Blankodarlehen

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Als Blankodarlehen (oder Blankokredit) bezeichnet man im Bankwesen Kredite, die ohne Stellung von bewertbaren Kreditsicherheiten von Kreditinstituten den Kreditnehmern gewährt werden. Wird nur ein Teil des Darlehens abgesichert, so spricht man von dessen ungesichertem Teil als dem Blankoanteil des Darlehens.

Allgemeines[Bearbeiten]

Weltweit und in Deutschland ist es den Kreditinstituten überlassen, ob sie ihre Kredite besichern oder unbesichert zur Verfügung stellen.[1] Daher ist es Aufgabe der unternehmerischen Kreditrisikopolitik jeder einzelnen Bank, das eigene Kreditportfolio auch nach dem Kriterium der Kreditbesicherung zu steuern. Bankenaufsichtsrechtliche Vorschriften befassen sich lediglich mit der Klassifizierung vorhandener Sicherheiten bei der Eigenmittelunterlegung.

Nur bestimmte Kredite wie Immobilienfinanzierungen (Realkredite) sind aufgrund gesetzlicher Vorschriften (§ 21 Abs. 3 Nr. 1 KWG in Verbindung mit § 14 Abs. 1 und § 16 Abs. 1 und 2 Pfandbriefgesetz) zu besichern. Im Rahmen der „Kreditrisikominderungstechniken“ bezieht sich die Solvabilitätsverordnung in § 35 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 SolvV (Wohnimmobilien im Kreditrisikostandardansatz), Abs. 3 Satz 1 SolvV (Gewerbeimmobilien im Kreditrisikostandardansatz) sowie § 159 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SolvV (Wohnimmobilien im Basis-IRB-Ansatz) und Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 SolvV (Gewerbeimmobilien im Basis-IRB-Ansatz) auf die Mindestanforderungen des § 20a Abs. 4 bis 8 KWG. Diese Kredite sind kraft gesetzlicher Bestimmungen mit Grundpfandrechten zu besichern. Aus der Natur der Kreditart ergibt sich beim Effektenlombardkredit, dass er durch die Verpfändung von Effekten besichert werden muss.

Bei allen übrigen Kreditarten obliegt es den Kreditinstituten, ob und wodurch sie eine Kreditsicherheit verlangen wollen.

Bonitätsentscheidung[Bearbeiten]

Ob ein bestimmter Kredit ohne Sicherheiten („blanko“) gewährt wird, machen die Kreditinstitute vom positiven Ergebnis ihrer internen Kreditwürdigkeitsprüfung abhängig, die nach § 18 KWG bestimmte Unterlagen über Vermögen, Schulden und Einkommen des Kreditnehmers auswertet. Ergibt diese Prüfung eine einwandfreie Bonität des Kreditnehmers, bei der der Schuldendienst aus dem Einkommen/Vermögen als sicher gilt, kann ein Blankodarlehen gewährt werden. Bei der Abwägung spielen betriebswirtschaftliche Kennzahlen und empirische Kundendaten bei der Einschätzung des Adressenausfallrisikos eine entscheidende Rolle.

Privatkundengeschäft[Bearbeiten]

Ratenkredite, Dispositionskredite, Mietavale, Mikrokredite und Kreditkartenlimite werden typischerweise als Blankokredite vergeben, wenn ihre Höhe das Drei- bis Fünffache eines regelmäßigen Monatseinkommens nicht überschreitet.

Firmenkundengeschäft[Bearbeiten]

Betriebskredite zur Finanzierung des Umlaufvermögens werden als Blankokredite gewährt, wenn die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und die Datenhistorie des Kreditnehmers dies zulassen. Um die Zahlungsfähigkeit und das Zahlungsverhalten des Kunden besser beurteilen zu können, verlangt die Bank meistens, dass der gesamte Zahlungsverkehr über das Bankkonto abgewickelt wird. Besonders im Firmenkundengeschäft unterliegen Blankokredite besonderen, auf betriebswirtschaftlichen Kennzahlen beruhenden Faustregeln. Blankokredite sollen

  • 30 bis 40 % des Eigenkapitals des Kreditnehmers nicht übersteigen;
  • 20 bis 25 % des Netto-Umsatzerlöses des Kreditnehmers nicht überschreiten;
  • das Drei- bis Vierfache des nachhaltigen Cashflow nicht übersteigen.[2]

Darüber hinaus behält sich die Bank im Kreditvertrag das jederzeitige Recht vor, den Kredit bei wesentlicher Verschlechterung der Vermögensverhältnisse vom Kreditnehmer nachträglich besichern zu lassen oder den Kredit zu kündigen.

Kommunalkreditgeschäft[Bearbeiten]

Im deutschen Kommunalkreditgeschäft gewähren Kreditinstitute ausschließlich Blankokredite, weil es den Gemeinden kommunalrechtlich nicht gestattet ist, Kreditsicherheiten zu stellen (etwa § 86 Abs. 5 GemO NRW). Begründet wird diese Bestimmung mit der Überlegung, dass den Gläubigern die Steuerkraft, das Vermögen und die Insolvenzunfähigkeit als sichernde Faktoren ausreichen müssen. Werden dennoch verbotswidrig Sicherheiten bestellt, so sind diese nach § 130 Abs. 2 GemO NRW nichtig.

Bausparkredite[Bearbeiten]

Blankodarlehen werden im § 7 Abs. 4 Bausparkassengesetz geregelt. Dabei handelt es sich um Bauspardarlehen bis maximal 10.000 Euro oder Zwischenkredite bis 5.000 Euro, bei dem wegen des geringen Darlehensbetrages auf eine grundpfandrechtliche Sicherung verzichtet werden kann. Der Umfang der von der Bausparkasse ausgereichten Blankodarlehen ist aufsichtsrechtlich begrenzt. Auf eine grundpfandrechtliche Sicherung wird bei Bauspardarlehen zwischen 10.000 Euro und 15.000 Euro Negativdarlehen üblicherweise ebenfalls verzichtet. Vom Darlehensnehmer wird hierfür eine Negativerklärung gefordert.

Seit Ende 2009 ist es Bausparkassen gesetzlich erlaubt, Modernisierungsdarlehen bis 30.000 Euro zu vergeben.

Sonstiges[Bearbeiten]

Blankokredite liegen auch dann vor, wenn Kreditsicherheiten gestellt werden, die banküblich nicht bewertet werden (können) (z. B. Negativerklärungen, Patronatserklärungen, Lohn- und Gehaltsabtretung) oder nicht banküblich sind.

Einen Blankokredit erkennt man daran, dass die - in Kreditverträgen sonst übliche - Kreditbedingung „Kreditsicherheiten“ fortgelassen wird; eine ausdrückliche Erwähnung als Blankokredit unterbleibt, da hieraus ein dauerhafter Besicherungsverzicht interpretiert werden könnte. Ein derartiger Verzicht widerspräche dem aus den AGB hervorgehenden Recht der jederzeitigen Nachbesicherung von Krediten.

Einige Kreditsicherheiten wirken sich nach § 154 SolvV risikomindernd auf das Adressenausfallrisiko des Kreditnehmers aus und werden deshalb bei der Eigenmittelbelastung in Anrechnung gebracht, was die Eigenkapitalkosten für gewährte Kredite und damit die Kreditkosten für den Kreditnehmer mindert. Deshalb können Blankokredite - gleiches Kreditnehmerrating unterstellt - tendenziell teurer werden als einwandfrei besicherte Kredite.[3]

Schweiz[Bearbeiten]

Mit der Einführung des Konsumkreditgesetzes müssen bei diesen Krediten jedoch umfangreiche Abklärungen über die finanziellen Verhältnisse des Kreditnehmers vorgenommen werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Wolfhart Nitsch, Bankrecht für Betriebswirte und Wirtschaftsjuristen, 2010, S. 141
  2. Max Lüscher-Marty, Theorie und Praxis des Bankkredits: Kreditrisikomanagement und Firmenkundenkredite, 2011, Kap. 4.04
  3. Moritz Brinkmann, Kreditsicherheiten an beweglichen Sachen und Forderungen, 2011, S. 4