Blutstillung

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Dieser Artikel beschreibt medizinische Maßnahmen zur Blutstillung. Zu den ebenfalls als Blutstillung bezeichneten körpereigenen Mechanismen der primären Hämostase siehe dort.

Als Blutstillung werden all jene Maßnahmen bezeichnet, die eine Blutung stoppen. Neben den körpereigenen Blutstillungsmechanismen (Hämostase) gibt es verschiedene medizinische Praktiken, die mechanisch, thermisch oder mittels Hochspannung zu einer Versiegelung eröffneter Blutgefäße führen. Arzneistoffe und medizinische Hilfsmittel zur Blutstillung werden als Hämostatika, Hämostypika oder Antihämorrhagika bezeichnet.

Notfallmedizinische Maßnahmen[Bearbeiten]

In der Notfallmedizin kann durch das Hochlagern verletzter Körperteile der Blutdruck an der Blutungsstelle vermindert werden. Üblicherweise wird ein Druckverband auf der Wunde angelegt, welcher meistens ausreicht. Unter einer festen Umwickelung können Gaze-Polster aufgelegt werden, um den Druck zu erhöhen. Möglich ist weiterhin eine proximale Kompression der Arterie, ein Zudrücken der Arterie körpernah von der Blutung. Sinnvoll sind hierfür bestimmte anatomische Punkte, wo ein knöchernes Widerlager besteht (Arteria subclavia, Arteria brachialis, Arteria temporalis superficialis, Arteria femoralis und Arteria poplitea). Das Abbinden wird eingesetzt, wenn durch Druck keine adäquate Blutstillung erreicht werden kann. Das Abklemmen von Gefäßen ist in der Notfallmedizin normalerweise nicht angezeigt.[1]

Chirurgie[Bearbeiten]

Mittels Fibrinkleber bzw. Gewebekleber kann eine chirurgische Naht vermieden werden, da die Substanz die Wundränder zusammenklebt und durch die physiologische Wundheilung abgelöst wird, ohne dass die Wunde sich wieder öffnet. Damit können empfindliche Gewebe geschont werden. In der Zahnmedizin wird der Fibrinkleber zum Teil mit einem Kollagenvlies kombiniert. Oxidierte Zellulose kann ebenfalls den Beginn der Hämostase herbeiführen.

In der Chirurgie können Gefäße abgebunden (Ligatur) oder mittels „Umstechung“ (Z-förmige Naht um das Blutgefäß herum) verschlossen, größere Gefäße auch genäht werden. Kleinere diffuse Blutungen werden lokal tamponiert, Schleimhautblutungen verätzt. Zur Tamponade werden auch mit Adrenalin getränkte Tupfer eingesetzt, welches ein Zusammenziehen der Blutgefäße (Vasokonstriktion) bewirkt. Hohlorgane und tiefe Wunden können insgesamt tamponiert werden.

Es werden zur Blutstillung auch physikalische Methoden (Kauterisation) eingesetzt. Bei der monopolaren HF-Chirurgie (Hochfrequenzchirurgie) wird an die Instrumente (z. B. das Elektroskalpell, Kauter) Wechselstrom mit hoher Frequenz angelegt, wobei in dem geschnittenen Gewebe sogleich oberflächlich die Koagulation einsetzt, das heißt, die Blutung gestillt wird. Zum Abtragen größerer Gewebemengen wird die Tiefenkoagulation genutzt, bei der das Gewebe in der Tiefe, die durch die Stromstärke bestimmt wird, großflächig erhitzt wird und später abgetragen werden kann. Bei der bipolaren HF-Chirurgie wird zwischen zwei Elektroden eine Hochfrequenzspannung angelegt, und die aufgrund des elektrischen Widerstands entstehende Wärmeenergie führt zu einer thermischen Versiegelung des Gewebes bzw. Blutgefäßes. Zum Teil werden auch noch direkte thermische Kauterisierungsverfahren eingesetzt, indem eine heiße Glühwendel (Thermokauter) an den Ort der Blutung gesetzt wird.

Mit einem Argon-Beamer kann endoskopisch eine Blutstillung herbeigeführt werden. Über einen Katheter können bei sehr schweren Blutungen flüssige Kunststoffe, Kunststoffkügelchen oder Fibrinschwämme an die Blutungsstelle gebracht werden, was als Embolisation bezeichnet wird.

Zur mechanischen Blutstillung bei Knochenschäden kommt Knochenwachs, häufig eine Mischung aus sterilisiertem Bienenwachs und Vaseline, zum Einsatz, mit dem die feinen Poren der Knochenschwammsubstanz (Spongiosa) verschlossen werden.

Systemische Blutstillung[Bearbeiten]

Zur systemischen Blutstillung werden Lysinanaloga sowie Aprotinin, beides Inhibitoren der Fibrinolyse, verwandt.

Bei Gerinnungsstörungen infolge des Fehlens von Blutgerinnungsfaktoren oder Thrombozyten werden Blutplasma, gentechnisch erzeugte Gerinnungsfaktoren bzw. Thrombozytenkonzentrate eingesetzt. Bei Vergiftungen mit blutgerinnungshemmenden Substanzen finden entsprechende Antidots Einsatz, beispielsweise Vitamin K bei Cumarin-Vergiftungen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. S3-Leitlinie Polytrauma / Schwerverletzten-Behandlung der DGU. In: AWMF online (Stand 07/2011)

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter von Brunn: Zur Geschichte der Blutstillung, Die medizinische Welt 9 (1935), S. 107f.
  • E. F. Heeger: Zur Geschichte der Blutstillung im Altertum und Mittelalter, Wiener klinische Wochenschrift (1910), S. 1006–1008 und 1079–1080.
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