Blues and Roots

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Blues and Roots
Studioalbum von Charles Mingus
Veröffentlichung 1959
Label Atlantic
Format LP, CD
Genre Jazz
Anzahl der Titel 6
Laufzeit 38:49 (CD)

Besetzung

Produktion Nesuhi Ertegün
Studio Atlantic Studios, New York City
Chronologie
Mingus in Wonderland
(1959)
Blues and Roots Mingus Ah Um
(1959)

Blues and Roots ist ein Album von Charles Mingus.

Mingus erklärt in den Liner Notes, dass ihm der Atlantic Record- Produzent Nesuhi Ertegün ein paar Jahre vorher vorgeschlagen hatte, ein ganzes Album mit Blues zu machen, wie schon in Haitian Fight Song auf der Atlantic Aufnahme The Clown 1957, da Kritiker gemeint hätten Mingus swinge nicht genug und mache zu intellektuelle, experimentelle Musik. Mingus in den Liner Notes: Ich dachte darüber nach. Ich wurde 'swingend' geboren und schlug meine Hände als kleiner Junge in der Kirche zusammen, aber ich bin erwachsen geworden und liebe es die Dinge anders als nur mit Swing anzugehen. Blues kann aber mehr als nur swingen. So stimmte ich zu. Eine große Besetzung von vier Saxophonen und zwei Posaunen erzeugen die Stimmen, die von der gut eingespielten Rhythm Section von Mingus und Richmond zusammengehalten werden.

Das erste Stück Wednesday Night Prayer Meeting erinnert nach Mingus an die Gospelmusik der Methodisten-Gottesdienste, die er als Kind in Begleitung seiner Stiefmutter erlebte. Die Stimmen der Gottesdienstbesucher übernehmen die Saxophone im Wechselspiel, gelegentlich unterbrochen und vorangetrieben von Zwischenrufen und Klatschen (zweite Hälfte zum Alt-Solo) von Mingus und anderen Spielern. Auch Richmond hat ein kurzes Solo (neben Handy, Dennis, Parlan mit einem monotonen Groove, Ervin).

Cryin Blues ist ein langsamer Blues, eröffnet mit einem Tenorsolo, gefolgt von einem Solo von Mingus, Parlan am Klavier und McLean ist am Schluss im Chor mit den anderen zu hören, die ihre Energie auch in Zwischenrufen loswerden, bevor das Stück langsam ausklingt.

In Moanin sind Soli von McLean, Pepper Adams, Booker Ervin, immer wieder unterlegt durch die rhythmisch eingesetzte Thema-Phrase (Riff), gespielt vom Adams am Bariton. Das Stück, das in AABA-Form verfasst ist (wobei jedes der Segmente 16 Takte umfasst) wurde auch von der Mingus Bigband neu eingespielt.

Tensions hat Soli von Mingus, McLean, Booker Ervin, Parlan und Richmond.

My Jelly Roll Soul führt in die Welt des frühen Jazz, von der sich Mingus nach eigenen Worten durch ein Buch mit Stücken von Jelly Roll Morton inspirieren ließ, das er aber vor Beginn der Komposition verlegt hatte. Hier hat auch Knepper sein Solo, gefolgt von Parlan am Klavier und McLean. Am Schluss spielen Mingus und Richmond im Wechsel, wobei am Ende auch die Bläser wieder mit einsetzen. Auf seinem Folgealbum 'Ah Um' griff Mingus das Thema nochmals auf.

E´s Flat Ah´s Flat Too ist wieder in schnellem Tempo und nach Mingus pyramidenförmig in der Art eines Circle Songs aufgebaut. Das bluesförmige Thema wird wiederholt, während Riffs und andere Themen so zugefügt werden, dass das Gefühl entsteht, ein Kanon erklinge. Gemeinsames Ensemblespiel rahmt die Soli von Waldron, Booker Ervin, McLean, Handy und Richmond ein.

In seinem Folgealbum Mingus Ah Um griff er einige Themen (den Gospel in Better git in your Soul ähnlich wie in Wednesday night prayer meeting, frühen Jazz in Jelly Roll) wieder auf.

Albumstücke[Bearbeiten]

  1. „Wednesday Night Prayer Meeting“ – 5:39
  2. „Cryin' Blues“ – 4:58
  3. „Moanin'“ – 7:57
  4. „Tensions“ – 6:27
  5. „My Jelly Roll Soul“ – 6:47
  6. „E's Flat Ah's Flat Too“ – 6:37

Zusätzliche Tracks auf der Ausgabe bei Rhino Entertainment 1998:

  1. „Wednesday Night Prayer Meeting“ – 6:59 – alternate take
  2. „Tensions“ – 5:18 – alternate take
  3. „My Jelly Roll Soul“ – 11:25 – alternate take
  4. „E's Flat Ah's Flat Too“ – 6:47 – alternate take

Alle Kompositionen von Charles Mingus (Moanin ist nicht mit dem gleichnamigen Stück von Bobby Timmons zu verwechseln): Aufnahmedatum 4. Februar 1959 in den Atlantic Studios in New York City, Aufnahmeingenieur Tom Dowd.

Waldron spielt nur auf E´s Flat Ah´s Flat Too Klavier, ansonsten Parlan.

Das Album wurde erst am 4. April 1960 veröffentlicht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Weber & Gerd Filtgen: Charles Mingus - Sein Leben, seine Musik, seine Schallplatten, Gauting, Oroes (Collection Jazz),, S.109ff (Abdruck der Liner Notes von Mingus)
  • Andrew Homzy, in: Charles Mingus, More Than a Fake Book. Hal Leonard Corporation 1991 ISBN 0-7935-0900-9