Bismarck (Schiff, 1939)

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Bismarck
Bundesarchiv Bild 193-04-1-26, Schlachtschiff Bismarck.jpg
p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
Schiffstyp Schlachtschiff
Klasse Bismarck-Klasse
Bauwerft Blohm & Voss, Hamburg
Baunummer 509
Baukosten 196,8 Mio. Mark
Stapellauf 14. Februar 1939
Verbleib Am 27. Mai 1941 versenkt48.166667-16.2Koordinaten: 48° 10′ 0″ N, 16° 12′ 0″ W
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
250,5 m (Lüa)
241,5 m (KWL)
Breite 36,0 m
Tiefgang max. 9,9 m
Verdrängung Standard: 41.700 tn.l.
Konstruktion: 45.950 t
maximal: 53.500 t
 
Besatzung 2.092 Mann Stamm
128 Mann Flottenstab
Maschine
Maschine 12 Dampfkessel
3 Satz Dampfturbinen
Maschinen-
leistung
150.170 PS (110.450 kW)
Geschwindigkeit max. 30,6 kn (57 km/h)
Bewaffnung
  • 8 × Sk 38 cm L/47 (1.004 Schuss)
  • 12 × Sk 15 cm L/55 (1.288 Schuss)
  • 16 × Flak 10,5 cm L/65 (6.825 Schuss)
  • 16 × Flak 3,7 cm L/83 (34.100 Schuss)
  • 12 × Flak 2 cm (44.000 Schuss)
Panzerung
  • Gürtel: 170–320 mm
  • Zitadelle: 120–145 mm
  • Panzerdeck: 80–120 mm
  • Oberdeck: 50-80 mm
  • Panzerquerschotte: 45–220 mm
  • Torpedoschotte: 45 mm
  • schwere Artillerie:
    Türme: 360 mm
    Barbetten: 220–340 mm
  • Mittelartillerie:
    Türme: 100 mm
    Barbetten: 100 mm
  • vorderer Kommandoturm: 350 mm
  • achterer Kommandoturm: 150 mm

Die Bismarck war ein Schlachtschiff der deutschen Kriegsmarine und bildete mit ihrem Schwesterschiff Tirpitz die Bismarck-Klasse. Bei der Indienststellung im August 1940 unter dem Kommando von Kapitän zur See Ernst Lindemann galt sie als das weltweit größte und kampfstärkste Schlachtschiff.

Im Mai 1941 wurde die Bismarck zusammen mit dem Schweren Kreuzer Prinz Eugen in den Nordatlantik geschickt, um dort Handelskrieg zu führen. Bald nach dem Beginn dieser Mission gelang ihr in der Dänemarkstraße die Versenkung des britischen Schlachtkreuzers Hood. Drei Tage darauf sank sie selbst nach einem schweren Gefecht mit Einheiten der britischen Royal Navy mit dem Großteil ihrer Besatzung im Nordatlantik.

Die Bismarck zählt heute zu den bekanntesten Schiffen der deutschen Kriegsmarine und ist daher Objekt zahlreicher literarischer Werke, fachwissenschaftlicher und technischer Untersuchungen sowie Modelldarstellungen.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwurf und Bau[Bearbeiten]

Zeichnungen der Bismarck
Stapellauf bei Blohm & Voss in Hamburg am 14. Februar 1939
360°-Ansicht

Der Versailler Vertrag gestattete Deutschland nur Kriegsschiffneubauten von maximal 10.000 Tonnen. Erst mit dem Abschluss des deutsch-britischen Flottenabkommens vom 18. Juni 1935, dem das Washingtoner Flottenabkommen vom 6. Februar 1922 zugrunde lag, war es Deutschland offiziell erlaubt, Schlachtschiffe mit einer Standardverdrängung von bis zu 35.000 tn.l. (long ton zu 1.016 kg) zu bauen. Diese Beschränkung wurde jedoch weitgehend ignoriert: Die Entwurfsarbeiten zielten von Anfang an auf eine Einsatzverdrängung von 41.700 Tonnen. Selbst diese Vorgabe wurde, durch zahllose Änderungen und Verbesserungen, die während der Planungs- und Bauphase eingebracht wurden, noch übertroffen. Die Bismarck verdrängte nach ihrer Fertigstellung vollständig ausgerüstet und mit Treibstoff aufgefüllt 53.500 Tonnen. Haushaltsrechtlich war das „Schlachtschiff F“, die spätere Bismarck, als Ersatzbau für das 1907 in Dienst gestellte Linienschiff Hannover ausgewiesen, welches  – wenn auch nicht mehr im Dienst – die Bismarck überlebte.

Am 1. Juli 1936 wurde die Bismarck bei Blohm & Voss in Hamburg auf Kiel gelegt.

Zu diesem Zeitpunkt galt Frankreich als der wahrscheinlichste Gegner in einem Seekrieg. Der Entwurf orientierte sich daher am damals modernsten französischen Schlachtschiff Dunkerque. Insbesondere Geschwindigkeit und Panzerschutz waren von großer Bedeutung. Bereits am 14. Februar 1939 wurde die Bismarck in Anwesenheit Adolf Hitlers vom Stapel gelassen. Sie wurde nach dem früheren deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck benannt, Taufpatin war Dorothea von Loewenfeld, die Frau Vizeadmirals Wilfried von Loewenfeld und Enkelin Bismarcks. Die Indienststellung erfolgte am 24. August 1940.[1]

Das Schiff war für den Einsatz im rauen Atlantik, dessen wechselnde Sichtweiten oft nur mittlere Gefechtsentfernungen erlaubten, besonders geeignet. Wegen des relativ breiten Schiffskörpers und präziser Entfernungsmesser erreichte seine schwere Artillerie auch bei schlechtem Wetter schnell eine hohe Zielgenauigkeit. Es wurde angestrebt, bereits mit der ersten Salve zu treffen. Der Panzerschutz konzentrierte sich auf die Hauptgeschütztürme, den Kommandoturm und die Seiten des Schiffs im Bereich der Wasserlinie. Der Horizontalschutz gegen Steilfeuer von oben und Fliegerbomben war dagegen eine erhebliche Schwachstelle.[2]

Zudem war die Flugabwehr unzureichend. Bei der schweren 10,5-cm-Flak gab es zwei unterschiedliche Doppellafetten, C 31 vorn und C 37 achtern. Das Koordinationssystem der C-37-Lafette war bei der Planung der Feuerleitgeräte vergessen worden. Das führte dazu, dass die vordere schwere Flak auf Lafette C 31 zielgenau war, während die achterne schwere Flak auf Lafette C 37 am Ziel vorbeischoss. Die Flakleitstände waren ungenügend, sehr schwer und neigten schon bei kleinen Treffern zum Totalausfall. Feuergeschwindigkeit und Richtgeschwindigkeit der mittleren Artillerie waren gegen Zerstörer geeignet, aber gegen Flugzeuge zu langsam.[3]

Der Bau erfolgte ab September 1939 angesichts des Kriegsausbruchs mit dem Vereinigten Königreich unter hohem Zeitdruck. Am Tag ihrer Indienststellung war die Bismarck infolgedessen noch nicht komplett ausgerüstet (es fehlten vor allem die Feuerleitanlagen), und sie galt daher erst im Frühjahr 1941 als einsatzbereit. Mit der Bismarck hatte die Kriegsmarine ihr erstes wirklich vollwertiges Schlachtschiff erhalten. Die bereits vorhandenen Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau waren von der Bewaffnung zu schwach (Hauptkaliber 28 cm), um sich mit der britischen Schlachtflotte messen zu können, was ihre Einsatzmöglichkeiten im atlantischen Zufuhrkrieg wesentlich einschränkte. Mit der Bismarck hoffte man nun, in der Lage zu sein, auch schwer bewachte Geleitzüge der Alliierten angreifen zu können.

Bei den Erprobungen in der Ostsee zeigte sich, dass das Schiff ohne seine Ruderanlage über die divergierenden, eng nebeneinander liegenden Antriebswellen mittels unterschiedlicher Propellerdrehzahlen Backbord/Steuerbord kaum steuerbar war.

Unternehmen Rheinübung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Unternehmen Rheinübung
Die Bismarck während des Gefechts in der Dänemarkstraße, von der Prinz Eugen aus aufgenommen

Nachdem die Bismarck einsatzbereit war, entschied Großadmiral Erich Raeder, sie in den Atlantik zu entsenden. Sie sollte dort im Verband mit dem Schweren Kreuzer Prinz Eugen auch stark gesicherte Geleitzüge angreifen können, indem die Bismarck die gegnerischen Kriegsschiffe auf sich zog, während die Prinz Eugen die Handelsschiffe angreifen sollte. Der solchen Einsätzen gegenüber kritische Hitler wurde nicht im Voraus informiert. Ursprünglich war geplant, das Bismarck-Schwesterschiff Tirpitz mit in die Unternehmung einzubeziehen, aber es galt nach Ansicht der Seekriegsleitung noch nicht als einsatzbereit. Zudem war vorgesehen, die beiden seit März 1941 in Brest liegenden Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau zeitgleich mit der Bismarck ebenfalls in den Atlantik vorstoßen zu lassen, um die Kräfte der Royal Navy zu zersplittern, doch aufgrund von Bombenschäden durch Luftangriffe und Maschinenstörungen war keines der beiden Schiffe dazu in der Lage.

Der Ausbruch der Bismarck und der Prinz Eugen durch die britische Blockade in den Atlantik wurde als Unternehmen Rheinübung bezeichnet. Geplant war, durch die Dänemarkstraße zwischen Island und Grönland den offenen Atlantik zu erreichen, wo es für die britische Flotte außerordentlich schwierig sein würde, die deutschen Kriegsschiffe zu stellen. Der Durchbruch gelang nicht unentdeckt, und der deutsche Verband wurde von den britischen Schlachtschiffen Hood und Prince of Wales gestellt. In diesem Gefecht in der Dänemarkstraße wurde die Hood von der fünften Salve der Bismarck durch eine darauf folgende Munitionsexplosion versenkt. Die sechste Salve war bereits abgefeuert, bevor die Hood getroffen wurde. Es gab nur drei Überlebende von insgesamt 1.419 Besatzungsmitgliedern. Die Prince of Wales erhielt ebenfalls mehrere schwere Treffer und drehte ab. Die Prinz Eugen hatte keinen, Bismarck drei, Hood vier und die Prince of Wales sieben Treffer erhalten.[4]

Überlebende werden von der Dorsetshire gerettet

Auf der Bismarck unterbrach jedoch ein nicht detonierter Durchschuss durch das schwach gepanzerte Vorschiff die Zuleitungen für ca. 1.000 Tonnen Heizöl von den vorderen Ölbunkern zu den Kesseln. In das Vorschiff drangen 3- bis 4.000 Tonnen Meerwasser ein und es entstand eine Schlagseite von 9 °. Die daraus resultierende Treibstoffknappheit und die entstehende Ölspur zwangen das Schlachtschiff, den geplanten Handelskrieg abzubrechen und möglichst direkt einen Hafen anzulaufen.

Während die Prinz Eugen in den Atlantik entlassen wurde, steuerte die Bismarck den Hafen Saint-Nazaire an der französischen Atlantikküste an. Dabei gelang es der Bismarck, sich den Fühlungshaltern Suffolk und Norfolk durch geschicktes Manövrieren zu entziehen.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Verfolger die Spur der Bismarck vollständig verloren. Admiral Lütjens nahm aber an, die Bismarck sei noch immer auf den Langstreckenradaranlagen der Royal Navy zu sehen. Daher traf er die folgenschwere Entscheidung, einen langen Funkspruch an das Marineoberkommando abzusetzen, in dem er um Verstärkung durch U-Boote und andere Kampfeinheiten ersuchte. Diesen Funkspruch fing die Royal Navy ab, machte so die Position und den Kurs der Bismarck erneut aus, und setzte im Laufe der nächsten Tage praktisch alle verfügbaren Einheiten im Atlantik auf die Bismarck an.

Auf der Fahrt nach Saint-Nazaire wurde das Schlachtschiff am 26. Mai 1941 durch Fairey Swordfish-Torpedobomber der Ark Royal mit Flugzeugtorpedos angegriffen. Die Geschwindigkeit der alten, maximal 221 km/h schnellen Doppeldecker wurde überschätzt. Zudem konnten die meisten der 52 Fla-Geschütze zur Abwehr nicht tief genug abgesenkt werden. Kein einziges Flugzeug wurde abgeschossen, obwohl ein Großteil der Flak-Munition verbraucht wurde. Im Gegensatz zu einem früheren, fast wirkungslosen Flugzeug-Torpedotreffer, der von der Rumpf-Panzerung abgefangen wurde, erhielt das Schiff nun einen wirkungsvollen in die Backbord-Seite der Ruderanlage. Die Ruder wurden dadurch in etwa 15°-Stellung nach Backbord verklemmt und das Schiff konnte nur noch im Kreis fahren. Die beschädigte Ruderanlage konnte wegen des hohen Seegangs und des gefluteten Ruderraumes nicht repariert werden. Vielfältige Versuche, das Schiff gegen den Winddruck durch unterschiedliche Propellerdrehzahlen zu steuern, waren nicht erfolgreich. Deshalb fuhr das Schiff letztlich mit langsamer Fahrt seinen Verfolgern entgegen.

Am 27. Mai wurde das Schiff im Nordatlantik von zwei Schlachtschiffen und zwei Schweren Kreuzern gestellt und ging etwa 550 Seemeilen (etwa 1.000 Kilometer) westlich von Brest bei den Koordinaten 48° 10' Nord, 16° 12' West unter.[5] Bis heute wird die Frage einer Selbstversenkung kontrovers diskutiert (s. u.). 2104 Mann der Besatzung kamen dabei ums Leben,[6] 116 konnten gerettet werden, davon rettete die Dorsetshire 86, die Maori 25, das deutsche U-Boot U 74 drei und das deutsche Wetterbeobachtungsschiff Sachsenwald zwei Mann.

Entdeckung des Wracks[Bearbeiten]

Am 8. Juni 1989 wurde das Wrack der Bismarck vom US-amerikanischen Tiefseeforscher Robert Ballard in 4.800 Metern Tiefe entdeckt.[7][8] Die Bilder vom Wrack der Bismarck zeigen ein aufrecht auf dem Meeresgrund aufsitzendes Schiff, dessen 15 Meter langes Heck ebenso wie ein Teil der Aufbauten abgerissen war.

Eine britische Expedition vom Juli 2001 kam zum Ergebnis, dass die Versenkung der Bismarck durch Torpedos erfolgte. Es wurde zwar mit Unterwasserrobotern gearbeitet, diese drangen jedoch nicht in das Schiffsinnere ein, um dort eventuelle kritische Beschädigungen durch Torpedos zu dokumentieren und so diese These zu bestätigen.

Eine Expedition von James Cameron im Jahre 2002 zeigte, dass das Wrack der Bismarck am verbliebenen Rumpf relativ unbeschädigt ist. Dies stützt die These, sie sei durch Selbstversenkungsmaßnahmen der Besatzung gesunken. Es wurden nur vier Durchschüsse von Artilleriegranaten durch den Gürtelpanzer gezählt, und auch die Untersuchung der Torpedoschotts mit Kamerarobotern lieferte keinen Hinweis auf eine Versenkung durch Torpedos. Es wurde zwar ein Torpedotreffer entdeckt, der aber außer einem Loch in der Außenhaut und der dadurch gefluteten wasserdichten Abteilung keine kritischen Beschädigungen des Rumpfes hervorgerufen hatte. Die Expedition fand eines der Ruder abgeknickt und mit dem Mittelpropeller verkeilt vor. Möglicherweise war dies der Schaden, der zur Manövrierunfähigkeit der Bismarck vor ihrem letzten Gefecht führte. Der Schaden könnte allerdings auch durch das Auftreffen des Rumpfes auf den Ozeanboden und das danach erfolgte Herunterrutschen an einem Hang verursacht worden sein.

Letztlich ist die Frage, ob das Schiff durch britische Torpedos oder durch Selbstversenkung unterging, nur eine Nebensächlichkeit, da es zum fraglichen Zeitpunkt bereits zum Wrack geschossen und als kampffähige Einheit ausgeschaltet worden war.

Im Umfeld des Wracks fanden sich die beim Sinken aus den Barbetten gefallenen Türme, der Kommandoturm (der kopfüber auf dem Artillerieleitstand liegend zur Ruhe kam) und unter anderen Trümmern ein Areal mit hunderten Seestiefeln, vermutlich etwa unterhalb der Stelle, an der die Überlebenden im Meer trieben.

Der Mythos der Bismarck[Bearbeiten]

Sofort nach dem Untergang der Bismarck betrieb die NS-Propaganda eine Umdeutung des katastrophalen Unternehmens. Das letzte Gefecht wurde und wird auch heutzutage noch zum heroischen Opfergang stilisiert und die behauptete Selbstversenkung mit dem Pathos des im Kampf unüberwundenen Schiffes aufgeladen. Die Bismarck wurde gleichsam zum Symbol des sich der Übermacht trotzig entgegenstellenden, aber letztlich nur durch eigene Hand fallenden mythischen Helden aufgebaut. Der sensationelle Erfolg gegen die damals bereits veraltete Hood diente dabei als Beleg der technischen Überlegenheit Deutschlands.

In der ersten Hälfte des Krieges verfügte die Royal Navy über nur wenige vergleichbar kampfstarke Kriegsschiffe. Mit Ausnahme der unter Beachtung der engen Begrenzungen des Washingtoner Vertrages gebauten King George V-Klasse und der Nelson-Klasse stammten alle britischen Schlachtschiffe noch aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Bewaffnung, Feuerleitausrüstung und vor allem Panzerung waren der Bismarck weit unterlegen. Dies erklärt den schnellen Untergang der Hood, die als Schlachtkreuzer mit generell schwächerer Panzerung konzeptionell nicht für den Kampf gegen Schlachtschiffe ausgelegt und auch technisch unterlegen war. Trotzdem war der Verlust der Hood für die Briten ein harter moralischer Schlag, da der Schlachtkreuzer als der Stolz der britischen Marine galt. Dies wird auch als einer der Gründe genannt, warum die britische Marine so schnell reagierte und die Bismarck direkt verfolgen ließ.

Standfestigkeit und Sinksicherheit war auf deutschen Großkampfschiffen schon im Ersten Weltkrieg wichtiger gewesen als Feuerkraft. Die geringen Totalverluste der deutschen Marine in der Skagerrakschlacht belegen dies.

Auf der Bismarck wurde diese Sinksicherheit durch die konsequente Unterteilung des gesamten Schiffsinneren in wasserdicht voneinander abgeschottete Abteilungen noch übertroffen. Die Durchschlagfestigkeit der Panzerung wurde durch die Verwendung neuartiger, hochwertiger Materialien und weniger durch deren Dicke erreicht. Diese Wotan hart (Wh) und Wotan weich (Ww) genannten Panzerstähle waren schweißbar und mussten nicht mehr auf das Schiff aufgenietet werden. Auf diese Weise ersetzte die Panzerung sogar teilweise die Außenhaut des Schiffes, was eine Gewichtsersparnis bedeutete. In Kombination mit dem gestaffelten System aus hintereinander angeordneten Panzerlagen erreichte man einen verblüffend effektiven Schutz. Allerdings erwies sich auch im Fall der beiden Treffer, die die Prince of Wales auf der Bismarck erzielte, dass ein Großkampfschiff im Kreuzerkrieg schon durch leichte Gefechtsschäden gezwungen werden konnte, die Unternehmung abzubrechen. Derartige Treffer, die zwar nicht die See- und Fahrtüchtigkeit einschränkten, konnten das Schiff dennoch an der Rückkehr in die Heimatgewässer hindern. Das gleiche Schicksal hatte zuvor bereits die Admiral Graf Spee erlitten.

Obwohl im Endkampf die britischen Schiffe auf kürzeste Distanz die bereits kampfunfähige Bismarck beschossen, konnten ihre großkalibrigen Granaten den Hauptpanzer noch immer nicht durchschlagen. Dies lag daran, dass die Granaten durch die flache Flugbahn horizontal gegen die starke seitliche Panzerung trafen. Mit einer größeren Kampfentfernung wären die britischen Granaten steiler von oben eingekommen und hätten den schwächeren Deckspanzer oder dessen Böschung durchschlagen können.

Das Ende der Bismarck kündigte darüber hinaus auch bereits das Ende der Schlachtschiff-Ära an. Immer größere und schlagkräftigere Schlachtschiffe zu bauen, erwies sich spätestens mit dem Ende der japanischen Yamato 1945 als Sackgasse. Auch Pearl Harbor hatte bereits 1941 gezeigt, dass Schlachtschiffe gegen eine große Zahl angreifender Flugzeuge nur geringe Überlebenschancen hatten. Das Schlachtschiff ist damit dem Flugzeugträger grundsätzlich unterlegen. Letzterer hat eine größere Reichweite und zielgenauere Waffen. So zeigte sich im „Unternehmen Rheinübung“ in Zeitrafferform der prinzipielle Wandel der Seestreitkräfte: Am 24. Mai zeigte die Bismarck durch Versenkung der Hood, dass die Zeit für die schwach gepanzerten Schlachtkreuzer lange abgelaufen war. Am 26. und 27. Mai deutete sich an, dass der Flugzeugträger der Nachfolger des Schlachtschiffs werden würde.

Einer Legende nach soll sich die Schiffskatze Oscar an Bord der Bismarck befunden haben, die später in Großbritannien Berühmtheit erlangte, da sie den Untergang der Bismarck und zweier weiterer Schiffe überlebte.[9]

Technik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bismarck-Klasse (1939)
Ruderanlage
Steuerbord-Brückennock
Arbeits- und Scheinwerferplattform von achtern gesehen
Flakleitstand A. Blick von unten auf den Einstieg in die Kalotte
Deckswand zwischen Turm „Cäsar“ und 15-cm-Turm Stb III
Turm Anton, der vorderste Turm der schweren Artillerie

Das 251 Meter lange Schlachtschiff mit drei Schrauben konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 30,1 Knoten erreichen (bei einer Geschwindigkeitsmessfahrt wurden sogar 30,8 Knoten gemessen). Die Marschgeschwindigkeit (Reisegeschwindigkeit) wurde jedoch, um den Treibstoffverbrauch in Grenzen zu halten, mit 19 Knoten gewählt.

Beiboote[Bearbeiten]

Die Bismarck verfügte über eine umfangreiche Ausstattung an Beibooten. Diese umfasste drei Admirals- oder Kommandantenboote („Chefboote“), eine Motorbarkasse, zwei Motorpinassen, vier Verkehrsboote (kurz: V-Boote), zwei Rettungs-Kutter für Mann-über-Bord-Manöver, zwei Jollen und zwei Dingis.

Die Pinassen und Verkehrsboote sowie die Barkasse dienten bei Liegezeiten auf Reede vornehmlich dem Personentransport zwischen dem Schiff und einer Anlegestelle.

Antrieb[Bearbeiten]

Der Antrieb der Bismarck bestand aus Dampfkesseln und Dampfturbinen. Die Maschinenleistung betrug 138.000 PS oder umgerechnet 101,5 MW.

Kesselanlage

Es gab zwölf Wagner-Hochdruck-Heißdampfkessel in sechs Kesselräumen sowie einen Hilfskesselraum. Sie waren mit Saacke-Brennern, natürlichem Umlauf, Speisewasservorwärmer, Rauchgasvorwärmer und Sattdampfüberhitzer ausgestattet.

Turbinenanlage

Die einzelnen Turbinensätze waren um die jeweiligen Getriebe herumgruppiert. Jeder Turbinensatz bestand aus Hoch-, Mittel- und Niederdruckteil (zuzüglich Rückwärtsturbinen). Eine Marschturbine gab es nicht.

Elektrische Anlage

Für die elektrische Energieversorgung standen insgesamt vier E-Werke zur Verfügung, zwei vor den Kesselräumen gelegen, zwei neben der Mittelmaschine. Jedes hatte zwei Dieselgeneratoren zu je 500 kW und zwei Turbogeneratoren. Von den Turbogeneratoren hatten fünf eine Leistung von je 690 kW und einer von 460 kW. Dieser war mit einem angehängten 400-kVA-Wechselstromgenerator gekoppelt. Außerdem gab es noch einen Wechselstrom-Dieselgenerator mit 550 kVA Leistung. Insgesamt leistete die E-Anlage somit 7.910 kW. Die Bordspannung betrug 220 Volt.

Bewaffnung[Bearbeiten]

Die schwere Artillerie (SA) der Bismarck bestand aus acht 38-cm-Geschützen (SK C/34) in je zwei Doppeltürmen vorn und achtern. Die Türme waren von vorn nach hinten alphabetisch (nach dem deutschen Sprechfunkalphabet) bezeichnet als „Anton“, „Bruno“, „Caesar“ und „Dora“. Dabei waren die Türme „Bruno“ und „Caesar“ überhöht angeordnet, so dass sie über den davor bzw. dahinter angeordneten Turm hinweg feuern konnten.

Die Geschütze hatten eine Rohrlänge von 19,63 Metern, eine Reichweite von 36,6 Kilometern und feuerten maximal 3,3 Schüsse in der Minute ab. Dies war jedoch nur beim Ladewinkel von 2,5° möglich, wobei die Reichweite weniger als fünf Kilometer betrug. Bei größerer Entfernung musste das Rohr erhöht und wieder gesenkt werden. Beim Gefecht in der Dänemarkstraße betrug die Feuerrate etwa zwei Schuss pro Minute. Die Geschütze konnten gegen Land- und gegen Seeziele eingesetzt werden.

Die mittlere Artillerie (MA) der Bismarck umfasste zwölf 15-cm-Geschütze (SK C/28) in sechs Zwillingstürmen (drei an jeder Seite). Die Rohrlänge betrug 8,2 Meter, es konnten sechs bis acht Schuss pro Minute und Rohr abgefeuert werden.

Die Flugabwehr-Kanonen der Bismarck waren unterschiedlicher Art und hatten verschiedene Reichweiten. Es wurden die Kaliber 10,5 cm, 3,7 cm (halbautomatisch) und 2 cm verwendet. Die vier vorderen 10,5-cm-Flakgeschütze waren vom Modell C/33na in Doppellafette C/31, die achteren in Doppellafette C/37. Das war aber nur eine provisorische Installation, um das Schiff möglichst schnell einsatzklar zu bekommen. Dies sorgte für Probleme bei der Feuerleitung, wodurch der eine Modelltyp stets danebenschoss. Nach der Rückkehr vom Unternehmen Rheinübung sollten auch die vorderen Lafetten gegen den Typ C/37 ausgetauscht werden. Diese Nachrüstung wäre in Brest oder Saint-Nazaire durchgeführt worden. Es kam nicht mehr dazu, da die Bismarck schon bei ihrem ersten Einsatz sank.

Gegen die unterhalb des Feuerbereichs der schweren Flak anfliegenden, veralteten britischen Torpedobomber vom Typ Fairey Swordfish erwies sich die leichtere Flak der Bismarck als wenig wirksam. Dies lag an der viel zu geringen Schussfrequenz der 3,7-cm-Flak, vor allem aber an der mangelnden Ausbildung der Besatzung. Wie sich aus dem Bericht des Artillerieversuchskommandos Schiffe ergibt, wurde das Schießen auf bewegliche Ziele so gut wie überhaupt nicht trainiert.

Bordflugzeuge[Bearbeiten]

Die Bismarck war mit vier Wasserflugzeugen vom Typ Arado Ar 196 zur Feindaufklärung und luftgestützten Seeüberwachung ausgestattet. Die Maschinen gehörten zur 1. Staffel der Bordfliegergruppe 196. Die Piloten und Techniker der Bordfliegergruppen kamen aus politischen Gründen von der Luftwaffe. Die Ar 196 besaß klappbare Tragflächen und schwere Bewaffnung. Zwei startklare Maschinen standen in den beiden Bereitschaftshangars seitlich des Schornsteins, während die beiden anderen in dem Werkstatthangar unter dem achteren Aufbau gewartet werden konnten. Mit den gegenläufig verbundenen Katapulten (Doppelkatapult), die sich in der Mitte des Schiffes befanden und von 32 Metern über die Bordwand auf 48 Meter ausgefahren werden konnten, wurden die Flugzeuge gestartet. Landen mussten sie allerdings auf dem Wasser; anschließend wurden sie von einem der beiden 12-Tonnen-Kräne an den Seiten der Bismarck an Bord gehoben.

Am Morgen des 27. Mai 1941 wurde versucht, mit einem dieser Flugzeuge das Kriegstagebuch in Sicherheit zu bringen. Dieser Versuch schlug jedoch fehl, da beide Katapulte beschädigt waren. Wegen der von der aufgetankten Maschine ausgehenden Brandgefahr wurde sie von ihrem Personal über Bord gekippt.[10]

Offiziere und Besatzung[Bearbeiten]

Die Besatzung bestand standardmäßig aus 2065 Mann (davon 103 Offiziere). Zum Unternehmen „Rheinübung“ kamen zusätzlich 75 Personen des Flottenstabes und ein Prisenkommando mit einem Offizier und 80 Mann an Bord, außerdem Beobachter, Journalisten und Kameramänner des Propagandaministeriums. Von diesen überlebte niemand.

Die Schiffsbesatzung bestand aus zwölf Kompanien, von denen jede 150–200 Mann umfasste. Die Kompanien wurden in mindestens zwei Unterkompanien unterteilt, die wiederum aus Korporalschaften von zehn bis zwölf Mann bestanden.

Verpflegung[Bearbeiten]

Es gab auf dem Batteriedeck der Bismarck zwei Kantinen mit sechs bis acht Personen Küchenpersonal und Köchen. Die Kantinen waren in drei Messen unterteilt, davon zwei für die Mannschaften. In den Kantinen wurden auch Konsumgüter wie Zigaretten, Bier, Süßigkeiten und Schreibwaren verkauft. Mit dem Gesamtvorrat an Lebensmitteln war Verpflegung für 250.000 Manntage an Bord. Damit konnten die knapp 2200 Mann Besatzung ungefähr vier Monate versorgt werden.

Die Maschinen der Kühlräume wurden mit Kohlendioxid gekühlt.

Rezeption[Bearbeiten]

Zahlreiche künstlerische Darstellungen, u. a. durch die Marinemaler Günther Todt, Walter Zeeden und Viktor Gernhard. Des Weiteren ist die Bismarck Gegenstand des britischen Spielfilms Die letzte Fahrt der Bismarck. (OT: Sink the Bismarck!) aus dem Jahr 1960, der auf Cecil Scott Foresters Sachbuch Die letzte Fahrt der Bismarck (Originaltitel: The Last Nine Days of the Bismarck oder Hunting the Bismarck) basierte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Burkard Freiherr von Müllenheim-Rechberg: Schlachtschiff Bismarck – Ein Überlebender in seiner Zeit. Ullstein Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-548-25644-9.
  • Siegfried Breyer, Gerhard Koop: Schlachtschiff Bismarck – Eine technikgeschichtliche Dokumentation. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-243-7.
  • Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke: Die Schlachtschiffe der Bismarck-Klasse. Bernard & Graefe, Koblenz 1990, ISBN 3-7637-5890-9.
  • Ludovic Kennedy: Versenkt die Bismarck! Heyne, 2001 ISBN 3-45301-680-7
  • B.B. Schofield: Der Untergang der Bismarck – Wagnis, Triumph und Tragödie. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1976, ISBN 3-87943-418-2.
  • Will Berthold: Die Schicksalsfahrt der Bismarck – Sieg und Untergang. Neuer Kaiser Verlag, Klagenfurt 2002, ISBN 3-7043-1315-7.
  • Robert D. Ballard, Rick Archbold: Die Entdeckung der Bismarck – Deutschlands größtes Schlachtschiff gibt sein Geheimnis preis. Bechtermünz Verlag, ISBN 3-8289-5370-0.
  • C. S. Forester: Die letzte Fahrt der Bismarck. Eduard Kaiser, Klagenfurt 1959.
  • Josef Kaiser: Schlachtschiff Bismarck – Das Original im Detail. Simon-Frey-Verlag, 2004, ISBN 3-938494-01-8.
  • Jochen Brennecke: Schlachtschiff Bismarck. Koehler, 1960, ISBN 3-7822-0368-2.
  • Ulrich Elfrath, Bodo Herzog: Schlachtschiff Bismarck – Ein Bericht in Bildern und Dokumenten. Podzun-Pallas, Friedberg-Dorheim 1982, ISBN 3-7909-0029-X.

Filmdokumentationen[Bearbeiten]

  • Expedition: Bismarck. Dokumentarfilm, USA, 2002, 92 Min., Regie: James Cameron und Gary Johnstone, Produktion: arte France, Inhaltsangabe von arte, mit Video-Ausschnitt
  • Versenkt die Bismarck! Dokumentation, Deutschland, 2002, 45 Min., Buch und Regie: Jörg Müllner und Friedrich Scherer, Produktion: ZDF, Erstsendung: 8. Februar 2002, Inhaltsangabe des ZDF
  • Versenkt die „Bismarck“! Dokumentation, Deutschland, Großbritannien, 2004, 45 Min., Buch und Regie: Gary Johnstone, Produktion: NDR, Erstsendung: 22. Dezember 2004, Inhaltsangabe des NDR
  • Return to the Bismarck. Dokumentation, Deutschland, 2006, 52 Min., Julia Knobloch und David Ash, Produktion: Context TV/ZDF, Erstsendung 2006.
  • Wettlauf mit dem Tod. Der Untergang der „Bismarck“. (= ZDF History) Dokumentation, Deutschland, 2009, 25 Min., Beitrag von Mario Sporn, Friedrich Scherer und Jörg Müllner, Erstsendung 29. November 2009, Inhaltsangabe des ZDF. Gekürzte Fassung des Films von 2002.
  • Karlheinz J. Geiger: Schlachtschiff Bismarck, Teil 1 „Von Hamburg nach Gotenhafen“ & Teil 2 – Unternehmen „Rheinübung“, Video-Dokumentation auf DVD mit Zeitzeugen-Aussagen, 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bismarck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. The Construction and Sea Trials bismarck-class.dk. Abgerufen am 11. Januar 2010.
  2.  Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke: Die Schlachtschiffe der Bismarck-Klasse. Bernard & Graefe, Koblenz 1990, ISBN 3-7637-5890-9 (Die BISMARCK-Klasse: Die Panzerung Seite 16-17, Schlußbetrachtung Seite 64-65).
  3.  Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke: Die Schlachtschiffe der Bismarck-Klasse. Bernard & Graefe, Koblenz 1990, ISBN 3-7637-5890-9 (Schlußbetrachtung Seite 66-67).
  4.  Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke: Die Schlachtschiffe der Bismarck-Klasse. Bernard & Graefe, Koblenz 1990, ISBN 3-7637-5890-9 (Das Schlachtschiff Bismarck, Seite 33, Abbildung „Das Island-Gefecht am 24. Mai 1941“).
  5. Burkard Freiherr von Müllenheim-Rechberg: Battleship Bismarck, a survivor’s story. (Zweite Auflage, 1990), S. 246–276.
  6. Garzke, William H.; Dulin, Robert O. (1985). Battleships: Axis and Neutral Battleships in World War II. Annapolis, MD: Naval Institute Press.S. 246.
  7. Robert D. Ballard: The discovery of the Bismarck, 1990.
  8. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,204658,00.html.
  9. Janusz Piekałkiewicz: Sea War, 1939–1945. (Seekrieg 1939–1945. Übersetzung von Peter Spurgeon). Historical Times, 1987, S. 173.
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