Bochum-Stiepel

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Wappen von Bochum
Bochum-Stiepel
Stadtteil von Bochum
Lage von  im Süd
Koordinaten 51° 25′ 42″ N, 7° 14′ 33″ O51.428227.242393196Koordinaten: 51° 25′ 42″ N, 7° 14′ 33″ O
Höhe 196 m ü. NN
Fläche 12,83 km²
Einwohner 11.266 (31. Dez. 2008)
Bevölkerungsdichte 878 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Aug. 1929
Postleitzahl 44797 und 44795[1]
Gliederung
Bezirk Süd
Gemarkungen

Brockhausen, Haar, Schrick, Mittel-Stiepel, Ober-Stiepel, früher auch Buchholz

Quelle: [2][3]

Bochum-Stiepel ist ein Stadtteil im Süden Bochums, der nach Südosten und Süden hin durch die Ruhr nach Witten und Hattingen begrenzt wird. Insgesamt beträgt die Fläche Stiepels 12,46 km², womit er der größte Stadtteil Bochums ist. An der Kemnader Straße 302 a liegt mit 196 m über NN zugleich der höchste Punkt Bochums. An der Dorfkirche erreicht Stiepel eine Höhe von 110 m ü. NN, an der Ruhr 70 m ü. NN, somit existieren auf kurzer Strecke große Höhenunterschiede. Die Hauptverkehrsader ist die Kemnader Straße, die jedoch bis zur Hausnummer 39 im Stadtteil Weitmar liegt.

Südwestteil Stiepels mit Henkenberg, rechts auf halber Höhe die 1000 jährige Stiepeler Dorfkirche, im Vordergrund die Ruhr mit Wassergewinnungszonen. Blick von der Burg Blankenstein in Nordrichtung, Aufnahme 2008.

Stiepel wurde um 880 erstmals urkundlich erwähnt[4]. Schon um 1008 wurde die Stiepeler Dorfkirche errichtet. Zuvor hat Kaiser Otto III. dem Grafen Liutger, dem Ehemann von Gräfin Imma, den Hof Stiepel (Stipenloh) geschenkt. Imma vermachte das Hofgut Stiepel an den Bischof von Bremen. Im Laufe der Jahrhunderte gab es noch die vier Adelssitze Gut in der Becke, Haus Brüggeney, Haus Hasenkamp und Haus Munkenbeck. Die Herren von Kemnade empfingen den Oberhof im Jahre 1115. Im Jahre 1393 wird Wennemar Dücker (aus dem Salhof in der Becke) von Simon Edelherr zur Lippe mit dem Hof Stiepel belehnt. 1410 folgten die von Romberg. Von 1414 bis 1647 waren die von der Recke die Gerichtsherren des Hochgerichts Stiepel. Sie lebten auf Haus Kemnade. Der letzte Gerichtsherr war der Freiherr Friedrich von Syberg († 1847).

Die Reformation wurde 1596 durch den Pfarrer Henricus Kluvenbeck eingeführt, doch kam es später noch zu politischen Konflikten.

Der Bergbau verzeichnet im 18. Jahrhundert einen Aufschwung, 1755 verzeichnet man schon acht Zechen in Stiepel. Der Gerichtsherr verlangte ein Zehntel der Kohlenförderung. Für die Benutzung der Ruhrschifffahrt ab 1783 erhob Preußen ein Fünfzehntel der Kohle als Steuer.

Im 19. Jahrhundert soll der Bergmann Wilhelm Korte in Stiepel gelebt und eine achtköpfige Räuberbande gegründet haben, später nach Holland und von dort nach Amerika geflohen sein.

1000 Jahre Stiepeler Dorfkirche-Briefmarke von 2008

Am 1. August 1929 wurde die vor 1858 aus den damaligen Orten Brockhausen, Haar, Mitte-, Oberstiepel und Schrick gebildete eigenständige Gemeinde nach Bochum eingemeindet.[5] Der Landkreis Bochum wurde aufgelöst. Ein Jahr vorher wurde die 325 m lange Brücke über die Ruhr bei dem Wasserschloss Haus Kemnade eröffnet, die eine große Lastfähre ablöste.

Im Zuge der Gründung der Ruhr-Universität Bochum erfolgte im einst ländlichen Stiepel ein Bauboom. Dennoch bewahrte sich Stiepel viele Freiflächen. Die Einwohnerzahl von Stiepel beträgt zur Zeit ca. 11.500. Der Ausländeranteil liegt bei 2,2 % und ist damit der niedrigste in Bochum. Auch heute noch gilt Stiepel mit seinen weiten Südhangflächen parallel zur Ruhr als teuerste Wohnlage in Bochum. Ferner ist der Ort auch mit einem jährlichen Durchschnittseinkommen von 53.400 Euro der reichste Bochumer Stadtteil.

Zu den Sehenswürdigkeiten Stiepels zählen der Kemnader See, die Stiepeler Dorfkirche, das Kloster Stiepel der Zisterzienser und das heute geografisch zu Hattingen gehörende, aber im Eigentum der Stadt Bochum befindliche, Haus Kemnade. Vom Golfplatz eröffnen sich weite Ausblicke, sowohl über den Kemnader See Richtung Dortmund als auch über die Ruhr Richtung Witten und Blankenstein. Als Attraktion nennenswert ist noch die Herbstkirmes mit Viehmarkt (Erntedankfest und Totenfest), genannt Fliegenkirmes.

Zu den Gewässern zählen der Rantendeller Bach und der Knöselbach.


Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Eichholz, Gerhard Hagenkötter, Hermann Monstadt: Zwischen Korn und Kohle – Geschichte der Bauernhöfe in Stiepel, Stiepeler Verein für Heimatforschung e.V. (Hrsg.), 3satz-Verlag, Bochum 2012.
  • Heinz Winter: Königreich Stiepel, Hoose, Bochum 1987.
  • Heinz Winter: Von stipula bis Stiepel, 3. erweiterte Auflage, 1998.
  • Stiepel gestern und heute, Informationsschrift des Stiepeler Vereins für Heimatforschung e.V., Bochum, bis 25.2004 (Erscheinen eingestellt).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bochum-Stiepel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Postleitzahl 44795 ist vorwiegend für Weitmar vergeben, jedoch wurde diese auch dem an Weitmar angrenzenden nordwestlichen Bereich Stiepels zugeteilt.
  2. Statistisches Jahrbuch der Stadt Bochum 2006 (pdf)
  3. Die Einwohnerzahlen sind nach statistischen Bezirken und nicht nach den Gemarkungen angegeben, die Zahlen hierfür sind im Artikel Einwohnerentwicklung von Bochum
  4. Rudolf Kötzschke (Hrsg.): Die Urbare der Abtei Werden a. d. Ruhr (= Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde XX: Rheinische Urbare). Bd. 2: A. Die Urbare vom 9.-13. Jahrhundert. Hrsg. von Rudolf Kötzschke, Bonn 1908, Nachdruck Düsseldorf 1978, Bd. 3: B. Lagerbücher, Hebe- und Zinsregister vom 14. bis ins 17. Jahrhundert, Bonn 1908, Nachdruck Düsseldorf 1978, Bd. 4,I: Einleitung und Register. I. Namenregister. Hrsg. von Fritz Körholz, Düsseldorf 1978, Bd. 4,II: Einleitung, Kapitel IV: Die Wirtschaftsverfassung und Verwaltung der Großgrundherrschaft Werden. Sachregister. Hrsg. von Rudolf Kötzschke, Bonn 1958
  5.  Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 285.