kämpfender Soldat gezeigt.[5]

Gedreht wurde vom 10. Juni 1940 bis zum September 1940 in Plau, Wien, Bad Gastein und Berlin[6]. Die Uraufführung des damals als jugendfrei eingestuften Werks fand am 6. Dezember 1940 in Berlin im Ufa-Palast am Zoo statt. Die Aufführung des Films wurde nach Kriegsende von der alliierten Militärregierung verboten; nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde Bismarck aber nicht als Vorbehaltsfilm eingestuft, sondern erhielt von der FSK eine Altersfreigabe ab 18 Jahren.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die Filmprüfstelle gab dem Film die Prädikate „staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll“ sowie „jugendwert“.

Kritiken[Bearbeiten]

Das Lexikon des Internationalen Films sieht in Bismarck einen „[h]istorisch-biografische[n] Film über die Berufung Otto von Bismarcks zum preußischen Ministerpräsidenten 1862 bis zum Vorfrieden von Nikolsburg 1866“, dem es darum gehe, den „eisernen Kanzler“ zu porträtieren und ihm dabei das alleinige Verdienst um die Reichsgründung 1871 zuzuschreiben. Die sorgfältige Darstellung anerkennt das Lexikon genauso wie den Versuch der Konstruktion von „Entwicklungslinien bis zu Hitler“.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitiert bei Erwin Leiser: „Deutschland, erwache!“ Propaganda im Film des Dritten Reiches. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 37.
  2. Zitiert bei Erwin Leiser: „Deutschland, erwache!“ Propaganda im Film des Dritten Reiches. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 43.
  3. Erwin Leiser: „Deutschland, erwache!“ Propaganda im Film des Dritten Reiches. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 68.
  4. Erwin Leiser: „Deutschland, erwache!“ Propaganda im Film des Dritten Reiches. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 95.
  5. Erwin Leiser: „Deutschland, erwache!“ Propaganda im Film des Dritten Reiches. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 91.
  6. Karl-Heinz Wegner: „Berlin in Spielfilmen“. Staatliches Filmarchiv der DDR 1987, S. 32.
  7. http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=10818

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Rother: „Bismarck im nationalsozialistischen Spielfilm“, in: Klaudia Knabel (Hrsg.): Nationale Mythen - kollektive Symbole. Funktionen, Konstruktionen und Medien der Erinnerung. S. 245-265. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2005. ISBN 3-525-35581-5.