Bismarckturm (Viersen)

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Der Viersener Bismarckturm

Der Bismarckturm in Viersen ist ein als Bismarckdenkmal errichteter Turm und eines der Wahrzeichen der Stadt.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Der Bismarckturm steht im Nordwesten von Alt-Viersen im Waldgelände „Hoher Busch“; er befindet sich auf der Wilhelmshöhe, dem mit 84,94 Meter über NN höchstgelegenen Punkt Viersens. Zur Zeit der Erbauung hatte man von hier einen weiten Blick auf die Niers-Niederung. Heute ist diese Aussicht durch hoch gewachsene Bäume versperrt.

Baugeschichte und Architektur[Bearbeiten]

Auf einer Kaisergeburtstagsfeier regten patriotisch eingestellte Viersener Bürger im Jahr 1899 den Bau an, gründeten einen Ausschuss und verfassten einen Spendenaufruf, dem unter anderem auch der damalige Bürgermeister Peter Stern folgte. 104 Bürger spendeten die Bausumme von circa 36.000 Mark. Das Projekt hatte aber auch Gegner: Der Viersener Pfarrer Lorenz Richen meinte in einer Rede vor Katholiken, Bismarck solle vom religiösen und patriotischen Standpunkt aus nicht auf diese Weise geehrt werden, was zur Folge hatte, dass er anschließend von seinem Amt als amtlicher Schulinspektor suspendiert wurde.

Vorbereitende Arbeiten begannen bereits 1900. Nach einem Aufruf um Vorschläge für den Bau trafen 317 Pläne in Viersen ein. Nach einem von dem Dresdner Architekten Wilhelm Kreis geschaffenen und von der „Deutschen Studentenschaft“ preisgekrönten Entwurf „Götterdämmerung“ wurden damals zahlreiche Bismarcktürme errichtet.[1] In Viersen wurde eine etwas schlankere Form ausgewählt, die oben eine Feuerschale hatte. Als Material verwendete man Grauwacke aus dem Wiehltal, die zu Quadern verarbeitet wurde.

An der Grundsteinlegung nahmen mehrere Tausend Menschen teil[2]; der Turm (meist als „Bismarcksäule“ bezeichnet) wurde bereits im Juni 1901 fertiggestellt.[3] Er hat eine Höhe von 18,22 Metern. Bei der Einweihung fand am Abend die erste Befeuerung statt, und bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs wurde der Turm jährlich am Geburtstag Bismarcks befeuert (Brenndauer: ungefähr zwei Stunden, Flammenhöhe zirka 4 bis 5 Meter).

In dem Unterbau, der aus drei sich nach oben verkleinernden Podesten besteht, führen 12 darin eingearbeitete Stufen zur eisernen Eingangstür. Vier Säulen mit einem Durchmesser von 1,80 m befinden sich auf den Ecken des Sockels; diese sind mit der Mauer so verbunden, dass dreiviertel ihrer Rundungen von außen sichtbar sind. Darüber erhebt sich mit ausladendem Gesims ein Architrav. Der Düsseldorfer Architekt Josef Kleesattel entwarf die Tür an der Westseite mit einem farbigen Bismarck-Wappen sowie dem Bismarck-Leitspruch „In trinitate robur“ („In der Dreieinigkeit liegt die Kraft“) und der Berliner Bildhauer Arnold Künne schuf für die Ostseite ein Bronzerelief. Im Innern des Turmes führt eine steile Eisentreppe mit 60 Stufen zur Aussichtsplattform.[4]

Ende der 1970er Jahre wurde aus versicherungstechnischen Gründen der Zugang geschlossen; eine Sanierung war unumgänglich. Aus Kostengründen konnte diese erst 2001 im Rahmen der EUROGA durchgeführt werden, 370.000 € wurden von der Stadt Viersen und der Stadtsparkasse sowie durch einen Landeszuschuss aufgebracht. Unter anderem wurden die Fugen, deren Zementmörtel bröckelte, durch Trass-Mörtel ersetzt, der an Naturwerksteinen relativ wenig Ausblühungen verursacht.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Der Turm steht heute aus wissenschaftlichen, künstlerischen und historischen Gründen unter Denkmalschutz; Erhaltung und Nutzung müssen darauf Rücksicht nehmen. Nach der Sanierung wurde das Gebäude 2003 wieder eröffnet. Seitdem ist dort eine Dauerausstellung mit Postkartenmotiven zum Thema „Bismarcktürme in aller Welt“ zu sehen. Seit 2006 wird der Turm von Viersener Funkamateuren vom Deutschen Amateur-Radio-Club betreut. Diese regeln auch den Zugang: Das Gebäude ist von Anfang April bis Ende September an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat sowie an allen bundesweiten Feiertagen geöffnet. Für Gruppen gibt es nach Anmeldung auch im Winterhalbjahr die Möglichkeit hinaufzusteigen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Leistungskurs Geschichte 2005 des Städtischen Gymnasiums Dülken unter der Leitung von Gunnar Schirrmacher: Bismarcksäule auf dem Hohen Busch bei Viersen. Geschichte und Bedeutung. 6-seitiges Faltblatt zum Viersener Bismarckturm, verfasst von Schülern des Leistungskurses Geschichte. Hrsg.: Stadt Viersen, Verschönerungsverein und Verein für Heimatpflege. Viersen 2005
  • Fritz Eisheuer u.a.: Visitenkarte Bismarckturm. In: „100 Jahre Viersener Verschönerungsverein“. Viersen o.J. (1986)
  • Erinnerungen an die Bismarcksäule in Viersen. Viersen 1901
  • Viersens Bauten aus alter und neuer Zeit. In: Viersen, Dülken, Süchteln. (= Deutschlands Städtebau.) DARI, Berlin-Halensee 1930.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günter Kloss; Sieglinde Seele: Bismarck-Türme und Bismarck-Säulen. Eine Bestandsaufnahme. Imhof, Petersberg 1997, ISBN 3-932526-10-4
  2. Feier zur Vollendung der Bismarcksäule. Meyer, Viersen 1902
  3. Visitenkarte Bismarckturm. In: "100 Jahre Viersener Verschönerungsverein". Viersen (1986)
  4. Bismarcksäule auf dem Hohen Busch bei Viersen. Geschichte und Bedeutung. Viersen 2005

51.2628286.36975Koordinaten: 51° 15′ 46″ N, 6° 22′ 11″ O