Body and Soul

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Body and Soul ist der Titel eines der meist gecoverten Jazz-Standards, dessen Musik 1930 von John W. Green komponiert wurde.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

John W. „Johnny“ Green hatte in Harvard Volkswirtschaft studiert, aber konnte größere Erfolge als Komponist feiern. Bereits im Alter von 19 Jahren brachte er 1928 am Broadway sein erstes Werk heraus, Coquette für Guy Lombardo. In London traf Green 1929 auf die englische Schauspielerin Gertrude Lawrence, die nach Songmaterial für ihre Bühnenauftritte suchte. Green arbeitete zu jener Zeit mit den Textern Edward Heyman und Robert Sour zusammen. Diese fertigten einen leidenschaftlichen, manchmal verzweifelten Text zu seinem Melodiekonzept. Nun brauchte der Song noch einen Titel, und Heyman erdachte „Body and Soul“. Das musste nun auch im Text aufgegriffen werden. „I’m all for you / Body and Soul“. Das genaue Entstehungsjahr des Songs ist nicht nachweisbar.[1] Der Musikverlag Chappell & Co. Ltd. in London meldete jedenfalls die Komposition im Februar 1930 nur unter der Bedingung zum Copyright an, dass ihr Angestellter Frank Eyton als Mitautor erwähnt wird – ein damals übliches „Cut In“. Mitkomponist Robert Sour war erstaunt: „Der hat noch nicht mal ein Komma geändert“.[2] [3] Begeistert über die fertige Komposition, übernahm Lawrence den Song.[4] Komponist Green begleitete Lawrence am Piano und hatte den Song speziell für sie geschrieben.

Das musikalische Thema umfasst 32 Takte und wird in der Liedform AABA gespielt. Der Übergang zum Mittelteil zeichnet sich durch einen abrupten Tonartwechsel aus. Das Tempo ist molto moderato. Der Text ist aus Sicht einer Person geschrieben, die sich aus Kummer für eine andere Person verzehrt, die dieses nicht bemerkt:

Mein Herz ist traurig und einsam
Ich weine um Dich
Um Dich, Liebes, nur um Dich
Wirklich, das meine ich
Alles von mir gehört Dir
Körper und Seele[5]

Originalversion[Bearbeiten]

Jack Hylton Orchestra - Body and Soul

Unklar ist, wer als Original-Interpret gilt. Aus musikologischer Sicht ist das Original die Erstfassung einer bisher noch nicht im Tonstudio aufgenommenen Komposition (siehe Coverversion). Gertrude Lawrence sang ihn zwar auf der Theaterbühne und im Radio, hatte ihn zunächst jedoch nicht im Tonstudio aufgenommen. Das Original stammt sehr wahrscheinlich vom berühmten englischen Bandleader Jack Hylton, der den Song erstmals am 7. Februar 1930 in London mit seinem Orchester aufnahm, sogar einige Wochen vor der Registrierung des Copyrights. Veröffentlicht wurde jedoch Hyltons zweite Aufnahme vom 14. Februar 1930 aus der Londoner Queen‘s Small Hall. Es sang Pat O’Malley, die B-Seite With A Song in My Heart entstand am 25. Februar 1930 ebenfalls in London. Die Single erschien im März 1930 (Victor #36027). Body and Soul wurde daher zuerst in England veröffentlicht und durch Gertrude Lawrence auf der Bühne vorgestellt.[6]

Wichtige Coverversionen[Bearbeiten]

Coleman Hawkins - Body and Soul

Zahlreiche Coverversionen kamen noch im Jahre 1930 auf den Markt, weil die Konstruktion des Songs mit einem Dur-Moll-Wechsel sehr attraktiv war. Zudem bestand er aus komplexen Akkordfolgen, und Tempiwechsel überlassen den Interpreten einen großen Spielraum für Improvisationen. Für Sängerinnen und Sänger war die Vokalfassung wegen des erforderlichen Stimmumfangs schwer zu singen, doch wagten sich Sänger Sam Browne mit Ambrose and his Orchestra am 8. Februar 1930 und Carrol Gibbons & the Playmates am 19. Februar 1930 im Londoner Tonstudio[7] an das gesanglich schwierige Material heran. Lawrence selbst nahm ihn erst Ende März 1930 zweimal auf. Sowohl Original als auch die ersten Coverversionen entstanden daher in England.

Johnny Green & Orchestra - Body and Soul

Die Komposition des Amerikaners Green gelangte erst im Herbst 1930 in die USA. Dort brachte Paul Whiteman mit Sänger Jack Fulton (Aufnahmedatum: 10. September 1930) im Oktober 1930 die weitaus kommerziellste Fassung heraus, denn sie belegte die erste Position der Hitparade für 6 Wochen. „Whiteman hat den Song vergöttert“, sagte Green. Paul Whiteman empfand umgekehrt eine große künstlerische Zuneigung für den Komponisten Green.

Eine Vielzahl weiterer Fassungen gelangte kurz hintereinander auf den US-Markt, so von Helen Morgan (12. September 1930), Ruth Etting (18. September 1930; Rang 10) oder Annette Hanshaw (7. Oktober 1930; Rang 12). Louis Armstrong & His Sebastian New Cotton Club Orchestra nahm den Titel am 9. Oktober 1930 auf (Rang 7). Sängerin Libby Holman ließ das Stück im September 1930 verewigen[8] und präsentierte ihn ab 15. Oktober 1930 als Teil der Broadway-Revue There’s A Crowd, die es auf 272 Aufführungen brachte. Der von Libby Holman in der Show gesungene Song war einer der herausragenden Stücke dieser Show. Libby Holmans Version brachte es bis auf Rang 3 der Charts und erreichte damit die zweitbeste Platzierung. Mit dem Original erschienen im Jahre 1930 insgesamt 13 Versionen, wovon 6 noch 1930 in die Hitparade gelangten. Für fast ein Jahr wurde der Song wegen seines sexuell orientierten Textes im Radio nicht gespielt. Das Wort „body“ (Körper) war dem NBC-Radio zu riskant, so dass vorerst alle Vokalversionen kein Airplay erhielten. Die Zensur wurde erst aufgehoben, als die Zeile „My life, a hell you’re making“ in „My life, a wreck you’re making“ geändert wurde.[9]

Als musikalisch bemerkenswert gilt die Aufnahme von Tenorsaxophonist Coleman Hawkins vom 11. Oktober 1939. Hawkins war 1934 zu einer 5 Jahre dauernden Europa-Tournee aufgebrochen, die ihn erst kurz vor dem Aufnahmetermin im Oktober 1939 in die USA zurückführte.[10] Der in einem Take (One-take) aufgenommene Instrumentalsong mit seinen typischen Legato-Phrasierungen machte Body and Soul nach Veröffentlichung im Dezember 1939 zu einem Jazz-Standard und Evergreen.[11] Gleichzeitig transformierte Hawkins die romantische Ballade zu einem Demonstrationssong für fortschrittliches Solo-Saxophonspiel.[12] Eine weitere Besonderheit hierbei war, dass erstmals ein Saxophon-Solo über eine komplette Schallplattenseite reichte, da Hawkins über die volle Länge des Stückes improvisierte. Obwohl lediglich Rang 13 in der Hitparade herauskam, wurden etwa 100.000 Exemplare innerhalb der ersten 6 Monate seiner Veröffentlichung verkauft; insgesamt entwickelte sich die Hawkins-Fassung zum einzigen Millionenseller dieses Titels.[13] Das Magazin Down Beat kürte Hawkins noch im selben Jahr zum „besten Tenorsaxophonisten“.[14] Komponist Johnny Green & His Orchestra (mit Green am Piano) nahm den Song erst am 13. August 1944 auf (Decca 23902).

Zu den Vokalfassungen in der Frühphase des Songs gehörten die von Billie Holiday (29. Februar 1940), Frank Sinatra (9. November 1947) oder Sarah Vaughan (18. Juli 1946 mit dem George Treadwell Orchestra[15]). Weitere Instrumentalversionen brachten Henry „Red“ Allen (29. April 1934; Rang 17), das Benny Goodman-Trio (13. Juli 1935; Rang 5), Chu Berry & Roy Eldridge (10. November 1938), Jimmy Dorsey (23. Juni 1939), Charlie Parker (28. Februar 1943), Nat King Cole-Trio (17. Januar 1944), Wes Montgomery (12. Oktober 1960) oder John Coltrane (24./26. Oktober 1960) heraus. Nahezu jede berühmte Jazzband nahm den Song in ihr Repertoire.

Beim Duett zwischen Amy Winehouse und Tony Bennett trafen zwei unterschiedliche Generationen für Body and Soul zusammen. Aufgenommen haben sie den von Phil Ramone produzierten Song am 23. März 2011 in den Abbey Road Studios - Amys letzte Studioaufnahme vor ihrem Tod am 23. Juli 2011.

Statistik[Bearbeiten]

Der Titel ist bei der ASCAP registriert, die lediglich 184 Versionen auflistet.[16] Sie erwähnt dabei nicht Frank Eyton als Mitautor. Diese offizielle urheberrechtliche Auflistung entspricht nicht der Anzahl der wahrscheinlich aufgenommenen Versionen. Secondhandsongs kommt auf 429 Versionen.[17] Im Billboard schätzte Mitautor Sour im Januar 1972, dass 2.000 Versionen aufgenommen worden seien,[18] das Songbook geht davon aus, dass bis heute fast 3.000 Versionen von Body and Soul existieren.[19] Damit gehört dieser Jazz-Titel zu einem der meist gecoverten Stücke der Jazz- und Popmusik.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dietrich Schulz-Köhn, I Got Rhythm: 40 Jazz-Evergreens und ihre Geschichte, 1994, S. 82
  2. Will Friedwald, Stardust Melodies, 2002, S. 150
  3. Bob Bernotas, A Jazz Masterpiece: „Body And Soul“ by Coleman Hawkins, 2010
  4. Joshua Barrett, Louis Armstrong & Paul Whiteman: Two Kings of Jazz, 2004, S. 176
  5. Text von Body and Soul (englisch)
  6. Don Rayno, Paul Whiteman: Pioneer in American Music, 2012, S. 8
  7. Ross Laird, Tantalizing Tingles, 1995, S. 69
  8. Ross Laird, Moanin‘ Low, 1996, S. 268
  9. Gerald Nachman, Raised on Radio, 2000, S. 179
  10. Alyn Shipton, Jazz-Makers: Vanguards of Sound, 2002, S. 88
  11. Schulz-Köhn, a.a.O., S. 85
  12. Ted Gioia, The Jazz Standards, 2012, S. 46 ff.
  13. Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 29
  14. Henry Martin/Keith Waters, Jazz: The First 100 Years, Band 1, 2006, S. 167
  15. Denis Brown, Sarah Vaughan: A Discography, 1991, S. 5
  16. ASCAP, Eintrag Body And Soul
  17. Socondhandsongs über Body & Soul
  18. Billboard-Magazin vom 29. Januar 1972, Sour Writing Again – Body & Soul, S. 3
  19. Songbook über Body And Soul