Blätterpilze

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Blätterpilze
Fliegenpilz (Amanita muscaria)

Fliegenpilz (Amanita muscaria)

Systematik
Reich: Pilze (Fungi)
Abteilung: Basidienpilze (Basidiomycota)
Unterabteilung: Ständerpilze (Agaricomycotina)
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Hutpilze (Agaricomycetidae)
Ordnung: Blätterpilze
Wissenschaftlicher Name
Agaricales
Underw.
Lamellen des Fliegenpilzes

Die Blätterpilze (Agaricales) sind eine Ordnung der Unterklasse der Hutpilze (früher Hymenomycetidae, nach Ainsworth heute Agaricomycetidae) in der Klasse der Ständerpilze (Agaricomycotina), bei denen unter dem Hut mit meist radialem Stiel die Lamellen angeordnet sind, die das Fortpflanzungsgewebe tragen. Dieses Hymenium weist oft gattungs- und arttypische Merkmale auf (Bildung von Zystiden). Die Basidien sind in der Regel vier-, gelegentlich zweisporig. Die Sporen sind einzeln stehende und exogen heranreifende Basidiosporen, die aktiv abgeschleudert werden können (Ballistosporen).

Die Blätterpilze sind in Europa mit sehr vielen Arten vertreten (über 4.000) und stellen somit die größte Gruppe der Lamellen tragenden Pilze dar. Die Ordnung der Sprödblättler (Russulales), die ebenfalls Lamellen tragen (vor allem Täublinge und Milchlinge) ist weit weniger umfangreich. Hier ist die interessante Tatsache festzuhalten, dass sich Sporen tragende Lamellen im Laufe der Entwicklungsgeschichte unabhängig in verschiedenen Pilzordnungen herausbildeten, so etwa neben den Sprödblättern auch bei den Blättlingen in der Ordnung der Porlinge (Polyporales). Andererseits ergaben genetische Untersuchungen, dass aufgrund der stammesgeschichtlichen Entwicklung auch eine Reihe von Nichtblätterpilzen dieser Ordnung zuzuordnen ist, wie etwa Keulchen oder Boviste.

Wichtige Unterscheidungsmerkmale innerhalb der Agaricales sind:

  • Farbe des Sporenpulvers
  • Ansatz der Lamellen
  • Struktur der Huthaut
  • Art des Velums (Scheide, Ring, Hutflocken, Schleier)
  • chemische Reaktionen der Trama (des „Fleischs“) oder der Sporen

Bekannteste Vertreter unter den Speisepilzen sind die Champignons (Agaricus spec.), Parasol (Macrolepiota procera) und Shiitake (Lentinula edodes), unter den Giftpilzen der Fliegenpilz (Amanita muscaria) und die Knollenblätterpilze (Amanita spec.).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Blätterpilze in der Erdgeschichte

Erbgutanalysen moderner Blätterpilze lassen den Schluss zu, dass Blätterpilze bereits vor über hundert Millionen Jahren existierten, zu einer Zeit also, als auch Dinosaurier die Erde bevölkerten. Diese Einschätzung konnte 2007 durch den Fund des bislang ältesten fossilen Pilzes aus der Ordnung der Blätterpilze erhärtet werden: Das in Asien entdeckte Exemplar war in einem rund hundert Millionen Jahre alten Bernstein eingeschlossen und wurde so bis heute in dem erstarrten Baumharz konserviert[1].

[Bearbeiten] Systematik

Die Systematik der Blätterpilze machte drei Phasen durch. Zwischen 1821 und 1832 verfasste der schwedische Botaniker Elias Magnus Fries das monumentale Werk Systema mycologicum, in dem er die von Linné begründete binäre Nomenklatur auch für Pilze einführte. In diesem Werk stellte er die Blätterpilze in der Gattung Agaricus. Zu dieser Zeit wurde die Pilze aufgrund makroskopischer Merkmale klassifiziert, wie etwa durch die Farbe des Sporenpulvers, die heute noch zahlreichen Schlüsseln zugrunde liegt. Die zweite Phase ist durch Rolf Singer’s monumentalen Werk The Agaricales in Modern Taxonomy (1951–1986) charakterisiert. Singer verwendete mikroskopische Merkmale um die Fries’sche Klassifikation zu verbessern. Die dritte Phase (ab etwa 2000) geht einher mit der Möglichkeit der Sequenzierung der DNA von Pilzen. Dadurch wurde es möglich die stammesgeschichtliche Entwicklung der Pilze nachzuvollziehen. Eine großangelegte Studie von Matheny u.a.[2] brachte überraschende Ergebnisse in Bezug auf die Blätterpilze, wie etwa die Verwandtschaft der Muschelseitlinge mit den Helmlingen. Aufgrund der phylogenetischen Untersuchungen hat sich die Systematik der Blätterpilze grundlegend verändert. So verschwanden etwa die Familien der Tintlingsartigen, der Stäublinge und der Nestlinge. Andererseits wurden neue Familien gebildet. Es zeigte sich auch, dass eine Reihe von Nichtblätterpilzen nun den Agaricales zuzuordnen sind. Die nachfolgende Systematik ist weitestgehend angelehnt an das Dictionary of the Fungi (siehe unten im Abschnitt „Literatur“) und den Einträgen im Index Fungorum und enthält die Familien und wichtigsten Gattungen innerhalb der Ordnung der Agaricales. Demnach enthält die Ordnung der Blätterpilze 33 Familien mit 413 Gattungen und über 13000 Arten (Stand: 2008).

Ordnung: Blätterpilze (Agaricales)

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Blätterpilze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Literatur

  • Ainsworth and Bisby’s Dictionary of the Fungi, 10th Edition (herausgegeben von P.M. Kirk, P.F. Cannon, D.W. Minter und J.A. Stalpers), 2008, Wallingford, UK: CABI. ISBN 0-85199-826-7.
  • Rolf Singer: The Agaricales in Modern Taxonomy (4. Auflage, 981 Seiten) , 1986, Koeltz Scientific Books, Koenigstein. ISBN 3-87429-254-1.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Forscher entdecken bislang ältesten versteinerten Blätterpilz - www.wissenschaft.de über eine Mitteilung in: „Nature Onlinedienst, doi:10.1038/news070611-1
  2. P.B. Matheny u.a.: Major clades of Agaricales: a multilocus phylogenetic overview. Mycologia 98, 2006, 982–995.
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