Blinde Wut (1936)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Blinde Wut
Originaltitel Fury
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1936
Länge 89 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Fritz Lang
Drehbuch Bartlett Cormack
Fritz Lang
Produktion Joseph L. Mankiewicz
Musik Franz Waxman
Kamera Joseph Ruttenberg
Schnitt Frank Sullivan
Besetzung

Blinde Wut ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Fritz Lang aus dem Jahr 1936 nach einer Geschichte von Norman Krasna.

Handlung[Bearbeiten]

Katherine Grant und Joe Wilson sind ein Paar. Doch Joe verdient nicht genug, um eine spätere Familie zu ernähren. Daher nimmt Katherine einen Posten als Lehrerin in Strand, Illinois an. Dies hat zur Folge, dass sich das Paar für ein Jahr trennen muss, da Joe in Chicago bleibt. Es findet ein reger Briefkontakt statt und der Tag des Wiedersehens rückt näher. Joe macht sich auf den Weg zu Katherine, wird aber unterwegs in der Stadt Strand festgenommen und der Entführung eines Mädchens bezichtigt. Ohne die Möglichkeit der Rechtfertigung sperrt ihn der Sheriff ein und verbietet ihm Kontakt zu seinen Brüdern oder Katherine.

Das einzige Indiz sind Erdnüsse, die in seiner Tasche gefunden wurden; auch am Tatort hat die Polizei welche gefunden. Wie ein Lauffeuer geht das Gerücht in der Stadt um, dass der Entführer gefasst worden sein soll. Trotz der dürftigen Beweislage werden die Bewohner der Stadt von einem Mann, der sich selbst als Streikbrecher bezeichnet, aufgeputscht und bilden einen Mob. Die aufgebrachte Menge versammelt sich vor dem Gefängnis und überwältigt schließlich den Sheriff und seine Gehilfen. Da sie aber trotzdem nicht an Joe rankommen, brennen sie das Gebäude nieder. Katherine, die durch Zufall von der Verhaftung erfahren hat, trifft gerade noch rechtzeitig ein, um Joe am Zellenfester des lichterloh brennenden Gebäudes zu sehen.

Kurz darauf werden die echten Kidnapper gefasst, die Unschuld von Joe steht fest. 22 angebliche Anführer des Mobs werden vor Gericht gestellt und des Mordes an Joe angeklagt. Tatsächlich hat Joe den Brand überlebt. Er konnte mit Verbrennungen unbemerkt über eine Regenrinne entkommen. Völlig verbittert und voller Rachegelüste hält er sich nun mit Hilfe seiner Brüder versteckt. Diese nehmen als seine Angehörigen am Prozess als Ankläger teil. Während des Gerichtsverfahrens wird deutlich, dass die Bewohner der Stadt zusammenhalten. Sie verschaffen sich gegenseitig Alibis und sogar der Sheriff kann plötzlich keinen der Angeklagten identifizieren. Daraufhin erklärt der Staatsanwalt dem Gericht, dass Lynchjustiz in den vergangenen 49 Jahren insgesamt 6.010 Menschen in Amerika das Leben gekostet hätte. Nur 765 dieser Morde wären vor Gericht gekommen, weil sich die Mitbürger geweigert hätten, die Täter zu identifizieren. Nur um diese beschämende Tatsache aufzuzeigen, hätte er all die für ihn sinnlosen Zeugen aufgerufen. Er würde sie nun als Lügner brandmarken.

Was weder die Stadtbewohner noch deren Verteidigung gewusst hatten: Der Kameramann einer Wochenschau hatte die Szenen vor dem Gefängnis gefilmt. Die Vorführung des Films erschüttert auch die Mobteilnehmer. Die Verteidigung zieht nun in Zweifel, dass ein Mord vorliegt, weil man Joes Leiche nicht gefunden hat. Katherines Schilderung ihrer Beobachtungen überzeugt noch nicht. Joe schickt dem Richter einen anonymen Brief mit einem teilweise geschmolzenen Ring und einer Nachricht, dass er ein Bürger Strands sei und den beigelegten Ring bei den Aufräumarbeiten im Gefängnis gefunden hätte. Katherine identifiziert den Ring als Joes. Der Beweis ist erbracht.

Allerdings hat Katherine mittlerweile auch Zweifel am Tod ihres Verlobten bekommen, da sie unter anderem in der anonymen Nachricht einen Rechtschreibfehler entdeckt, den sie aus Joes Briefen an sie kennt. Sie folgt seinen Brüdern heimlich zu Joe und versucht ihn zu überreden, seine Rache aufzugeben. Doch Joe ist voller Hass und will Rache dafür, dass ein Mob einen Unschuldigen im Gefängnis verbrennen wollte. Katherine verlässt ihn. Bald erkennt Joe, dass er zu weit gegangen ist. Der Gedanke, Katherine zu verlieren, lässt ihn fast den Verstand verlieren. Am nächsten Tag wird das Urteil verlesen. Fast alle Angeklagten werden schuldig gesprochen und damit zum Tode verurteilt. Während des darauf folgenden Aufruhrs taucht Joe im Gericht auf. In seiner Rede vor Gericht erklärt er: „Das Gesetz weiß nicht, dass viele Dinge, die mir wichtig waren – alberne Dinge, wie der Glaube an Gerechtigkeit, die Vorstellung, dass alle Menschen zivilisiert sind, und das Gefühl des Stolzes auf mein Land, das anders sei als all die anderen – das Gesetz weiß nicht, dass diese Dinge in jener Nacht in mir verbrannten.“ Er sei nicht hier, um das Leben der Angeklagten zu retten, denn sie würden ihm absolut nichts bedeuten. Er sei seinetwegen hier, damit ihn die Ereignisse nicht mehr verfolgen würden und er mit Katherine glücklich werden könne.

In der Schlussszene ist Joe wieder mit Katherine vereint und küsst sie.

Hintergrund[Bearbeiten]

Blinde Wut war der erste in Hollywood gedrehte Film von Fritz Lang nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten im Jahre 1934. Lang hatte Deutschland schon 1933 aufgrund der Machtergreifung der Nazis verlassen, war aber zunächst nach Frankreich gezogen. Der Film basiert auf der Geschichte Mob Rule von Norman Krasna, der dafür eine Oscarnominierung in der Kategorie Beste Originalgeschichte erhielt.

Lang wollte ursprünglich einen Film über ein schwarzes Opfer eines Lynchmobs drehen. Dies wurde ihm von MGM jedoch nicht gestattet. Auch die Kussszene am Schluss – ein typisches Hollywood-„Happy-End“ – wurde angehängt, weil der Produktionschef darauf bestand. Lang mochte diese Szene nie.

Rainbow, Joes Hund, ist ein Cairn Terrier mit Namen Terry. Nachdem die Hündin jedoch als Toto in Der Zauberer von Oz berühmt geworden war, wurde sie auf ihren dortigen Rollennamen umbenannt.[1]

Im Jahr 1995 wurde Blinde Wut in die National Film Registry aufgenommen.[2]

Kritiken[Bearbeiten]

  • Lexikon des Internationalen Films: Eine vehemente, bis auf das versöhnliche Ende rigorose Attacke gegen soziale und psychologische Missstände. Inszeniert in dichten, beklemmenden Szenen.
  • Prisma Online: Fritz Langs erster US-Film ist eine ebenso beklemmende wie konsequente Abrechnung mit den Folgen einer Massenhysterie. Bis heute hat das bemerkenswerte Werk kaum an Aktualität verloren.
  • Evangelischer Filmbeobachter (Kritik Nr. 262/1969): Fotografisch-ästhetisch mit Langs Kunstwerken aus der Stummfilmzeit nur sehr bedingt vergleichbar, stilistisch überladen und veraltet, thematisch aber bedenkenswert.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Blinde Wut – Trivia auf imdb.com
  2. National Film Registry auf der Webseite der Library of Congress