Bispingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bispingen
Bispingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bispingen hervorgehoben
53.0827777777789.998333333333390Koordinaten: 53° 5′ N, 10° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Heidekreis
Höhe: 90 m ü. NHN
Fläche: 128,55 km²
Einwohner: 6231 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner je km²
Postleitzahl: 29646
Vorwahl: 05194
Kfz-Kennzeichen: HK
Gemeindeschlüssel: 03 3 58 002
Gemeindegliederung: 9 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Borsteler Straße 4-6
29646 Bispingen
Webpräsenz: www.bispingen.de
Bürgermeister: Sabine Schlüter
Lage der Gemeinde Bispingen im Landkreis Heidekreis
Landkreis Heidekreis Niedersachsen Landkreis Nienburg/Weser Region Hannover Landkreis Verden Landkreis Rotenburg (Wümme) Landkreis Harburg Landkreis Lüneburg Landkreis Uelzen Landkreis Celle Lindwedel Buchholz Schwarmstedt Essel Hademstorf Gilten Grethem Eickeloh Hodenhagen Böhme Häuslingen Ahlden Frankenfeld Rethem Walsrode Neuenkirchen Bomlitz Schneverdingen Osterheide Bad Fallingbostel Wietzendorf Soltau Munster BispingenKarte
Über dieses Bild
Gemälde Wilseder Höhe von Valentin Ruths (1825–1905)
Hallenhaus „Dat ole Hus“ in Wilsede, erbaut um 1540, renoviert 1742, 1907 nach Wilsede versetzt

Bispingen (niederdeutsch/plattdütsch Bissen) ist eine Einheitsgemeinde im Süden der Lüneburger Heide rund 15 km nordöstlich von Soltau in der Nähe der Ausfahrt 43 der Bundesautobahn 7. Sie liegt im Landkreis Heidekreis in Niedersachsen (Deutschland).

Geographie[Bearbeiten]

Bispingen gliedert sich in die Ortsteile Behringen, Borstel in der Kuhle, Haverbeck (Nieder- und Oberhaverbeck), Hörpel, Hützel, Steinbeck/Luhe, Volkwardingen und Wilsede, Heidedorf am Fuße des Wilseder Bergs und den Kernort der Einheitsgemeinde Bispingen, Bispingen selbst. Es liegt im Norden des Heidekreises, im oberen Luhetal, genau auf dem 10. Meridian östlicher Länge. Man erreicht es über die Bundesautobahn 7, Abfahrt Bispingen, über die Bundesstraße 209 und über die Kreisstraße K4. Die Bahnstrecke Lüneburg–Soltau, an welcher der Ort liegt, transportiert zurzeit nur Güter. Allerdings lädt die Osthannoversche Eisenbahn mit einem Sonderfahrplan zu einer gemütlichen Bummeltour ein. Mit dem historischen „Ameisenbär“, einem 71 Personen fassenden Eisenbahn-Triebwagen aus dem Jahre 1937, geht es von Soltau über Bispingen nach Döhle und zurück. Bispingen selbst hat derzeit 2451 Einwohner (Stand Oktober 2012) und ist damit das größte Dorf der Einheitsgemeinde.

Nachbargemeinden sind Schneverdingen, Undeloh, Egestorf, Soderstorf, Rehlingen, Munster, und Soltau.

Nachbarstädte[Bearbeiten]

Tostedt
31 km
Buchholz (Nordheide)
37 km
Lüneburg, Geesthacht
39 km, 59 km
Schneverdingen
17 km
Nachbargemeinden Bad Bevensen
55 km
Soltau
16 km
Wietzendorf
19 km
Munster, Uelzen
15 km, 53 km

Geschichte[Bearbeiten]

Zahlreiche Hügelgräber, Urnenfelder und prähistorische Funde beweisen, dass sich in diesem Raum bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit Menschen ansiedelten. Die älteste bekannte Urkunde stammt aus dem Jahr 1193 und bezeugt den Verkauf des „Dorfes mit Zubehör“ an den Bischof Lüder von Verden. Der Name Bispingen entwickelte sich aus "von Biscopinge" = „dem Bischof gehörig“; die Endung „ingen“ deutet auf langobardischen Ursprung hin und ist häufig in diesem Teil Niedersachsens, dem alten Bardengau, zu finden. Aus längst vergangenen Zeiten kündet noch die „Ole Kerk“, als ältestes Gebäude Bispingens. Sie wurde 1353 am Rand der Luheniederung aus Feldsteinen erbaut und diente dem „Kirchspiel Bispingen“, bis zum Bau der neuen Kirche im Jahre 1908, als Gotteshaus. Die neun Dörfer Bispingen, Behringen, Borstel, Haverbeck (mit Ehrhorn), Hörpel, Hützel, Steinbeck, Volkwardingen und Wilsede bauten und nutzen von je her gemeinsam eine Kirche.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurde die Gemeinde Borstel in der Kuhle eingegliedert. Am 16. März 1974 kamen Behringen (mit den am 1. März 1974 aufgenommenen Orten Hörpel, Volkwardingen und Wilsede sowie einem Teil der aufgelösten Gemeinde Ehrhorn), Hützel und Steinbeck (Luhe) hinzu.[2]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bispingen war ein typisches Heidebauerndorf. Auf diese Vergangenheit verweist die markante kleine Bronzeskulptur eines Heideschäfers in der Ortsmitte. Schon in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts keimte hier der Fremdenverkehr. Bispingen ist Standort der Grund- und Oberschule der Einheitsgemeinde und hat zwei Kindergärten im Kernort. Durch Bispingen verläuft der 10. Meridian östlicher Länge. Zur Veranschaulichung steht im Ort in der Hützeler Straße ein Granitfindling aus der Eiszeit. Er verkörpert durch eine umlaufende bandähnliche und farblich sichtbare Verkieselung auf natürliche Weise den Längengrad. Mit erläuternden Daten auf einer Bronzeplatte versehen, wurde er, auf diesen ausgerichtet, vom Heimat- und Kulturverein Bispingen dort aufgestellt. Das dörfliche Leben wird von einer Vielzahl aktiver Vereine gestaltet. Es gibt die Freiwillige Feuerwehr Bispingen mit ihrem Musikzug, einen über 100 Jahre alten Schützenverein, den MTV Bispingen mit seinem Spielmannszug, die Kirchengemeinde Bispingen, den Heimat- und Kulturverein, sowie viele andere Vereinsangebote für die Bürger.

  • Der Wilseder Berg liegt im Naturschutzgebiet und ist mit 169,2 m ü. NN die höchste Erhebung in der Lüneburger Heide.
  • Ein Gräberfeld in Volkwardingen enthält bronzezeitliche Hügelgräber.
  • Die Ole Kerk („Alte Kirche“) wurde 1353 aus Feldsteinen errichtet. Schlicht und stilvoll restauriert, wird sie heute gern für Trauungen, Konzerte und Andachten genutzt. Die „Ole Kerk“ ist tagsüber unverschlossen und lädt als ein Hort der Ruhe, alle Menschen zu stiller Einkehr ein. Die Kirche ist von Ostern bis Silvester täglich geöffnet und wird zum Beispiel auch für Konzerte („Sommer-Musik in Bispinger Kirchen“) genutzt.
  • Der Treppenspeicher in Volkwardingen ist einer der ältesten dieser Speichergebäude in der Lüneburger Heide. Seine beiden Gebäudeteile wurden nach einer Balkeninschrift im Jahr 1600 und 1702 errichtet und 2001 restauriert.
  • Das 1742 errichtete Dat ole Huus in Wilsede ist mit seiner 1907 erfolgten Gründung eines der ältesten Heimatmuseen Deutschlands.
  • Aus einem um die Jahrhundertwende gebauten Landsitz der Familie Noelle, östlich des Dorfes, wurde zunächst ein Kinderheim, dann ein skurriles Jagdschloss mit einem Landschaftspark, der jährlich Tausende Besucher in seinen Bann zieht. Den Namen „Iserhatsche“ = eisernes Herzchen(westfälisch Platt), den die Familie Noelle dem Anwesen gab, trägt es bis heute.
  • Die St.Antonius-Kirche wurde 1908 im neugotischen Stil errichtet und steht in der Mitte des Ortes. Sie enthält eine Kanzel von 1648 und eine Bronzetaufe aus dem Jahr 1406.
  • „Center Parcs Bispinger Heide“ Anfang der 1990er Jahre wurde Bispingen Standort für eine Freizeitanlage der Firma „Center Parcs“. Die Anlage „Bispinger Heide“ beherbergt in der Saison mehr als 2000 Gäste am Tag.
  • Das „Schumachers Kart and Bowl“ erbaute Mitte der 1990er Jahre der bekannte Formel -1- Rennfahrer Ralf Schumacher zusammen mit einem örtlichen Bauunternehmer an der Autobahnabfahrt Bispingen als In-und Outdoor-Kartbahn.
  • Der Snow Dome ist eine Skihalle, die im Herbst 2006 eröffnet und 2013 revoviert worden ist.
  • Das VERRÜCKTE HAUS ist ein 2011 eröffnetes, umgedrehtes Haus. Es ist das erste Haus weltweit, das richtig herum errichtet und dann mit Hilfe von zwei Kränen gedreht wurde. Die komplette Einrichtung befindet sich über Kopf.[3]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Touristisch ist die Heideregion um Bispingen vor allem als Naherholungs- und Naturschutzgebiet bekannt. Das Dorf lebt von einer Mischung aus mittelständischen Betrieben, die zum Teil weltweit agieren, verschiedensten Gewerben und Tourismus. Es pendeln mehr Menschen zur Arbeit nach Bispingen ein als aus. Seit den zwanziger Jahren gibt es im Ort eine Jugendherberge. Hotels, Pensionen, Gasthäuser und Restaurants prägen das Ortsbild.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Pastor Wilhelm Bode (1860–1927), gilt als einer der Gründerväter des Naturschutzgebietes. Er sorgte 1905 dafür, dass der Totengrund nicht als Bauland verkauft und bebaut, sondern unter Naturschutz gestellt wurde.
  • Waldemar Grube (1915–2001), Gründer der Grube KG Forstgerätestelle.
  • Der Naturschützer Prof. Dr. Ernst Preising (1911–2007) verbrachte seine letzten Lebensjahre hier.
  • Rudolf Wienecke, Maler und Grafiker aus Bispingen, fertigte zwischen 1950 bis 1955 von alten Kopien der Ebstorfer Weltkarte vier originalgroße, von Hand kolorierte Karten im Gerbdruckverfahren auf Ziegenlederpergament an.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 235 und 236.
  3. Das VERRÜCKTE HAUS

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bispingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bispingen – Reiseführer