Bjarne Riis

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Bjarne Riis Straßenradsport
Bjarne Riis bei der Kalifornien-Rundfahrt, Februar 2007
Bjarne Riis bei der Kalifornien-Rundfahrt, Februar 2007
zur Person
Spitzname Adler von Herning
Geburtsdatum 3. April 1964
Nation DanemarkDänemark Dänemark
zum Team
Aktuelles Team Team Saxo-Tinkoff
Disziplin Straße
Funktion Manager
Doping
1993-1998 Geständnis von EPO, Cortison und Wachstumshormonen
Team(s)
1986
1987
1988
1989-1991
1992-1993
1994-1995
1996-1999
Roland-Van de Ven
Lucas-Arkel
Toshiba
Castorama
Ariostea
Gewiss-Ballan
Team Deutsche Telekom
Team(s) als Teammanager
Seit 2001 Team Saxo-Tinkoff
Wichtigste Erfolge
Dänische Meisterschaften
Rundfahrten
Eintagesrennen
Infobox zuletzt aktualisiert: 23. September 2013
Bjarne Riis am Rande der Tour de France 2006

Bjarne Riis (* 3. April 1964 in Herning) ist ein ehemaliger dänischer Profi-Radrennfahrer und heutiger sportlicher Leiter der Radsportmannschaft Team Saxo Bank.

1996 gewann er als erster und bisher einziger Skandinavier die Tour de France. Infolge seines Geständnisses, während dieser Zeit mit EPO, Cortison und Wachstumssubstanzen gedopt zu haben, wurde er im Juni 2007 aus der offiziellen Siegerliste gestrichen. Da Doping nach acht Jahren verjährt, konnte ihm der Radsportweltverband UCI den Sieg aber nicht mehr aberkennen, und inzwischen wird Riis auch wieder offiziell als Sieger von 1996 geführt.

Karriere[Bearbeiten]

Radprofi[Bearbeiten]

Riis begann seine Profikarriere 1986. Bei der Tour de France verbesserte sich Riis kontinuierlich: Nachdem er 1993 Fünfter geworden war, erreichte er 1995 den dritten Rang. Vor der Saison 1996 wechselte der Däne von Gewiss-Ballan zum Team Telekom und gewann die Tour de France in dieser Saison. Daraufhin wurde er zu Dänemarks Sportler des Jahres gewählt.

Im Jahr darauf gewann Riis im Frühjahr das Amstel Gold Race, konnte bei der Tour de France seine Leistung aber nicht wiederholen und wurde Siebter beim Sieg seines Teamkollegen Jan Ullrich. Insgesamt erreichte Riis bei der Tour vier Etappensiege, beim Giro d’Italia holte er zwei Tageserfolge. Riis beendete seine Karriere im Jahre 2000, nachdem er sich nie vollständig von einem Sturz bei der Tour de Suisse 1999 erholt hatte.

Platzierungen bei den Grand Tours[Bearbeiten]

Grand Tour 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998
Pink jersey Giro - WD 86 100 43 101 WD 70 - - - -
Yellow jersey Tour - - 95 WD 107 - 5 14 3 1 7 11
golden jersey Vuelta WD - - - - - - - WD - - -

Teammanager[Bearbeiten]

Nach seinem Rücktritt als Radprofi hat Riis 2001 über seine Firma Riis Cycling A/S ein eigenes erfolgreiches Team aufgebaut, das zunächst nach dem ersten Hauptsponsor Computer Sciences Corporation Team CSC hieß. Seit 2008 ist das Team u.a. nach dem neuen Sponsor Saxo Bank benannt.

Dopingbeschuldigungen[Bearbeiten]

1997 gab es den Vorwurf von Olympiasieger Pascal Richard, dass Riis im Trainingslager in Lanzarote einen positiven Doping-Test gehabt habe. Er selbst kommentierte die Vorwürfe damit, dass er nie positiv getestet worden sei. Der ehemalige Masseur des Team Telekom Jef D’hont beschuldigte Riis in einem am 26. März 2007 ausgestrahlten TV-Interview, massiv mit EPO gedopt zu haben. In Fachkreisen erhielt Riis den Spitznamen „Monsieur 60 %“, eine Anspielung auf den bei ihm häufig gemessenen Hämatokritwert von 60 %, der damit deutlich über dem Normalwert lag. Das Blutdopingmittel EPO erhöht die Anzahl roter Blutkörperchen und damit meist auch den Hämatokritwert, ist aber erst seit 2000 direkt nachweisbar.

Dopinggeständnis[Bearbeiten]

Während einer Pressekonferenz am 25. Mai 2007 in Kopenhagen gestand Riis, in der Zeit von 1993 bis 1998 das Dopingmittel Erythropoetin (EPO), Wachstumshormone und Cortison zur Leistungssteigerung eingenommen zu haben. Das EPO kaufte und nahm er nach eigenen Angaben selbst ein. Auch sein Sieg bei der Tour de France 1996 stand unter dem Einfluss des Dopingmittels EPO, Cortison und Wachstumssubstanzen, wie Riis öffentlich zugab.[1]

Der Tour-Titel kann Riis offiziell nicht mehr aberkannt werden, da die achtjährige Frist dafür abgelaufen ist. Die Tour de France hat ihn jedoch nach seinem Doping-Geständnis aus ihrer Siegerliste gestrichen.[2] Die endgültige Entscheidung liegt jedoch beim Rad-Weltverband UCI, dieser hatte Riis aber lediglich zur Rückgabe seines Gelben Trikots aufgefordert. Christian Prudhomme, Direktor der Tour, bezeichnete Riis als „Persona non grata“, die er nicht mehr bei der Frankreichrundfahrt sehen wolle. Riis verzichtete in der Folge darauf, sein Team CSC zur Tour 2007 zu begleiten.[3] Bei der Tour de France 2008 war Riis, der für sein Team ein vergleichsweise umfangreiches Dopingkontrollprogramm eingeführt hatte, wieder willkommen.[4]

Im Herbst 2007 erklärte Jörg Jaksche, Riis habe ihm mit „massiven Konsequenzen“ gedroht, falls Jaksche bei seiner Doping-Beichte 2007 Namen nenne. Der Däne wollte angeblich „dafür sorgen, dass Jaksche niemals in den Radsport zurückkomme“. Riis dementierte dies und erklärte, Jaksche nur einen Rat erteilt zu haben.[5]

Dopingvorwürfe gegen Riis Team[Bearbeiten]

Im Zuge der Dopingermittlungen gegen Lance Armstrong belastete Tyler Hamilton, der in den Jahren 2002 und 2003 für das Team CSC fuhr, Riis. Er habe ihn mit dem mittlerweile durch den Dopingskandal Fuentes bekannt gewordenen spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes zusammengebracht und von dessen Dopingprogramm gewusst.[6] Am 2. Juli 2013 wurde bekannt, dass die dänische Anti-Doping-Agentur gegen Riis ermittelt, ein neuer Belastungszeuge ist Michael Rasmussen.[7]

Sonstiges[Bearbeiten]

Die schwedische Musik-Formation Koop veröffentlichte auf ihrem 1997 erschienenen Album Sons of Koop den Song Bjarne Riis.

Während seiner aktiven Zeit wurde Riis der „Adler von Herning“ genannt. Darum befindet sich ein Adlerauge im Logo von Riis Cycling und ein Adlerkopf auf dem Trikot von Team Saxobank.

Riis ist mit der ehemaligen dänischen Handballspielerin Anne Dorthe Tanderup verheiratet.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bjarne Riis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Epo war Teil meines Alltags Spiegel Online, 25. Mai 2007.
  2. L’Équipe vom 7. Juni 2007: Pas de vainqueur en 1996…
  3. CSC und Milram. Riis und Stanga bleiben zu Hause. In: tour.ard.de, 5. Juli 2007. Ebenso musste Gianluigi Stanga vom Team Milram auf eine Teilnahme an der Tour de France 2007 verzichten.
  4. Jörg Schallenberg: Bjarne is back, Spiegel Online, 24. Juli 2008
  5. Riis soll Jaksche gedroht haben, Spiegel Online, 29. Oktober 2007
  6. radsportews.com vom 5. November 2012: Hamilton: "Riis hat mich mit Fuentes zusammengebracht"
  7. vom 3. November 2013: "Die Luft wird dünner für Bjarne Riis. "
  8. Bjarne Riis og Anne Dorthe: Vores liv med løgnen, Søndagsavisen, 5. November 2010