Blauen (Badenweiler)

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Blauen
Blauen von Süden

Blauen von Süden

Höhe 1165 m ü. NHN
Lage Baden-Württemberg, Deutschland
Gebirge Schwarzwald
Dominanz 5,6 km → Köhlgarten
Schartenhöhe 242 m ↓ Müllheimer Egerten
Koordinaten 47° 46′ 39″ N, 7° 42′ 4″ O47.77757.70111111111111165Koordinaten: 47° 46′ 39″ N, 7° 42′ 4″ O
Blauen (Badenweiler) (Baden-Württemberg)
Blauen (Badenweiler)
Gestein Malsburggranit, Gneis
Besonderheiten Aussichtsturm Hochblauen, Sender Blauen

Der Blauen oder Hochblauen ist ein 1164,7 m ü. NHN[1] hoher Berg am Westrand des südlichen Schwarzwalds. Der Gipfel liegt an einem Schnittpunkt der Gemarkungen Schliengen und Malsburg-Marzell im Landkreis Lörrach sowie Badenweiler im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.[2][3] Der Blauen ist ein Aussichtsberg und gilt als Hausberg des Markgräflerlands, das er überragt.[4] Von dem an seinem Nordfuß liegenden Kurort Badenweiler ist der Gipfel ca. drei Kilometer entfernt und über eine Fahrstraße erreichbar. Den Kern des Blauenmassivs bildet ein unterkarbonischer Malsburggranit. Der Blauengipfel besteht aus Gneis. Der Wald reicht auf dem niederschlagsreichen Berg bis unter den Gipfel.

Namen[Bearbeiten]

Im 14. Jahrhundert wird der Berg als Blauwen oder Blawen urkundlich erwähnt.[5] Matthäus Merians Topographia Sueviae bezeichnet ihn Mitte des 17. Jahrhunderts als Hoche Blawen.[6] Der Gemarkungsplan der ersten badischen Landesaufnahme von 1769/1770 unterscheidet zwischen dem Hoch Blauen und dem Hinter Blauen,[7] einem 700 m nordnordöstlich vom Hauptgipfel gelegenen, 1087 m hohen Nebengipfel.[1] Als Blauen M[ons][8] ist der Berg in der Schwarzwaldkarte des Klosters St. Blasien aus dem Jahr 1788 eingetragen.[9] Auch im Topographischen Atlas ueber das Grossherzogtum Baden wird er 1845 Blauen genannt,[10] ebenso wie in anderen geographischen Veröffentlichungen des 19. Jahrhunderts.[11] Daneben findet sich unter anderem in Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts wiederholt auch die Bezeichnung Hochblauen,[12] teilweise mit der Erklärung, diese diene zur Unterscheidung vom zwölf Kilometer entfernten Zeller Blauen.[13] Allerdings war für letzteren ebenfalls die Bezeichnung Hochblauen geläufig und in Landkarten vermerkt,[14] während der Berg bei Badenweiler bis heute als Blauen in den Karten zu finden ist.[15]

Den Namen Blauen tragen verschiedene Berge und Orte in Deutschland und der Schweiz. In seinem Oberdeutschen Flurnamenbuch stellte der Kulturhistoriker Michel Buck 1880 einen Zusammenhang zum historischen Bergbauwesen am Blauen her, indem er eine Herkunft des Namens von ‚Bla‘ = Schmelzhütte vorschlug.[16] Eine andere Namensdeutung nimmt die blaue Farbe von Tannenwäldern bzw. das bläuliche Erscheinungsbild eines Berges aus der Ferne als Ausgangspunkt.[17]

Landschaftsschutzgebiete[Bearbeiten]

Am Blauen treffen drei Landschaftsschutzgebiete aufeinander:[18]

Das Landschaftsschutzgebiet Blauen an der Südseite des Bergs wurde 1983 auf Flächen der Gemeinden Kandern, Schliengen und Malsburg-Marzell ausgewiesen. Es umfasst 4.119 Hektar mit vorwiegend Mischwaldgesellschaften und größeren Weideflächen, die durch mittelalterliche Rodungen entstanden sind. Es wird als „einzigartige Erholungslandschaft“ beschrieben.[19]

Im Norden grenzt es an das Landschaftsschutzgebiet Markgräfler Hügelland und angrenzender westlicher Südschwarzwald. Dieses ist 5.840 ha groß und wurde 2005 in Bereichen der Gemeinden Auggen, Badenweiler, Müllheim und Sulzburg ausgewiesen.[20]

Das mit 399 ha kleinste der drei Landschaftsschutzgebiete, Lipburg, liegt im Westen des Blauen und gehört zu Badenweiler. Es umfasst eine typische Tallandschaft am Übergangsbereich von der Vorbergzone zum Schwarzwald und hat eine wichtige Erholungsfunktion für den Raum Badenweiler/Müllheim.[21]

Erschließung[Bearbeiten]

Die Hochblauenstraße wurde für den privaten Autoverkehr im Jahr 1928 freigegeben. Sie verlässt etwa auf der Hälfte der Strecke den Landkreis Freiburg-Hochschwarzwald, in ihrem nordwestlichen Bereich trägt sie deshalb die Bezeichnung K 4948, im südöstlichen Teil wird sie dagegen unter der Nummer K 6314 geführt, dort ist die Straßenmeisterei Wollbach zuständig. Die Räumung im Winter übernimmt die Straßenmeisterei Müllheim auf der ganzen Strecke aufgrund eines Abkommens zwischen den Landkreisen.[3] Die Straße führt bis auf den Gipfel. Seit 2011 gibt es während der Sommermonate auch eine Buslinie, die den Gipfel an Sonn- und Feiertagen über Marzell und Kandern mit Basel verbindet.[22] Darüber hinaus verläuft der Westweg, ein Fernwanderweg des Schwarzwaldvereins, auf der 280 Kilometer langen Route von Pforzheim nach Basel in der Variante A über den Blauen.

Zwischen 1957 und 1980 wurde eine Flurbereinigung im Bergwald durchgeführt, bei der nach umfangreichen und aufwendigen Vermessungsarbeiten 42 kleine zu zwölf größeren Grundstücken zusammengelegt wurden. Zur Erinnerung hieran wurde ein Gedenkstein errichtet, der seit 2007 die Namen aller Beteiligten auf einer Messingtafel ausweist.[3]

Auf dem Gipfel befindet sich das Berghaus Hochblauen (auch Blauenhaus genannt), eine Gaststätte mit Übernachtungsmöglichkeit; von November bis März ruht der Hotelbetrieb, es steht nur ein Imbiss bereit.[23] Im Sommer 2013 ist der Gasthof geschlossen. Nach Angabe des Eigentümers steht im Jahr 2014 ein Umbau an.[24]

Der Bewirtungsbetrieb auf dem Blauen wurde im Jahr 1872 aufgenommen, als eine überdachte Waldschenke errichtet wurde. Im Juni 1875 wurde das erste Haus eröffnet, das den Namen Krone des Blauen trug. Es wurde 1890 und noch einmal 1965–1966 erweitert, um dem zunehmenden Fremdenverkehr Rechnung zu tragen. Die Wasserleitung aus dem Jahr 1898 zur 150 Meter tiefer liegenden Quelle wird bis heute genutzt. Seit 1925, als ein Kabel aus Marzell hierher geführt wurde, gibt es auf dem Gipfel auch elektrischen Strom. Drei Jahre später fuhren die ersten Kraftfahrzeuge über die Bergstraße herauf.[25][26]

Türme[Bearbeiten]

Ein Aussichtsturm wurde 1895 anstelle eines etwas niedrigeren Holzturms aus dem Jahr 1875 vom Schwarzwaldverein in Stahlfachwerkbauweise errichtet. Er wurde am 30. August 1895 eingeweiht und 1984 mit finanzieller Unterstützung der Bundespost grundlegend restauriert. Der ursprünglich 14 Meter hohe Turm hat heute mit Antenne eine Gesamthöhe von 21 Metern. [27][28] Er ist jederzeit zugänglich. 1985 wurde keine hundert Meter südsüdöstlich des Aussichtsturms der Fernmeldeturm Sender Blauen errichtet. Er ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und beeinträchtigt den Ausblick vom Aussichtsturm auf die Alpen.

Nordöstlich des Hochblauen liegt auf einer Höhe von 1074 Metern die vermutlich höchstgelegene Burgstelle Baden-Württembergs, die Burg Stockberg.

Seit Sommer 2011 wird diskutiert, eine Windkraftanlage mit drei Windrädern zur Stromerzeugung am Blauen aufzustellen.[2][27]

Ausblick[Bearbeiten]

Der Hochblauen bietet Aussichtspunkte mit Blick auf den Schwarzwald mit der kahlen Kuppe des Belchen, auf die Vogesen mit dem Großen Belchen, den Schweizer Jura und die Alpen.

Vor dem Jura erkennt man bei klarer Sicht Basel.

Durch seine Lage am Rand des Schwarzwaldes ermöglicht der Hochblauen bemerkenswerte Tiefblicke auf die Rheinebene mit dem Kaiserstuhl.

Blick von der Terrasse des Blauenhauses nach Süden auf die Alpenkette.

Sport[Bearbeiten]

Der Blauen ist ein beliebtes Ziel bei Wanderern, Mountainbikern und Gleitschirmfliegern, die man oft an seiner Südrampe beobachten kann.[29]

Seit dem Jahr 1993 gibt es den in der Regel alljährlich im Juni stattfindenden Hochblauen-Berglauf, an dem mehrere hundert Sportler teilnehmen.[30][22]

1933 war auf dem Blauen eine Skisprungschanze gebaut worden. Bis 1939 wurde darauf das Blauen-Skispringen veranstaltet. Den Rekord bei dem nicht ungefährlichen Sport hielt Oskar Faller aus Breitnau, der „mit Skiern aus Holz mit Lederbindungen“ 35 Meter weit gesprungen war. Außerdem sei sowohl alpin als auch nordisch Ski gelaufen worden.[31]

Kunst[Bearbeiten]

Zu den Künstlern, die ihre Eindrücke und Erfahrungen mit dem Blauen in ihrem Werk verarbeitet haben, zählen die Maler Emil Bizer, Adolf Strübe, dessen Bilder an die Darstellung des Montagne Sainte-Victoire bei Cézanne erinnern, sowie Hermann Daur, in neuerer Zeit auch Roland Franke. Einige Bilder sind im Markgräfler Museum zu sehen. August Macke lebte zeitweise in Kandern und erwähnte den Blauen in Briefen an seine spätere Frau Elisabeth. Zu den Schriftstellern, die über den Hochblauben schrieben, gehören Johann Peter Hebel, die Mundartdichterin Lina Kromer, die Kanderner Heimatdichterin Ida Preusch-Müller, Manfred Marquardt, Gustav Schwab, René Schickele und der Basler Schriftsteller Rainer Brambach.[32]

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Reinacher (Hrsg.). Markgräfler-Land. Wanderbücher des Schwarzwaldvereins. Rombach Verlagshaus. 2. Auflage 1971. ISBN 3-7930-0522-4
  • Kunst.Thermen.Wein. Entdeckungsreisen durch das Markgräflerland. Kunstverlag Josef Fink. 1. Aufl. 2006. ISBN 3-89870-273-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Blauen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. a b mm: „Berg fürs ganze Dreiländereck“. BZ-Serie: Der Blauen. Fred Wehrle wuchs mit dem Blick zum Gipfel auf. In: Badische Zeitung. 5. August 2011, abgerufen am 13. August 2011.
  3. a b c Dorothee Philipp: Den Hochblauen teilen sich zwei Landkreise. Ein Puzzle von Gemarkungsgrenzen. In: Badische Zeitung. 2. September 2011, abgerufen am 3. September 2011.
  4. Fred Wehrle: Der Hochblauen – Hausberg des Markgräflerlandes. In: Das Markgräflerland 2/2006, S. 80–88
  5. Albert Krieger, Badische Historische Kommission (Hrsg.): Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden. 2. Auflage. 1. Band. Heidelberg 1904, Sp. 213 (online).
  6. Matthäus Merian: Topographia Sueviae. Frankfurt am Mayn: Frankfurter Kunstverein, 1643/1656 (Faksimilenachdruck 1925), Seite T12. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource (online, Version vom 20. Mai 2010)
  7. Karte über den Vogtei-Bann Badenweiler, Niederweiler, Oberweiler, Zunzingen, Lipburg, Sehringen, Schweighof und Sirnitz (online beim Landesarchiv Baden-Württemberg)
  8. lat. mons = Berg
  9. Mappa geographica ad Historiam Nigrae Silvae Martini Gerberti S.R.I.P. Monasterii & Congreg. S. Blasii abbatis / del. P. Bonifac. Grüninger ...; gestochen von Johann Bap. Haas. Sankt Blasien, 1788 (online)
  10. Muellheim. Blatt XI.1 in: Topographischer Atlas ueber das Grossherzogtum Baden. Karlsruhe 1845 (online)
  11. vgl. beispielsweise Wilhelm Friedrich Volger: Handbuch der Geographie. 2. Auflage. Hannover, 1830, S 126 (online).
  12. vgl. beispielsweise Aloys Schreiber: Handbuch für Reisende am Rhein. Heidelberg, 1816, S. 53 (online); auf S. 52 jedoch auch Blauen.
  13. vgl. Samuel Pletscher: Führer durch den Schwarzwald, Odenwald, Kaiserstuhl, Randengebirge, Hegau, Donauthal. Zurich, 1883. (Ausschnitt Digitalisat)
  14. Todtnau. Blatt XI.2 in: Topographischer Atlas ueber das Grossherzogtum Baden. Karlsruhe 1846 (online)
  15. vgl. Geodatenviewer Baden-Württemberg, abgerufen am 26. Juli 2013
  16. Michel Buck: Oberdeutsches Flurnamensbuch. Kohlhammer, Stuttgart 1880, S. 29 f. (online).
  17. vgl. Gemeinde Blauen (Schweiz): Porträt, abgerufen am 26. Juli 2013
  18. Kartendienst Schutzgebiete in Deutschland, Bundesamt für Naturschutz. Abgerufen am 18. Juli 2013
  19. Schutzgebietssteckbrief: Landschaftsschutzgebiet Blauen, abgerufen am 18. Juli 2013
  20. Schutzgebietssteckbrief: Landschaftsschutzgebiet Markgräfler Hügelland und angrenzender westlicher Südschwarzwald, abgerufen am 18. Juli 2013
  21. Schutzgebietssteckbrief: Landschaftsschutzgebiet Lipburg, abgerufen am 18. Juli 2013
  22. a b bz: „30 Minuten brauche ich zum Gipfel“. BZ-Serie über den Blauen. In: Badische Zeitung. 16. August 2011, abgerufen am 16. August 2011.
  23. ad: Nach Ostern wieder offen. In: Badische Zeitung. 20. April 2011. Abgerufen am 22. April 2011.
  24. Michael Behrendt, Gabriele Babeck-Reinsch: Berghotel Hochblauen ist wieder geschlossen. In: Badische Zeitung. 7. Mai 2013. Abgerufen am 19. Mai 2013.
  25. Fred Wehrle: Der Hochblauen – Hausberg des Markgräflerlandes. In: Berghotel Hochblauen. 2011, archiviert vom Original am 22. Dezember 2011, abgerufen am 13. August 2011.
  26. Gabriele Babeck-Reinsch: Blauen-Wirt – kein leichtes Geschäft. BZ-Serie: Der Hochblauen. Harte Arbeit prägt die Gastronomie auf dem Gipfel. In: Badische Zeitung. 10. August 2011, abgerufen am 13. August 2011.
  27. a b Andrea Drescher: Die Welt von ganz oben. In: Badische Zeitung. 10. September 2011, abgerufen am 12. September 2011.
  28. Aussichtsturm Blauen auf www.structurae.de, abgerufen am 12. September 2011
  29. Hängegleiterclub Regio Blauen: Website des Vereins. 10. Oktober 2008, abgerufen am 13. August 2011.
  30. umi: Hochblauenlauf ist für dieses Jahr abgesagt. In: Badische Zeitung. 25. Mai 2011, abgerufen am 13. August 2011.
  31. umi: Schwere Stürze hat’s nie gegeben. Herbert Stabwasser erinnert sich an die Zeit, als es auf dem Blauen noch eine Skisprungschanze gab. In: Badische Zeitung. 19. Oktober 2012. Abgerufen am 22. Oktober 2012.
  32. Andrea Drescher: Mal Sinnbild, mal Teil der Landschaft. In: Badische Zeitung. 31. August 2011, abgerufen am 3. September 2011.