Blutorden

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Den sogenannten Blutorden, offiziell Ehrenzeichen des 9. November 1923 genannt, stiftete Adolf Hitler am 9. November 1933 anlässlich des zehnten Jahrestags des Hitlerputsches von 1923, zeitgleich mit dem Goldenen Parteiabzeichen der NSDAP.

Das Abzeichen zählt in der BRD zu den verfassungsfeindlichen Propagandamitteln. Sein Herstellen, öffentliches Tragen oder Verbreiten ist verboten.[1]

Im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Heute: Verfassungsfeindliches Propagandamittel: Blutorden, offiziell „Ehrenzeichen des 9. November 1923“

Offizielle Verleihungsvoraussetzungen[Bearbeiten]

Den sogenannten Blutorden verlieh Hilter im ersten Jahr der Machtübernahme der NSDAP. Auf ihm ist das Hakenkreuz abgebildet.[2] Die später auch offizielle[3] Namensgebung Blutorden lehnte sich an das NS-Propagandamittel namens Blutfahne an. Sie zielte ab auf einen Ehrenkult um die getöteten Putschisten des Hitlerputsches.

Ursprünglich sollte die Medaille als Ehrenzeichen nur an besonders verdiente Parteigenossen verliehen werden, die bereits viele Jahre vor dem Regierungsantritt vom 30. Januar 1933 im Sinne des Nationalsozialismus politisch aktiv waren. In späteren Jahren wurde der Empfängerkreis stark ausgeweitet.

Auch die Namensgebung variierte. Die Medaille wurde u. a. Ehrenzeichen am Band, Ehrenzeichen der NSDAP vom 9. November 1923, Erinnerungszeichen für aktive Kämpfer der nationalen Erhebung 1923 genannt. Die Bezeichnung Blutorden trat später hinzu.

Tatsächliche Verleihungspraxis und Empfängerkreis[Bearbeiten]

Der Blutorden (hier Blutordensträger Emil Maurice) wurde an der rechten Brusttasche getragen.

Im Dritten Reich galten die Träger der Medaille zur Erinnerung an den 9. November 1923 als „Helden der Bewegung“ bzw. „Alte Kämpfer“. Der Empfängerkreis kann grob in vier Kategorien eingeteilt werden:

  • Kategorie 1: Ursprünglich war der Blutorden nur für Teilnehmer am Hitlerputsch am 9. November 1923 in München vorgesehen, wenn eindeutig feststand, dass der Träger auf nationalsozialistischer Seite gestanden hatte. Eine direkte Teilnahme wurde auch dann angenommen, wenn der Träger zwar in Marsch gesetzt wurde, aber aus verschiedenen Gründen nicht direkt an den Kampfhandlungen teilgenommen hatte. Die Zahl dieser ersten Runde von Medaillen-Trägern betrug etwa 1500. Allerdings waren nicht alle Träger der Kategorie 1 zum damaligen Zeitpunkt Parteimitglied. Vielmehr gehörten 34 % der Träger einem Freikorps an. Nur 50 % der Träger waren 1923 tatsächlich Mitglied der NSDAP gewesen. Beispielsweise war es damals aktiven Soldaten nach dem § 36 des Wehrgesetzes verboten, an politischen Versammlungen teilzunehmen oder Mitglied in einem politischen Verein bzw. Partei zu werden.[4] Allerdings stand die Mehrzahl der Offiziere und Offizieranwärter der Zentralen Infanterieschule der Reichswehr in München dem Deutschen Kampfbund nahe.[5] Er war auf Initiative Adolf Hitlers und Erich Ludendorffs auf dem Deutschen Tag am 1. und 2. September 1923 in Nürnberg durch Vereinigung des Bundes Oberland mit dem Bund Reichskriegsflagge unter der Führung der SA entstanden.[6] Dadurch gelang es den Aufrührern am Abend des 8. November 1923, den Schulkommandeur festzunehmen und 20 Stammoffiziere sowie 80 anwesende Offizieranwärter als „Sturmkolonne Ludendorff“ für den Umsturzversuch zu gewinnen. Später wurde die Medaille auch an viele Teilnehmer des österreichischen Juliputsches von 1934 verliehen. Zuletzt wurden noch alle ehemaligen Offizieranwärter des Jahrgangs 1923/24 der Zentralen Infanterieschule mit dieser Medaille ausgezeichnet.
  • Kategorie 2: Die „Alten Kämpfer“, die bereits vor dem 1. Januar 1932 Parteigenossen der NSDAP waren und deren Mitgliedschaft bis zum Verleihungstag ununterbrochen bestanden hatte. Eine ruhende Mitgliedschaft wegen Wehrdienstes schadete nicht. Allerdings waren nationalsozialistische Überzeugung und „charakterliche Würdigkeit“ gefordert.
  • Kategorie 3: Ab Mai 1938 wurde der Kreis der Medaillenträger durch Parteimitglieder erweitert, die im Kampf der Nationalsozialisten um die Macht im Staat zum Tode verurteilt und schließlich zu lebenslanger Haft begnadigt wurden. Schließlich wurden sogar Parteiangehörige mit der Medaille ausgezeichnet, die nur eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verbüßt hatten oder eine schwere Verletzung erlitten hatten, die auf die politische Betätigung für den Nationalsozialismus zurückzuführen war.
  • Kategorie 4: In manchen Fällen erfolgte die Verleihung postum. Der letzte, dem die Medaille nachträglich verliehen wurde, war am 4. Juni 1942 Reinhard Heydrich.

Sofern eine dieser Bedingungen erfüllt war, konnte die Auszeichnung gemäß einer „Verfügung des Stellvertreters des Führers vom 27. März 1941“ auch an Frauen verliehen werden. Allerdings ist nur eine Verleihung an eine Frau, nämlich die an Eleonore Baur, genannt „Schwester Pia“, bekannt. Der Blutorden wurde nur auf Antrag des Bewerbers selbst bzw. des zuständigen Parteifunktionärs verliehen.[7] Verleihungen wurden im Verordnungsblatt der Reichsleitung der NSDAP veröffentlicht.[8] Insgesamt wurden ungefähr 6.000 Medaillen verliehen.[9] Die Medaillen wurden auf der Rückseite nummeriert und ihre Träger in einem Matrikel erfasst.

Heute: Verfassungsfeindliches Abzeichen[Bearbeiten]

Der „Blutorden“ gehört zu jenen nationalsozialistischen Ehrenzeichen, die zu führen in der BRD nach dem Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen von 1957 in keiner Form zulässig ist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hilde Kammer, Elisabet Bartsch: Jugendlexikon Nationalsozialismus. Begriffe aus der Zeit der Gewaltherrschaft 1933–1945. Rowohlt, Reinbek 1982, ISBN 3-499-16288-1, S. 39 (Rororo. Rororo-Handbuch 6288).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Strafgesetzbuch: § 86a Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, auf: dejure.org.
  2. Zur Verwendung des Hakenkreuzes ab 1933, auf: verfassungsschutz.brandenburg.de, PDF (ab S. 11).
  3. Siehe auch Die Verleihung des Blutordens. Durchführungsbestimmungen des Reichsschatzmeisters – Antrag, Prüfung und Verleihung. Veröffentlicht im „Völkischen Beobachter“ vom 1. September 1938.
  4. Wehrgesetz vom 23. März 1921.
  5. Siehe auch: Edelleute als Träger des Ehrenzeichens vom 9. November 1923 beim Institut Deutsche Adelsforschung.
  6. Historisches Lexikon Bayern.
  7. Vgl. Buchheim, Hans: Der „Blutorden“ der NSDAP, 29. Mai 1955, in: Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte, Selbstverlag des Instituts für Zeitgeschichte, 1958, S. 322–323.
  8. Vgl. Durchführungsbestimmungen des Reichsschatzmeisters der NSDAP vom 27. August 1938.
  9. vgl. Angolia, John R.: For Führer and Fatherland: Vol. 2: Political & civil awards of the Third Reich, San Jose (Calif.): Bender, 1978, S. 192.
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