Blossius Aemilius Dracontius

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Blossius Aemilius Dracontius war ein spätantiker lateinischer Dichter des späten 5. Jahrhunderts n. Chr. Er war senatorischer Herkunft und als Advokat in Karthago tätig.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Dracontius dichtete um 484 einen (nicht erhaltenen) Lobgesang auf einen nicht-vandalischen Herrscher, wahrscheinlich den oströmischen Kaiser Zeno. Dafür wurde er mitsamt seiner Familie unter dem in Afrika herrschenden Vandalenkönig Gunthamund (484–496) verhaftet: Während die römische Bevölkerung in Nordafrika, das in den Jahren nach 429 unter vandalische Herrschaft geraten war, den Kaiser in Konstantinopel als ihren eigentlichen Souverän betrachtete, erschien dies Gunthamund als Hochverrat. Freigelassen wurde Dracontius wahrscheinlich erst unter Gunthamunds Nachfolger Thrasamund, auf den er ein (ebenfalls verlorenes) Dankgedicht verfasste.

In der Zeit vor und nach seiner Haft entstand eine Sammlung von zehn hexametrischen Gedichten, die Romulea, die er dem Grammatiker Felicianus widmete. Daraus ist ein Stück mit dem Titel Orestis tragoedia erhalten. Zwei erst spät überlieferte Gedichte mit den Titeln De mensibus und De rosis nascentibus behandeln Schulthemen im Stil des Grammatikers Ausonius. Sie wurden vom italienischen Humanisten Bernardino Corio im 16. Jahrhundert gedruckt. Die Aegritudo Perdicae wird Dracontius wahrscheinlich fälschlich zugeschrieben.

Die wesentlichen Werke des Dracontius sind jedoch offenbar in seiner Haftzeit entstanden. Dazu zählt ein Bußgedicht an Gunthamund in elegischen Distichen mit dem Titel Satisfactio, das sich an Ovids Tristia anlehnt; außerdem das Hauptwerk des Dracontius: De laudibus Dei. Es umfasst drei Bücher in Hexametern und verherrlicht Gottes Wohltaten an den Menschen. Außerdem fordert es Gunthamund zur imitatio Christi auf. Sprache und Stil des Werkes haben einen charakteristischen eigenen Stil, in der Metrik lehnt sich Dracontius gekonnt an seine Vorbilder Vergil, Properz und Juvenal an.

Dracontius hatte einigen Einfluss auf die lateinische Dichtung in Afrika. Seine Werke wurden im Westgotenreich durch Eugenius von Toledo bearbeitet.

Ausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Blossius Aemilius Dracontius – Quellen und Volltexte