Blutbad von Atocha

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Dieser Artikel erläutert ein Terrorattentat aus dem Jahr 1977; für die Islamistischen Bombenanschläge von 2004 siehe Madrider Zuganschläge

Mit Blutbad von Atocha von 1977 wird ein Attentat am 24. Januar 1977 in Spanien in der Calle de Atocha nahe dem Madrider Bahnhof Atocha bezeichnet.

Ablauf[Bearbeiten]

Das Kommando der Alianza Apostólica Anticomunista stürmte die Arbeitsräume einer Gruppe von Anwälten, die der Gewerkschaft Comisiones Obreras (CC.OO.) angehörten, und eröffnete auf die dort Anwesenden das Feuer. Fünf Menschen starben, und weitere vier wurden angeschossen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Gewerkschaft CC.OO. stand der Kommunistischen Partei Spaniens nahe, die damals, in den Folgejahren des Franquismus, noch immer verboten war. In der spanischen Gesellschaft herrschte zu dieser Zeit eine große Unruhe: Terrororganisationen verschiedener politischer Richtungen hatten eine Vielzahl von Morden durchgeführt (z. B. die GRAPO und die ETA), große Streiks und Demonstrationen fanden statt.

Täter[Bearbeiten]

Die Täter von Atocha vertrauten darauf, dass die Sicherheitskräfte mit ihnen sympathisierten, aber die Regierung forderte, um die Situation zu beruhigen, eine entschlossene Suche nach den Attentätern. Mehrere Personen wurden verhaftet und zu insgesamt über 450 Jahren Haft verurteilt. Die Angeklagten präsentierten sich beim Prozess mit blauen Hemden (der Uniform der Falange), und viele Prozessbeobachter erschienen aus Ehrerkundung gegenüber den Angeklagten ebenfalls uniformiert zum Gerichtsverfahren.

Laut einem CESIS-Bericht war Carlo Cicuttini – der 1972 gemeinsam mit Vincenzo Vinciguerra einen Bombenanschlag im italienischen Peteano verübt hatte – an der Tat beteiligt, was auf einen Zusammenhang mit der Geheimorganisation Gladio hindeutet.[1] Cicuttini war in Spanien eingebürgert und lebte dort seit 1972, dem Jahr des Peteano-Anschlags.

Folgen[Bearbeiten]

Am 30. Juni 1977 fanden die ersten spanischen Parlamentswahlen nach der Franco-Diktatur statt. Die Sozialistische und die Kommunistische Partei wurden kurz zuvor legalisiert und nahmen daran teil.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Miguel González: Un informe oficial italiano implica en el crimen de Atocha al 'ultra' Cicuttini, relacionado con Gladio. In: ELPAÍS.com. 2. Dezember 1990, abgerufen am 24. Juli 2008 (span.).

40.409722222222-3.6936111111111Koordinaten: 40° 24′ 35″ N, 3° 41′ 37″ W