Bobby Fischer

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Foto 1960
Fischer bei der Schacholympiade 1960 in Leipzig
Name Robert James Fischer
Land Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten,
IslandIsland Island (seit 2005)
Geboren 9. März 1943
Chicago, USA
Gestorben 17. Januar 2008
Reykjavík, Island
Titel Großmeister (1958)
Weltmeister 1972–1975
Beste Elo-Zahl 2785 (Juli 1972)

Robert James „Bobby“ Fischer (* 9. März 1943 in Chicago, Illinois; † 17. Januar 2008 in Reykjavík, Island) war ein US-amerikanischer Schachspieler. Er war von 1972 bis 1975 Schachweltmeister. Bereits als 16-Jähriger nahm er am Kandidatenturnier teil, dessen Sieger den Weltmeister herausfordern durfte. Den Titel gewann er 1972 in einem als Match des Jahrhunderts bezeichneten Wettkampf gegen Boris Spasski.

Danach zog sich Fischer vom Turnierschach zurück. Als er 1975 gegen den sowjetischen Herausforderer Anatoli Karpow nicht antrat, entzog der Weltschachbund (FIDE) Fischer den Titel. Es folgte nur noch ein einziger öffentlicher Schachauftritt 1992 in einem privat organisierten Wettkampf gegen Spasski. Daneben machte Fischer vermehrt mit antisemitischen und antiamerikanischen Äußerungen Schlagzeilen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Island, dessen Staatsbürgerschaft er angenommen hatte. Angesichts seiner unbestrittenen Leistungen gilt Fischer als eine herausragende Gestalt der Schachgeschichte.

Herkunft und Jugend[Bearbeiten]

Bobby Fischer (links) und sein damaliger Trainer John W. Collins (rechts) in den 1950ern

Fischer kam als Kind von Regina Fischer (geborene Wender; 1913–1997) zur Welt. Seine Mutter, die in Zürich geboren und in den USA aufgewachsen war, studierte in den 1930er Jahren in Moskau Medizin. Während des Zweiten Weltkriegs kehrte sie nach Amerika zurück. Juristischer Vater Fischers war Reginas deutscher Ehemann Hans-Gerhardt Fischer, den sie 1933 in Moskau geheiratet hatte und von dem sie sich 1945 scheiden ließ. Nach Spekulationen, die sich auf Berichte des FBI stützen, war dieser aber vielleicht nicht Fischers biologischer Vater. Letzterer war möglicherweise der ungarische Physiker Paul Neményi, der in der Zeit vor Fischers Geburt eine enge Beziehung mit Regina Fischer hatte und ihr später regelmäßig Geld überwies.[1][2]

Fischer wuchs zusammen mit seiner fünf Jahre älteren Schwester Joan bei seiner alleinerziehenden Mutter, die als Krankenschwester arbeitete, in Brooklyn, New York, auf. Die Schachregeln erlernte er mit sechs Jahren zusammen mit Joan, die jedoch im Gegensatz zu ihrem Bruder bald das Interesse an dem Spiel verlor. Sein erster Trainer war Carmine Nigro, der Vorsitzende des Brooklyn Chess Club. 1955 nahm Fischer erstmals an der Jugendmeisterschaft der USA teil, konnte sich aber noch nicht im Vorderfeld platzieren. Ab 1956 wurde er von John W. Collins trainiert, der auch andere Nachwuchstalente wie William Lombardy und Robert Byrne betreute. Der Psychiater und ehemalige Weltklassespieler Reuben Fine, der Fischer in dieser Zeit kennenlernte, attestierte ihm später schwerwiegende, aus familiären Konflikten resultierende psychische Probleme, die zu Verhaltensauffälligkeiten führten. Laut Fine bot das Schachspiel Fischer die Möglichkeit, sich mittels seiner Erfolge für erlittene Kränkungen zu rächen und Machtphantasien auszuleben. Sein Biograf David Edmonds meint, Fischer habe als Kind deutliche Merkmale des Asperger-Syndroms gezeigt.[3]

Den Titel eines Großmeisters errang er 1958.[4] Im selben Jahr brach er mit 15 Jahren seine von ihm als nutzlos empfundene Schulausbildung an der Erasmus High School in Brooklyn ab, um sich ganz dem Schach zu widmen.

Aufstieg zum Schachgipfel[Bearbeiten]

Bereits als Dreizehnjähriger wurde er der Schachöffentlichkeit durch die sogenannte Partie des Jahrhunderts (Donald Byrne gegen Fischer) bekannt. Im Alter von 14 Jahren war Fischer am 8. Januar 1958[5] das erste Mal US-Champion – der bis dahin jüngste überhaupt. Zwischen 1957 und 1966 gewann er achtmal in Folge die amerikanische Meisterschaft, 1964 gelang es ihm sogar, alle 11 Partien zu gewinnen.

Der internationale Durchbruch gelang Robert James Fischer mit seinem geteilten fünften Platz beim Interzonenturnier in Portorož im August/September 1958. Fischer qualifizierte sich damit für das Kandidatenturnier 1959; außerdem wurde ihm für seinen Erfolg der Großmeistertitel verliehen.

Beim 5. Rosenwald-Turnier in New York im Dezember 1958, der US-Meisterschaft, besiegte Bobby Fischer zum ersten Mal Samuel Reshevsky, wobei er schon nach 11 Zügen eine Gewinnstellung erlangte, und wurde erneut Turniersieger. Beim internationalen Turnier in Zürich 1959 besiegte Fischer mit dem Esten Paul Keres das erste Mal einen sowjetischen Großmeister. Beim internationalen Turnier in Mar del Plata im April 1960 gewann Fischer bis auf zwei Partien alle, u. a. gegen Erich Eliskases. Im November 1960, während der Schacholympiade in Leipzig, antwortete Fischer auf die Frage eines Journalisten, wann er glaube, Weltmeister werden zu können: „Vielleicht 1963!“. Im A-Finale dieser Schacholympiade schlug er mit Max Euwe zum ersten Mal einen früheren Weltmeister. Das Turnier in Bled 1961 gewann Michail Tal mit 14½ Punkten aus 19 Partien, einem Punkt vor dem ungeschlagenen Fischer, der die Partie gegen den Turniersieger für sich entscheiden konnte. Bei seinem zweiten Kandidatenturnier, Curaçao 1962, belegte Fischer jedoch nur den vierten Platz. Er beschuldigte die teilnehmenden sowjetischen Spieler, untereinander abgesprochene Remispartien gespielt zu haben, um ihre Kräfte dadurch für den Kampf gegen ihn zu schonen. Diese Kritik führte später dazu, dass die FIDE den Modus für Kandidatenturniere änderte und Zweikämpfe anstelle von Rundenturnieren einführte.

1965 erteilte die US-Regierung Fischer kein Visum, um am Capablanca-Gedenkturnier in Havanna teilzunehmen. Deshalb spielte er von New York aus, und die Züge wurden per Fernschreiber übermittelt. Den Piatigorsky-Cup 1966 in Santa Monica gewann Spasski mit 11½ Punkten aus 18 Partien, einem halben Punkt vor Fischer und 1½ Punkten vor Larsen.

Fischers nächster Anlauf zur Weltmeisterschaft fand 1967 beim Interzonenturnier in Sousse statt. Er führte nach acht Runden ungeschlagen vor dem späteren Turniersieger Bent Larsen und Samuel Reshevsky, die bis dahin nur 6 Punkte erspielt hatten. Er unterbrach das Turnier für zwei Runden durch Nichtantreten, stieg dann wieder in den Turnierablauf ein, siegte zwei weitere Male (u. a. gegen Reshevsky) und stieg, nachdem die Streitigkeiten mit den Organisatoren nicht beigelegt wurden, dann endgültig aus dem Turnier aus. Damit scheiterte auch dieser Anlauf auf den Weltmeisterschaftstitel schon im Vorfeld.

Viktor Kortschnoi schreibt über Fischers Beharren auf akzeptablen Turnierbedingungen in seinem 2004 erschienenen Buch Mein Leben für das Schach: „Die Schachspieler der ganzen Welt sind ihm zu Dank verpflichtet, dass Schach diese Popularität erreicht hat, dass die Preise in Turnieren erhöht wurden und dass es in Dutzenden Ländern möglich geworden ist, sich als Schachprofi zu betätigen.“

Partieformular Fischers von der Schacholympiade Siegen 1970 gegen Miguel Najdorf.

Im folgenden Qualifikationszyklus setzte sich Fischer jedoch durch. 1970 gewann er überlegen das Interzonenturnier in Palma de Mallorca und 1971 die anschließenden Kandidatenwettkämpfe gegen Mark Taimanow, Bent Larsen und Tigran Petrosjan. Im Viertelfinale gegen Taimanow und im Halbfinale gegen Larsen gewann er jeweils mit dem sensationellen Ergebnis von 6:0. Auch den Exweltmeister Petrosjan schlug er im Finale deutlich mit 6½:2½. Fischer gelang es in diesem Zyklus, 20 Partien nacheinander zu gewinnen: zunächst die letzten 7 Runden in Palma de Mallorca, dann 6 Partien gegen Taimanow, anschließend 6 Partien gegen Larsen und schließlich die erste Partie gegen Petrosjan.

Den Titel des Schachweltmeisters errang er 1972 in Reykjavík gegen Boris Spasski in einem Wettkampf, der auch als Match des Jahrhunderts bekannt ist. Obwohl der Zweikampf wegen Fischers exzentrischen Verhaltens mehrfach kurz vor dem Scheitern stand und er sogar eine Partie kampflos verlor, gewann er schließlich nach 21 Partien mit 12½ : 8½. Die Vorentscheidung fiel in der 13. Matchpartie, als es Fischer mit Schwarz gelang, ein Endspiel mit Turm und 5 Bauern gegen Turm, Läufer und Bauer nach hartem Kampf zu gewinnen. Es bedurfte allerdings einiger Überredungskunst, um Fischer überhaupt zum Spielen zu bewegen: Henry Kissinger rief ihn an, und der britische Millionär James Slater erhöhte das Preisgeld.

Fischer als Schachweltmeister[Bearbeiten]

Fischers Triumph löste einen Schachboom aus, nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten. Trotzdem lehnte er selbst alle Angebote ab, an Turnieren oder öffentlichen Schaukämpfen teilzunehmen. Im Jahr 1974 verbreiteten sich die Gerüchte, er werde seinen Titel nicht verteidigen. Als Anatoli Karpow als Gewinner der Kandidatenwettkämpfe feststand, veröffentlichte Fischer einen 179 Punkte umfassenden Forderungskatalog. Um das Titelmatch 1975 dennoch zu ermöglichen, akzeptierte die FIDE nahezu sämtliche Bedingungen. Umstritten blieb jedoch Fischers Verlangen, den geplanten Wettkampf so auszulegen, dass derjenige Sieger sein solle, der als Erster 10 Partien gewonnen habe; beim Stand von 9:9 sollte der amtierende Weltmeister zudem seinen Titel behalten dürfen. Da Remispartien nicht gezählt werden sollten, wäre die Dauer eines solchen Wettkampfs letztlich unabsehbar gewesen. Als klar war, dass diese Forderung nicht erfüllt werden würde, zerschlugen sich die Verhandlungen endgültig.[6]

So wurde Fischer am 3. April 1975[7] der Weltmeistertitel der FIDE aberkannt. Karpow, gegen den er niemals eine Partie gespielt hatte, wurde zu seinem Nachfolger ausgerufen. Nach dem Match von Reykjavík 1972 spielte Fischer insgesamt fast zwanzig Jahre lang keine Turnierpartie mehr. Nichtsdestoweniger betrachtete sich Fischer in der Folgezeit unverändert als Schachweltmeister, da ihn niemand in einem Weltmeisterschaftskampf geschlagen habe.

Wettkampf 1992 gegen Spasski[Bearbeiten]

Ein kurzes Comeback feierte Fischer 1992, als er in Jugoslawien während des Bosnienkrieges unter großem Medieninteresse einen Wettkampf gegen seinen alten Rivalen Boris Spasski mit 17,5:12,5 gewann. Die Insel Sveti Stefan, auf der die erste Hälfte des Wettkampfs stattfand, gehörte dem Chef der jugoslawischen Privatbank Jugoskandik, Jezdimir Vasiljević.

Damit verstieß Fischer gegen das damals von US-Präsident George H. W. Bush verkündete Wirtschaftsembargo gegen Jugoslawien. Wegen dieses Sanktionsbruchs drohten ihm in den USA bis zu zehn Jahre Haft und eine Geldstrafe bis zu 250.000 Dollar. Fischer reiste daraufhin nie mehr in die USA.

Fischer als Weltenbummler[Bearbeiten]

Von 1975 bis 2004 wechselte Fischer häufig seinen Wohnort, der der Öffentlichkeit meist unbekannt blieb. Er lebte unter anderem in Pasadena, San Francisco und Budapest. Im Herbst 1990 hielt er sich für drei Monate im Hotel Pulvermühle bei Waischenfeld in der Fränkischen Schweiz auf.[8]

Von 2000 bis 2005 lebte Fischer hauptsächlich in Japan, hielt sich aber zeitweise auch auf den Philippinen auf.

Am 11. September 2001 äußerte sich Fischer in Tokio in einem Radiointerview mit Bombo Radyo Philippines lobend über die Terroranschläge dieses Tages und kritisierte die amerikanische Außenpolitik der letzten Jahrhunderte.[9][10] In der Folge dieses Interviews wurde Fischer aus dem US-Schachverband ausgeschlossen.

Verhaftung und Asyl in Island[Bearbeiten]

Im Jahr 2004 ließ die US-Regierung Fischers Reisepass für ungültig erklären; er wurde daraufhin am 13. Juli 2004 beim Versuch der Ausreise aus Japan festgenommen und in Ushiku bei Tokio inhaftiert. Die USA klagten Fischer wegen Steuerhinterziehung an und versuchten, auf diesem Weg die Abschiebung aus Japan zu erwirken.[11][12] Seine langjährige Lebensgefährtin Miyoko Watai, die auch Generalsekretärin des japanischen Schachverbandes war, initiierte eine internationale Kampagne mit dem Ziel seiner Freilassung. Während Fischer noch in Haft war, heiratete er Miyoko Watai am 17. August 2004.[13] Im März 2005 erhielt er die isländische Staatsbürgerschaft und ließ sich daraufhin mit seiner Ehefrau in Island nieder. Ein Sprecher des isländischen Außenministeriums teilte in diesem Zusammenhang mit, die Einbürgerung sei als „rein humanitäre Geste“ zu werten und impliziere keinesfalls die Unterstützung von Fischers politischen Ansichten.[14]

Letzte Jahre in Reykjavík[Bearbeiten]

Der Grabstein Bobby Fischers

Als Fischer in Island ankam, war er in schlechter gesundheitlicher Verfassung. Er führte dort ein Leben abseits der Medien und fühlte sich weiterhin verfolgt. Außerhalb seiner Wohnung besuchte er gelegentlich Restaurants und Cafés sowie regelmäßig den Second-Hand-Buchladen Bókin.[15][16] Nach Aussagen des Inhabers einer Elfenschule, in der isländische Folklore gesammelt und erforscht wird, redete er mit Fischer über paranormale Phänomene und Verschwörungstheorien und wurde sein Vertrauter.[17]

Fischer wurde wegen Nierenversagens ins Krankenhaus eingewiesen, wo er eine lebensverlängernde Nierentransplantation aber verweigerte. Er weigerte sich auch, Schmerzmittel einzunehmen.[16] Fischer verlangte kurz vor seinem Tod nach einem Foto seiner Mutter, das er in der Hand hielt, als er starb.[18] Er starb am 17. Januar 2008[19] im Krankenhaus Landspitali in Reykjavík und wurde bei der Kirche Laugardælir, nahe der Stadt Selfoss, beerdigt. An der Beerdigungszeremonie nahmen nur fünf Personen teil.[16]

Erbschaft[Bearbeiten]

Bobby Fischer hinterließ ein Vermögen von gut zwei Millionen Dollar, aber kein Testament. Mehrere Parteien erheben Ansprüche auf das Erbe, darunter seine Witwe Miyoko Watai, die beiden Söhne seiner Schwester Joan, der amerikanische Staat und Marilyn Young, die behauptete, Fischer sei der Vater ihrer 2002 geborenen Tochter Jinky. Auf Beschluss des isländischen Obersten Gerichtshofes fand im Juli 2010 eine Exhumierung statt, damit anhand einer Gewebeprobe ein Vaterschaftstest durchgeführt werden konnte.[20] Er fiel negativ aus; Jinky ist demnach nicht Fischers Tochter.[21]

Antiamerikanismus und Antisemitismus[Bearbeiten]

Fischers Status als genialer Schachspieler ist unbestritten. Sein Charakter bot jedoch vielfach Anlass zu Kontroversen; so äußerte er sich – selbst Amerikaner sowie jüdischer Herkunft[22][23][24] – wiederholt antiamerikanisch und antisemitisch. Im Internet und in Radiointerviews verbreitete er antijüdische Tiraden und leugnete den Holocaust.[25] Während seiner letzten Lebensjahre äußerte er sich gegenüber Einar Einarsson zum Ursprung seines Misstrauens gegenüber seinem Heimatland. Es habe begonnen, nachdem er sich von Brad Darrach enttäuscht gefühlt und später einen Rechtsstreit gegen ihn verloren hätte. Darrach hatte während der Vorbereitung auf die Schachweltmeisterschaft 1972 engen Kontakt zu Fischer gehabt und hatte 1972 in der Zeitschrift LIFE sowie in seinem 1974 erschienenen Buch Bobby Fischer vs. The Rest of the World Informationen aus dieser Zeit verarbeitet.[26]

Fischer selbst wurde mit einem Personenartikel in der Encyclopaedia Judaica aufgeführt, wogegen er mit einem vom 28. Juni 1984 datierten Brief energisch protestierte. Die Herausgeber sagten ihm daraufhin am 24. September zu, den Artikel aus späteren Auflagen zu tilgen.

Bücher und Erfindungen[Bearbeiten]

Sein 1969 erschienenes Buch My 60 Memorable Games (dt. Meine 60 denkwürdigen Partien) gilt noch heute als eines der besten Schachbücher überhaupt. Ursprünglich sollte das Werk My Life In Chess heißen, diesen Titel behielt er sich jedoch für eine Autobiographie vor, die nie erschienen ist. Er arbeitete drei Jahre an den Analysen, die Einführungstexte zu den einzelnen Partien wurden von Larry Evans geschrieben. Im Gegensatz zu den Partiesammlungen vieler anderer Großmeister nahm er nicht nur Gewinnpartien auf. 1995 erschien im Verlag Batsford eine Neuausgabe in algebraischer Notation, die wegen unautorisierter Textänderungen heftig kritisiert wurde.[27] 2004 veröffentlichte Robert Hübner das Buch Materialien zu Fischers Partien, in dem er die Analysen Fischers einer eingehenden Überprüfung unterzieht.

Bereits 1966 hatte Fischer, zusammen mit Donn Mosenfelder und Stuart Margolies, ein Lehrbuch Bobby Fischer Teaches Chess (dt. Bobby Fischer lehrt Schach) verfasst. Es ist nach dem Prinzip des Programmierten Lernens aufgebaut und besteht aus 275 Mattaufgaben, die der Leser selbständig lösen soll. Auf erläuternden Text und Schachnotation wird verzichtet, die Lösungen werden durch Pfeile auf den Schachdiagrammen angegeben. Bis heute wurden über eine Million Exemplare verkauft, damit ist es das kommerziell erfolgreichste Schachbuch aller Zeiten. In Deutschland wurde 2003 eine Neuauflage veröffentlicht.

1982 veröffentlichte er im Selbstverlag eine Broschüre I was tortured in the Pasadena jailhouse! (dt. Wie ich im Gefängnis von Pasadena gefoltert wurde), in der er Foltervorwürfe gegen US-amerikanische Polizisten erhebt, die ihn aufgrund einer Verwechslung mit einem Bankräuber für zwei Tage inhaftiert hatten.

Ein 1988 erschienenes und 1993 auch verfilmtes Buch Searching for Bobby Fischer handelt nicht von ihm, sondern von der Schachkarriere des Nachwuchstalents Joshua Waitzkin. Fischer, der keine Zustimmung zu diesem Titel gegeben hatte, war der Meinung, sein Name sei nur zu Werbezwecken missbraucht worden.

Eine von Fischer propagierte neue Art des Schachs ist das Chess960, ursprünglich „Fischer-Random-Chess“, welches der „Eröffnungstheorielastigkeit“ des modernen computergestützten Schachs entgegenwirkt.

Außerdem entwickelte er eine mittlerweile weit verbreitete elektronische Schachuhr, bei der die Spieler für jeden ausgeführten Zug zusätzliche Bedenkzeit zu dem Grundkontingent erhalten („Fischer delay“). Dadurch wird extreme Zeitnot vermieden. Fischer meldete diese Uhr im August 1988 zum Patent an, wegen nicht bezahlter Gebühren endete der Patentschutz jedoch im November 2001.[28]

Spielstil[Bearbeiten]

Fischers Spiel zeichnete sich insbesondere durch Klarheit und enormen Kampfgeist aus, Kurzremisen kamen bei ihm nur sehr selten vor. Er war im Endspiel sehr stark und konnte auch geringe Vorteile gut verwerten. Er bevorzugte Stellungen, in denen er seinen Gegner unter Kontrolle hatte und Druck ausüben konnte, dabei vermied er unnötige Risiken. Seine Schwäche, an bestimmten Eröffnungen trotz wenig überzeugender Ergebnisse hartnäckig festzuhalten, konnte er im Lauf seiner Karriere weitgehend abstellen.[29]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Fischer erhielt in den Jahren 1970 bis 1972 jeweils den Schach-Oscar.

Trivia[Bearbeiten]

Fischer hat in mehreren Interviews erwähnt, dass es sein Traum sei, in einem Haus zu leben, welches „exakt wie ein (Schach-)Turm gebaut“ sein sollte.[30] In Anspielung auf dieses Zitat schrieb die englische Postrock-Band I Like Trains den Song „A Rook House for Bobby“,[31] in dem die Lebensgeschichte Fischers künstlerisch verarbeitet wird.

Bekannte Partien[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Bobby Fischer Teaches Chess. 1966
    • Bobby Fischer lehrt Schach. Ein programmierter Schachlehrgang. Bertelsmann-Ratgeberverlag, München/Gütersloh/Wien 1972, ISBN 3-570-06465-4; Neuausgabe Beyer, Hollfeld 2003, ISBN 3-88805-471-0
  • My 60 Memorable Games. 1969; Neuausgabe Batsford Ltd, 1995, ISBN 0-7134-7812-8
    • Meine 60 denkwürdigen Partien. Wildhagen, Hamburg 1972

Literatur[Bearbeiten]

  • Elie Agur: Bobby Fischer. Seine Schachmethode. Beyer, Hollfeld 1993, ISBN 3-89168-041-4
  • Christiaan M. Bijl: Die gesammelten Partien von Robert J. Fischer. 2. Aufl. Variant, Nederhorst den Berg 1986, ISBN 90-6448-515-1
  • Hans Böhm, Kees Jongkind: Bobby Fischer. The wandering king. Batsford, London 2004, ISBN 0-7134-8935-9
  • Frank Brady: Bobby Fischer, profile of a prodigy. McKay, New York 1973
  • Frank Brady: Endgame. Bobby Fischer’s remarkable rise and fall from America’s brightest prodigy to the edge of madness.[32] Crown, New York 2011. ISBN 978-0-307-46390-6 (deutsch: Endspiel – Genie und Wahnsinn im Leben der Schachlegende Bobby Fischer. Riva Verlag, München 2012. ISBN 978-3-86883-199-3)
  • Robert E. Burger: The chess of Bobby Fischer. San Francisco 1994
  • Wolfgang Daniel: Robert James Fischer: „Ich wollte unbedingt gewinnen!“ Zitate, Notizen, Stationen und Partien aus dem Leben eines Schachprofis. Schneidewind, Halle 2007, ISBN 978-3-939040-16-3
  • David Edmonds und John Eidinow: Wie Bobby Fischer den Kalten Krieg gewann. Die ungewöhnlichste Schachpartie aller Zeiten. DVA, München, ISBN 3-421-05654-4; Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-596-17168-2
  • Reuben Fine: Die Psychologie des Schachspielers.. Syndikat, Frankfurt 1982, ISBN 3-8108-0204-2 (darin Bobby Fischers Kampf um die Schachweltmeisterschaft. Psychologie und Taktik des Titelwettkampfs)
  • Johannes Fischer: Schachspieler, Sonderling, Genie. In: Karl. Nr. 2/02, S. 38
  • Robert Hübner: Weltmeister Fischer. ChessBase, Hamburg 2003 (CD-ROM), ISBN 3-935602-71-5
  • ders.: Materialien zu Fischers Partien. Rattmann, 2004, ISBN 3-88086-181-1
  • Garry Kasparov: My great predecessors. Part IV. Fischer, London 2004, ISBN 1-85744-395-0
  • Haye Kramer und Siep H. Postma: Das Schachphänomen Robert Fischer. 2. Aufl. Variant, Nederhorst den Berg 1982, ISBN 90-6448-508-9
  • Jerzy Konikowski und Pit Schulenburg: Fischers Vermächtnis. Joachim Beyer Verlag, Hollfeld 2003 (2. Auflage), ISBN 3-88805-478-8
  • Karsten Müller: Bobby Fischer: The Career and Complete Games of the American World Chess Champion. Russell, Milford 2009. ISBN 978-1-888690-59-0
  • Helgi Ólafsson: Bobby Fischer comes home. The final years in Iceland, a saga of friendship and lost illusions. New in Chess, Alkmaar 2012. ISBN 978-90-5691-381-6
  • Aleksander Pasternjak: Bobby Fischer. Copress-Verlag, München 1973; Nachdruck als Schach-Phänomen Bobby Fischer. Edition Olms, Zürich 1991, ISBN 3-283-00242-8
  • Andrew Soltis: Bobby Fischer rediscovered. Batsford, London 2003, ISBN 0-7134-8846-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bobby Fischer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ChessBase: Fischer versus FBI – FBI versus Fischer, 29. November 2002; siehe auch die Fotogalerie zu Fischer, in: Los Angeles Times, 21. September 2009
  2. Schachmatt. Wie Bobby Fischer - Schachweltmeister, Jude und Antisemit - sich selbst ins Aus manövrierte. Zentralrat der Juden in Deutschland. 11. Jahrgang Nr. 8 / 26. August 2011 – 26. Aw 5771
  3. The Times: Bobby Fischer, chess genius, heartless son, 28. Januar 2008
  4. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 75
  5. Chase's Calendar of Events 2008, Seite 31. ISBN 0-07-148903-7 (englisch), abgefragt am 7. Januar 2012
  6. Leonard Barden: Nachruf, in: The Guardian, 19. Januar 2008
  7. rochadekuppenheim.de
  8. Schach in der Pulvermühle
  9. Nachruf, in: Der Tagesspiegel
  10. Fischer über die Anschläge auf das WTC 11. September 2001 (MP3; 1,4 MB)
  11. Zu dem komplizierten, juristisch umstrittenen Vorgehen siehe u. a. hier
  12. Dirk Jan ten Geuzendam: A lone king has wandered off / They’ll do it every time. In: New In Chess, Ausgabe 2/2008. S. 21
  13. Andy Soltis am 14. November 2009 in der New York Post
  14. Laura Smith-Spark, Fischer 'put Iceland on the map', BBC News, 23. März 2005.
  15. Sara Blask, Bobby Fischer Read Here, The Smart Set, 21. Januar 2008.
  16. a b c ChessBase: Robert Fischers geheimes Begräbnis, 26. Januar 2008 (mit Fotografie der Grabstätte)
  17. Dirk Jan ten Geuzendam: A lone king has wandered off / They’ll do it every time. In: New In Chess, Ausgabe 2/2008. S. 13–15
  18. Dirk Jan ten Geuzendam: A lone king has wandered off / They’ll do it every time. In: New In Chess, Ausgabe 2/2008. S. 14–15
  19. Eigenwilliges Genie: Schachlegende Bobby Fischer ist tot. In: Zeit online, 18. Januar 2008
  20. Tissue sample obtained from Fischer’s grave, Chessbase.com, 5. Juli 2010
  21. spiegel.de, abgerufen am 2. September 2010
  22. Interview (letzte Passage)
  23. Bobby Fischer, chess genius, heartless son auf Timesonline
  24. Artikel (die zweite Hälfte widmet sich der Mutter) auf chessbase.de
  25. Telefoninterview, Baguio, Philippinen (MP3; 2,4 MB), 14. Januar 1999; auf seiner nicht mehr existenten Homepage veröffentlichte er mehrere antisemitische Tiraden, etwa die Aussage „The so-called 'Holocaust’ of the Jews during World War II is a complete hoax! It never happened. The Jews are liars.“, abgerufen 18. Januar 2008.
  26. Dirk Jan ten Geuzendam: They’ll do it every time. In: New In Chess 2/2008, S. 11.
  27. Edward Winter: Fischer’s fury auf chesshistory.com, 1999, mit Aktualisierungen
  28. Patent US4884255: Digital chess clock. Erfinder: Robert J. Fischer.
  29. Interview mit Karsten Müller, Chessbase.com, 21. Januar 2010
  30. The Atlantic: Bobby Fischer’s Pathetic Endgame, Dezember 2002
  31. A Rook House for Bobby, 2005
  32. Neues über Bobby in: ChessBase, 3. Juli 2011