Blond

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Blondes Haar

Blond (französisch ‚hell‘) bezeichnet einen Farbton zwischen gelblich und bräunlich, im alltäglichen Sprachgebrauch fast ausschließlich eine Haarfarbe. Etwa zwei Prozent der Weltbevölkerung sind (im weitesten Sinne) blond.[1] Frauen mit hellem Haar (egal ob natürlich oder blondiert) bezeichnet man üblicherweise als Blondine, untergegangen ist das Wort Blondin für einen blonden Mann.

Biologische Hintergründe[Bearbeiten]

Arten[Bearbeiten]

Farbvarianten sind aschblond, nordischblond, lichtblond, strohblond und weißblond (sehr hell, fast weiß), mittelblond (durchschnittlich blond), dunkelblond (dunkel, in Richtung braun), goldblond und weizenblond (in Richtung goldgelb), semmelblond und rotblond (in Richtung rot). Sehr hellblonde oft gebleichte Haare nennt man auch platinblond oder wasserstoffblond. Ein weiterer weit verbreiteter Farbton ist das sogenannte „gefärbt blond“, es ist heller als dunkelblond und nähert sich dem goldblond an. Es gibt auch gemischte Typen, hier können alle Farbformen bzw -typen kombiniert miteinander vorkommen.

Vorkommen[Bearbeiten]

Ursprüngliche Vorkommen blonder Haare weltweit

Blonde Menschen gibt es heute vor allem in Nord-, West-, Mittel- und Osteuropa und bei den Nachfahren europäischer Einwanderer in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Süd-Brasilien, Argentinien, Südafrika, Namibia und Sibirien. Sie sind aber auch in Nordafrika und in Vorderasien anzutreffen. So gibt es zum Beispiel im Libanon Bergregionen mit einem großen Anteil blonder Menschen. Auch in Marokko gibt es immer wieder blonde und blauäugige Angehörige der Berber, eventuell Nachfahren der Vandalen.[2] Ihrerseits gaben nach Annahmen mancher Wissenschaftler diese ihr Erbgut an den Volksstamm der Guanchen auf den Kanarischen Inseln weiter. Bei rein indigener Bevölkerung findet man sie allerdings fast nur in Europa, West- und Zentralasien. Bei den meisten blondhaarigen Kindern verdunkelt sich die Haarfarbe im Laufe der körperlichen Entwicklung, da in der Kindheit die Produktion der Melanine häufig gesteigert wird. Diesen Prozess bezeichnet man als Nachdunkeln. Bei den Aborigines im westlichen Teil Australiens, besonders im Inneren des Landes, kommen ebenfalls aufgehellte Haare vor. Vor allem Kinder und Frauen zeigen diese hellen Haare.

Ein kleiner Teil der indigenen Bevölkerung in Papua-Neuguinea und den Salomonen ist jedoch auch blond. Die Menschen dort haben eine sehr dunkle Hautfarbe und blonde Haare.

In Nordamerika bezeugen einige Quellen, dass es rund 20 Prozent hellhaarige Menschen mit blauen Augen im Stamm der Mandan vor den ersten Kontakten mit Europäern gab.[3] In Südamerika finden sich Blonde unter den Nachkommen der Chachapoya. Der Kulturhistoriker Hans Giffhorn führt dies und andere kulturelle Merkmale des Volkes auf vorkolumbianische Kontakte mit Menschen aus dem kelto-iberischen Europa zurück.

Vererbung[Bearbeiten]

Haarfarbe entsteht durch die Einlagerung der Farbpigmente Eumelanin und Phäomelanin. Überwiegt der Anteil an Phäomelanin das Eumelanin, führt es zu einer blonden oder rötlichen Färbung. Die endgültige Farbe wird durch die Menge an produziertem Phäomelanin (Enzymaktivität) bestimmt. Da Phäomelanin im Vergleich zu Eumelanin wesentlich schwächer färbt, ist der Anteil an Blonden gegenüber Rothaarigen größer.

Im Rahmen der Vererbungslehre ist das Allel, das für die Bildung von Phäomelanin verantwortlich ist, rezessiv gegenüber dem Allel zur Produktion von Eumelanin. Daher können die Kinder eines blonden und eines dunkelhaarigen Elternteils zu 50 Prozent blonde Haare haben, sofern das Allel auch beim dunkelhaarigen Elternteil vorliegt. Dieses „Blond-Allel“ bleibt aber auch in dunkelhaarigen Menschen mit einem blonden Elternteil vorhanden; es ist dort jedoch unterdrückt, kommt so im Erscheinungsbild der Person nicht zum Ausdruck, kann aber an die Kinder weitergegeben werden.

Kinder zweier Dunkelhaariger können also blond sein, wenn bei den Eltern das Allel für blonde Haare in unterdrückter Form vorliegt und sie beide dieses Allel und nicht das für dunkle Haare an ihr Kind weitergeben. Im Gegenzug können zwei naturblonde Elternteile keine dunkelhaarigen Kinder bekommen.

In einer 2014 veröffentlichen Untersuchung wurde gezeigt, dass ein bestimmtes Gen, KITLG, mit dem Ausmaß der Blondfärbung bei Nordeuropäern zusammenhängt.[4] KITLG kodiert für einen essentiellen Liganden (KIT-Ligand), dieser ist in der Entwicklung, Transport und Differenzierung verschiedenster Zellen im Körper entscheidend beteiligt, u. a. Melanozyten, Blutzellen oder Geschlechtszellen. Eine bestimmte Punktmutation in KITLG führt zu einer Hemmung des speziellen Transkriptionsfaktors LEF1 (lymphoid enhancer-binding factor 1). LEF1 ist an der Entwicklung und Regeneration von Haarfollikelzellen beteiligt. Die Hemmung verursacht, dass in Haarfollikelzellen weniger Melanin synthetisiert wird (20 %). Damit erscheint das Haar heller.

Herkunft[Bearbeiten]

Der blonde, hellhäutige und blauäugige Menschentyp hat zwar heute seine größten Anteile an den Bewohnern Nordosteuropas, ist aber sicher nicht dort entstanden.[5]

Nach antiker Quellenlage fanden sich solche Menschen auch in Nordafrika (Libysche Invasion in Ägypten 1227 v. Chr.), Zentralasien (Stamm der Yuezhi lt. chinesischer Quellen aus dem 2. Jh. v. Chr.) oder nördlich des schwarzen Meeres (Skythen nach Herodot, 5. Jh. v. Chr.). Die Anthropologie geht davon aus, dass diese Merkmale bei den ersten modernen Menschen des eiszeitlichen Eurasiens entstanden, als das Gros der Menschheit als Bewohner intensiv besonnter Gebiete noch dunkelhäutig, dunkeläugig und dunkelhaarig war.[6]

Diese Annahme wird durch die Ergebnisse verschiedener Genetiker gestützt. Während der dänische Forscher Hans Eiberg die Augenfarbe Blau - die besonders häufig bei blonden Menschen auftritt - auf eine einzige Mutation im Mesolithikum Osteuropas zurückführt, sehen die deutschen Anthropologen Mark Stoneking und Michael Hofreiter die blonde und rötliche Haarfarbe als Ergebnis vieler, mehrmals unabhängig voneinander erfolgter Mutationen des Gens MC1R. Diese Mutation habe sowohl bei den Neandertalern als auch bei den modernen Menschen im eiszeitlichen Europa vor 20.000 bis 40.000 Jahren stattgefunden. Jonathan Rees, Dermatologe an der University of Edinburgh und die Oxforder Genetikerin Rosalind Harding, kamen zu dem Schluss, dass diese Mutation – die ebenfalls für die helle Hautfarbe verantwortlich ist – sich nur unter der schwachen Sonne Mittel- und Nordeuropas ausbreiten konnte. Während das neue Merkmal die betroffenen Menschen unter der starken UV-Strahlung des Südens benachteiligte, war es in Gebieten mit schwacher Sonneneinstrahlung oder häufig bedecktem Wetter vorteilhaft, da helle Haut die Bildung des essentiellen Vitamins D3 bei geringer UV-Strahlung begünstigt.

Über die starke Ausbreitung der Merkmale „helle Haut“, „blonde Haare“ und „blaue Augen“ in Nordosteuropa gibt es neben der Vitamin D3-Bildung mehrere Alternativhypothesen. Der Edinburgher Physiologe Jeffrey Mogil stellte fest, dass Menschen mit MC1R-Genen vermindert schmerzempfindlich sind und auf ein Morphin verstärkt ansprechen. Daraus folgerte er, dass schmerzunempfindlichere Steinzeitmenschen möglicherweise einen Selektionsvorteil hatten. Nach der Hypothese des kanadischen Anthropologen Peter Frost soll die Ausbreitung vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren durch einen Männermangel zustande gekommen sein, den er als Folge immer gefährlicherer Jagdzüge sah. Der daraus folgende Frauenüberschuss habe dazu geführt, dass die Männer aus einer größeren Auswahl an Sexualpartnerinnen vor allem die exotischeren Blondinen bevorzugt hätten. Dies habe dann den hellhäutigen Typus durch „sexuelle Selektion“ begünstigt. Diese phantasievolle Hypothese erregte 2005 viel Interesse in den Medien, wird aber von den meisten Fachleuten rundum abgelehnt.[7]

Rückgang[Bearbeiten]

Es gibt immer wieder Thesen, dass es zu einem Aussterben der blonden Haarfarbe kommen soll. Irrtümliche Extrapolationen des Rückgangs, denen zufolge Menschen mit blondem Haar zu einem bestimmten Zeitpunkt spätestens ausgestorben sein müssten, werden seit 1865 immer wieder in den Nachrichten verbreitet; ein letzter Höhepunkt wurde im Jahr 2002 erreicht.[8] Aus dem Prinzip der rezessiven Vererbung folgt jedoch, dass eine Durchmischung zwar dazu führt, dass das Blond-Gen seltener phänotypisch ausgeprägt wird, jedoch genotypisch erhalten bleibt. Ohne zusätzlichen Selektionsdruck ist ein Aussterben im engeren Sinne somit höchst unwahrscheinlich,[9] hingegen ein Zustand praktischen phänotypischen Nichtvorhandenseins durchaus möglich.

Kulturelle Bedeutung[Bearbeiten]

Westen[Bearbeiten]

In der Antike war das dem Gold entsprechende Blond die Haarfarbe der Göttinnen und Götter, der Heroen und der Herrscher. Dementsprechend war das Haar der heute marmorweißen Skulpturen oftmals gelb gefasst oder vergoldet.

Bei den griechischen und römischen Schriftstellern galten nordische Stämme, einige der Germanen, Kelten, Slawen sowie die iranischen Völker der Skythen, Sarmaten und Alanen als blond. Auch die Thraker wurden von Homer und Herodot als blond beschrieben. Die Römer handelten sogar mit blondem Haar für Perücken.

Deren Käufer, meist männliche Römer, schenkten diese Haare ihren Gattinnen, die sich damit schmückten, indem sie sie in ihre Frisur einarbeiteten. Auch in anderen, südlicheren Ländern gab es vereinzelt blonde Menschen, etwa bei den Guanchen, den Ureinwohnern der Kanaren.

Im Dritten Reich wurde das Blondsein zum typisch „germanischen“ Kennzeichen der sogenannten Herrenrasse hin stilisiert – was vor allem in der nationalsozialistischen Filmpolitik eine Rolle spielte.

Die Wahrnehmung von Blondinen wurde durch Filmstars wie Marlene Dietrich oder Jean Harlow in den 1930er Jahren und Marilyn Monroe in den 1950er Jahren verstärkt. Zu ihrem Image zählten Naivität und erotische Attraktivität. Weitere Stereotype sind die „kühle Blonde“ und das „blonde Gift“, die, dem Klischee zufolge, ihre Erscheinung kalkuliert und emotional distanziert einsetzen, sowie der blonde Engel, der sich durch eine strahlende und unwirkliche Erscheinung auszeichnet. Auch können blond und schwarz die „gute“ und die „böse“ Protagonistin kennzeichnen, so wie in dem Märchen Frau Holle „Goldmarie und Pechmarie“.

Alte amerikanische Hochkulturen[Bearbeiten]

Der aztekische Gott Quetzalcoatl – meist als Federschlange dargestellt – wurde in manchen Abbildungen als weißer, blonder und bärtiger Mann gezeichnet.

Weitere Bedeutungen des Wortes[Bearbeiten]

  • Als „blond“ werden helle Tabake und Holzarten bezeichnet.
  • „Das Blonde“ ist ein Synonym für helles Bier, vor allem Pils („ein kühles Blondes“).
  • Auch Pferde mit an blondes Haar erinnernder Mähne (z. B. Haflinger) oder Hunde, z.B. den Hovawart, mit hellem Fell bezeichnet man als „blond“.
  • Wenn Zuchtformen des Guppys eine helle bzw. gelbe Körperfarbe aufweisen, bezeichnet man diesen Grundton ebenfalls als „Blond“.
  • Schilf wird, nachdem es abgestorben ist und nicht mehr grün, sondern gelblich da steht, ebenfalls manchmal blond genannt. Auch „Blonde Dünen“ wird oftmals gesagt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michaela Krützen: weissBLOND. Das Haar, der Star. In: Wolfgang Ullrich, Juliane Vogel (Hrsg.): Weiss. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2003, S. 103–143
  • Roderic Gorney: The Quest for Blondness: An Example Explored. In: The Human Agenda, Simond & Schuster, New York 1972, S. 585–636.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Blondes Haar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: blond – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.morgenpost.de/wissen-und-technik/article1093466/Bevorzugten_schon_Steinzeitmaenner_Blondinen.html
  2. http://www.rhetorik-netz.de/rhetorik/deutsch.htm
  3. Manfred Reitz: Kleine Kulturgeschichte der Haut – Weiße Indianer in Nordamerika. In: Aktuelle Dermatologie 2006, 32; S. 334–338 (pdf; 847 kB)
  4. Guenther, CA. et al. (2014): A molecular basis for classic blond hair color in Europeans. In: Nat Genet. 46(7); 748–752; PMID 24880339; doi:10.1038/ng.2991
  5. Luigi Luca Cavalli-Sforza: Gene, Völker und Sprachen. Die biologischen Grundlagen unserer Zivilisation. 1996. Deutsche Ausgabe 1999, ISBN 3-446-19479-7.
  6. Hamel, Elisabeth: Das Werden der Völker in Europa. Tenea Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-86504-126-5
  7. Thorwald Ewe: Das Schicksal der Blondinen; in: Bild der Wissenschaft, Ausgabe 6/2009, Seite 83
  8. http://en.wikipedia.org/wiki/Disappearing_blonde_gene
  9. http://www.tgs-chemie.de/zellbiolog__grundl_.htm