Blut Christi

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Das Blut Christi bezeichnet in der christlichen Theologie

  1. das reale Blut Jesu, das er auf dem Kreuz für die Rettung der Menschheit gegeben hat,
  2. das Sakrament der Eucharistie, das durch Wein symbolisiert wird bzw. nach katholischem Glauben aus Wein gewandelt wird.

Christentum[Bearbeiten]

Das Neue Testament knüpft an den antiken Blutkult an und überträgt die Aspekte der Sühne und der Vereinigung durch Blut in die christliche Symbolik. Das Blut hat nun vor allem als Blut Jesu Bedeutung (Römer 3,25, Hebräer 9,7; 13,11). Durch Christi Blut wird der Bund Gottes mit den Menschen (Jesaja 53,12) erneuert. (Lukas 22,20). Gott bietet dem Menschen die Vergebung seiner Sünden an. (Matthäus 26,28 und Markus 14,24). In dieser Bedeutung wird das Blut Christi bei der Eucharistie getrunken als Zeichen der Erneuerung des Bundes und der Vergebung der Sünden (auch Johannes 6,53f; 1. Korintherbrief 10,16). Und gerade hierin, in Christi Tod das letzte (einmalige) Opfer zu sehen (Röm 6,10; Hebr 7,27; 9,12; 10,10), liegt auch die Ablehnung anderer, weiterer Opfer begründet (Wolfgang Trillhaas). Zudem handelt es sich bei diesem (je nach christlichem Verständnis) um ein Selbstopfer oder ein Opfer Gottes (der seinen Sohn opfert) und impliziert die Abschaffung der Blutrache.

Das Sakrament der Eucharistie[Bearbeiten]

Daneben bedeutet bei der Eucharistie das Trinken von Wein, in dem das Blut Christi gesehen wird, - vor allem in der ostkirchlichen und der neueren westlichen Theologie - auch die Vereinigung des Menschen mit Gott und die Teilhabe an seinem göttlichen Wesen. Bei diesem Verständnis des Abendmahles (Michael Rau[1]), sieht man im „Blut Christi“ nicht das Sühneblut, sondern wie im Alten Testament das Leben Gottes bzw. den Geist Gottes.

Albrecht Altdorfer: Kreuzigung (Detail), 1515–1516

Allerdings fanden sich in der Alten Kirche durchaus Analogien, die im Tod des Gerechten Sühne sahen. (4. Makkabäer 6,28ff; 17,22). Nicht zuletzt hierin begründete sich das Märtyrertum, das auch „Bluttaufe“ genannt wird (unter Bezug auf Lk. 12,50; Joh. 19,32; 1. Brief des Johannes 5,6 beschrieben in: Tertullian, de bapt.16; Cyprian, Ep.73,22).

Blutwunder und Blutreliquien: Heiliges Blut, Kostbares Blut[Bearbeiten]

Aus dem Mittelalter stammen auch zahlreiche Blutwunder der Eucharistie (z. B. in Bolsena) oder von Märtyrern (z. B. Januarius in Neapel). Nach mittelalterlicher Vorstellung bildeten die sterblichen Überreste des Märtyrers ein Depositum seiner übernatürlichen Kräfte. Auch nachdem die Seele den Leib verlassen hatte, wurde dem Körper noch eine übernatürliche Kraft zugeschrieben, als deren begehrtester Träger das Blut galt. Dasselbe gilt für Heilig-Blut-Reliquien (des Blutes Christi), die wie andere Christusreliquien (Dornenkrone, Speer, Nägel, Kreuz), seit dem 4. Jahrhundert aufgefunden, ab etwa 800 zunehmend auch nach Europa verbracht wurden. Der Höhepunkt der Blutreliquienverehrung fand während der Kreuzzüge statt, Blutreliquien wurden aber bis ins späte Mittelalter aus dem Heiligen Land nach Europa gebracht. Zu einem Wiedererstarken der Blutreliquienverehrung kam es nach dem Dreißigjährigen Krieg, als der leidende Christus als Motiv der Verehrung an Bedeutung gewann. Die Blutreliquienlegenden knüpfen an die Eröffnung des Leibes Christi, die Leichenbereitung und Einbalsamierung durch Joseph von Arimathia und Nikodemus sowie an die Mitwirkung von Maria und Maria Magdalena beim Begräbnis an. Der Heilig-Blut-Kult wurde durch Wallfahrten zu den Blutreliquien und besondere Ablässe populär.[2]

Die Heilig-Blut-Tafel von 1489 aus der Klosterkirche der Abtei Weingarten enthält die älteste bildliche Darstellung und die älteste volkssprachliche Übertragung der Heilig-Blut-Geschichte im deutschen Sprachraum: „Hie nach volget die histori des hailgen pluotz cristi / wie das zelest in dis wirdig gotzhus kommen sy. Am ersten / wie der ritter longinus unseren herrn sin syten öffnet mit dem/ und berüret sine finstri ougen mit dem usgeflossnen / pluot cristi und wrd gesechind und geloubig. item …“ [3] („Es folgt die Geschichte des heiligen Blutes Christi, wie die Reliquie in dieses würdige Gotteshaus gekommen ist. Zuerst [sieht man,] wie der Ritter Longinus die Seite unseres Herrn mit dem [Speer] öffnet und seine blinden Augen mit dem ausgeflossenen Blut Christi berührt und sehend und gläubig wird“).

Die Heiligblutreliquien werden auch heute noch verehrt, unter anderem in Reiterprozessionen (Blutritt). Von angeblichen Blutwundern wie Madonnenstatuen, die blutige Tränen vergießen, wird immer wieder berichtet. Heute lässt sich aber mittels chemischer Analysen nachweisen, dass es sich meistens nur um gefärbtes Wasser handelt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Michael Rau, Art. Im Blut ist Leben! - Eine kritische Nachfrage nach der biblischen Begründung des theologischen Denkmusters vom ‚stellvertretenden Sühnetod‘, Deutsches Pfarrerblatt 3/2002, S. 121-124, ISSN 0939-9771,pfarrverband.de
  2. Johannes Heuser: Heilig-Blut in Kult und Brauchtum des deutschen Kulturraumes. Diss., Bonn 1948, S. 70ff. (masch.)
  3. Norbert Kruse, Hans Ulrich Rudolf: 900 Jahre Heilig-Blut-Verehrung in Weingarten 1094–1994. J. Thorbecke, Sigmaringen 1994, S. 17f. ISBN 3-7995-0398-6