Blasenentleerungsstörung

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Klassifikation nach ICD-10
R39.1 Sonstige Miktionsstörungen

Gespaltener Harnstrahl Schwacher Harnstrahl Verzögerte Miktion

ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Als Blasenentleerungsstörung werden Störungen bezeichnet, die sich in einer erschwerten oder unvollständigen, nicht willkürlich in Gang zu setzenden oder viel zu seltenen Entleerung der Harnblase äußern. Als Ursache kommen mechanische, funktionelle, neurologische Erkrankungen oder psychogene Faktoren in Frage. Die Folge ist oft ein häufigerer Abgang kleinerer Harnmengen (eine sog. Überlaufblase) mit Restharnbildung oder ein Harnstau.

Ein erschwertes Wasserlassen wird als Dysurie bezeichnet. Restharnbildung und Katheterisierung sind begünstigende Faktoren für die Entstehung eines Harnwegsinfekts.

Die Unfähigkeit, die Blase aufgrund einer Erschlaffung der Blasenmuskulatur selbständig entleeren zu können, wird als Blasenatonie bezeichnet. Die Blasenatonie kann nach einer radikalen Operationen im kleinen Becken auftreten oder im Rahmen eines anticholinergen Syndrom, z. B. durch Vergiftung mit Atropin.

Bei längerdauernder Erhöhung des Blasendruckes infolge verstärkter Kontraktion der Blasenwand gegen einen Widerstand oder infolge einer Koordinationsstörung kann es zur Blasenwandhypertrophie kommen.

Eine hochgradige oder vollständige Blasenentleerungsstörung erfordert die umgehende Katheterisierung der Blase.

Mechanische Ursachen[Bearbeiten]

Eine mechanische Obstruktion wird durch ein morphologisch-anatomisch definierbares Abflusshindernis verursacht. In dem vor dem Hindernis liegenden Teil der ableitenden Harnwege kommt es somit zu einer Druckerhöhung.

Verantwortlich können sein:

Neurogene Ursachen[Bearbeiten]

Ist die Nervenversorgung der Harnblase oder die Koordination zwischen Kontraktion der Blasenwand und nachfolgender Erschlaffung des Blasensphinkters (Verschlussmuskel)gestört, kommt es zur neurogenen Blase. In der Regel liegt eine Rückenmarksschädigung zugrunde, z. B. bei einer Querschnittlähmung, einer MMC, seltener eine Schädigung des Nervengeflechtes vor dem Kreuzbein (präsakraler Plexus).

Diagnostik[Bearbeiten]

Zusätzlich zur klinischen Untersuchung kann bildgebend eine Sonographie sowohl einen Großteil der Ursachen, als auch das Ausmaß einer eventuellen Blasenwandhypertrophie sowie eventuelle Auswirkungen auf den davor liegenden Harntrakt wie Aufweitung von Harnleiter oder Nierenbecken dokumentieren[1]. Mittels Miktionszystourethrogramm können Vesikorenaler Reflux, Morphologie der Harnwege sowie eventuelle Divertikel nachgewiesen werden. Eine Urodynamische Untersuchung (Blasenmanometrie) erlaubt eine funktionelle Beurteilung des Entleerungsvorganges.

Literatur[Bearbeiten]

  • W. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, Verlag Walter de Gruyter, 265. Auflage (2014) ISBN 3-11-018534-2
  • W. Schuster, D. Färber (Hrsg.): Kinderradiologie. Bildgebende Diagnostik. Springer 1996, ISBN 3-540-60224-0, Seite 706.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. V. Hofmann, K. H. Deeg, P. F. Hoyer: Ultraschalldiagnostik in Pädiatrie und Kinderchirurgie. Lehrbuch und Atlas. Thieme 2005, ISBN 3-13-100953-5

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

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