Blohm & Voss BV 222

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Blohm & Voss BV 222
BV222 USN Trondheim NAN9-48.jpg
Typ: Flugboot
Entwurfsland: Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Hersteller: Blohm & Voss
Erstflug: 7. September 1940
Stückzahl: 13
Blohm & Voss BV 222 im Flug

Die Blohm & Voss BV 222 Wiking war ein großes deutsches Flugboot des Zweiten Weltkriegs. Drei dieser im Auftrag der Lufthansa entworfenen sechsmotorigen Flugzeuge wurden am 19. September 1937 von der Lufthansa für den Dienst auf Langstrecken bestellt. Aufgrund des im September 1939 begonnenem Zweiten Weltkrieges wurden diese Maschinen zu militärischen Transport- und Aufklärungsflugzeugen umgerüstet und weitere Maschinen gleich für die Luftwaffe hergestellt.

Der Erstflug fand am 7. September 1940 statt. Wahrscheinlich wurden lediglich 13 Flugzeuge gebaut, darunter die Prototypen V1 bis V 8. Die Serienvarianten trugen die Bezeichnung C-09 bis C-13, wovon Letzteres bei Kriegsende noch nicht fertiggestellt war.

Konstruktion[Bearbeiten]

Das Flugboot hatte einen langen flachen Boden in der Kabine sowie eine große rechteckige Frachttür auf der rechten Rumpfseite hinter der Tragfläche.

Ursprünglich wurde die BV 222 mit Bramo 323 „Fafnir“ Sternmotoren angetrieben.[1] Später wurden stattdessen sechs Jumo 207C Gegenkolbenmotoren eingesetzt. Die Verwendung von Dieselkraftstoff machte ein Auftanken von U-Booten aus möglich. Von der BV 222 C-13 wurde nur ein einziges Exemplar mit Jumo 205 C, später auch Jumo 205 D gebaut.

Für die militärische Nutzung wurde auf dem Rumpfrücken hinter dem Cockpit ein Geschützturm ergänzt. Zwei weitere Geschütztürme befanden sich auf den Tragflächen. Der Zugang erfolgte durch einen röhrenförmigen Flügelholm mit einem Meter Durchmesser. Auf gleichem Wege konnten Mechaniker während des Fluges zu den Dieselmotoren gelangen.

Einsatz[Bearbeiten]

Diverse Einsätze[Bearbeiten]

Ab 1941 flogen BV 222 im Rahmen der Lufttransportstaffel 222 Transporte nach Nordnorwegen und zur Versorgung der Truppen in Nordafrika, insbesondere nach Tripolis. Weitere Flugzeuge der 1. (Fern/See) Aufklärungsgruppe 129 flogen von einer Salzwasserlagune bei Biscarrosse im Golf von Biskaya aus ihre Einsätze. Dort wurden die V 3 und V 5 im Juni 1943 an ihrer Anlegestelle von De Havilland Mosquitos der RAF zerstört.

Die V 6 und V 8 wurden unabhängig voneinander über dem Mittelmeer abgeschossen. Die V 1 wurde bei einem Landeunfall beim Hafen von Piräus zerstört, die C-10 durch Nachtjäger der RAF gegen Ende 1943.

Nach der Invasion in der Normandie bildeten die verbliebenen BV 222 eine Einheit innerhalb des streng geheimen KG 200. Eine davon, die C-09, wurde an ihrer Anlegestelle am Ostseehafen von Travemünde durch P-51 Mustang zerstört. Im späteren Kriegsverlauf wurden die V 7 und V 4 bei Travemünde bzw. Kiel-Holtenau versenkt.

Die V 2 und C-12 wurden nach dem Krieg bei Sørreisa in Norwegen erbeutet und nach Trondheim geflogen. Diese beiden Flugzeuge wurden auf Befehl von Hitlers Pilot Hans Baur 1945 vorbereitet, um Hitler über Grönland nach Japan auszufliegen. Die Flugzeuge wurden noch vor Hitlers Tod vorbereitet, aber interessanterweise wurde diese Operation auch nachher noch fortgesetzt, wie entsprechende Befehle vom 1. Mai 1945 zeigen. Eine Kopie dieses Befehls an Oberstleutnant Lenschow, Kdr. K-Stelle, Fliegerhorst Travemünde existiert noch heute in archivierter Form. Der Navigator eines dieser Flugzeuge, Hauptmann Ernst König hat dies im Alter von 93 Jahren noch bestätigt. Zwei weitere Flugzeuge, die für diese Mission bestimmt waren, wurden an ihrer Anlegestelle in Deutschland zerstört (eine davon könnte die C-09 gewesen sein).

In einer deutschen Zeitung erschien ein Bericht, nach dem mindestens eine BV 222 als Lufthansa-Maschine markiert noch vor April 1944 über den Nordpol nach Sachalin, damals noch Teil des japanischen Territoriums, geflogen sei.

Mindestens einer BV 222 gelang Berichten zufolge der Abschuss einer PB4Y Liberator des VB-105 (BuNo 63917). Dieser Luftkampf ereignete sich am 22. Oktober 1943. Seither wurde dieses Ereignis oft auch als Abschuss einer Avro Lancaster beschrieben.

Abholung des Wettertrupps „Schatzgräber“[Bearbeiten]

Deutschland unterhielt während des Zweiten Weltkriegs vom August 1943 bis Juli 1944 eine geheime Wetterstation mit dem Tarnnamen „Schatzgräber“ auf Alexandraland im Archipel Franz-Joseph-Land. Anfang Juli 1944 landete dort eine Fw 200, um einen Arzt abzusetzen. Laut Befehl sollte der Arzt per Fallschirm abgesetzt werden, man entschied sich jedoch zur Landung auf dem unebenen Gelände, wobei das Fahrwerk beschädigt wurde. Daraufhin wurde eine BV 222, die V 2, mit Ersatzteilen beladen, die sie über Alexandraland abwarf. Die Reparatur der Fw 200 gelang, und sie konnte am 11. Juli mit der gesamten Besatzung der Wetterstation nach Norwegen zurückfliegen.

Versorgung der Truppen in Nordafrika im Dezember 1942[Bearbeiten]

Bristol Beaufighter beim Auflösen einer Formation

Um die immer dringlicher werdende Versorgung mit Nachschub und im Besonderen Treibstoff für die Truppen im Nordafrikafeldzug zu verbessern, wurden die kleinen und langsamen Junkers Ju-52 Transporter durch drei dieser riesigen BV 222 Flugboote von Süditalien aus unterstützt. Am 10. Dezember 1942 gelang es den auf Malta stationierten Beaufighters der 227 RAF Squadron[2] [3] den nicht ausreichend mit Jägern geschützten Verband aus drei BV-Maschinen (V1, V4 und V8) anzugreifen. Die Maschinen waren von Tarent in Italien unterwegs nach Tripolis in Libyen. Dabei wurde eine BV 222, die "X7+HH" (WNr. 310008, V8)[4] morgens um 7:35 Uhr südlich von Malta abgeschossen. Für die einmotorige Bf 109 war die lange Strecke über dem offenen Meer als Begleitjäger nicht machbar. Die zweimotorige Bf-110 hätte den Schutz übernehmen können, doch war zu diesem Zeitpunkt das ZG 26 schon zu stark geschwächt. Unter den Passagieren war Hptm. Wolf-Dietrich Peitsmeyer, der nach Afrika unterwegs war, um das Kommando über die I./SG2 zu übernehmen. Der Ritterkreuzträger gilt seither als vermißt. Die neun Mann starke Besatzung von Obltn. Heinz überlebte den Abschuß nicht[5].

Verbleib[Bearbeiten]

Die C-12 wurde vom RAF-Testpilot Eric Brown 1946 mit der britischen Kennung „VP501“ nach Calshot geflogen und 1947 verschrottet. Die V 2 trug 1946 kurzzeitig US-amerikanische Markierungen. Sie wurde später mit BV-222-Ersatzteilen von der Basis bei Ilsvika als Ballast beladen und versenkt. Dazu wurde sie auf eine Position zwischen Fagervika und der Mönchsinsel geschleppt, wo sie möglicherweise heute noch in gutem Erhaltungszustand liegen könnte. Es gibt bereits Pläne für eine Bergung.

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Daten
Besatzung 16
Transportkapazität 92 Soldaten
Länge 37 m
Spannweite 46 m
Höhe 10,90 m
Flügelfläche 255 m²
Leergewicht 30.650 kg
Startgewicht 49.000 kg
Reisegeschwindigkeit 257 km/h
Höchstgeschwindigkeit 390 km/h
Dienstgipfelhöhe 7.300 m
Reichweite 6.095 km
max. Flugdauer 28 Stunden
Steigrate 2,50 m/s
Treibstoffkapazität 18.333 kg
Triebwerke 6 × Jumo 207C Diesel-Gegenkolbenmotoren
Bewaffnung 3 x 20-mm-MG 151/20 und 4 x 13-mm-MG 131

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Blohm & Voss BV 222 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Wiking “mit „Fafnir“-Motoren. In: BMW Werkzeitschrift Heft 4/6. BMW Flugmotorenbau Gesellschaft m.b.H., Juni 1944, S. 9, abgerufen am 26. August 2014 (Dokument im BMW Group Archiv).
  2. http://www.raf.mod.uk/history/227squadron.cfm Offizielle Webseite der RAF
  3. C.G.Jefford: RAF Squadrons. UK Airlife Publishing, 1988, ISBN 1-85310-053-6.
  4. Hans Ring und Christopher Shores "Luftkampf zwischen Sand und Sonne", Motorbuchverlag, 1969, (englisches Original "Fighters over the desert", Seite 397ff)
  5. Shores/Ring: "Fighters Over Tunisia", ISBN 978-0854352104, TBS Verlag, 1975 (englisch)