Black Mirror (Fernsehserie)

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Seriendaten
Originaltitel Black Mirror
Black Mirror Logo.png
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Jahr(e) seit 2011
Produktions-
unternehmen
Zeppotron (Endemol)
Länge ca. 45 Minuten
Episoden 6 in 2 Staffeln
Genre Thriller, Drama, Horror, Satire
Produktion Charlie Brooker, Annabel Jones, Emma Pike, Barney Reisz
Idee Charlie Brooker
Erstausstrahlung 4. Dezember 2011 (UK) auf Channel 4

Black Mirror ist eine sechsteilige britische Miniserie über die zeitgenössische Technikparanoia und das Unbehagen über unsere moderne Welt, deren erste Staffel im Dezember 2011 vom britischen Sender Channel 4 ausgestrahlt wurde. Am 27. Februar 2012 wurde die erste Staffel in Großbritannien auf DVD veröffentlicht.[1]

Am 12. Juli 2012 wurde die zweite Staffel angekündigt, die vom 11. bis zum 25. Februar 2013 ausgestrahlt wurde.[2] Wie auch die erste Staffel besteht die zweite Staffel aus drei Folgen. Eine dritte Staffel soll sich nach Schöpfer Charlie Brooker in Vorbereitung befinden, die Produktion wurde jedoch noch nicht begonnen.[3]

Im Februar 2013 wurde bekannt, dass Robert Downey junior sich die Filmrechte der Episode The Entire History of You sicherte. Der Film soll von Warner Bros. und Robert Downey juniors eigener Produktionsfirma Team Downey produziert werden.[4]

Konzept[Bearbeiten]

Hinsichtlich des Inhaltes und der Struktur der Serie bemerkte Produzent Charlie Brooker, dass „jede Episode eine unterschiedliche Besetzung, einen unterschiedlichen Schauplatz, gar eine unterschiedliche Realität“ besitze. Sie handelten aber alle über „die Art, wie wir alle leben und wir innerhalb von 10 Minuten leben könnten, wenn wir ungeschickt wären“.[5]

In einer Endemol-Pressemitteilung wurde die Serie als „Hybrid von Twilight Zone und Die unglaublichen Geschichten von Roald Dahl“ beschrieben.[6] Der Sender Channel 4 selbst beschreibt die erste Episode als eine „verdrehte Parabel auf das Twitter-Zeitalter“[7]

Titel[Bearbeiten]

Charlie Brooker erklärte der Zeitung The Guardian den Titel folgendermaßen: „Wenn Technik eine Droge ist – und es fühlt sich wie eine Droge an – was genau sind dann die Nebenwirkungen? Dieser Bereich – zwischen Vergnügen und Unbehagen – ist der Schauplatz meiner neuen Dramaserie Black Mirror. Der schwarze Spiegel im Titel ist der, den man an jeder Wand, auf jedem Tisch, in jeder Handfläche findet: der kalte, glänzende Bildschirm eines Fernsehers, eines Computerbildschirms, eines Smartphones.“[5]

Episodenliste[Bearbeiten]

Staffel 1[Bearbeiten]

Nr.
(ges)
Nr.
(St.)
Deutscher Titel Original­titel Erstaus­strahlung UK Deutsch­sprachige Erstaus­strahlung­ (D) Regie Drehbuch Darsteller UK-Quoten
1 1 Der Wille des Volkes The National Anthem 4. Dez. 2011 11. Dez. 2013 Otto Bathurst Charlie Brooker Rory Kinnear, Lindsay Duncan, Anna Wilson-Jones, Tom Goodman-Hill, Donald Sumpter & Lydia Wilson 2,07 Mio.
Die erste Folge ist ein politischer Thriller, in der der fiktive Premierminister Großbritanniens, Michael Callow, ein großes und schockierendes Dilemma erlebt, als die fiktive Prinzessin Susannah, ein beliebtes Mitglied der Königsfamilie, entführt wird. Als Bedingung für die Freilassung wird vom Premierminister Sex mit einem Schwein im nationalen Fernsehen gefordert (siehe auch Zoophilie). Callow widersetzt sich der Forderung hartnäckig und versucht alles, um den Entführer vor Ablauf der Forderungsfrist zu stellen. Zudem fordert er strikte Geheimhaltung über die Entführung, jedoch wurde das Entführungsvideo auf YouTube hochgeladen und wurde daher schon von vielen britischen Bürgern gesehen. Obwohl sich die britischen Medien zuerst verpflichten, die Geschichte nicht zu publizieren, erreicht diese bald darauf ausländische Nachrichtensender, wodurch schnell alle über die Entführung und die Forderung Bescheid wissen. Ist die öffentliche Meinung zu Beginn noch aufseiten Callows, ändert sich diese, nachdem ein, mutmaßlich von der Hand Prinzessin Susannahs, abgeschnittener Finger bei einem Nachrichtensender auftaucht. Zudem drängt ihn die Königsfamilie zu dem Schritt, seine Frau dagegen fleht ihn an, es nicht zu machen.

Als alle andere Möglichkeiten versagen, sieht sich Callow gezwungen, die Forderung live vor einer weltweiten Öffentlichkeit zu erfüllen. Die Prinzessin wird unversehrt freigelassen, wobei es sich herausstellt, dass diese schon eine halbe Stunde vor Ablauf der Frist freikam. Dies wurde jedoch aufgrund der Liveübertragung des Premierministers nicht bemerkt. Es stellt sich heraus, das die Entführung vom fiktiven Turner-Prize-Gewinner Carlton Bloom geplant wurde. Direkt nach der Freilassung Susannahs begeht er Selbstmord. Ein Jahr nach der Übertragung ist das politische Bild Callows intakt geblieben, die öffentliche Akzeptanz stieg sogar aufgrund des Willens zur Aufopferung seiner Würde. Prinzessin Susannah hat sich wieder von der Entführung erholt und erwartet ein Kind. Die Öffentlichkeit weiß, dass Bloom hinter der Entführung steckte, jedoch nicht, dass Prinzessin Susannah vorzeitig freigelassen wurde. Während Michael Callow in der Öffentlichkeit akzeptiert wird, ist seine Ehe zerstört.

2 2 Das Leben als Spiel 15 Million Merits 11. Dez. 2011 18. Dez. 2013 Euros Lyn Charlie Brooker & Konnie Huq Daniel Kaluuya, Jessica Brown Findlay, Rupert Everett, Julia Davis & Ashley Thomas 1,52 Mio.
Die Folge spielt in einer sarkastischen Version der Zukunft und ist eine Satire auf Unterhaltungsshows und unseren unersättlichen Durst nach Ablenkung. In dieser Welt müssen junge Menschen ein Leben von sonderbarer physischer Schinderei leben. Der einzige Weg dem zu entkommen ist es an der Hot Shot Talentshow teilzunehmen und die Jury zu beeindrucken.
3 3 Das transparente Ich The Entire History of You 18. Dez. 2011 25. Dez. 2013 Brian Welsh Jesse Armstrong Toby Kebbell, Jodie Whittaker & Tom Cullen 870.000
In dieser alternativen Realität hat jede Person Zugriff auf ein System, das alles aufnimmt, was man tut oder wahrnimmt. Niemand vergisst mehr ein Gesicht, einen Feiertag oder ein alltägliches Ereignis. Allerdings wirkt sich dies nicht immer gut aus.

Staffel 2[Bearbeiten]

Nr.
(ges)
Nr.
(St.)
Deutscher Titel Original­titel Erstaus­strahlung UK Deutsch­sprachige Erstaus­strahlung­ (D) Regie Drehbuch Darsteller UK-Quoten
4 1 Wiedergänger Be Right Back 11. Feb. 2013 20. Aug. 2014 Owen Harris Charlie Brooker Hayley Atwell, Domhnall Gleeson, Claire Keelan, Sinead Matthews, Flora Nicholson, Glenn Hanning, Tim Delap & Indira Ainger 1,6 Mio.
Martha und Ash leben zusammen auf dem Land. Als Ash bei einem Autounfall stirbt, erhält Martha von einer Freundin eine Einladung zu einem Internetangebot, das es ihr ermöglicht, mit einem Imitat ihres verstorbenen Mann zu kommunizieren.
5 2 Böse Neue Welt White Bear 18. Feb. 2013 13. Aug. 2014 Carl Tibbetts Charlie Brooker Lenora Crichlow, Michael Smiley, Tuppence Middleton, Ian Bonar, Nick Ofield, Russell Barnett & Imani Jackman 1,04 Mio.
Seitdem mysteriöse Symbole über das Fernsehen verbreitet werden, ist die Bevölkerung zu stummen Voyeuren verkommen. Eine Frau wacht in einem Haus auf und kann sich an nichts mehr erinnern.
6 3 Die Waldo-Kandidatur The Waldo Moment 25. Feb. 2013 27. Aug. 2014 Brynn Higgins Charlie Brooker Daniel Rigby, Chloe Pirrie, Jason Flemyng, Tobias Menzies, Christina Chong & Michael Shaeffer 811.000
Eine Cartoon-Figur versucht Parlamentsmitglied zu werden.

Rezeption[Bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten]

Charlie Brooker (2011)

Die Serie wurde größtenteils sehr positiv aufgenommen. In einem Artikel zur ersten Folge für The Guardian kritisierte John Grace zwar die Glaubhaftigkeit der Situation, gab aber an, dass „nichts davon wirklich zählt, da gute Satire eher in dem Spaß liegt, den man währenddessen hat, als in der Absurdität des Aufbaus.“ Dieser Spaß würde durch den Aufbau als geradliniges Drama erzielt, wobei er auch eine spezifische Szene als „brillant“ bezeichnet.[8] Ein Review zu der Folge im The Telegraph bewertete diese mit viereinhalb von fünf Sternen und bezeichnete diese als „mutige, schwarzhumorige Studie über die moderne Medien.“ Die Idee der Folge sei „irrsinnig brillant“[9] Auch Neela Debnath bewertete The National Anthem für The Independent positiv. So schrieb sie: „Dieses sorgfältig ausgearbeitete und kompakte Drama ist fesselnd.“[10]

Sam Wollaston bezeichnete die zweite Folge 15 Millionen Merits in einem Review als „deutlich besser als die erste [Folge]“. Die Folge sei „hinterlistiger“ und „schön, in einer erstickenden, einengenden Art“. Zudem lobte er die Schauspielleistung von Daniel Kaluuya, welcher den Hauptcharakter Bing spielt. Wollaston bezeichnete weitergehend alle schauspielerischen Leistungen als gut.[11] The Telegraph bemerkte, dass die Motive der Folge allgemein bekannt gewesen seien, diese jedoch mit „Stil, Intelligenz und Geißelung durch herben Humor“ erforscht wurden. Zudem erkannte Sam Richards eine gewisse Selbstkritik Brookers, da sich Bing am Ende von einem „reizbaren Fernsehkritiker“ in einen Fernsehmoderator wandelt. Insgesamt wurde die Folge mit vier von fünf Sternen bewertet.[12] The Independent nannte die Folge eine „großartige Fabel mit zynischem Fazit“. Der Ton sei im Vergleich zur vorherigen Folge „sehr unterschiedlich“ gewesen, wobei eine „stärkere emotionale Verbindung zu den Charakteren“ bestand. Die Zeitung lobte die Ästhetik der Episode, die Qualität dieser sei „fantastisch“ und wirke „plausibel“.[13]

Die letzte Folge der Miniserie, The Entire History of You, wurde am kritischsten aufgenommen. Sam Richards gab in einem Review für The Telegraph lediglich drei von fünf Sternen, im Gegensatz zu viereinhalb und vier Sternen für die erste beziehungsweise zweite Episode. Dieses Familiendrama biete viele „sozial unbeholfene Momente“, jedoch fehle der „satirische Biss der vorherigen zwei Episoden“. Richards bezeichnete die Folge als die mit der „geringsten Wirkung“, da „das technische Element nicht so entscheidend für den Ausgang der Geschichte“ sei. Trotzdem halte The Entire History of You dem Zuschauer erfolgreich den Spiegel vor.[14] Auch Neela Debnath bezeichnete in einem Review für The Independent die Folge die „schwächste“ der drei. Sie entfalte sich wie eine Episode der Serie EastEnders mit „dauerhaftem Geschrei, Streitereien und Auseinandersetzungen um unerlaubte Affären“. Anstatt mutig zu sein, wäre die Folge „einfach unangenehm“ anzusehen. Debnath erkannte in der Sexszene zwischen den Hauptcharakteren Liam und Ffion das „übergreifende Thema der menschlichen Trennung durch Technologie“, gab jedoch an, die „Botschaft wurde in all der Melodramatik verloren.“[15] Entertainment Weekly wählte die Folge auf Platz 8 ihrer Top 10 der besten Serienfolgen des Jahres 2013.[16]

Einschaltquoten[Bearbeiten]

Die erste Folge der Miniserie The National Anthem war, laut Guardian, einer der erfolgreichsten Starts des Jahres für eine Dramaserie auf Channel 4. Die Einschaltquote betrug 1,86 Millionen Zuschauer. Dabei stand es in Konkurrenz zur Dokumentation Inside Facebook, welche zeitgleich auf BBC 2 gesendet wurde und ähnliche Einschaltquoten erhielt.[17] Die Organisation Broadcasters' Audience Research Board, die für die Einschaltquotenberechnung in Großbritannien verantwortlich ist, gab eine insgesamte Zuschaueranzahl von 2,07 Millionen an und listete die erste Folge damit auf Platz neun innerhalb der dreißig erfolgreichsten Programme des Fernsehsenders in der Woche vom 28. November 2011 bis zum 4. Dezember 2011.[18]

Die zweite Folge 15 Million Merits erreichte dagegen mit 1,1 Millionen Zuschauern eine deutlich niedrigere Einschaltquote.[19] Das Broadcasters' Audience Research Board meldete insgesamt 1,52 Millionen Zuschauer, womit Black Mirror Platz 30 der dreißig meistgesehenen Programme des Senders in der Woche vom 5. Dezember bis zum 11. Dezember erreichte.[18]

Die letzte Episode The Entire History of You wurde nach ersten Angaben von 870.000 Zuschauern verfolgt, was einen weiteren deutlichen Abfall der Zuschauerzahlen über den Verlauf der Staffel markiert.[20]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Im November 2012 erhielt die Folge The National Anthem den International Emmy in der Kategorie TV Movie/Mini-Series (Fernsehfilm/Miniserie).[21]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. tuppencemagazine.co.uk: Black Mirror DVD (abgerufen am 30. Januar 2011)
  2. BBC News: Black Mirror gets second series (vom 12. Juli 2012, abgerufen am 12. Februar 2013)
  3. Alex Fletcher: Charlie Brooker: 'There should be some more Black Mirror'. In: Digital Spy. Hearst Corporation, 29. November 2013, abgerufen am 9. Dezember 2013 (englisch).
  4. Ben Child: Robert Downey Jr to turn episode of Charlie Brooker's Black Mirror into film, BBC, (vom 12. Februar 2013, abgerufen am 13. Februar 2013)
  5. a b Brooker, Charlie: Charlie Brooker: the dark side of our gadget addiction (vom 1. Dezember 2011, abgerufen am 18. Dezember 2011)
  6. Endemol UK: Charlie Brooker: the dark side of our gadget addiction (vom 11. Mai 2011, abgerufen am 18. Dezember 2011)
  7. Channel 4: Programme Information: Black Mirror (vom 7. November 2011, abgerufen am 18. Dezember 2011)
  8. Crace, John: TV review: Black Mirror; Mark Zuckerberg: Inside Facebook; and The Party's Over: How the West Went Bust (vom 4. Dezember 2011, abgerufen am 18. Dezember 2011)
  9. Hogan, Michael: Black Mirror, Channel 4, review (vom 4. Dezember 2011, abgerufen am 18. Dezember 2011)
  10. Debnath, Neela: Review of Black Mirror – ‘The National Anthem’ (vom 4. Dezember 2011, abgerufen am 18. Dezember 2011)
  11. Wollaston, Sam: TV review: Black Mirror; Piers Morgan's Life Stories: Peter Andre; This is Justin Bieber (vom 11. Dezember 2011, abgerufen am 18. Dezember 2011)
  12. Richards, Sam: Black Mirror: 15 Million Merits, Channel 4, review (vom 11. Dezember 2011, abgerufen am 18. Dezember 2011)
  13. Debnath, Neela: Review of Black Mirror – ‘The Entire History of You’ (vom 19. Dezember 2011, abgerufen am 26. Dezember)
  14. Richards, Sam: Black Mirror: The Entire History of You, Channel 4, review (vom 18. Dezember 2011, abgerufen am 26. Dezember 2011)
  15. Debnath, Neela: Review of Black Mirror – ‘The Entire History of You’ (vom 11. Dezember 2011, abgerufen am 18. Dezember)
  16. 10 Best TV Episodes of 2013. EW.com, 24. Dezember 2013, abgerufen am 27. Dezember 2013 (englisch).
  17. Plunkett, John: Charlie Brooker's Black Mirror launches with almost 1.9m viewers (vom 5. Dezember 2011, abgerufen am 18. Dezember 2011)
  18. a b Broadcasters' Audience Research Board: Weekly Top 30 Programmes (vom 4. Dezember 2011, abgerufen am 18. Dezember 2011)
  19. Lee, Ben: Black Mirror 15 million Merits gets 1.1 million viewers (vom 12. Dezember 2011, abgerufen am 18. Dezember)
  20. Fletcher, Alex: Charlie Brooker's third 'Black Mirror' draws 870k (vom 19. Dezember 2011, abgerufen am 26. Dezember 2011)
  21. The International Emmy Award: Previous Winners (abgerufen am 12. Februar 2013)