Bluse

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Zwei Frauen in Tennisbekleidung mit weißen Blusen (um 1890)

Eine Bluse ist ein zumeist hemdartig geschnittenes Kleidungsstück – daher auch oft „Hemdbluse“, siehe auch Hemd –, das Frauen häufig zur formellen Bürokleidung, wie Kostüm oder Hosenanzug, tragen. Daneben heißen besonders weit und leicht geschnittene Tops, mit oder ohne Knöpfe, ebenfalls Blusen. (Ebenso: Choli - ein Oberteil in der indischen Tracht)

Geschichte[Bearbeiten]

Blusen bestehen meist aus leichtem Gewebe (Textil) wie Seide oder dünnen Baumwollstoffen, bis in die frühen 1990er Jahre noch oft aus weich fallenden Kunstfaserstoffen (z. B. Polyester und Satin). Manchmal sind sie verziert (z. B. Rüschen, Stickereien oder Schleifen). Der Klassiker unter den Damenblusen ist die weiße Hemdbluse (in Anlehnung an das klassisch-elegante weiße Herrenhemd) – hier sind die modischen Kombinationsmöglichkeiten besonders vielfältig. Der offene Spaten- oder Reverskragen ist ein weiterer gängiger Typ einer klassischen Damenbluse.

Anfang des 20. Jahrhunderts gestand die Männerwelt den Frauen sportliche Betätigung zu. Voraussetzung war eine dazu passende Sportbekleidung, die einerseits Bewegungsfreiheit zuließ, andererseits „fraulich“ war. Im Rahmen dieser Entwicklung erlebte die Bluse ihren Durchbruch. 1913 schrieb Die Woche über die Damenbluse im Reitsport:

„Wenn auch für heiße Sommertage der legeren Bluse immer mehr Berechtigung zugestanden wird, so bleibt dennoch das klassische Reitkleid aus Bastseide oder englischem Leinen unvergleichlich vornehmer.“[1]

Die Bluse mit hohem Kragen wurde in dieser Zeit zunehmend durch die „halsfreie“ Variante ersetzt. Dazu passend boten Fachgeschäfte auch „Damenkrägen“ an. Das größte deutsche Kaufhaus KdW in Berlin bewarb in seinem Illustrierten Hauptkatalog: 1913 unter anderem die Backfisch-Konfektion für junge Frauen, mit acht Blusen zwischen 2,75 und 9,50 Mark. Die einfachste war eine „Waschbluse, marine, weiß gepunktet“, die teuerste eine „Bluse, weiß, Waschvoile, mit Spitze und Stick“. Zu den „Saison-Neuheiten“ gehörte die spitz ausgeschnittene „Charmeuse-Bluse, sehr elegante Form, reine Seide, mit sehr flotter Krepp- und Spitzen-Garnitur“ für 19,75 Mark.[2]

Zu Beginn der 1970er Jahre fielen abgerundete Kragen (Bübchenkragen), später dann extra breite Kragen und Doppelmanschetten an Blusen, diese oft aus Synthetikstoffen (meist Polyester), auf. In den 1980ern folgte die Mode der Steh- und Bundkragen, Schleifen und der besonders kleinen Hemdkragen, bisweilen mit verdeckter Knopfleiste („Smokingbluse“), abgenähten Falten sowie betonten Schulterpolstern. Auch hier waren dünne und oft glänzend Synthetikfasern sehr beliebt. Gegen Ende des Jahrzehnts wurden extralange Blusen über der Hose oder dem Rock getragen, wahlweise kombiniert mit einem weiten, breiten Gürtel um die Taille.

Daneben gab es bei den Frauen, die sich der damals erstarkenden Öko-Bewegung zugehörig fühlten, weit geschnittene (auch folkloristische) Blusen aus groben und natürlichen Materialien wie Flachs (Leinen) oder Baumwolle (die Männer trugen dazu oft Friesenblusen).

Viele modische Stilrichtungen der 1970er und 1980er Jahre gehen nach der Jahrtausendwende wieder in die Blusenmode ein: Doppelmanschetten, extrabreite Spitzkragen, Gürtel um Taille, Kunstfaser und ähnliches. Oft haben die Blusen auch Stickereien oder Strassbesatz, zumal an Kragen und Knopfleisten. Eine auffallende Erscheinung der 1990er Jahre waren die Blusen mit dem sogenannten Dreiviertelarm. Blusen lassen sich gut und leicht mit einem Blazer, Pullunder bzw. Pullover, farbigen Seidentüchern oder (Perlen)ketten kombinieren.

Früher war die „gute Bluse“ Teil der Ausgehkleidung und Statussymbol der sogenannten „eleganten Frau“, die sie zumindest sonntags beim Kirchgang anhatte. Heute ist die Bluse, außer ihrem Einsatz als formelle Bürogarderobe, unwichtiger, und dient oft als buntes Kleidungsstück unter vielen, das auch gern salopp offen über einem T-Shirt oder einem Top getragen wird.

Augenfälliger Unterschied zwischen einem Herrenoberhemd und einer Damenbluse ist, dass die Knopflochleiste an der linken Seite ist. Bei den Herrn ist sie rechts.[3]

Wortbedeutung[Bearbeiten]

Bluse ist ein Lehnwort aus dem Französischen: blouse heißt „Fuhrmannskittel, Staubmantel“. Es soll ein Mitbringsel französischer Kreuzfahrer sein. Diese zogen über ihre Rüstungen ein sogenanntes „p(e)lusisches Gewand“, einen blau eingefärbten Kittel gegen den Staub, der seinen Namen von dem ägyptischen Ort Pelusium hatte. Andere Quellen besagen, dass es von prov. lano blouso „Kurzwolle“, lano „Wolle“ und blos, blouse „beraubt, nackt“ abstammt.

Heute findet sich der Begriff „(Hemd-) Bluse“ immer noch im Bereich der militärischen Bekleidung, für ein Uniformteil mit Schulterstücken - über der Hose getragen; auch bei Arbeitskleidung (Melkerbluse, Matrosenbluse, Friesenbluse). Bekannter aber ist der Begriff in der zuvor beschriebenen klassischen Damenoberbekleidung.

Verwandt ist auch die Blusenjacke, eine manschettenlose Bluse aus kräftigerem Material oder mit Innenfutter, welche allein getragen werden kann, oder auch als Jacke über einem Top.

Eine Bodybluse (oder Blusenbody) ist eine Bluse, bei der, wie bei einem Body, das Vorderteil durch den Schrittbereich hindurch mit dem Rückenteil verbunden ist. So kann die auf Figur geschnittene Bluse nicht aus dem Rock oder der Hose rutschen und sitzt immer perfekt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Woche vom 26. April 1913, S.719
  2. Illustrierter Katalog des Kaufhaus des Westens, Georg Olms Verlag, 1913
  3. Erläuterungen zu Herrenoberhemd; aufgerufen am 23. August 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Bluse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Blusen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien