Bluse

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Mädchen in weißer Bluse, Roderic O'Conor, 1915

Der Begriff Bluse bezeichnete ursprünglich ein lose fallendes Bekleidungsstück, das den Oberkörper bedeckt und von Arbeitern, Bauern, Künstlern und Kindern getragen wurde. Mittlerweile bezieht sich das Wort Bluse zumeist auf ein hemdartig geschnittenes Kleidungsstück, das von Mädchen und Frauen zum Rock oder zur Hose getragen wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Blusen bestehen meist aus leichtem Gewebe (Textil) wie Seide oder dünnen Baumwollstoffen, bis in die frühen 1990er-Jahre noch oft aus weich fallenden Kunstfaserstoffen (z. B. Polyester und Satin). Manchmal sind sie mit Rüschen, Stickereien oder einer Schleifen verziert. Der Klassiker unter den Damenblusen ist die weiße Hemdbluse (in Anlehnung an das klassisch-elegante weiße Herrenhemd); hier sind die Kombinationsmöglichkeiten besonders vielfältig. Der offene Spaten- oder Reverskragen ist ein weiterer gängiger Typ einer klassischen Damenbluse.

1913 schrieb Die Woche über die Damenbluse im Reitsport:

„Wenn auch für heiße Sommertage der legeren Bluse immer mehr Berechtigung zugestanden wird, so bleibt dennoch das klassische Reitkleid aus Bastseide oder englischem Leinen unvergleichlich vornehmer.“[1]

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die von Matrosenanzügen abgeleiteten Matrosenblusen für Mädchen zum blauen Faltenrock populär. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde dieses Kleidungsstück als bürgerlich-dekadent abgelehnt. In den 1950er-Jahren fand der Matrosen-Look dann Eingang in die Freizeitmode für Erwachsene und ist nie völlig aus der Mode gekommen.

Frauen in Tennisbekleidung mit weißen Blusen (um 1890)

Der hohe Kragen bei Blusen wurde in dieser Zeit zunehmend durch die halsferne Variante verdrängt. Dazu passend boten Fachgeschäfte auch „Damenkragen“ an. Das KdW in Berlin bewarb in seinem Illustrierten Hauptkatalog: 1913 unter anderem eine Backfisch-Konfektion, mit acht Blusen zwischen 2,75 und 9,50 Mark. Beim einfachsten Modell handelte es sich um eine „Waschbluse, marine, weiß gepunktet“, beim teuersten um eine „Bluse, weiß, Waschvoile, mit Spitze und Stick“. Zu den Neuheiten der Saison gehörte die spitz ausgeschnittene „Charmeuse-Bluse, sehr elegante Form, reine Seide, mit sehr flotter Krepp- und Spitzen-Garnitur“ für 19,75 Mark.[2]

Zu Beginn der 1960er-Jahre kamen Bubikragen wieder auf, später dann extra breite Kragen und Doppelmanschetten an Blusen, diese oft aus Synthetikstoffen (meist Polyester). In den 1980ern sah die Mode Steh- und Bundkragen, Schleifen und den besonders kleinen Hemdkragen vor, bisweilen mit verdeckter Knopfleiste („Smokingbluse“), abgenähten Falten und betonten Schulterpolstern. Auch hier waren dünne und oft glänzende Synthetikfasern verbreitet. Gegen Ende des Jahrzehnts wurden auch extralange Blusen über der Hose oder dem Rock getragen, wahlweise kombiniert mit einem weiten, breiten Gürtel um die Taille.

Daneben trugen vor allem Frauen, die sich der damals erstarkenden Öko-Bewegung zugehörig fühlten, weit geschnittene (auch folkloristische) Blusen aus groben und natürlichen Materialien wie Flachs (Leinen) oder Baumwolle (Männer trugen als Gegenstück oft Friesenblusen).

Viele modische Stilrichtungen der 1970er- und 1980er-Jahre wurden nach der Jahrtausendwende wieder von der Mode aufgegriffen: Doppelmanschetten, extrabreite Spitzkragen, Gürtel um Taille. Oft haben die Blusen auch Stickereien oder Strassbesatz, zumal an Kragen und Knopfleisten. Eine Erscheinung der 1990er Jahre waren Blusen mit Dreiviertelarm.

Früher war die „gute Bluse“ Teil der Ausgehkleidung, die eine Frau wenigstens sonntags zum Kirchgang trug. Heute ist die Bluse, außer ihrem Einsatz als formelle Bürogarderobe, unwichtiger, und dient oft als buntes Kleidungsstück unter vielen, das auch gern salopp offen über einem T-Shirt oder einem Top getragen wird.

Wortbedeutung[Bearbeiten]

Bluse ist ein Lehnwort aus dem Französischen: blouse heißt „Fuhrmannskittel, Staubmantel“. Es soll ein Mitbringsel französischer Kreuzfahrer sein. Diese zogen über ihre Rüstungen ein sogenanntes „p(e)lusisches Gewand“, einen blau eingefärbten Kittel gegen den Staub, der seinen Namen von dem ägyptischen Ort Pelusium hatte. Anderen Quellen zufolge stamme das Wort Bluse von prov. lano blouso „Kurzwolle“, lano „Wolle“ und blos, blouse „beraubt, nackt“ ab.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Woche vom 26. April 1913, S.719
  2. Illustrierter Katalog des Kaufhaus des Westens, Georg Olms Verlag, 1913

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Bluse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Blusen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien