Bloc identitaire

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Le Bloc identitaire – Le mouvement social européen ("Identitärer Block - Die Europäische Sozialbewegung", BI) ist ein Zusammenschluss von regionalen Gruppen in Frankreich, der versucht, sich als politische Bewegung darzustellen und allgemein der „Neuen Rechten“ zugeordnet wird. Er wurde de facto mit der Jugendorganisation Jeunesses identitaires im September 2002 von Mitgliedern der Vorgängerorganisation Unité radicale (UR), die wegen des Mordversuchs eines ihrer Mitglieder auf den damaligen Präsidenten Jacques Chirac am Nationalfeiertag 2002 verboten wurde, gegründet. Am 6. April 2003 folge die offizielle Gründung als "Bloc identitaire".[1][2] Das Logo des "Bloc identitaire" zeigt ein stilisiertes Wildschwein. Der aktuelle Vorsitzende ist Fabrice Robert.

Ideologie[Bearbeiten]

Der BI, der generell als rechtsextrem eingestuft wird, vertritt keinen klassischen Nationalismus, sondern einen neurechten Bioregionalismus und europäischen Föderalismus. Die Identitären vertreten ethnopluralistische Ideen und behaupten, eine „europäische Identität“ gegen kulturelle „Überfremdung“ etwa durch muslimische Einwanderung zu verteidigen. Ihr Konzept eines identitären Dreiklangs aus „Regionalismus, Nationalismus und Europäismus“ wird europaweit von rassistischen und kulturrassistischen Gruppen als Vorbild einer aktionsorientierten antimuslimischen Rechten genommen, die sich selbst als „Identitäre Bewegung“ bezeichnet.[3][4]

Organisation[Bearbeiten]

Der Bloc identiaire besteht aus zahlreichen regionalen Unterorganisationen wie etwa Nissa Rebela in Nizza oder Alsace d’abord. Er grenzt sich - vermutlich aus taktischen Gründen - gegenüber Antisemitismus und Antizionismus ab und richtet sich vor allem gegen eine angebliche „Islamisierung“ Europas und einen behaupteten „zersetzenden Charakter des Multikulturalismus“. Der BI zählt etwa 2000 Anhänger und konnte zu seinem letzten Konvent, der am ersten Novemberwochenende 2012 in Orange stattfand, etwa 500 Teilnehmer aufbieten, darunter auch Gäste der italienischen Lega Nord und der Neuen Rechten aus Deutschland und Österreich.[5]

Anfang Oktober 2012 erklärte der Jugendzusammenschluss „Génération Identitaire“ der angeblich von der 68er-Bewegung geprägten multikulturellen Gesellschaft in der verfilmten „Déclaration de guerre – Génération Identitaire“ den Krieg.[6] Seit die Polizei am 20. Oktober 2012 eine sechsstündige Besetzung eines Moscheedachs im westfranzösischen Poitiers durch 60 bis 80 Mitglieder der Jugendorganisation beendete und drei Personen wegen Anstachelung zum Rassenhass und Sachbeschädigung festnahm und Premierminister Jean-Marc Ayrault und Innenminister Manuel Valls die Aktion verurteilten, prüft die französische Regierung den juristischen Bestand eines geplanten Verbots des Jugendzusammenschlusses des Bloc identiaire.[7][8][9][10] Das drohende Verbot für die „Génération Identitaire“ wegen ihrer Aktion wurde „aufgrund juristischer Probleme“ von der Regierung später verworfen.[11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernard Schmid: Nationalistische „Identitäten“. In: Blick nach Rechts, 7. November 2012 (online)
  2. Bernard Schmid: Die “identitäre Bewegung” lud zum “Konvent”. In: haGalil, 13. November 2012 (online)
  3. Roland Sieber: Neonazis übernehmen die “Identitäre Bewegung”. In: Die Zeit, 14. November 2012 (online)
  4. Robert Schmidt: Rechtsextreme Rattenfänger in Lyon. In: Neues Deutschland, 17. Dezember 2012 (online)
  5. Bernard Schmid: Der Konvent der identitären Bewegung. In: Publikative.org, 18. November 2012 (online)
  6. Arno Klönne: Kriegserklärung gegen den "alten Erzfeind". In: Telepolis, 10. November 2012 (online)
  7. Roland Sieber: Von tanzenden Rassisten und uniformierten Milizen. In: Publikative.org, 22. Oktober 2012 (online)
  8. AP: Rechtsextreme besetzen Moscheeneubau in Poitiers. In: Die Welt, 20. Oktober 2012 (online)
  9. Reuters/AFP: Rechtsextreme besetzen Moscheeneubau in Poitiers. In: Tageblatt, 20. Oktober 2012 (online)
  10. Poitiers: la gauche et des associations réclament la dissolution des Identitaires. In: Libération, 20. Oktober 2012 (online)
  11. Bernard Schmid: Die “identitäre Bewegung” lud zum “Konvent”. Abgerufen am 5. Februar 2013 (auf haGalil,com, 13. November 2012).