Violett

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum kanadischen Biathleten siehe Phillip Violett.

Violett ist ein Farbreiz, dessen Absorptionsmaximum vom kurzwelligen Ende des sichtbaren Lichtes, dem UV, bis etwa 425 nm reicht.[1] Licht mit dieser Eigenschaft kann auch als Körperfarbe remittiert sein. Im normalen Sprachgebrauch werden die Farbnamen Violett und Lila zwar überdeckend für Farbtöne zwischen Rot und Blau genutzt, Violett ist jedoch der „reine kurzwellige“ Farbreiz, während Lila eine gebrochene Farbe im Rotblau beschreibt. Die Komplementärfarbe ist Gelb.

Lila / Fliederviolett
(Farbcode: #9932CC)
Veilchen-Violett
(Farbcode: #8B00FF)
Violett
(Farbcode: #A146FF)

Etymologie[Bearbeiten]

Der Begriff Violett ist dem französischen Begriff für Veilchen (violette) entlehnt. Im Lateinischen gibt es den Begriff „violaceus“, der laut Langenscheidt aus einer Mittelmeersprache in das Lateinische als Fremdwort eingewandert ist. Es ist der Farbton des Veilchens (Viola).

Für die violetten Farbtöne, also die zwischen Rot und Blau, gibt es mehrere Wörter, die sich in der Bedeutung etwas unterscheiden.

Die Farbe Violett grenzt im Farbkreis an Purpur, auch dunkles Purpur genannt.
Die Farbe Lila ist helleres Violett, veraltend auch mittleres Purpur genannt
Die Farbe Magenta liegt im sechsteiligen Farbkreis genau zwischen Violett und Rot und ist die Komplementärfarbe zu Grün.
Die Modefarbe Pink ist das grelle, verweißlichte (pastelltonige) Magenta.

Trotz des sehr unterschiedlichen Eindrucks der violetten Farbtöne ist die Anwendung der Wörter für diesen Farbbereich im Alltag uneinheitlich. Meist werden Mischfarben von Rot oder Blau angegeben, bläuliches Rot oder rötliches Blau, sogar als Rotblau.

Dunkles Magenta 2
(Farbcode: #8B008B)
Dunkles Magenta 1
(Farbcode: #800080)

Der Begriff Magenta geht auf die Schlacht von Magenta, einer norditalienischen Stadt, zurück.

Lila – Blau oder Rot[Bearbeiten]

Bis ins Mittelalter gab es den Begriff „lila“ nicht, er wurde während der Kreuzzüge aus dem Sanskrit über das Persische und das arabische Wort für Flieder (lilak) nach Spanien und von dort aus nach Frankreich gebracht. Aus dem daraufhin entwickelten französischen Lehnwort „lilas“ (Flieder) entwickelte sich schließlich durch phonetische Transkription das deutsche Wort.

Zuvor wurden lilafarbene Dinge je nach vorherrschendem Farbeindruck als Blau oder Rot eingeordnet. In den Sprachwissenschaften ist das besonders markant an der regionalen Verbreitung der Begriffe Rotkraut und Blaukraut untersucht worden. Die jeweilige Form der Zubereitung des Farbkohls bestimmt den Farbton: Der Zusatz von konservierendem Essig bewirkt eine rötlich violette Färbung, während die ›süßere‹ süddeutsche Zubereitung zum bläulichen Violett des Blaukrautes führt.

„Lila“ ist eine Farbbezeichnung für ein gebrochenes helleres Violett, also kein reiner Farbton. Lila kann man durch Subtraktive Farbmischung mit Violett und Weiß erzielen. Umgangssprachlich wird jedoch „lila“ oft für den Farbton „violett“ verwendet.

Das Wort „lila“ wird in Fibeln oft als erste Farbbezeichnung genutzt, da die bekannten Buchstaben anfangs begrenzt sind. So wird dieser blau-rote Farbton Kindern geläufig und als geschriebener Farbbegriff gefestigt.

Farblehre[Bearbeiten]

Spektrales Violett[Bearbeiten]

Die Spektralfarbe Violett entspricht einer Wellenlänge von 400 bis 430 Nanometern,[2] liegt also am kurzwelligen Ende des sichtbaren Spektrums. Mit Fernseh- und Computermonitoren ist es wegen fehlender (genügend intensiver) Leuchtstoffe nicht darstellbar. Spektrales Violett sieht man in einer CD, in der sich eine kräftige Lichtquelle spiegelt, wenn an der Oberfläche eine Beugung erfolgt.

  • Indigo ist ein früher üblicher Name für Violett und beschreibt als Spektralfarbe den Bereich zum Blau.
  • Pink tendiert deutlich zum Rot und liegt im CIE-Farbsystem auf der Purpurgeraden. Purpur ist dabei die Mischfarbe aus roten und blauen Farbmitteln, der keine Spektralfarbe zukommt, sondern die durch die Erregung von blauen und roten Rezeptoren entsteht..
  • Magenta ist ein Farbton aus dem Purpurbereich. Bei Ostwald heißt das heutige Magenta des CMY-Systems noch „Veil“ und ist jene Optimalfarbe, die er als Mittelfehlfarbe bezeichnet, weil es die Komplementärfarbe zu Grün bildet.

Gemischtes Violett[Bearbeiten]

Violett blühende Krokusse
Lila Blüte einer Acker-Witwenblume

Violett ist im eigentlichen Sinne die Bezeichnung der Spektralfarbe am kurzwelligen Ende, die sich an das Indigo anschließt und ins Ultraviolett übergeht. Nur in diesem Sinn ist Violett eine monochromatische Spektralfarbe. Purpur ist dagegen eine Mischfarbe und Bezeichnung der Farbvalenz aus rotem und violettem Farbreiz. Die intensivsten Purpurtöne bilden die „Purpurlinie“ des CIE-Chromatizitätsdiagramms. Purpur ist der Farbton, der zum „königlichen“ Farbstoff aus der Purpurschnecke gehört.

Violett wird als Farbname auch für die Sekundärfarbe in der additiven Farbmischung genutzt, wenn Licht der Primärfarbe Blau mit Rot zusammentrifft. Richtiger ist es, dafür die Bezeichnung Magenta zu nutzen.

Im RAL-Nummern-Farbkatalog gibt es einen eigenen Farbbereich 4xxx Violett, derzeit von Farbe 4001 Rotlila über Farbe 4006 Verkehrspurpur bis Farbe 4010 Telemagenta, der Telekom-„Identy Color“. Allerdings gehört auch die RAL-Farbe 5000 Violettblau im blauen Bereich dazu.

Farbstoffe[Bearbeiten]

Violett tritt in der Natur auf, so waren die Farbtöne des Flieders und des Veilchens namensgebend für die Farbbezeichnung. Lange Zeit war es aber nicht möglich, einen beständigen Farbstoff herzustellen, wie er zum Färben von Textilien benötigt wird. Lediglich die verwandten teuren Purpurfarbstoffe konnten für diese Färbungen genutzt werden. 1856 gewann William Henry Perkin zufällig den (überhaupt) ersten künstlich synthetisierten Farbstoff Mauvein, als er Untersuchungen am Steinkohleteer durchführte. Zwei Jahre später gelang August Wilhelm von Hofmann die Gewinnung des Farbstoffs Fuchsin.

Violett in Alltag und Kultur[Bearbeiten]

Allgemeine Symbolik[Bearbeiten]

Es gibt teilweise widersprechende Aussagen über die Wirkung von Violett. Der Zwischenton von Rot und Blau wird als geheimnisvoll gedeutet. Dabei steht diese Farbe für einsam und aus dieser Sicht auch für kreativ, allerdings für unbefriedigt und dann wiederum aphrodisierend. Des Weiteren symbolisiert Violett aber auch Unlust, Unzufriedenheit und (nervöse) Spannung[3].

Das Violett mit seinen Farbnuancen der Zwischentöne des kalten Blau und des warmen Rot gilt als phantasievoll, empfindsam, intuitiv und außergewöhnlich. In der Farbberatung wird es empfohlen, um Selbstvertrauen und Individualität auszudrücken und für alle Gelegenheiten, wo Diplomatie gefragt ist. Diesen Farbtönen wird ebenso eine charmante und verführerische Wirkung zugesagt, wie eine beunruhigende und beschwerende, geradezu melancholische Wirkung. Daraus resultiert die Redewendung: „Lila – der letzte Versuch“.

Nach der Herstellung der ersten Stoffe mit dem neu entdeckten künstlichen Farbstoff, zwischen 1858 bis 1869, galt das blasse „Mauve, or violet colored silk“ [4] als Modefarbe der besseren Leute.[5]

Religion[Bearbeiten]

  • In der christlichen Kirche ist Violett die liturgische Farbe für Advent und Fastenzeit.
  • Im Glauben ist es die Farbe der Besinnung, der Buße, der Einkehr und Umkehr.
  • Die Farbe steht oft für Spiritualität oder das Mystische.
  • Die Färbung der Kleidung hoher christlicher Würdenträger hat die Bedeutung Würde begründet.
  • In den nationalsozialistischen Konzentrationslagern wurden die wegen ihres Glaubens inhaftierten Bibelforscher (heute: Zeugen Jehovas) mit einem „violetten Winkel“ markiert. Das auf der Spitze stehende Dreieck wurde zur Kennzeichnung der Regimegegner genutzt, Violett stand für Widerstand aus Glaubensgründen.[6][7]

Politik[Bearbeiten]

Die Partei Die Violetten hat Violett als namensgebend gewählt, weil die Partei und die Farbe für Spiritualität stehen.

Die Piratenpartei Österreichs hat die Farbe violett.

Frauenbewegung[Bearbeiten]

Als Ausdruck von Frauenliebe und Unabhängigkeit (Freiheit) werden rot-blaue Farben erstmals von der auf der griechischen Insel Lesbos lebenden antiken Lyrikerin Sappho erwähnt.

Berühmte Frauen beeinflussten mit Kleidungsstücken dieser Farbe die Modewelt. Im 19. Jahrhundert wurde die Farbe für die Frauenbewegung neu entdeckt. Lila als Mischung zwischen Rosa (weiblich, früher Rot als männliche Farbe geltend) und Hellblau (männlich, früher Blau als weibliche Farbe geltend) gilt als Symbol für Gleichstellung zwischen den Geschlechtern. Schon die Plakate der ersten internationalen Frauentage wurden in Lila gehalten. In den „Goldenen 1920er Jahren“ kam die Farbe in Mode, und in den 1970er Jahren war es für Feministinnen fast ein Muss, lila gekleidet zu sein. Viele frauenpolitische Projekte bekamen einen Namen, in dem das Wort Lila enthalten ist. Die „lila Latzhose“ wurde sprichwörtlich und auch oft verspottet.

Literatur[Bearbeiten]

Alice Walker gab 1982 ihrem autobiographischen Briefroman den Namen Die Farbe Lila. Er zeichnet die Lebensgeschichte einer sich selbst befreienden Afroamerikanerin nach.

Purple Day[Bearbeiten]

Bei diesem Gedenktag über Epilepsie lehnt sich die Farbe auch an die Einsamkeit der Betroffenen an, die der Tag vermindern will. Der Purple Day findet seit 2008 jährlich am 26. März statt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: violett – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Violett – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Violett – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Franz Wenzel: AGFA-Lichtfilter. fotokino-verlag, Halle 1957.
  2. Das große Tafelwerk – Formelsammlung für die Sekundarstufe I und II, Cornelsen Verlag, S. 112
  3. Farbwirkung
  4. Godey’s Lady’s Book and Magazine
  5. Ann Buermann Wass: Rivalling nature in the beauty and brilliancy of their coloring: Synthetic dyes and fashionable colors in Godey’s Lady’s Book and Magazine 1856–1891, The Chronicle of the Early American Industries Association, Dezember 2000, bei findarticles.com
  6. http://www.triangoloviola.it/pdf/liw.pdf
  7. http://ausstellung.lilawinkel.de/
Farb-Check-RGB.png

Die in diesem Artikel angezeigten Farben sind nicht farbverbindlich und können auf verschiedenen Monitoren unterschiedlich erscheinen.
Eine Möglichkeit, die Darstellung mit rein visuellen Mitteln näherungsweise zu kalibrieren, bietet das nebenstehende Testbild (nur wenn die Seite nicht gezoomt dargestellt wird): Tritt auf einer oder mehreren der drei grauen Flächen ein Buchstabe („R“ für Rot, „G“ für Grün oder „B“ für Blau) stark hervor, sollte die Gammakorrektur des korrespondierenden Monitor-Farbkanals korrigiert werden. Das Bild ist auf einen Gammawert von 2,2 eingestellt – den gebräuchlichen Wert für IBM-kompatible Computer. Apple-Macintosh-Rechner hingegen verwenden bis einschließlich System 10.5 („Leopard“) standardmäßig einen Gammawert von 1,8, seit dem System 10.6 („Snow Leopard“) kommt Gamma 2,2 zum Einsatz.