Blutzeuge (Nationalsozialismus)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

„Blutzeuge“ ist ein nationalsozialistischer Propagandabegriff zur ehrenden Bezeichnung toter Nationalsozialisten.

Der Begriff ist eine Eindeutschung des aus dem Griechischen entlehnten Wortes „Märtyrer“ (griech. "Zeuge") und hat die gleiche Bedeutung wie dieses: Als Märtyrer werden im Christentum etwa seit dem 3. Jahrhundert Menschen bezeichnet, die wegen ihres christlichen Glaubenszeugnisses – oftmals im Konflikt mit einer religiös intoleranten Umwelt – verfolgt und getötet wurden. In dieser christlich-theologischen Bedeutung wird das Wort „Blutzeuge“ im deutschen Sprachraum bis heute verwendet, wenngleich das ältere Lehnwort „Märtyrer“ gebräuchlicher ist.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Wort „Blutzeuge“ von führenden NS-Ideologen propagandistisch eingesetzt, um damit verschiedene Personen zu bezeichnen, die im Zusammenhang mit den Bemühungen der Nationalsozialisten um die Erlangung der Macht im Deutschen Reich und im Zusammenhang mit der Konsolidierung und Erweiterung dieser Macht gewaltsam ums Leben kamen.

Einer der beiden Ehrentempel auf dem Königsplatz im Jahr 1936

Da der Nationalsozialismus sich selbst als „Bewegung“ bezeichnete, nannte er jene Toten auch „Blutzeugen der Bewegung“. In dieser Wendung wurde der Begriff insbesondere auf jene 16 Teilnehmer des Hitler-Ludendorff-Putsches in München bezogen, die im November 1923 in der Auseinandersetzung mit der Polizei getötet wurden: Felix Alfarth, Andreas Bauriedl, Theodor Casella, Wilhelm Ehrlich, Martin Faust, Anton Hechenberger, Oskar Körner, Karl Kuhn, Karl Laforce, Kurt Neubauer, Claus von Pape, Theodor von der Pfordten, Johann Rickmers, Max Erwin von Scheubner-Richter, Lorenz Ritter von Stransky und Wilhelm Wolf. Hitler widmete ihnen sein Buch Mein Kampf, wo diese Personen namentlich im Vorwort aufgeführt wurden. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde an der Feldherrnhalle in München eine Tafel mit den Namen dieser Personen angebracht, die von einer Ehrenwache der SS geehrt wurde. Jeder Passant, der an dieser Tafel vorbei kam, war verpflichtet, diese mit dem Hitlergruß zu ehren. 1935 wurden auf dem Königsplatz in München zwei „Ehrentempel“ als eine gemeinsame Grabanlage für diese Personengruppe errichtet. Die 16 Toten wurden von ihren bisherigen Gräbern auf den Königsplatz überführt und in bronzenen Sarkophagen erneut beigesetzt, wo sie bis 1945 in den nationalsozialistischen Kult einbezogen wurden.

Im weiteren Sinne galten auch Personen wie Herbert Norkus, Horst Wessel oder Wilhelm Gustloff als „Blutzeugen der Bewegung“. Der Begriff ist in der nationalsozialistischen Ideologie ein Propagandabegriff. Er rückt die Betroffenen metonymisch in die Position von Märtyrern, die ihr Blut für die gute Sache gegeben hätten. Nach dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft bezeichnet man die besagten Personen zumeist als Putschisten. Sie gelten nur noch Angehörigen der rechtsextremen Szene als „Blutzeugen“.

[Bearbeiten] Siehe auch

Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge