Bloder

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Der Welle-Bengel aus Kenzingen trägt eine Saubloder

Blôder, auch Bloadr, Blôdr, Blater oder Blaodr, bezeichnet im Schwäbisch-Alemannischen ursprünglich eine Blase oder Schweinsblase („Saublôder“). Auch im Plattdeutschen werden Blasen als „Bloatern“ bezeichnet. Brandblasen oder Blasen vom Laufen oder Arbeiten an Händen und Füßen nennt man in der Verkleinerungsform Bläterle.

Im alemannischen Fasnetsbrauch wird eine Saubloder an einem Holzstecken oder Farrenschwanz (Penis eines jungen Stiers) befestigt und bei Umzügen werden damit besonders die jungen Frauen berührt (nicht geschlagen). Vor der Fastenzeit waren früher durch die verstärkten Schlachtungen Schweinsblasen reichlich vorhanden. Die Saublôder gilt als Symbol für die Fleischlichkeit, das Schlagen als symbolischer Akt der Fruchtbarmachung und die „leere Hülle“ als Sinnbild für die Vergänglichkeit alles Irdischen. Gleichzeitig ist die leere Blase ein Abbild des Narren selbst (französisch fou und englisch fool „Narr“ sind abgeleitet von lateinisch follis „leerer Sack“).

Aus diesem Symbol für die Fruchtbarkeit und Fleischlichkeit, Aufgeblasenheit entwickelte sich Blôder als schwäbisches Schimpfwort für eine dumme, einfältige Frau. Manchmal wird damit auch ein „aufgeblasener“ Mensch bezeichnet (Große Gosch ond koi Floisch dra).