Bludesch

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Bludesch
Wappen von Bludesch
Bludesch (Österreich)
Bludesch
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Vorarlberg
Politischer Bezirk: Bludenz
Kfz-Kennzeichen: BZ
Fläche: 7,59 km²
Koordinaten: 47° 12′ N, 9° 45′ O47.1996111111119.7471388888889529Koordinaten: 47° 11′ 59″ N, 9° 44′ 50″ O
Höhe: 529 m ü. A.
Einwohner: 2.262 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 298 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6719
Vorwahl: 05550 bzw. 05525
Gemeindekennziffer: 8 01 04
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 9
6719 Bludesch
Website: www.bludesch.at
Politik
Bürgermeister: Michael Tinkhauser (Wir in Bludesch/Gais)
Lage der Gemeinde Bludesch im Bezirk Bludenz
Bartholomäberg Blons Bludenz Bludesch Brand Bürs Bürserberg Dalaas Fontanella Gaschurn Innerbraz Klösterle Lech Lorüns Ludesch Nenzing Nüziders Raggal Sankt Anton im Montafon Sankt Gallenkirch Sankt Gerold Schruns Silbertal Sonntag Stallehr Thüringen Thüringerberg Tschagguns Vandans VorarlbergLage der Gemeinde Bludesch im Bezirk Bludenz (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Blick über Bludesch auf die Zimba
Blick über Bludesch auf die Zimba
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Filialkirche hl. Nikolaus
Pulmologie Gaisbühel

Bludesch ist eine Gemeinde mit 2262 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Bludenz (Vorarlberg / Österreich). Sie liegt im Walgau und gehört neben Thüringen und Ludesch zu den Blumenegg-Gemeinden. Große Bedeutung hat auch die Parzelle Gais mit der dort angesiedelten Walgau-Kaserne.

Geografie[Bearbeiten]

Bludesch liegt im westlichsten Bundesland Österreichs - Vorarlberg - im Bezirk Bludenz. Bludesch liegt im gebirgigen südlichen Vorarlberg (Südvorarlberg) auf 529/540 Metern Seehöhe im mittleren Walgau. Die unmittelbar umgebenden Berge erreichen 2000 bis 2600 Meter Höhe. Der bis zu 5 km breite Walgau wird von der Ill durchflossen; deren wichtigster Nebenfluss ist die Lutz. Die Lutz mit der Stammsilbe "lut/lud" ist namengebend für die Dörfer Ludesch, Bludesch und den Familiennamen Zerlauth (zurlutt/zerlut) sowie eine Vielzahl von lut-bezogenen Flurnamen im Walsertal. Die Flüsse Lutz und Jll haben in vielen Jahrtausenden dafür gesorgt, dass der Walgau über eine bis zu 180 m tiefe Stein- und Kiesschicht verfügt, die sich als großer Grundwasserspeicher für die Trinkwasserversorgung erweist. Diese Geschiebemengen haben allerdings auch die landwirtschaftlichen Nutzflächen häufig vermurt, so dass die Walgauer zwar als "steinreich aber humusarm" erscheinen. Heute noch zieren an den jeweiligen Grundgrenzen zusammengetragene "Lesesteine" die als "Hägi" teilweise geschützte Landschaft. 44,0 % der Gemeindefläche sind mit Au- und Hochwald bestockt, die landwirtschaftlichen Flächen sind mit rund 40 % ausgewiesen. Vor mehr als tausend Jahren und im Mittelalter betrug die Weinbaufläche in den Hang- und Tallagen etwa 10 % der vergleichbaren Gesamtfläche. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt mit 1400 mm im Mittelbereich.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits zu Beginn der römischen Herrschaft verfügte der Walgau ('vallis drusiana') über dauerhafte Siedlungen. Die ansässige Bevölkerung der Räter wurde im Laufe der Zeit von Römern, Alemannen und später Walsern beeinflusst. Der Ortsname Bludesch wird 842 erstmals als 'villa pludassis' erwähnt. Er führt auf das keltische 'pa-lut' (bei der Lutz) zurück. Pludassis/Bludasco ist wohl im späten 2. Jahrtausend rätisch besiedelt, wird im Zuge der Eroberungen durch Drusus und Tiberius 15 v. Chr. römische Provinz und somit Teil der "Raetia prima". Die Christianisierung beginnt bereits im 5. Jahrhundert. Der Erbteilungsvertrag der Karolinger von Verdun 842/843 nennt in Bludesch einen Königshof und eine Kirche; die namentlich nicht angeführte Kirche in "cise villa" ist offensichtlich eine Eigenkirche und nicht dem Bischof in Chur angehörig. Aus fränkischen Beamten-Grafen werden im 10. Jahrhundert die Udalrichinger, dann folgen die Montforter und die Herren von Brandis und Sulz. Beim "stücksweisen" Verkauf der Vorarlberger Ländereien im 14. und 15. Jahrhundert an die Habsburger bleibt nur die kleine Herrschaft Blumenegg mit den Dörfern Bludesch, Thüringen und Ludesch (alles an der Lutz gelegen!) übrig; Blumenegg wird 1431 zur freien, reichsunmittelbaren Herrschaft. 1614 erwirbt das Reichsstift Weingarten die Herrschaft Blumenegg und verkauft diese 1804 an Habsburg/Österreich. Nach dem kurzen Intermezzo der bairischen Besetzung (1806 bis 1814) übernimmt Österreich endgültig die kleine Herrschaft Blumenegg. Es dauert noch bis 1839, als auch die jahrhundertelange Frondienstpflicht aufgehoben wird. Bis 1848 war Bludesch zwar in der "Großen Gnos" vertreten, bildete jedoch mit der Nachbargemeinde Thüringen eine besondere Art von "Doppelgemeinde" mit eigener Gemeindeverwaltung. Im Zuge der Errichtung der Bezirksämter in Vorarlberg wurde Bludesch 1849 dem Bezirk Bludenz zugeteilt und ist seither eine in jeder Hinsicht "selbstständige" Gemeinde.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Bludesch
  • Die Pfarrkirche Hl. Jakobus wurde 1651/1652 nach Plänen vom Barockbaumeister Michael Beer erbaut; sie ist seine erste Wandpfeilerkirche und der einzige Sakralbau in Vorarlberg. Sehenswert sind die von Josef Birgaentzle gebaute Orgel (1804) und der Hochaltar (1651). Die "Bergöntzleorgel" stammt aus der Silbermannschule, wurde in den Wirren der Französischen Revolution im Elsaß deponiert und 1804 nach Bludesch verbracht und in der Pfarrkirche eingebaut. Pfarrkirche und Orgel sind seit 1971 Aufführungs- und Gestaltungsort der "Bludescher Orgelkonzerte".
  • Die Kirche St. Nikolaus[1] ist die älteste Kirche Vorarlbergs. Sie wurde das erste Mal 842 urkundlich erwähnt; auf Grund neuer Bilder des Fundamentmauerwerkes wird ein vorromanischer Bau um 450/500 nicht mehr ausgeschlossen. Der älteste noch vorhandene Teil ist das Langhaus im frühromanischen Stil (700–800). Erwähnenswert ist noch der angefügte Turm mit seinem bis oben gemauerten Giebelspitzhelm. Die 1950 freigelegten, auf das erste Drittel des 14. Jahrhunderts datierten Fresken zeigen das Jüngste Gericht, den Zug der Seligen mit Petrus an der Himmelspforte sowie zwei Szenen aus der Passion Christi. Der Zug der Verdammten wird in weiteren Bildern als sehr eindrückliche Geschichte des Höllensturzes und der sieben Todsünden dargestellt. Im untersten Bildfeld (Register) der Nordwand wurde 2006 eine Vorhangmalerei entdeckt. Herausragendes Merkmal der Nikolauskirche ist der bis zur Spitze aus Bruch- und Tuffstein gemauerte Turm; das untere Turmgeviert datiert etwa 10. Jahrhundert, der obere Aufbau mit frühgotischen Fialen entspricht dem 13. Jahrhundert.
  • Ehemalige Lungenheilstätte Gaisbühel: Das Objekt wurde 1917 - 1920 als "Heilstätte für Tuberkulosekranke" errichtet, auf höchstmögliche Selbsterhaltung gestellt und daher mit einem eigenen, 1925 fertiggestellten Gutshof auf landeseigenen Gründen ausgestattet. Der Gutshof blieb 60 Jahre in Pacht und Betrieb. Die Entwicklung der Heilstätte führte von der Sonderstation zum Chronischkrankenhaus bis zum Akutkrankenhaus und 2005 zur Verlegung von Onkologie und Pulmologie nach Feldkirch. Damit war das Ende der Heilstätte erreicht: das denkmalgeschützte Bauwerk von Architekt Willi Braun steht leer.
  • Schlossruine Jordan: Erstmals 1578 unter diesem Namen erwähnt, wurde sie als Behausung für eine zeitweilige landwirtschaftliche Nutzung (Weinbau) von Christoph Brockh erbaut. Um 1637 erwarb Georg Ludwig von Lindenspeur das Gut und vergrößerte es 1653 zu seinem Jagd- und Sommersitz. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel ist 1842 nur noch von Mauern eines zweistöckigen, unausgebauten Hauses die Rede. Seit 2009 ist die Ruine in Privatbesitz und weitgehend verfallen.

Politik[Bearbeiten]

(Stand nach Gemeindevertretungswahl am 13. März 2010)

Bürgermeister: Michael Tinkhauser (Wir in Bludesch/Gais)

Vizebürgermeister: Otmar Meyer (Wir in Bludesch/Gais)

Gemeindevorstand:

  • Otmar Meyer (Wir in Bludesch/Gais)
  • Stefan Bleicher (Wir in Bludesch/Gais)
  • Franz Dunkl (Freie Wählerschaft Bludesch-Gais)
  • Manfred Dietrich (Arbeitskreis Bludesch/Gais)

Die Gemeindevertretung besteht aus 21 Mitgliedern, darunter fünf Frauen. Die Sitze verteilen sich auf die einzelnen Gruppierungen wie folgt:

Gruppierung Sitze
Wir in Bludesch - Gais/Michael Tinkhauser 10
Freie Wählerschaft Bludesch-Gais 5
Arbeitskreis Bludesch-Gais 4
Vorarlberger Volkspartei Bludesch-Gais 1
SPÖ und Bürgerliste Bludesch-Gais 1

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Region Blumenegg erlebte während des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts - so wie andere Plätze in Vorarlberg - eine Industrialisierung, die in höchstem Maße durch die Textilwirtschaft gestaltet wurde. 1830 entstand im Ortsteil Gais die "Müller'sche Roth- und Bunthfärberei", 1837 in Thüringen die "k.k.privil.Spinnerey & Weberey" von Escher-Kennedy-Douglass. Beide Betriebe - die Textilveredlung in Gais und die Baumwollspinnerei in Thüringen - prägten Region und Dorfstruktur durch weit mehr als hundert Jahre. Aus dem frondienstleistenden herrschaftlichen Untertan wurde der firmenabhängige Fabrikler. Gleichzeitig verlor der bis dahin vorherrschende Weinbau ab der Mitte des 19. Jahrhunderts seine Bedeutung ab, bis er um 1900 vollständig zum Erliegen kam. Erst seit 1990 wird der Weinbau wiederbelebt. Noch vor Ende des 20. Jahrhunderts wurde die Fabrik in Thüringen stillgelegt; aus mehrgeschossigen Werkshallen entstanden Wohnungen. Die Fabrik in Gais überlebte 2005 den Zwangsausgleich, erstand 2007 als DELUNAMAGMA und endete 2010 als abgeräumter, von jeglichem Bauwerk befreiter Bauplatz. Kein Ereignis hat die Gemeinde Bludesch mehr betroffen als das Thema KASERNE und keine Entwicklung hat Bludesch mehr geprägt als die Folgewirkungen dieses überregionalen Ereignisses. Garnisonsstandort - Grundwasserschongebiet - Agrargemeinschaft - Bundesheer - Übungsplatz: 1989 Spatenstich, 1989 Eröffnung, 1990 bis 1999 mehr als 120 Wohnungen. Dazu Arzt und Apotheke, Postamt und Bankfiliale, Gastronomie und neue Geschäfte. Vieles ist gekommen, manches wurde verloren. Bludesch war aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Im Jahr 2003 gab es am Ort 34 Betriebe der gewerblichen Wirtschaft mit 572 Beschäftigten und 24 Lehrlingen. Lohnsteuerpflichtige Erwerbstätige gab es 662. Landwirtschaft spielt eine untergeordnete Rolle.

In Bludesch gibt es zwei Kindergärten und eine Schule mit (Stand im Januar 2003) mit 155 Schülern.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bludesch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Filialkirche Hl. Nikolaus in Bludesch-Zitz