Blue Screen (Fehlermeldung)

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Blue Screen bei Windows 2000

Ein Blue Screen (auch Bluescreen, selten Blauschirm; wörtlich übersetzt Blauer Bildschirm; von Microsoft offiziell Bugcheck genannt), auch scherzhaft Blue Screen of Death (‚Blauer Bildschirm des Todes‘, kurz auch BSoD) oder Blauer Tod (in Anlehnung an den Schwarzen Tod) genannt, ist eine Beschreibung einer bestimmten Kategorie von Fehlermeldungen (stop errors), die insbesondere von Microsoft-Windows-Betriebssystemen angezeigt werden. Nach einem kritischen Systemfehler wird das System gestoppt und die Bedienoberfläche des Betriebssystems vollständig durch einen blauen Bildschirm ersetzt, auf dem in weißer Schrift die Fehlerinformationen erscheinen.

Ausgelöst werden diese Meldungen in den häufigsten Fällen nicht durch Fehler in Anwendungsprogrammen, sondern durch Fehler in Gerätetreibern oder in der Hardware. Wird der Blue Screen nicht von einem Defekt in der Hardware ausgelöst, so handelt es sich entweder um einen Programmierfehler in einem Treiber, im Kernel, der oft mittels eines Patches vom entsprechenden Hersteller behoben werden kann, oder um eine fehlerhafte Systemkonfiguration. In bestimmten Fällen kann auch ein Fehler in der Softwarearchitektur zu Grunde liegen, der bis zum Ende der Lebensdauer des Produktes erhalten bleibt.

Windows Blue Screen Probleme im Computerraum

Konzept[Bearbeiten]

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Geräte- und andere Hardwaretreiber werden in einem privilegierten Modus (Kernel mode) ausgeführt, wobei sie direkten Zugriff auf Systemspeicherbereiche und Hardwareschnittstellen haben. Schreibt ein fehlerhafter Gerätetreiber Daten in einen Speicherbereich, der von anderen Systemteilen (auch anderen Gerätetreibern) benutzt wird, so wird die Systemintegrität verletzt. Wenn das System in solchen Fällen weiterliefe, bestünde die Gefahr der irreversiblen Zerstörung von Daten (zum Beispiel auf der Festplatte). Daher wird das System sofort angehalten und ist nicht mehr bedienbar, was wiederum ebenfalls nachteilige Wirkung auf die Datenintegrität haben kann, insbesondere sind nichtgespeicherte Daten des Benutzers verloren. Das System wird ebenfalls angehalten, falls ein Hardwareproblem auftritt, das nicht ignoriert werden kann. Dazu gehört zum Beispiel das Versagen der primären Festplatte des Systems beim Versuch, Daten von der Auslagerungsdatei zu lesen.

Bei anderen Betriebssystemen (etwa UNIX) entspricht dem die sogenannte Kernel panic.

Bei modernen Hauptplatinen (siehe auch ATX) kann auch eine Überhitzung des Prozessors zu einem Blue Screen führen, da die Temperaturkontrolle den Prozessor in den HALT-Modus setzt.

In den Windows-9x-Versionen sind diese Meldungen zur Problemlösung schlecht geeignet, da dem Anwender kaum Informationen mitgeteilt werden:

Der Blue Screen von Windows 9x zeigt an, bei welchem vom Prozessor ausgelösten Interrupt bei der Fehlerbehandlung ein weiterer Fehler auftauchte (= Doppelfehler Interrupt 8).
  • 00 (= Interrupt 0): „Division by Zero“ (Division durch null)
  • 06 (= Interrupt 6): „Invalid Opcode“ (Ungültiger Befehl)
  • 0D (= Interrupt 13): „General Protection Fault“ (Allgemeine Schutzverletzung)
  • 0E (= Interrupt 14): „Paging Fault“ (Seitenfehler)

Zusätzlich werden noch zwei Adressen und teilweise auch die betroffene Datei ausgegeben.

Im Internet, insbesondere in der Microsoft Knowledgebase, werden viele Kombinationen von Fehlercodes und Adressen sowie mögliche Ursachen beschrieben.

Mit der Einführung von Windows NT 4.0 wird eine Fehlernummer und Fehlerbezeichnung angezeigt und zudem vier Zahlenwerte, mit deren Hilfe erfahrene und fachkundige Anwender unter Zuhilfenahme der Microsoft-Internetseite meist Fehlerursachen ausmachen können. Windows kann auch so konfiguriert werden, dass der Inhalt des Arbeitsspeichers zur nachträglichen Analyse als Kernel-, kleines oder vollständiges Speicherabbild auf die Festplatte geschrieben wird (engl. core dump), sofern das noch möglich ist.

Bei MS-DOS-basierten Windows-Versionen erfordert diese Meldung häufig, bei Windows-NT-basierenden immer einen Neustart des Systems. In den „Home“-Versionen von Windows XP (Service Pack 1 und 2) wurde der erforderliche manuelle Neustart in der Standard-Konfiguration durch einen automatischen Neustart ersetzt; in kritischen Situationen kann dies jedoch zur Verklemmung (deadlock) des Systems führen: Der Computer stürzt mit blauem Bildschirm ab, startet automatisch neu und stürzt sofort wieder ab. Abhilfe bringt in solchen Fällen die Auswahl der Option „Automatischen Neustart bei Systemfehler deaktivieren“ im Menü des Bootmanagers sowie eventuell das Starten des Rechners im abgesicherten Modus, welches das zuvor genannte oft nahezu sofortige Neustarten verhindert. Erhält man unter einem Windows-NT-basierten Windows einen Blue Screen, so wird das System noch sauber beendet.

Berühmter Bluescreen[Bearbeiten]

Das vielleicht berühmteste Auftreten eines Windows-9x-Bluescreens trat während einer Präsentation von Windows 98 Beta durch Bill Gates auf der COMDEX am 20. April 1998 auf: Der Vorführ-Computer stürzte mit einem Blue Screen ab, als Gates’ Assistent Chris Capossela einen Scanner mit dem PC verband, um die Unterstützung von Plug-and-Play-Geräten in Windows 98 zu demonstrieren. Dieses Ereignis brachte donnernden Applaus im Publikum, und Gates antwortete nach einer nervösen Pause: „That must be why we’re not shipping Windows 98 yet.[1] („Das ist wahrscheinlich der Grund, warum wir Windows 98 noch nicht ausliefern.“)

Fehlermeldungen in anderen Farben[Bearbeiten]

Der Windows 3.1 Black Screen of Death[Bearbeiten]

Ein Black Screen of Death von Windows 3.1

In Microsoft Windows 3.x erscheint der Black Screen of Death, wenn eine MS-DOS Anwendung nicht richtig ausgeführt werden konnte. Sehr oft tritt dies auf, wenn man bestimmte Funktionen ausführt, während der Netzwerktreiber im Speicher aktiv ist. So beispielsweise während des Ladens des Novell-Netware-Clients NETX für MS-DOS: Das System versucht beim Auftreten des Fehlers in den Textmodus zu wechseln, zeigt aber nichts an, sodass der Anwender vor einem leeren schwarzen Bildschirm sitzt, auf dem in der linken oberen Ecke ein Cursor blinkt. Der Anwender kann zu diesem Zeitpunkt keine Eingaben mehr machen und ist gezwungen, einen Kaltstart des Systems durchzuführen, um wieder normal mit diesem arbeiten zu können.

Laut Wallace McClure von ASP.net [2] wurde der Ausdruck Black Screen of Death das erste Mal im Sommer 1991 von Ed Brown, einem IT-Techniker der Coca-Cola Company in Atlanta verwendet, der berichtete, dass die Angestellten des Unternehmens beim Versuch, WordPerfect zu starten, ab und zu einen Black Screen of Death erhielten.

Der OS/2 Black Screen of Death[Bearbeiten]

In OS/2 ist ein Black Screen of Death entweder ein "TRAP Screen" oder ein "full-screen hard-error VIO pop-up". Beide sorgen dafür, dass die Anzeige in den Textmodus geschaltet wird. Diese Anzeige hat zur Darstellung des Textes 25 Zeilen mit je 80 Spalten in denen weiße Buchstaben auf einen schwarzen Hintergrund dargestellt werden, woher diese Anzeige auch ihren Namen hat.

TRAP Screen

Ein "TRAP Screen" wird angezeigt wenn im Kernel ein Fehler auftritt, der zur Laufzeit nicht korrigiert werden kann. Normalerweise passiert dies nach dem Übertakten von Hardware, aber auch bei Softwarefehlern im Kernel oder bei Gerätetreibern.

Der "TRAP Screen" enthält dabei sowohl eine Auflistung der Prozessor-Register und des Stacks als auch Informationen über die Version des Betriebssystems und den aufgetretenen Fehler im Prozessor.

Die einzige Möglichkeit die der Anwender in dieser Situation hat ist entweder ein Neustart des Systems durch den Klammergriff (gleichzeitiges Drücken von Strg-Alt-Entf) oder durch zweimaliges Drücken von Strg-Alt-NumLock das System anzuweisen alle Informationen aus dem Speicher auf Diskette zu speichern.

Hard Error Screen

Ein "full-screen hard-error VIO pop-up" wird angezeigt, wenn ein Prozess einen "schweren" Fehler verursacht, entweder bei einem kompletten Absturz eines Programmes oder einem schweren Fehler, bei dem es möglich ist das System wiederherzustellen, z. B. ausgelöst durch den Versuch, eine Diskette einzulesen, obwohl sich keine im Diskettenlaufwerk befindet.

Diese Anzeige wird erstellt vom "hard Error Daemon"-Prozess, der schwere Fehler von anderen Prozessen behandelt. Technisch betrachtet ist dieser Anzeige eine "VIO pop-up" Anzeige. Alle Prozesse (ausgenommen der, der den schweren Fehler ausgelöst hat) werden weiter ausgeführt. Dieser Daemon benutzt einen VIO Pop-up, wenn entweder das System im Textmodus gestartet wurde oder wenn der Fehler in einem Prozess auftritt, der im Vollbildmodus läuft.

Dieser "Pop-up" enthält Informationen über den aufgetretenen Fehler und den auslösenden Prozess.

Der User wird daraufhin gefragt, wie weiter vorgegangen werden soll. Er kann zwischen folgenden Aktionen wählen:

  • Prozess beenden,
  • Anzeige von mehr Informationen (Auflistung des Prozessor-Registers und des Stacks),
  • Wiederholung der zum Fehler führenden Aktion (wenn möglich – z. B. sind I/O-Fehler wiederholbar, CPU-Fehler nicht) oder
  • Ignorieren des Fehlers (wenn möglich – zum Beispiel sind I/O-Fehler ignorierbar, CPU-Fehler nicht).

Red Screen of Death[Bearbeiten]

Red Screen of Death bei der Installation von Windows Vista

Der Red Screen of Death (RSoD) ist eine Variante der in einigen Beta-Versionen des Betriebssystems Windows Vista vorhanden war.

Als Red Screen of Death werden außerdem auch fatale Fehler in neueren Versionen von Lotus Notes bezeichnet. Dort erscheint eine Fehlermeldung, aber nicht wie bei Windows Vista im Vollbildmodus, sondern als rote Box mit schwarzem Rahmen.

Verwendung bei Microsoft Windows Vista Beta-Version

Der Red Screen of Death ersetzte in den Beta-Version von Windows Vista den Blue Screen nicht, sondern ergänzte ihn bei besonders schwerwiegenden Fehlern, wie z. B. bei Bootloader-Fehlern. In der veröffentlichten Version ist er nicht enthalten.

Die Fehlermeldung benutzt den 80×25-Textmodus. Dabei beträgt die Auflösung des Bildschirms 720×400 Pixel.

Andere Verwendungen
  • Der rote Bildschirm wird auch von einigen Flugsimulatoren (wie z.B. den von FlightSafety International) benutzt. Sobald ein Pilot das Flugzeug abstürzen lässt wird jeder Bildschirm im Cockpit rot.
  • Bei der PlayStation 2 wird dies auch zu folgender Fehlermeldung unterstützend verwendet: „Please insert a PlayStation or PlayStation 2 format disc“. Dieser Fehler wird durch eine nicht unterstützte oder nicht lesbare Disk ausgelöst.
  • Bei der Playstation Portable tritt in sehr seltenen Fällen ein RSoD auf, wenn die flash0 (die interne Flash-Disk) beschädigt wird.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. COMDEX BSoD. CNNi. 1998. Abgerufen am 13. Dezember 2010.
  2. Origin of BSOD - Wallace B. McClure

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Blue Screen (Fehlermeldung) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien