Nasen- und Rachenkampfstoff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Blaukreuz)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Nasen- und Rachenkampfstoffe sind chemische Kampfstoffe, die sehr reizend auf den Nasen-Rachen-Raum wirken.

Diese Kampfstoffklasse ist auch bekannt unter der Bezeichnung Blaukreuz, da während des Ersten Weltkrieges Munition mit diesen Kampfstoffen mit einem blauen Kreuz gekennzeichnet war. Während des Zweiten Weltkrieges wurde auch der Begriff „Blauring-Klasse“ verwendet. Die Begriffsbezeichnung ist heute veraltet.

Beispiele:

Der Ersteinsatz dieser völlig neuen Kampfstoffklasse fand am 10. Juli 1917, also nur zwei Tage vor dem ersten Einsatz von Gelbkreuz, statt.

Diese Kampfstoffe durchdrangen die Atemschutzfilter der damaligen Gasmasken und wirkten stark reizend, so dass sich die Betroffenen die Gasmasken herunterrissen („Maskenbrecher“) und dann gegen weitere Angriffe mit Lungenkampfstoffen (Grünkreuz) ungeschützt waren. Eine Abhilfe brachten zusätzliche Filterscheiben (sogenannte „Schnappdeckel“ als Blaukreuz-Vorfilter), diese erschwerten aber das Atmen sehr.

Häufig wurden Granaten verwendet, um Blaukreuz auch über weitere Entfernungen zielsicher zum Einsatz zu bringen. Dazu wurden mit dem festen Kampfstoff gefüllte kleine Flaschen in die Granate eingesetzt und mit geschmolzenem Sprengstoff umgossen. Bei der Explosion wurde der Kampfstoff zu Partikeln zerstäubt, die um vielfaches größer als die Einzelmoleküle waren. Dadurch vollführten die Partikel nicht die typische Molekülbewegung, die innerhalb kürzester Zeit zu einem Kontakt mit dem Filtermaterial und Adsorption führen würde, sondern schwebten träge durch die Zwischenräume der Filterfüllung hindurch. Allerdings stellte sich heraus, dass diese Zerstäubung zu große Aggregate erzeugte, die nur mäßig die verwendeten Gasmasken durchdrangen. Aus diesem Grund wurde an einer Verdampfungsvorrichtung gearbeitet, die neben dem Blaukreuzkampfstoff einen Schwelstoff enthielt und den Kampfstoff zu feineren Partikeln verdampfen sollte. Die Entwicklung dieser Vorrichtung wurde allerdings weder von deutscher noch von britischer Seite bis zum Ende des Ersten Weltkrieges fertiggestellt.

Im deutschen Heer (Kaiserreich) unterschied man zwischen der Blaukreuz- und der Blaukreuz-1-Granate. In der Blaukreuzgranate wurde Diphenylarsinchlorid verwendet, während in der Blaukreuz-1-Granate Diphenylarsincyanid und Gemische dieses Stoffes mit Phenylarsindichlorid zum Einsatz kamen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Haas, Blaukreuzkampfstoffe, Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH, Publikationsübersicht [1]

Weblinks[Bearbeiten]