Bistum Chur

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Bistum Chur
Karte Bistum Chur
Basisdaten
Staat Schweiz
Kirchenprovinz Immediat
Diözesanbischof Vitus Huonder
Weihbischof Marian Eleganti OSB
Emeritierter Diözesanbischof Amédée Grab OSB
Emeritierter Weihbischof Peter Henrici SJ
Paul Vollmar SM
Generalvikar Martin Grichting
Fläche 12.272 km²
Pfarreien 308 (31. Dezember 2011 / AP 2013)
Einwohner 1.769.999 (31. Dezember 2011 / AP 2013)
Katholiken 686.660 (31. Dezember 2011 / AP 2013)
Anteil 38,8 %
Diözesanpriester 351 (31. Dezember 2011 / AP 2013)
Ordenspriester 239 (31. Dezember 2011 / AP 2013)
Ständige Diakone 52 (31. Dezember 2011 / AP 2013)
Katholiken je Priester 1.164
Ordensbrüder 345 (31. Dezember 2011 / AP 2013)
Ordensschwestern 908 (31. Dezember 2011 / AP 2013)
Ritus Römischer Ritus
Liturgiesprache Deutsch
Italienisch
Rätoromanisch
Kathedrale St. Maria Himmelfahrt
Website www.bistum-chur.ch

Das römisch-katholische Bistum Chur (lat.: Dioecesis Curiensis) liegt im Osten der Schweiz und umfasst die Kantone Graubünden und Schwyz, sowie provisorisch seit 1819 Uri,[1] Glarus, Obwalden, Nidwalden und Zürich.[2] Patron des Bistums Chur ist der heilige Luzius und die Bischofskirche ist die Churer Kathedrale St. Maria Himmelfahrt.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten]

Die historische kirchliche Einteilung der Schweiz

Das Bistum Chur entstand vermutlich im 4. Jahrhundert im Territorium von Churrätien. Ein Bischof der Diözese Chur wurde erstmals im Jahre 451/52 urkundlich erwähnt. Bekannt durch sein Testament wurde Bischof Tello im 8. Jahrhundert.

Sitz des Bischofs von Chur ist der Bischöfliche Hof in der Stadt Chur. Die gegenwärtige barocke Anlage, das Bischöfliche Schloss, stammt aus den Jahren 1732/33. Oberhalb des Hofs lag die Stephanskapelle, eine der ersten Friedhofskirchen Nordbündens.

Der Legende nach war der Heilige Luzius der in Chur um das Jahr 176 als Märtyrer hingerichtet wurde der erste Bischof. Seine Gebeine werden in der Kathedrale in Chur aufbewahrt und er gilt als Patron des Bistums.

Mittelalter[Bearbeiten]

Der Bischof von Chur kontrollierte im Mittelalter als weltlicher Herrscher, als Fürstbischof des Heiligen Römischen Reiches, grosse Teile des heutigen Graubündens, Chiavenna, Bormio und den Vinschgau. Dabei stand er in ständigen Fehden, Kriegen und Rechtskonflikten mit seinen Ministerialen einerseits (Freiherren von Vaz, den Matsch, Sax-Misox, Werdenberg-Sargans u.a.) und konkurrierenden Landesherrschaften andererseits (Herzogtum Mailand, Grafschaft Tirol, Habsburger). Bereits im 14. Jahrhundert gingen die Grafschaften Chiavenna und Bormio an Mailand verloren. Auch der Vinschgau und das Unterengadin waren faktisch bereits in der Hand der Grafen von Tirol. Darauf schlossen sich die Untertanen des Bischofs, die so genannten „Gotteshausleute“, 1367 zum Gotteshausbund zusammen, um ihre Entfremdung vom zerfallenden Fürstbistum zu verhindern. Der Gotteshausbund war bis 1798 Teil des Freistaats der Drei Bünde. Der Bischof von Chur gehörte als Reichsfürst dem Österreichischen Reichskreis an.

Kirchlich gehörte das Bistum Chur zuerst zum Erzbistum Mailand. Nach der Teilung des Fränkischen Reiches im Jahre 843 bis 1803 unterstand es dem Erzbistum Mainz und seiner Kirchenprovinz, seither direkt dem Papst.

Reorganisation im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahre 1819 erhielt das Bistum Chur Teile des erloschenen Bistums Konstanz (Ob- und Nidwalden, Teile von Uri, Schwyz, Glarus und Zürich) zur provisorischen Administratur,[3] im Gegenzug verlor es den Vinschgau und Teile Vorarlbergs. Mit der päpstlichen Bulle “Ecclesias quae antiquitate” vom 2. Juli 1823 wurde das neugeschaffene Bistum Chur-St. Gallen gegründet: St. Gallen war aber damit nicht einverstanden. Um den jahrelangen Streit zu beenden zerschlug Papst Gregor XVI. deswegen 1836 das Doppelbistum Chur-St. Gallen und errichtete ein apostolisches Vikariat für St. Gallen, das 1847 in das Bistum St. Gallen aufging.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

In den 1990er Jahren war das Bistum Chur geprägt durch den Streit um den damaligen Bischof Wolfgang Haas. Während des Streites kam vielfach der Ruf nach Neuordnung des Bistums Chur auf, da insbesondere der zum Kanton Zürich gehörende Teil des Bistums und Teile der staatskirchenrechtlich verfassten katholischen Landeskirche Graubündens in scharfer Ablehnung zur Churer Bistumsführung stand. Der Heilige Stuhl löste das Problem jedoch 1997 nicht durch eine Neuordnung des Bistums und damit der Gründung eines Bistums Zürich, sondern durch die (kirchliche) Abtrennung des Fürstentums Liechtenstein vom Bistum Chur. Das Gebiet des Fürstentums Liechtenstein wurde zum Erzbistum Vaduz erhoben mit Wolfgang Haas als erstem Erzbischof.

Im Februar 2011 traten innerhalb weniger Tage zunächst der Regens des Priesterseminars St. Luzi in Chur, Ernst Fuchs, sowie der Generalvikar für den Kanton Graubünden, Andreas Rellstab, von ihren Ämtern zurück. Als Grund gaben sie jeweils nicht näher erläuterte Differenzen mit Bischof Vitus Huonder an. [4] Zum Nachfolger von Fuchs wurde der Weihbischof des Bistums, Marian Eleganti, ernannt. In einer am 24. Februar 2011 veröffentlichten Erklärung wandten sich 11 der 17 Dekane des Bistums gegen die Amtsführung des Bischofs, welche nach Ansicht der Unterzeichner „immer mehr Seelsorgende in die innere Emigration treibe“. [5] Bischof Huonder kündigte an, sich zwecks Konfliktvermittlung an den Apostolischen Nuntius in der Schweiz sowie an die Bischofskongregation des Heiligen Stuhles wenden zu wollen. [6] Nachdem sich Huonder Ende März 2011 zu Konsultationen in Rom aufgehalten hatte, teilte er in einem Brief an die Katholiken des Bistums vom 7. April 2011 mit, dass er das volle Vertrauen von Papst Benedikt XVI. genieße und sein Amt als Bischof weiterführen wolle. [7] Am 14. April 2011 gab Huonder die Ernennung von Andreas Fuchs zum neuen Generalvikar für den Kanton Graubünden bekannt, wobei Fuchs sein Amt erst im Sommer 2011 antreten sollte. [8]

Bistumswappen Chur

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen des Bistums Chur ist seit dem 13. Jahrhundert der aufrechte schwarze Steinbock auf silbernem Grund. Das Wappen wurde später auch vom Gotteshausbund übernommen und fand im 19. Jahrhundert so Eingang in das Wappen des Kantons Graubünden.[9]

Diözesankalender[Bearbeiten]

Im Bistum Chur wird der Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet um die folgenden Eigenfeiern ergänzt (dahinter jeweils der Rang und die liturgische Farbe).

Abkürzungen: H = Hochfest, F = Fest, G = Gebotener Gedenktag, g = Nichtgebotener Gedenktag, GK = Generalkalender, RK = Regionalkalender

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literaturverweise[Bearbeiten]

  1. Das Urserental gehörte nicht zum Bistum Konstanz und hat deshalb einen definitiven Zugehörigkeitsstatus zum Bistum Chur.
  2. Artikel Chur (Diözese, Fürstbistum) im Historischen Lexikon der Schweiz.
  3. wobei nur der Kanton Schwyz inzwischen dem Bistum definitiv zugeschlagen worden ist, während die übrigen ehemaligen Konstanzer Bistumsteile weiterhin – wenn auch seit bald 200 Jahren – provisorisch durchs Bistum verwaltet werden.
  4. Meldung NZZ vom 24. Februar 2011
  5. Meldung auf kath.ch vom 26. Februar 2011
  6. Meldung kath.net vom 28. Februar 2011
  7. Pressemitteilung des Bistums Chur vom 8. April 2011 (PDF; 334 kB)
  8. Pressemitteilung des Bistums Chur vom 14. April 2011 (PDF; 321 kB)
  9. Louis Mühlemann: Wappen und Fahnen der Schweiz. Buchclub Ex Libris, Zürich 1980, S. 114.