Bodenwerder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bodenwerder
Bodenwerder
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bodenwerder hervorgehoben
51.9666666666679.516666666666776Koordinaten: 51° 58′ N, 9° 31′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Holzminden
Samtgemeinde: Bodenwerder-Polle
Höhe: 76 m ü. NHN
Fläche: 28,92 km²
Einwohner: 5621 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 194 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37619
Vorwahl: 05533
Kfz-Kennzeichen: HOL
Gemeindeschlüssel: 03 2 55 003
Adresse der
Stadtverwaltung:
Münchhausenplatz 1
37619 Bodenwerder
Webpräsenz: www.bodenwerder.de
Bürgermeisterin: Elke Perdacher (SPD)
Lage der Stadt Bodenwerder im Landkreis Holzminden
Hessen Nordrhein-Westfalen Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Hildesheim Landkreis Northeim Arholzen Bevern (Landkreis Holzminden) Bevern (Landkreis Holzminden) Bodenwerder Boffzen Boffzen Derental Derental Derental Derental Boffzen (gemeindefreies Gebiet) Brevörde Deensen Deensen Deensen Grünenplan (gemeindefreies Gebiet) Grünenplan (gemeindefreies Gebiet) Grünenplan (gemeindefreies Gebiet) Delligsen Dielmissen Eimen Eimen (gemeindefreies Gebiet) Eschershausen Eschershausen (gemeindefreies Gebiet) Eschershausen (gemeindefreies Gebiet) Fürstenberg (Weser) Golmbach Halle (Weserbergland) Hehlen Hehlen Heinade Heinade Heinade Heinsen Heyen Holenberg Holzen (bei Eschershausen) Holzminden Holzminden Holzminden (gemeindefreies Gebiet) Kirchbrak Lauenförde Lenne (Niedersachsen) Lüerdissen Merxhausen (gemeindefreies Gebiet) Negenborn Ottenstein (Niedersachsen) Pegestorf Polle Stadtoldendorf Vahlbruch Wangelnstedt Wenzen (gemeindefreies Gebiet)Karte
Über dieses Bild
Bodenwerder mit Weser
Bodenwerder bei Hochwasser der Weser
Gemeindewahl 2011[2]
Wahlbeteiligung: 49,72 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
50,39 %
39,40 %
10,20 %

Bodenwerder ist eine Kleinstadt im niedersächsischen Landkreis Holzminden und seit 2011 staatlich anerkannter Erholungsort. Sie trägt seit dem 25. Oktober 2013 den amtlichen Namenszusatz Münchhausenstadt als Geburtsort und langjähriger Wohnsitz des „Lügenbarons“ Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen. Die Stadt ist zudem Sitz der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle. Bis Ende 2010 hatte die Stadt den Status staatlich anerkannter Luftkurort.

Geografie[Bearbeiten]

Der Ort liegt zwischen Hameln und Holzminden an der Oberweser. Südöstlich davon liegt der Vogler. Bei Bodenwerder mündet die Lenne in die Weser.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Merian-Stich von Bodenwerder um 1654

In der Nähe des Klosters Kemnade entstand nach 960 n. Chr. auf einer Weserinsel gegenüber der Lennemündung eine Marktsiedlung mit Namen Insula (Werder, im ursprünglichen Sinne einer Insel in einem Fluss).

1245 kaufte Ritter Heinrich II. von Homburg vom Kloster Corvey die Siedlung und gab ihr am 29. Januar 1287 die Stadtrechte. Erste Erwähnung von „consules“ erfolgte 1284. 1289 existierte bereits eine wichtige Brücke über der Weser, die eine Verbindung zwischen den damaligen Hauptverkehrswegen zwischen Hameln-Paderborn und Einbeck-Frankfurt am Main herstellte.

Um 1340 entstand durch grundherrlichen Akt eines der Homburger Bodonen eine planmäßig erbaute Anlage mit Mauern und Türmen, daher die Ableitung zum heutigen Stadtnamen aus „Bodonis insula“, „Insel des Bodo“: „Bodenwerder“.

Nach dem Aussterben der Homburger 1409 gehörte die Stadt zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, 1521 endgültig nach der Hildesheimer Stiftsfehde zum Fürstentum Calenberg unter Erich I.

Ab 1418 erwarb die Stadt umfangreichen Forstbesitz im Vogler.

Zwischen 1460 und 1470 wurde die gotische Pfarrkirche St. Nikolai als dreischiffige Hallenkirche erbaut. Im Glockenturm befindet sich noch heute eine Glocke von 1471. 1542/43 wurde die Reformation eingeführt. In der Kirche befindet sich ein Taufstein von 1608. 1899/1900 wurde im Süden der Kirche ein neuer Chorraum geschaffen, 1960/62 erfolgte eine einschneidende Umgestaltung des Kirchenraumes mit Inventarien.

Statius von Münchhausen (1555–1633), ein Sohn des zu großem Reichtum gekommenen Feldobristen und Söldnerführers Hilmar von Münchhausen (1512–1573), ließ das Herrenhaus erbauen. Er bewohnte jedoch vorwiegend die von ihm ebenfalls errichteten, bedeutenden Schlösser Bevern und Leitzkau. Einen Bodenwerder ähnlichen Amtssitz erbaute er in Bolzum.

Einer seiner Nachfahren war Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen, Offizier in russischen Diensten, der sich 1750 auf sein Gut in Bodenwerder zurückzog und dort Freunden seine phantasievoll ausgeschmückten Jagd- und Soldatenabenteuer erzählte, die gegen seinen ausdrücklichen Willen von fremden Autoren, vor allem von Gottfried August Bürger, als Lügengeschichten erweitert und veröffentlicht wurden. Von 1810 bis 1813 gehörte die Stadt mit dem Kanton Bodenwerder zum Distrikt Rinteln (Leine) zum Königreich Westphalen.

1935 erwarb die Stadt das Herrenhaus des 1797 verstorbenen Barons Münchhausen und nutzt es bis heute als Rathaus. Sie integrierte ein zu besichtigendes Erinnerungszimmer an den berühmtesten Sohn der Stadt.

Während der Industrialisierung siedelten sich Binnenschiffswerften (darunter die Arminiuswerft) und Baustoffindustrien (unter anderem ab 1946 die Vereinigten Baustoffwerke Bodenwerder, ab 1961 bekannt mit der Weltmarke Rigips) an. Bodenwerder gehörte zu dieser Zeit zum Kurfürstentum Hannover (ab 1814 Königreich Hannover). Mit der Annexion Hannovers 1866 kam auch die Stadt Bodenwerder zu Preußen.

1886 wurde eine jodhaltige Solequelle erbohrt.

Religionen[Bearbeiten]

In Bodenwerder gibt es zwei evangelisch-lutherische Gemeinden (Pfarramt I und II) mit den Kirchen St. Nicolai und der Klosterkirche St. Marien in Kemnade. Weiter gibt es dort die römisch-katholische Pfarrei St. Maria Königin. Daneben existiert eine neuapostolische Kirchengemeinde. Außerdem gibt es eine freie evangelische Gemeinde mit dem Namen Generation Church – Kirche für alle Generationen.

Im Ortsteil Buchhagen befindet sich das kleine abgelegene, gebäudemäßig noch im Aufbau begriffene orthodoxe Dreifaltigkeitskloster. Es existiert seit Anfang der 1990er Jahre und ist das erste deutsche orthodoxe Kloster weltweit. Formal (kirchenrechtlich) untersteht es der Metropolie der bulgarisch-orthodoxen Diözese von West- und Mitteleuropa.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Buchhagen, Kemnade, Linse und Rühle eingegliedert.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1860: 1300 Einwohner
  • 1933: 1840 Einwohner
  • 1961: 3235 Einwohner (am Tag der Volkszählung, dem 6. Juni; mit den später eingemeindeten Orten: 5761 Einwohner)[3]
  • 1970: 3464 Einwohner (am Tag der Volkszählung, dem 27. Mai; mit den später eingemeindeten Orten: 5898 Einwohner)[3]
  • 1973: 5967 Einwohner (am Tag der Eingemeindungen, dem 1. Januar)
  • 1987: 6029 Einwohner (am Tag der Volkszählung, dem 25. Mai)
  • 1996: 6450 Einwohner
  • 2007: 5875 Einwohner[4]
  • 2008: 5762 Einwohner
  • 2010: 5582 Einwohner
  • 2011: 5546 Einwohner
  • 2012: 5544 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • seit 2012: Elke Perdacher (SPD)
  • 2004-2012: Friedrich-Wilhelm Schmidt (CDU)
  • 1996-2004: Hartmut Schüler (CDU)
  • 1981-1996: Karl-Gerhard Sievers (SPD)

...

  • 1957-: Fritz Sagebiel (SPD)


Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Münchhausen-Brunnen am Münchhausenmuseum
Früheres Herrenhaus (heute Rathaus) mit Münchhausen-Gedenkstätte

Museum[Bearbeiten]

  • Münchhausenmuseum

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Bismarckturm auf dem Eckberg (errichtet 1913, eingeweiht am 21. September 1913)
  • Romanische Klosterkirche St. Marien im Ortsteil Kemnade
  • Wehrkapelle gegenüber der Klosterkirche
  • Kapelle St. Gertrudis (Galerie Corvinus)
  • Stadtkirche St. Nicolai
  • Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung (Bastion und Torturm)

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Kirschblütenfest in der Rühler Schweiz (April)
  • Verleihung des Münchhausen-Preises (Mai)
  • Münchhausen-Spiel am Rathaus (jeden 1. Sonntag von Mai bis Oktober)
  • Münchhausen-Musical (jeden 2. und 4. Sonntag von Mai bis September)
  • Lichterfest an der Weser mit dem größten Höhenfeuerwerk Norddeutschlands (2. Samstag im August)
  • Schlossparkbeleuchtung im Hehlener Schloss (alle 2 Jahre im August)
  • StadtSpieleFest an der Promenade (3.Sonntag im August)
  • Pflastermaler-Wettbewerb in der Innenstadt (September)
  • Tag des offenen Denkmals (September)
  • Adventskonzert der Chöre in der Klosterkirche Kemnade (Dezember)
  • Sterntalermarkt (Dezember)
  • Kulturzentrum KulturMühle

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bodenwerder liegt an den Bundesstraßen 83 und 240 und an der Landesstraße 587 sowie am Weserradweg.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Am 9. Oktober 1900 wurde die Bahnstrecke Vorwohle–Bodenwerder–Emmerthal mit den Bahnhöfen Buchhagen, Bodenwerder-Linse und Bodenwerder-Kemnade eröffnet. Seit 1982 ist der Personenverkehr eingestellt, der Güterverkehr seit 2000.

Unternehmen[Bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Wertstoffsammelplatz der Abfallwirtschaft des Landkreises Holzminden in Kemnade (seit 1991)
  • Ortsfeuerwehr Bodenwerder

Bildung[Bearbeiten]

  • Städtischer Kindergarten
  • Evangelischer Kindergarten
  • Grundschule Bodenwerder
  • Oberschule Bodenwerder
  • Münchhausenschule – Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. http://wahlen.kds.de/2011kw/Daten/255408_000020/index.html
  3. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 212.
  4. Bevölkerung der Gemeinden Niedersachsens am 30. Juni 2007 (PDF-Datei; 568 kB)

Literatur[Bearbeiten]

Die Landschaft um Bodenwerder ist Schauplatz von Wilhelm Raabes Roman „Alte Nester“ von 1881.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bodenwerder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bodenwerder – Reiseführer