Blankenberg (Thüringen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Blankenberg
Blankenberg (Thüringen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Blankenberg hervorgehoben
50.40472222222211.716111111111490Koordinaten: 50° 24′ N, 11° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saale-Orla-Kreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Saale-Rennsteig
Höhe: 490 m ü. NHN
Fläche: 3,74 km²
Einwohner: 934 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 250 Einwohner je km²
Postleitzahl: 07366
Vorwahl: 036642
Kfz-Kennzeichen: SOK, LBS, PN, SCZ
Gemeindeschlüssel: 16 0 75 003
Adresse der Verbandsverwaltung: Rennsteig 2
07366 Blankenstein
Webpräsenz: www.gemeinde-blankenberg.de
Bürgermeister: Hans Wietzel (SPD)
Lage der Gemeinde Blankenberg im Saale-Orla-Kreis
Bad Lobenstein Birkenhügel Blankenberg Blankenstein Bodelwitz Bucha Burgk Dittersdorf Crispendorf Dittersdorf Dittersdorf Döbritz Dreba Dreitzsch Eßbach Gefell Geroda Keila Görkwitz Göschitz Gössitz Grobengereuth Harra Hirschberg (Saale) Gertewitz Kirschkau Knau Kospoda Krölpa Langenorla Lausnitz Lemnitz Linda bei Neustadt an der Orla Löhma Miesitz Mittelpöllnitz Moßbach Moxa Neundorf (bei Lobenstein) Neundorf (bei Schleiz) Neustadt an der Orla Neustadt an der Orla Nimritz Oberoppurg Oettersdorf Oppurg Paska Peuschen Plothen Pörmitz Pößneck Pottiga Quaschwitz Ranis Remptendorf Rosendorf Saalburg-Ebersdorf Schlegel Schleiz Schmieritz Schmorda Schöndorf Seisla Solkwitz Stanau Tanna Tegau Tömmelsdorf Triptis Volkmannsdorf Weira Wernburg Wilhelmsdorf (Saale) Wurzbach Ziegenrück ThüringenKarte
Über dieses Bild

Blankenberg ist eine Gemeinde im Saale-Orla-Kreis in Thüringen. Sie gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Saale-Rennsteig.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Blankenberg liegt im Südosten des Saale-Orla-Kreises, an der Stelle, an der die Saale, von Bayern kommend, ihren Weg durch Thüringen fortsetzt, nachdem sie den Ort in einem Bogen umflossen hat. Die Gemeinde erstreckt sich entlang eines Bergrückens. Der Anger liegt auf einer Höhe von etwa 460 m ü. NN, die Kirche bei 500 m ü. NN und der Sportplatz am Galgenbühl bei 560 m ü. NN.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Blankenberg gehört der Ortsteil Arlas.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Blankenstein, Harra und Pottiga im Saale-Orla-Kreis sowie Issigau im bayerischen Landkreis Hof.

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung der Veste Planckenberg stammt vom 9. Januar 1212.[2] Diese Burg kann als Stammsitz derer von Blanckenberg angesehen werden und wechselte nach dem Aussterben der Familie öfter den Besitzer.

Bis ungefähr 1258 war Blankenberg ein Reichslehen, es war Teil des von den Staufern gebildeten „Regnitzland“ und stand unter Verwaltung der Vögte von Gera. Ab 1258 gehörte Blankenberg zur Markgrafschaft Meißen. 1371 wurde Blankenberg an die böhmischen Könige verkauft und war fortan böhmisches Kronlehen. Ab 1422 kam der in böhmischen Besitz befindliche Teil des Vogtland, darunter auch Blankenberg, an die Kurfürsten von Sachsen. Die staatliche Zugehörigkeit zu Kursachsen blieb bis 1815 bestehen. Von 1547 bis 1563 war es im Lehensbesitz der Herren von Plauen und Burggrafen von Meißen.

Aber auch innerhalb von Kursachsen wechselte die Herrschaft Blankenbergs des Öfteren. So unterstand Blankenberg mit dem Amt Plauen von 1485 bis 1547 der ernestinischen, von 1563 bis 1656 der albertinischen Linie und von 1656 bis 1718 dem Herzogtum Sachsen-Zeitz. Diese Linie erlosch aber 1718 wieder und der Besitz fiel erneut an Kursachsen, das 1806 im Königreich Sachsen aufging.

Mit dem Wiener Kongress von 1815, in dessen Folge Sachsen große Gebietsverluste hinnehmen musste, kam Blankenberg unter Kontrolle Preußens und gehörte als Exklave zum neu gebildeten Landkreis Ziegenrück.

Die Feste Blankenberg[Bearbeiten]

Die Burg gehörte ursprünglich zu einer Reihe von Sicherungsfestungen an der Saale, war ursprünglich Reichslehen und hatte dann über die Jahrhunderte verschiedene Besitzer.

Die Annahme, dass sie als Zwingburg gegen die Sorben errichtet wurde, ist abwegig. Eher wahrscheinlich ist die Annahme eines Major von Herzberg, die von taktischen Erwägungen ausgeht und die Entstehung von Burgen an der oberen Saale in die Zeit der Kämpfe zwischen Staufern und Welfen legt. Von einem Angriff der Welfen war das Egerland am meisten gefährdet, ein wichtiger Faktor in der Haus- und Reichspolitik der Staufer. Zu seinem Schutz schuf Kaiser Friedrich I. zwischen Saale und Mulde das Vogtland, das im Westen und Nordwesten in dem steil abfallenden Saaletal ein starkes Hindernis bildete. Zu diesem Zweck wurden vermutlich auch die Burgen am rechten Ufer der oberen Saale auf Befehl des Kaisers errichtet. Die linke Flanke der Hauptverteidigungslinie war durch die obere Saale gesichert, wenn die Flussübergänge gesperrt waren.

Mit Beginn der Neuzeit hatte die Burg wie alle Burgen ihren ursprünglichen Sinn als Wehrbau verloren. Sie wurden langsam zu Schlössern, bei denen Bequemlichkeit über Sicherheit und Befestigung ging. Das Schloss war ein Wohnbau mit abgerundeten Ecken, es hatte romanisches Mauerwerk, das in neuerer Zeit wieder dürftig hergestellt worden war. Das hochragende Hauptgebäude war aus Schieferplatten gefertigt und lag auf einem Felsklotz, der durch einen noch sichtbaren Graben vom übrigen Gelände abgetrennt war. Äußerlich dominierten sieben wuchtige Strebepfeiler und die Untergeschosse hatten lediglich Lichtschlitze und Scharten. Nur die Obergeschosse besaßen Fenster. Die mittelalterliche Burg wurde im Laufe der Zeit von den Besitzern innen und außen schlossartig umgestaltet. Die äußeren Bereiche bildeten einen großen Hof zur Bewirtschaftung des Rittergutes. Für die Schlossbewohner fand in der zum Schloss gehörenden Schlosskapelle der Sonntagsgottesdienst statt. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges blieb der trutzige Bau des Schlosses nahezu unverändert erhalten. Im Zusammenhang mit den Enteignungen durch die Bodenreform erließ die damalige sowjetische Besatzungsmacht den Befehl Nr. 209 zum Abbruch von Adelssitzen. So wurde am 14. Juni 1948 das Alte Schloss, wie es im Volksmund bezeichnet wurde, nach einer über 700-jährigen Geschichte gesprengt.

Modell des Blankenberger Schlosses

Bis zur politischen Wende 1989 geriet der Trümmerhaufen nahezu in Vergessenheit. Erst zu Beginn der 1990er Jahre fanden sich engagierte Bürger zusammen und legten seit 1995 unter fachkundiger Leitung die Reste des Schlosses frei. So ist der Turnierplatz mit dem neu gemauerten Tor wieder deutlich zu erkennen. Die Stützmauern wurden zum Teil neu errichtet; ein Schlossgarten mit Pavillon wurde angelegt. Das Kreuzgewölbe des Rittergutsgebäudes wurde restauriert und dort eine kleine Sammlung von Fundstücken der Ausgrabungen eingerichtet. Im Jahr 2007, anlässlich der 775-Jahr-Feier, wurde ein Modell des Schlosses im Maßstab 1:10 auf einem Rondell am Fuß der Ruine aufgestellt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung vor 1994[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung seit 1994[Bearbeiten]

(Stand 31. Dezember):[3]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Seit der Gemeinderatswahl 2009 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:

  • SPD 9 Sitze (71,8 %)
  • CDU 3 Sitze (28,2 %)
Wappenfoto

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei den Bürgermeisterwahlen am 27. Juni 2004 erhielt Hans Wietzel (SPD) mit 98,4 % der Stimmen im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit und ging damit in seine zweite Amtszeit.

Bei den Bürgermeisterwahlen am 6. Juni 2010 erhielt er wiederum mit 98,9 % der Stimmen im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit für seine dritte Amtszeit.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt das Blankenberger Schloss. Die Bäume stehen für den Waldreichtum der Region, der Fluss stellt die Saale dar und die drei Papierrollen stehen für die Papierfabrik und die ansässige Papierindustrie.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gnadenkirche zu Blankenberg[Bearbeiten]

Gnadenkirche zu Blankenberg

Die Gnadenkirche zu Blankenberg ist im neoromanischen Stil in Ost-West-Richtung gebaut. Ihre Außenwände bestehen aus unverputztem Naturstein.

Schon 1852 fasste man den Entschluss, eine Kirche in Blankenberg zu bauen, da die Kirche in Arlas wegen Einsturzgefahr geschlossen werden musste. Das Bauvorhaben scheiterte jedoch immer wieder an den nötigen finanziellen Mitteln. Nach einer Ministerialerklärung des königlich bayrischen Staatsministeriums vom 14. April 1860, dem seit 1856 Verhandlungen zwischen Bayern und Preußen vorangingen, bekam Blankenberg schließlich eine eigene Pfarrei und wurde von der Mutterkirche in Berg getrennt. Nach der Planungsphase wurde dem königlich preußischen Baumeister Otto Hentsch die Bauleitung übertragen, worauf der erste Spatenstich am 12. Mai 1860 erfolgte. Großzügige Spenden des Blankenberger Papierfabrikanten Flinsch und des preußischen Königs und späteren Deutschen Kaisers Wilhelm I. ermöglichten ein rasches Voranschreiten des Kirchenbaus.

Das Baumaterial bezog man hauptsächlich aus der näheren Umgebung. Die Steine kamen aus dem Egelkrautschen Steinbruch in Blankenberg, das Holz aus dem reußischen Forst in Arlas und der Sand aus der Pottigaer Flur. Am 7. Juni 1861 konnte das Richtfest gefeiert werden, ehe am 15. Oktober 1862 die Kirche geweiht wurde.

Pfarrhaus Blankenberg

Pfarrhaus[Bearbeiten]

Das zum damaligen Rittergut Blankenberg gehörende Jägerhaus wurde nach dem Bau der Kirche gekauft und als Pfarrhaus eingerichtet. Datierungshinweise zum Pfarrgebäude fehlen. Jedoch lassen die Proportionen, die Bauform und die Fassadendetails vermuten, dass es sich um ein Gebäude des mittleren bzw. ausgehenden 18. Jahrhunderts handelt. Noch heute erkennt man auch die kleine parkähnliche Anlage vor dem Gebäude.

Gefallenendenkmal[Bearbeiten]

Am 23. November 1923 wurde vor der Nordseite der Kirche ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges eingeweiht. Es wurde aus Bobengrüner Kalkmarmor gefertigt und steht zwischen zwei Hänge-Birken. 1998 wurden zwei Gedenktafeln mit den Namen der Blankenberger Kriegsopfer des Zweiten Weltkrieges rechts und links vom Kriegerdenkmal angebracht und das alte Kriegerdenkmal grundlegend saniert. Bis dahin wurde den Gefallenen auf einer Gedenktafel im Inneren der Kirche gedacht.

Friedhof[Bearbeiten]

Die Blankenberger Toten wurden früher in Berg und bis 1846 auch auf dem Gottesacker bei der Arlaser Kirche begraben. Diesen nutzten preußische und reußische Einwohner gleichermaßen. 1846 legte Blankenberg einen eigenen Gottesacker im Ort an. 1917 erwarb die Gemeinde von der Kirche für die Erweiterung des Friedhofes die angrenzende Pfarrwiese, auf der 1925 der Blankenberger Baumeister Vogel die Leichenhalle errichtete. Auf dem Blankenberger Friedhof befand sich auch die Familiengruft der Papiermacherfamilie Flinsch.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten der Gemeinde gehört die ehemalige Papierfabrik mit der 1903 gebauten und 1906 in Betrieb genommenen Papiermaschine, welche als die zweitälteste Papiermaschine in Deutschland gilt.

Da Blankenberg auf einem Bergsattel über der Saale liegt, bieten einige neu gestaltete Aussichtspunkte einen schönen Blick auf das Saaletal. Vom Zigeunerhügel und Hochzeitskorb bieten sich schöner Blicke auf Blankenstein und Lichtenberg. Vom Schlossgarten aus schweift der Blick weit hinab ins Saaletal, nach Kemlas und Berg.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Seinen Aufschwung und Wohlstand verdankt Blankenberg den Wasserkräften der Saale. Eine Mühle wurde urkundlich schon 1371 erwähnt, als Kaiser Karl IV. mit seinem Sohn Wenzel am 23. März des genannten Jahres von den Vögten von Gera die Feste Blankenberg kaufte. Dabei wurde auch die Mühle ausdrücklich hervorgehoben. Hier handelte es sich um eine Wassermühle, die auf einer Karte aus dem Jahre 1757 noch eingezeichnet war, später aber abbrannte. Spuren des Mühlgrabens sind noch unterhalb der Angerhäuser an der Saale vorhanden. Auf der erwähnten Karte ist außerdem eine Papiermühle eingetragen, die sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Besitz des Papierhändlers Johann Wolfgang Rahm aus Hof in Bayern befand.

Die Papierfabrik Blankenberg[Bearbeiten]

Die Papierherstellung in Blankenberg ist eng mit der Familie Flinsch verbunden. Adam Erdmann Flinsch (1757–1828) pachtete von dem damaligen Inhaber Rahm die Papiermühle zu Blankenberg und betrieb sie bis ins vorgerückte Alter. Der älteste Sohn, der am 9. Mai 1788 in Blankenberg geborene Johann Christian Flinsch, erwarb die Papiermühle in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts. Die drei Brüder des Letzteren, Ferdinand Traugott, Carl und Heinrich Flinsch, alle in Blankenberg geboren, machten den Namen Flinsch zu einer angesehenen Marke in der Papierbranche. 1842–1843 bauten die Brüder die väterliche Papiermühle Blankenberg in eine Maschinenpapierfabrik um. Die Papiermaschine hatte eine Breite von 60 Zoll=1525 mm und stammte von der Firma Bryan Donkin in London. Nach dem Umbau beschäftigte der Betrieb 70 Arbeitnehmer und stellte eine gute Erwerbsmöglichkeit für die Bewohner dar, zumal ungefähr um diese Zeit der Bergbau zum Erliegen kam.

Am 6. Dezember 1894 kaufte der Besitzer der im Nachbarort Blankenstein ansässigen Papierfabrik, Gotthelf Anton Wiede, die Blankenberger Papierfabrik. Das Kaufobjekt bestand aus der Papierfabrik mit Zubehör, Wald, Wiesen, Feldern, dem alten Hammerwerk Katzenhammer nebst Wohnhaus und Stallgebäuden und dem Dorfhaus Nr. 102. Das Herrenhaus mit Garten sowie ein 80 Hektar umfassender Wald auf bayerischer Seite kamen zusammen mit dem Wolfstein nebst eigener Jagdgerechtigkeit hinzu.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2.  Otto Dobenecker (Bearb. und Hg.): Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae (1210 –1227 ). Bd. 2 Teil 2, Fischer, Jena 1900. Nr.1496
  3. Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Blankenberg (Thüringen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien