Bodnegg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bodnegg
Bodnegg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bodnegg hervorgehoben
47.719.6894444444444620Koordinaten: 47° 43′ N, 9° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Ravensburg
Gemeindeverwal-
tungsverband:
Gullen
Höhe: 620 m ü. NHN
Fläche: 24,56 km²
Einwohner: 3122 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 127 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88285
Vorwahl: 07520
Kfz-Kennzeichen: RV
Gemeindeschlüssel: 08 4 36 018
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchweg 4
88285 Bodnegg
Webpräsenz: www.bodnegg.de
Bürgermeister: Christof Frick
Lage der Gemeinde Bodnegg im Landkreis Ravensburg
Bayern Bodenseekreis Landkreis Biberach Landkreis Sigmaringen Achberg Aichstetten Aitrach Altshausen Amtzell Argenbühl Aulendorf Bad Waldsee Bad Wurzach Baienfurt Baindt Berg (Schussental) Bergatreute Bodnegg Boms Boms Ebenweiler Ebersbach-Musbach Eichstegen Eichstegen Fleischwangen Fronreute Grünkraut Guggenhausen Guggenhausen Guggenhausen Guggenhausen Horgenzell Hoßkirch Isny im Allgäu Kißlegg Königseggwald Königseggwald Leutkirch im Allgäu Ravensburg Riedhausen Schlier (Gemeinde) Unterwaldhausen Vogt (Gemeinde) Waldburg (Württemberg) Wangen im Allgäu Weingarten (Württemberg) Wilhelmsdorf (Württemberg) Wolfegg Wolpertswende BodenseeKarte
Über dieses Bild

Bodnegg ist eine Gemeinde mit 98 Weilern bzw. Höfen (Vereinödung im 18. Jahrhundert) im Landkreis Ravensburg in Baden-Württemberg.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Blick nach Süden auf Bodnegg vom Kirchberg aus

Bodnegg liegt am Übergang von Oberschwaben zum Westallgäu in 519 bis 700 Meter Höhe, jeweils etwa 15 km von der Kreisstadt Ravensburg, von Wangen im Allgäu und von Tettnang entfernt.

Vom Kirchberg aus (640 m ü. NN) sind der Bodensee und Berge sowohl der Schweiz (z.B. der Säntis), Österreichs (z.B. der Hohe Freschen) wie des bayerischen Allgäus (z.B. der Hochgrat) zu sehen.

Nachbargemeinden sind im Landkreis Ravensburg die Stadt Ravensburg, die Gemeinden Amtzell, Grünkraut und Waldburg; im Bodenseekreis die Stadt Tettnang und die Gemeinde Neukirch.

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Im Gemeindegebiet sind vier Naturschutzgebiete (Auweiher, Herzogenweiher, Pfaumoos, Niggelmoos und Bei der Schleife und Quellmoore bei Englisreute) sowie ein Landschaftsschutzgebiet (Jungmoränenlandschaft zwischen Amtzell und Vogt) ausgewiesen. (Stand: 1. April 2010)

Geschichte[Bearbeiten]

Über die Herkunft des Namens Bodnegg, mundartlich „Burneck“ oder „Bunneck“ ausgesprochen, wird gerätselt. Während die Nachsilbe „-egg“ als Bergvorsprung gedeutet wird, ranken sich um die erste Silbe „Bod-“ mehrere Deutungsversuche, bis hin zu einer Ableitung aus dem keltischen Wort „burren“, was einen kleinen runden Hügel bedeute.

Bereits im 12. Jahrhundert besitzt das Kloster Weißenau einen „curtem in Bodnegge“, also einen Hof in Bodnegg. 1357 verkauft Truchsess Eberhard III. von Waldburg einige Höfe an das Kloster Weingarten. 1463, 1470 und 1486 erwirbt das Kloster Weißenau viele weitere Güter, 1473 wird ihm die Pfarrei Bodnegg einverleibt.

Im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wird das Kloster säkularisiert und fällt an den Grafen von Sternberg-Manderscheid. Die meisten Güter, also auch die in Bodnegg, fallen an die Landvogtei Schwaben und somit an Österreich, jedoch bereits 1806 an das von Napoléon Bonaparte zum Königreich erhobene Württemberg. Bodnegg wird 1806 dem württembergischen Oberamt Altdorf zugeteilt, 1810 kommt es zum neu gegründeten Oberamt Ravensburg (seit 1934 Landkreis Ravensburg).

Der Hauptort Bodnegg war bis in das 20. Jahrhundert nur ein kleiner Weiler mit rund 50 Einwohnern, der vor allem als kirchliches Zentrum für die vielen einzelnen Höfe der Umgebung diente. Die Bevölkerungszahl der Gemeinde wird um 1840 mit 1408 angegeben, 1910 zählt sie 1660 Einwohner. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort durch den Bau mehrerer Neubaugebiete zu einer größeren Wohngemeinde.

Pfarrkirche St. Ulrich und Magnus in Bodnegg (Südseite)
Inneres der Pfarrkirche St. Ulrich und Magnus

Religion[Bearbeiten]

Pfarrhaus Bodnegg

Bodnegg ist wie das gesamte Umland römisch-katholisch geprägt. Die Gemeinde ist Sitz der Pfarrei St. Ulrich und Magnus in der Seelsorgeeinheit Vorallgäu (mit den Kirchengemeinden Grünkraut, Schlier und Unterankenreute). Bodnegg gehört zum 2007 gebildeten Dekanat Allgäu-Oberschwaben.

Die evangelischen Christen in Bodnegg sind Mitglieder der Kirchengemeinde Atzenweiler, die zum Dekanat Ravensburg gehört. Die Weiler Hinterberg und Schmitten gehören allerdings zur Kirchengemeinde Wangen.

Politik[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist Mitglied im Gemeindeverwaltungsverband Gullen mit Sitz in Grünkraut.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahlen vom 13. Juni 2004 und vom 7. Juni 2009 brachten folgendes Ergebnis:

Listenverbindung 13. Juni 2004 +/- Sitze 7. Juni 2009 +/- Sitze
FWG 55,3 % (-17,5) 8 36,8 % (-18,5) 5
Bürgerliste 20,7 % (-6,5) 3 0 (-20,7) 0
FWV 0 - - 38,7 % (+38,7) 6
Mensch & Umwelt (MUT) 24,0 % (+24,0) 3 24,5 % (+0,5) 3

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Goldener Dreiberg auf blauem Grund, darüber ein silbernes Schwert mit zwei schräggekreuzten goldenen Schlüsseln.

Die Symbole des Wappens, Schwert und Schlüssel (Attribute der Heiligen Petrus und Paulus) befinden sich auch im Wappen des ehemaligen Klosters Weißenau. Sie sollen darauf hinweisen, dass Bodnegg ab dem 15. Jahrhundert zum Kloster Weißenau gehörte. Der Dreiberg deutet auf die exponierte Lage der Kirche hin.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Bodnegg pflegt eine rege Partnerschaft mit dem Schweizer Ort Vouvry. Diese Partnerschaft wurde von den Schulen der beiden Gemeinden ins Leben gerufen, um den Schülern des Bildungszentrums Bodnegg die französische Sprache näherzubringen. Praktisch wird dies in Form eines Schüleraustauschs umgesetzt, in dessen Rahmen die Schüler auf deutscher wie auf Schweizer Seite jeweils drei Wochen in einer Gastfamilie der Partnergemeinde leben. Inzwischen hat sich daraus auch auf Vereins- und kommunalpolitischer Ebene ein reges gegenseitiges Interesse entwickelt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

  • Schulen: An der 1968 gegründeten Ganztagesschule Johann-Baptist-von-Hirscher-Bildungszentrum werden über 900 (2009/10) Schülerinnen und Schüler in den Schularten Grundschule, Hauptschule mit Werkrealschule und Realschule unterrichtet. Die eigenständige Lindenschule ist eine Förderschule für Kinder mit stark erhöhtem Förderbedarf.
  • Kindergärten: St. Martin und St. Elisabeth in kirchlicher Trägerschaft.
  • Bücherei: Öffentliche Gemeindebücherei - Katholische Öffentliche Bücherei - im Bildungszentrum Bodnegg. Gegründet als Pfarrbücherei im Jahr 1949, steht die Bücherei seit 1968 unter dreifacher Trägerschaft, welche die öffentliche mit der schulischen Nutzung verbindet. Als Bücherei der Grundversorgung (seit 1974) umfasst der Bestand gegenwärtig rund 9.000 Titel. Seit 2005 ist die Bücherei im Pavillongebäude des Bildungszentrums in neuen Räumen untergebracht.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Brotweible der Narrenzunft Bodnegg
Der Bodnegger Brotfresser

Bauwerke[Bearbeiten]

Hervorragende Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen der Gemeinde sind die auf dem Kirchberg gelegene weithin sichtbare barocke Pfarrkirche St. Ulrich und Magnus und das dazugehörige Pfarrhaus.

Auf dem Gemeindegebiet gibt es außerdem zwei Kapellen:

  • Kapelle St. Maria und Wendelin in Oberwagenbach, gestiftet 1866 von Theresia Leute, mit barocken Ausstattungsstücken aus der Bodnegger Pfarrkirche
  • Kapelle St. Agatha in Hinterhargarten, erbaut in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Im Ortszentrum weist der Brunnen mit dem „Bodnegger Brotfresser“ auf den sprichwörtlichen schwäbischen Geiz der Bodnegger und die entsprechende Angst der Nachbargemeinden, wenn bei Gemeindefesten die Bodnegger anrückten und das Brot, das es meist als Beilage umsonst gab, am liebsten ohne die zu bezahlenden „Hauptspeisen“ (z. B. Fleisch) vertilgten.

Vereinsleben[Bearbeiten]

  • Der Verein [boku] organisiert ein Jahresprogramm für gehobene Unterhaltung aus Theater, Wort und Musik.
  • Die Musikkapelle Bodnegg ist eine Trachtenkapelle mit derzeit rund 70 aktiven Musikanten.
  • Der Verein zur Förderung der Jugendarbeit in Bodnegg e.V. organisiert das Sommerferienprogramm mit ca. 12 Einzelaktionen und einem einwöchigen Hüttenaufenthalt, bei dem jährlich 80 Kinder und Jugendliche mitgehen.
  • Treibende Kraft der schwäbisch-alemannischen Fasnet ist die Narrenzunft Bodnegg mit den Narrenfiguren „Brotfresser“ und „Brotweible“.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bodnegg. Ein Blick zurück. Mit Texten von Franz Schellinger. Geiger, Horb am Neckar 1985 (Bildband mit historischen Ansichten)
  • Agnes Moosmann: Chronik der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen und Vermissten der Gemeinde Bodnegg 1939-1945. 2005, ISBN 3-89570-893-3
  • Chronik des Kreises Ravensburg. Landschaft, Geschichte, Brauchtum, Kunst. Chroniken-Verlag Boxberg, Hinterzarten 1975
  • Otto Beck: Katholische Pfarrkirche Sankt Ulrich und Magnus in Bodnegg. (= Kunstführer; Bd. 1665). Schnell & Steiner, München 1989
  • Reiner Falk: Gemeindewappen aus dem Landkreis Ravensburg. Baienfurt, Baindt, Berg, Bergatreute und Bodnegg. In: Im Oberland, 6. Jg. 1995, Heft 1, S. 52–55
  • Agnes Moosmann: Barfuß - aber nicht arm. Kindheit und Jugend in Bodnegg. 5. Auflage. Thorbecke, Sigmaringen 2000, ISBN 3-7995-1661-1
  • Agnes Moosmann: Dort, wo im Süd des schönen Schwabenlandes.... Bodnegger Sagen und ein Stück Pfarrgeschichte, Selbstverlag 2009, ISBN 978-3-00-028851-7
  • Oskar Sailer (Hrsg.): Der Kreis Ravensburg. Theiss, Stuttgart 1976 ISBN 3-8062-0145-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bodnegg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)