Blockuniversum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Konzept eines Blockuniversums in der Philosophie von Raum und Zeit; für Blockzeit in der Luftfahrt siehe Blockzeit (Luftfahrt)

Der Ausdruck Blockuniversum – auch Blockzeit, Blockauffassung oder Eternalismus genannt – bezeichnet eine bestimmte Auffassung innerhalb der Philosophie der Zeit, die demjenigen Teil der theoretischen Philosophie angehört, welcher die allgemeinen Strukturen der Realität beschreibt, der Ontologie.

Wer ein Blockuniversum annimmt, betrachtet jeweils Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges als gleichermaßen real und analog zu räumlich entfernt liegenden Orten, die ob ihrer Entfernung auch nicht für weniger real gehalten werden als der eigene, momentane Standpunkt. Gegenthesen sind Präsentismus (nur Gegenwärtiges existiert) und Possibilismus (nur Gegenwärtiges und Vergangenes existieren wirklich, die Zukunft ist noch in dem Sinne offen, dass unterschiedliche Möglichkeiten realisierbar sind).

Der Ursprung des Konzepts im modernen Sinne ist mit einer Beschreibung der Raumzeit verbunden, wie sie die Spezielle Relativitätstheorie (kurz SRT) nahelegt, insbesondere in der Auffassung von Minkowski. Die Raumzeit erscheint dabei bildhaft als vierdimensionaler „Block“ – nicht als ein dreidimensionaler Raum, welcher sich absolut auf der Zeitachse bewegt. Letzteres nämlich scheint nur mit einer Relation der Gleichzeitigkeit von Ereignissen vereinbar, die absolut im Sinne einer Unabhängigkeit von Perspektiven (genauer: unterschiedlichen Inertialsystemen) ist. Die SRT scheint aber mit einer solchen absoluten Gleichzeitigkeitsrelation unvereinbar.

Beim konventionellen Konzept des Verstreichens der Zeit wird diese in drei Regionen unterteilt: die „Vergangenheit“, die „Gegenwart“ und die „Zukunft“. Die Vergangenheit wird gemeinhin als unantastbar konstant angesehen, wohingegen die Zukunft als noch nicht vollständig festgelegt erscheint. Mit verstreichender Zeit wird einerseits die aktuelle Gegenwart zur Vergangenheit, während andererseits ein Teil der Zukunft die neue Gegenwart wird. Über diese „Bewegung“, welche, die Vergangenheit „hinter“ sich lassend, auf die Zukunft zuläuft, wird das Verstreichen der Zeit definiert. Der Vertreter eines Blockuniversums interpretiert dagegen i. A. die SRT so, dass es keine Möglichkeit gibt, einen eindeutig bestimmten Punkt in der Zeit für sich genommen und objektiv (unabhängig von der eigenen Perspektive) als Gegenwart zu identifizieren. Ein Beobachter wird vielmehr sich selbst immer als subjektiv gegenwärtig betrachten. Auch das Konzept des Verstreichens der Zeit kann als inhärent inkonsistent angesehen werden, z.B., indem die Frage nach der Geschwindigkeit des Verstreichens aufgeworfen wird.

Die Blockzeit soll derartigen Problemen ausweichen, indem sie alle Punkte der Zeit als gleicherweise mögliche, ontologisch reale Ausgangspunkte von Perspektiven ansieht. Sie verwirft dabei weder die Vergangenheit noch die Zukunft, sondern beschreibt diese als Richtungen – nicht als absolute Zustände.

Da jeder Beobachter an einem gegebenen Zeitpunkt lediglich die Ereignisse kennen kann, welche sich in der zu ihm relativen Vergangenheit befinden, bleibt hierbei die subjektive Illusion des Verstreichens der Zeit erhalten. Die Asymmetrie, sich nur an die Vergangenheit, nicht aber die Zukunft zu erinnern, sowie andere irreversible Ereignisse, die lediglich in einer zeitlichen Richtung verlaufen (wie das Ansteigen der Entropie), dient als Erklärung dafür, warum man gemeinhin annimmt, es gebe eine Gerichtetheit von Prozessen in der Zeit ("Zeitpfeil"). In der Wirklichkeit „vergeht“ aber die Zeit nicht; das Ticken einer Uhr misst den Abstand von Ereignissen genauso, wie die Markierungen eines Maßbandes Abstände von Orten messen.

Vertreter eines Blockuniversums scheinen auf die These verpflichtet, dass alle Ereignisse der Zukunft ebenso unveränderlich wie jene der Vergangenheit und Gegenwart sind, also einen Determinismus. Der freie Wille wäre demnach insofern eine Fiktion, als keine Alternativen für die Zukunft bestünden und somit auch keine Wahlfreiheit.

Zahlreiche klassische Theologen der Traditionen von Judentum, Christentum und Islam lehren, dass Gott außerhalb der Zeit steht und seine Handlungen damit nicht unter unsere Begriffe von früher und später fallen, insbesondere auch nicht Gottes Akt der Weltschöpfung oder der Akt seines allumfassenden Wissens oder seiner Vorsehung. Hin und wieder wurde versucht, diese traditionelle Lehre unter Rückgriff auf das moderne Konzept des Blockuniversums zu erklären: Gott nimmt die Welt gesamthaft als Block wahr, wir aber ausgefaltet in Früher und Später.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Huw Price: Time's Arrow and Archimedes' Point, Oxford University Press, New York 1996

Weblinks[Bearbeiten]